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Samstag, 11. November 2017

Schneller Brüter auf der Fensterbank

Zimmerpflanzen sind dazu da, das Raumklima zu verbessern, dekorativ auszusehen und uns im Winter über die gartenlose Zeit hinweg zu trösten. Eigentlich sind sie immer nett und freundlich, nie laut und aufdringlich. Oder doch? Manche können auch anders und streben die Weltherrschaft an. Aber bitte nur mit Zentralheizung und bei fließend Wasser - aus der Gießkanne.

So eine grüne Mitbewohnerin, die sich allzu gern an alles und jeden ran schmeißt und sich mordsmäßig breit macht auf der Fensterbank, habe ich zuhause. Dass sie ihre Zimmerpflanzen-Nachbarn noch nicht von der Fensterbank geschubst hat, grenzt an ein Wunder. Da ich nämlich ein Herz für ausgefallene Sukkulenten habe, mag ich auch Brutblätter und hatte mir vor zwei Jahren in Hamburg Ableger von Kalanchoe laetivirens, einem recht feisten Brutblatt mitgenommen.

Und das brütet nun im Wohnzimmer über der Heizung so vor sich hin. Nach zwei Jahren ist ein überaus üppiges Monster daraus gewachsen, das das Wort Mutterpflanze nur allzu wörtlich nimmt.

Erst habe ich gedacht: Das mit dem Kindersegen bekomme ich schon irgendwie hin, klappt ja bei Kalanchoe daigremontiana auch. Doch letztere Art ist spindeldürr und ihre Ableger entsprechend winzig. Die dicke K. laetivirens aber ist dagegen eine echte Glucke mit respektablen Ausmaßen. Ein Blatt kann locker 20-30 Kindel produzieren, komplett bewurzelt und mit sechs Bättern dran.


Hier beide Babywerfer im Vergleich, links Spargeltarzan, rechts Matrone:


Man beachte die hochgeklappte Schranke am Stielansatz, die vielleicht verhindern soll, dass Kindel Richtung Mutterpflanze fallen?




Und diese frühreifen Dingerchen kullern in sämtliche Blumentöpfe und wuchern dort weiter. Oder sie liegen wie tote grüne Fliegen auf der Fensterbank herum. Man muss die Pflanze nur schräg anschauen, und schon heißt es: Ihr Kinderlein kommet.

Also kann ich ständig hinter Madame herräumen und bekomme dabei auch noch ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich so niedliche Pflänzchen kompostieren möchte. Doch ich kann sie nicht alle am Leben lassen, sonst würde man im Wohnzimmer knietief in Ablegern versinken.

Hier habe ich mal ein paar Sprösslinge gerettet und in eine alte Kakao-Packung gesetzt, die nun als Übertopf dient - und schon sieht man: früh übt sich:

Sie an Freunde weiterzugeben, scheiterte auch bisher kläglich. Dort wurden sie einfach vertrocknen lassen, wohl als Präventivmaßnahme gegen eine militärische Invasion auf der Fensterbank.

Dabei ist das Mutterschiff schon schön. Und enorm pflegeleicht - bis auf das Aufräumen eben... Bei ernsthaftem Interesse kann ich gern mal ein paar Ablegerchen in gute Hände abgeben. Nur, falls es jemandem auf dem Sofa zu langweilig werden sollte...

Dienstag, 22. September 2015

In die Wüste geschickt

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung? Gibt es wohl, vor allem wenn das Wetter zwischen schlecht und sehr schlecht schwankt. Hamburg jedenfalls war am Samstag Morgen eifrig bemüht, eine ausgewogene Mischung aus beiden Regensorten zu präsentieren. Außerdem ist meine Kamera nicht mit einem Regenmantel ausgestattet und ich hatte auch dummerweise keinen Lakaien dabei, der einen Schirm über mich und die etwas mimosige Fotoausrüstung gehalten hätte. Mal abgesehen von den technischen Aspekten sind die Motive draußen ohne das sagenhafte Septembersonnenlicht aber auch eher auf der unfotogenen Seite.

Planten un Blomen, der große Park in der Hamburger Innenstadt, war im triefenden Dauerregen also nichts für die Fotosafari, obwohl ich das Areal immerhin nur mit Rotkehlchen, Lachmöwen und Kaninchen teilen musste.

Ich habe mich trotzdem schnell zwischen den beiden Alternativen Shopping oder Pflanzengucken entschieden, denn immerhin hat Planten un Blomen ein großes Schaugewächshaus, wo von den Tropen bis zur Kakteenwüste alles vertreten ist. Hier war es deutlich weniger nass und meine Kamera hatte Auslauf. Der Eintritt ist übrigens frei, auch im Gewächshaus.

Am Ende war ich dem Regen gar nicht mehr so böse, denn soviel Zeit für die Kakteen habe ich in diesem Gewächshaus noch nie aufgewendet, weil sonst draußen Sonne und Blumen eine allzu starke Konkurrenz waren. Außerdem war mein Mann zu dem Zeitpunkt noch beruflich in Hamburg unterwegs, daher war ich allein unter Kakteen und anderen bizarren Auswüchsen der Überseeflora.







Bei schlechtem Wetter und Licht konzentriert man sich eher auf Strukturen als auf Farben, obwohl einige Stachelmonster sogar ausgesprochen farbenfroh daherkamen, wie diese Pappnasen hier:



Kakteen im Familienkreis:


Das Ende ist nah: Winzige Mammillaria-Exemplare überrollt von einer Stachelwalze:



 Vandalismus am lebenden Objekt:




Die Agave, die hat Zähne: Eine graue Eminenz mit geschminkten Stacheln - nämlich Agave parrasana:


 Rotschöpfe und Punks:


Eine Aasblume (Stapelia schinzii), die den Namen zurecht trägt, wie ich mich an dieser schönen Blüte überzeugen konnte, die ganz gut vor sich hin müffelte:


 Hier eine todschicke Haworthia:



Das Highlight war aber diese äußerst fruchtbare Pflanze aus der großen Familie der Brutblätter, eine Kalanchoe laetivirens:


Hier sieht man ganz deutlich, dass die Kinder auch schon Kinder kriegen - sowas von frühreif, die Gute... Und da das Exemplar so überaus spendabel war und etliche Waisen schon auf den Boden geworfen hatte, habe ich nicht widerstehen können und ein paar Babies aufgesammelt:


Die Kleinen habe ich in eine mitgebrachte Dose geworfen und anschließend zwei Euro in die Spendenbox. Das ist doch ein fairer Tausch. Was soll das Gewächshaus auch mit dem ganzen Babyboom? Meine Fensterbank freut sich über so ein Urlaubsmitbringsel.

Es gibt also sehr wohl schlechtes Wetter, aber zum Glück auch Pflanzen, die man sich im Trockenen anschauen kann, Planten un Blomen sei Dank!