Sie kommen ungefragt, aber manchmal gerade recht: Unkräuter mit einem Hang zur Gartengestaltung, die zielsicher eine Lücke im Beet finden, in die sie sich quetschen können, und dann auch noch aussehen, als wäre das geplant gewesen. Sowas ist toll und wird vor Publikum gerne als grüner Daumen und als natürlich gewollt von unserer Seite verkauft - wer könnte als Außenstehender schon zweifelsfrei Zufall von Planung unterscheiden?
Und falls die von vielen Menschen Unkraut genannten Blümchen von Hause aus nicht gut genug aussehen und keinen Schönheitswettbewerb gewinnen könnten, hat hoffentlich ein findiger Gärtner adrette Sorten entdeckt, die über jeden Zweifel erhaben sind.
Hier meine absoluten Lieblingsunkräuter, die einem nicht den letzten Nerv rauben und die ein oder andere Schokoladenseite zeigen:
- Auf Platz eins das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), das zu dieser Jahreszeit im Austrieb begriffen ist und mit seinen glänzenden Blättern die Herrschaft im Beet anstrebt. Man wird es nie wieder los und kann bis zur Selbstaufgabe an ihm herumjäten. Dabei blüht es so schön gelb und verschwindet im Mai sowieso wieder unter der Erde, ab dann lässt es anderen den Vortritt. Schmetterlinge und die ersten Wildbienen der noch jungen Gartensaison lieben die Blüten. Über jeden Zweifel erhaben ist die Sorte 'Brazen Hussy', die mit ihren dunklen Blättern statt Mordgelüsten eher Heißhunger auf Schokolade weckt. Die Blüten sind immer noch gelb, was spektakulär zum Laub aussieht.
- Auch sehr schön ist der Feinstrahl (Erigeron annuus). Einst als Zierpflanze aus Nordamerika eingeführt wurde er bald zum Unkraut degradiert, da er sich in alle Beete schummelte. Die einjährige Art macht sich im Garten aber dünn und kann mit ihren monatelang erscheinenden weißen oder rosafarbenen Blüten mit gelbem Zentrum federleichte Akzente setzen. Im Herbst färben sich auch noch die Blätter bunt. Insekten lieben die Pflanze sehr, vor allem kleine Wildbienen. Kümmern muss man sich um den Feinstrahl nicht, er sät sich auf offenem Boden selbst aus und eignet sich zum Blackbox-Gardening.
- Der Kriechende Günsel (Ajuga reptans) hat ein ähnliches Schicksal wie das Scharbockskraut: Eigentlich ein ausläufertreibendes Unwesen auch in schattigeren Bereichen, wird er mit gefärbtem Laub zur begehrten Handelsware. Die Sorte 'Atropurpurea' mit violettem Laub ist die häufigste, 'Black Scallop' ist fast schwarz, 'Burgundy Glow' geht ins Pinkfarbene. 'Pink Lightning' hat rosa Blüten und weißbunte Blätter. Der Günsel sollte öfter als Bodendecker für den halbschattigen Gehölzrand gepflanzt werden, sehr zur Freude von Hummeln und Schmetterlingen.
- Eine weitere Pflanze, die sich spontan an der Gartengestaltung beteiligt, ist das Schöllkraut (Chelidonium majus). Es blüht ewig in gelb und gibt einen orangen Milchsaft ab, wenn es geknickt ist. Flecken auf der Haut bleiben lange erhalten und erinnern uns an die Begegnung. Dafür ist es aber auch leicht gejätet und treibt an dem Platz auch nicht mehr aus. Ich lasse immer ein bisschen Schöllkraut-Wildwuchs für die Hummeln stehen. Die Sorte 'Pleniflorus' hat gefüllte Blüten, die die Insekten aber nicht komplett verprellen.
Was sind eure Lieblingsunkräuter?



