Im Winter einen botanischen Garten anschauen - ist das nicht völlig hirnverbrannt? Was soll denn da schon groß blühen? Oder überhaupt grün sein? Die Jahreszeit wird doch auch liebevoll "die graue" genannt und das nicht ohne Grund?
Also alles Schmuddel und gähnende Langeweile im botanischen Garten? Ich habe mir mal wieder den in Klein Flottbek, Hamburg, vorgenommen. Den kannte ich bisher nur im Sommer. Da hat sich einiges getan, der Rosengarten ist eine riesige Baustelle, die tatsächlich grau in grau daherkommt, wie es sich im Winter gehört. Der große Teich ist abgelassen und riecht ein bisschen nach Wattenmeer.
Trotzdem gibt es einiges zu sehen - in Farbe und bunt: Diese blonde Mähne ist zum Beispiel Tautropfengras (Sporobolus) - nicht mehr taufrisch, aber immer noch zierend:

Eintritt kostet der Garten immer noch keinen, allerdings prangt gleich hinter dem Eingang ein mahnendes Schild: Man darf keine Samen oder Pflanzenteile mitnehmen. Klar, verständlich. Doch auch etwas mitzunehmen, was gejätet und elendig auf dem Weg herumliegt und vermutlich in Bälde sowieso Kompost ist, ist bei Strafe verboten. Oha! Warum das wohl sein musste? Hat etwa jemand Bambusstäbe am laufenden Meter da raus getragen, die abgeschnitten herumlagen? Man weiß es nicht, aber man weiß sich danach zu beherrschen.
Zum Glück lag sowieso nichts Verführerisches auf dem Weg rum. Stattdessen trillerte ein Schwarm Seidenschwänze in den Bäumen und hat sich die Mistelbeeren schmecken lassen. Da war ich ja schon mal begeistert und etwas versöhnt nach der strengen Ermahnung auf dem Schild.
Das schöne am Winter ist ja, dass man den Garten fast für sich alleine hat. Und die Pflanzen gaben sich alle nur erdenkliche Mühe, in allen anderen Farben als Grautönen zu leuchten. Worauf ja immer Verlass ist, ist Kohl. Der lässt sich von ein bisschen Frost nicht beeindrucken.
Der Grünkohl sah aus wie eine Herde Muppetshow-Marionetten, untenrum abgeerntet mit einer lustigen Frisur oben drauf.
Und dann, im nächsten Staudenbeet: Lila Leuchten zwischen all den Brauntönen! Unglaublich, die Pflanze ist der Hit selbst im Winter. Leider war kein Schild eindeutig zu finden, vielleicht ist es Gelenkblume, vielleicht was anderes.
Im amerikanischen Abteil Yucca flaccida mit Gilbgras (Chloris x subdolichostachya), in Englisch passender Shortspike Windmill Grass genannt.
Und dann doch noch winterliches Grau: Die arme Gunnera muss zu ihrem eigenen Schutz die eigenen abgetragenen Blätter als Wintermantel anziehen - verkehrt herum. Sieht ein bisschen aus wie etwas desolate Tipis, aber Hauptsache warm:
Warme Farben gibt es dann wieder im Blumenbeet, wo die Strohblume in der ihr eigenen Unvergänglichkeit leuchtet wie ein Lagerfeuer.
Im Winter sieht man die Strukturen der geschnittenen Bäume viel besser, ob Kopfweide oder Spalierobst.
War auch im Winter schön, der Besuch in Klein Flottbek. Ich habe auch nichts mitgenommen, ich schwöre!






























