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Samstag, 4. Januar 2020

Botanischer (Winter-)Garten

Im Winter einen botanischen Garten anschauen - ist das nicht völlig hirnverbrannt? Was soll denn da schon groß blühen? Oder überhaupt grün sein? Die Jahreszeit wird doch auch liebevoll "die graue" genannt und das nicht ohne Grund?

Also alles Schmuddel und gähnende Langeweile im botanischen Garten? Ich habe mir mal wieder den in Klein Flottbek, Hamburg, vorgenommen. Den kannte ich bisher nur im Sommer. Da hat sich einiges getan, der Rosengarten ist eine riesige Baustelle, die tatsächlich grau in grau daherkommt, wie es sich im Winter gehört. Der große Teich ist abgelassen und riecht ein bisschen nach Wattenmeer.

Trotzdem gibt es einiges zu sehen - in Farbe und bunt: Diese blonde Mähne ist zum Beispiel Tautropfengras (Sporobolus) - nicht mehr taufrisch, aber immer noch zierend:
 




Eintritt kostet der Garten immer noch keinen, allerdings prangt gleich hinter dem Eingang ein mahnendes Schild: Man darf keine Samen oder Pflanzenteile mitnehmen. Klar, verständlich. Doch auch etwas mitzunehmen, was gejätet und elendig auf dem Weg herumliegt und vermutlich in Bälde sowieso Kompost ist, ist bei Strafe verboten. Oha! Warum das wohl sein musste? Hat etwa jemand Bambusstäbe am laufenden Meter da raus getragen, die abgeschnitten herumlagen? Man weiß es nicht, aber man weiß sich danach zu beherrschen.

Zum Glück lag sowieso nichts Verführerisches auf dem Weg rum. Stattdessen trillerte ein Schwarm Seidenschwänze in den Bäumen und hat sich die Mistelbeeren schmecken lassen. Da war ich ja schon mal begeistert und etwas versöhnt nach der strengen Ermahnung auf dem Schild.



Das schöne am Winter ist ja, dass man den Garten fast für sich alleine hat. Und die Pflanzen gaben sich alle nur erdenkliche Mühe, in allen anderen Farben als Grautönen zu leuchten. Worauf ja immer Verlass ist, ist Kohl. Der lässt sich von ein bisschen Frost nicht beeindrucken.

Der Grünkohl sah aus wie eine Herde Muppetshow-Marionetten, untenrum abgeerntet mit einer lustigen Frisur oben drauf.


Das ist hier ist die Sorte 'Lerchenzunge':


Auch andere Kohlsorten gaben sich alle Mühe, hübsch auszusehen.


Die Salate hatten nur noch bunte Reste zu bieten:


Und dann, im nächsten Staudenbeet: Lila Leuchten zwischen all den Brauntönen! Unglaublich, die Pflanze ist der Hit selbst im Winter. Leider war kein Schild eindeutig zu finden, vielleicht ist es Gelenkblume, vielleicht was anderes.


Im amerikanischen Abteil Yucca flaccida mit Gilbgras (Chloris x subdolichostachya), in Englisch passender Shortspike Windmill Grass genannt.


Weiter geht es nach Südamerika, wo die Araukarien zu einem Wald zusammengepflanzt sind.

Und dann doch noch winterliches Grau: Die arme Gunnera muss zu ihrem eigenen Schutz die eigenen abgetragenen Blätter als Wintermantel anziehen - verkehrt herum. Sieht ein bisschen aus wie etwas desolate Tipis, aber Hauptsache warm:


Warme Farben gibt es dann wieder im Blumenbeet, wo die Strohblume in der ihr eigenen Unvergänglichkeit leuchtet wie ein Lagerfeuer.


Auch die Zaubernuss lodert in Feuerfarben zwischen den Farnen:
 

Im Winter sieht man die Strukturen der geschnittenen Bäume viel besser, ob Kopfweide oder Spalierobst.



Der Zierapfel dagegen darf machen, was er will, und wird nicht geschnitten.


War auch im Winter schön, der Besuch in Klein Flottbek. Ich habe auch nichts mitgenommen, ich schwöre!

Dienstag, 22. September 2015

In die Wüste geschickt

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung? Gibt es wohl, vor allem wenn das Wetter zwischen schlecht und sehr schlecht schwankt. Hamburg jedenfalls war am Samstag Morgen eifrig bemüht, eine ausgewogene Mischung aus beiden Regensorten zu präsentieren. Außerdem ist meine Kamera nicht mit einem Regenmantel ausgestattet und ich hatte auch dummerweise keinen Lakaien dabei, der einen Schirm über mich und die etwas mimosige Fotoausrüstung gehalten hätte. Mal abgesehen von den technischen Aspekten sind die Motive draußen ohne das sagenhafte Septembersonnenlicht aber auch eher auf der unfotogenen Seite.

Planten un Blomen, der große Park in der Hamburger Innenstadt, war im triefenden Dauerregen also nichts für die Fotosafari, obwohl ich das Areal immerhin nur mit Rotkehlchen, Lachmöwen und Kaninchen teilen musste.

Ich habe mich trotzdem schnell zwischen den beiden Alternativen Shopping oder Pflanzengucken entschieden, denn immerhin hat Planten un Blomen ein großes Schaugewächshaus, wo von den Tropen bis zur Kakteenwüste alles vertreten ist. Hier war es deutlich weniger nass und meine Kamera hatte Auslauf. Der Eintritt ist übrigens frei, auch im Gewächshaus.

Am Ende war ich dem Regen gar nicht mehr so böse, denn soviel Zeit für die Kakteen habe ich in diesem Gewächshaus noch nie aufgewendet, weil sonst draußen Sonne und Blumen eine allzu starke Konkurrenz waren. Außerdem war mein Mann zu dem Zeitpunkt noch beruflich in Hamburg unterwegs, daher war ich allein unter Kakteen und anderen bizarren Auswüchsen der Überseeflora.







Bei schlechtem Wetter und Licht konzentriert man sich eher auf Strukturen als auf Farben, obwohl einige Stachelmonster sogar ausgesprochen farbenfroh daherkamen, wie diese Pappnasen hier:



Kakteen im Familienkreis:


Das Ende ist nah: Winzige Mammillaria-Exemplare überrollt von einer Stachelwalze:



 Vandalismus am lebenden Objekt:




Die Agave, die hat Zähne: Eine graue Eminenz mit geschminkten Stacheln - nämlich Agave parrasana:


 Rotschöpfe und Punks:


Eine Aasblume (Stapelia schinzii), die den Namen zurecht trägt, wie ich mich an dieser schönen Blüte überzeugen konnte, die ganz gut vor sich hin müffelte:


 Hier eine todschicke Haworthia:



Das Highlight war aber diese äußerst fruchtbare Pflanze aus der großen Familie der Brutblätter, eine Kalanchoe laetivirens:


Hier sieht man ganz deutlich, dass die Kinder auch schon Kinder kriegen - sowas von frühreif, die Gute... Und da das Exemplar so überaus spendabel war und etliche Waisen schon auf den Boden geworfen hatte, habe ich nicht widerstehen können und ein paar Babies aufgesammelt:


Die Kleinen habe ich in eine mitgebrachte Dose geworfen und anschließend zwei Euro in die Spendenbox. Das ist doch ein fairer Tausch. Was soll das Gewächshaus auch mit dem ganzen Babyboom? Meine Fensterbank freut sich über so ein Urlaubsmitbringsel.

Es gibt also sehr wohl schlechtes Wetter, aber zum Glück auch Pflanzen, die man sich im Trockenen anschauen kann, Planten un Blomen sei Dank!