Zimmerpflanzen sind dazu da, das Raumklima zu verbessern, dekorativ auszusehen und uns im Winter über die gartenlose Zeit hinweg zu trösten. Eigentlich sind sie immer nett und freundlich, nie laut und aufdringlich. Oder doch? Manche können auch anders und streben die Weltherrschaft an. Aber bitte nur mit Zentralheizung und bei fließend Wasser - aus der Gießkanne.
So eine grüne Mitbewohnerin, die sich allzu gern an alles und jeden ran schmeißt und sich mordsmäßig breit macht auf der Fensterbank, habe ich zuhause. Dass sie ihre Zimmerpflanzen-Nachbarn noch nicht von der Fensterbank geschubst hat, grenzt an ein Wunder. Da ich nämlich ein Herz für ausgefallene Sukkulenten habe, mag ich auch Brutblätter und hatte mir vor zwei Jahren in Hamburg Ableger von Kalanchoe laetivirens, einem recht feisten Brutblatt mitgenommen.
Und das brütet nun im Wohnzimmer über der Heizung so vor sich hin. Nach zwei Jahren ist ein überaus üppiges Monster daraus gewachsen, das das Wort Mutterpflanze nur allzu wörtlich nimmt.
Erst habe ich gedacht: Das mit dem Kindersegen bekomme ich schon irgendwie hin, klappt ja bei Kalanchoe daigremontiana auch. Doch letztere Art ist spindeldürr und ihre Ableger entsprechend winzig. Die dicke K. laetivirens aber ist dagegen eine echte Glucke mit respektablen Ausmaßen. Ein Blatt kann locker 20-30 Kindel produzieren, komplett bewurzelt und mit sechs Bättern dran.
Hier beide Babywerfer im Vergleich, links Spargeltarzan, rechts Matrone:
Hier beide Babywerfer im Vergleich, links Spargeltarzan, rechts Matrone:
Man beachte die hochgeklappte Schranke am Stielansatz, die vielleicht verhindern soll, dass Kindel Richtung Mutterpflanze fallen?
Und diese frühreifen Dingerchen kullern in sämtliche Blumentöpfe und wuchern dort weiter. Oder sie liegen wie tote grüne Fliegen auf der Fensterbank herum. Man muss die Pflanze nur schräg anschauen, und schon heißt es: Ihr Kinderlein kommet.
Also kann ich ständig hinter Madame herräumen und bekomme dabei auch noch ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich so niedliche Pflänzchen kompostieren möchte. Doch ich kann sie nicht alle am Leben lassen, sonst würde man im Wohnzimmer knietief in Ablegern versinken.
Hier habe ich mal ein paar Sprösslinge gerettet und in eine alte Kakao-Packung gesetzt, die nun als Übertopf dient - und schon sieht man: früh übt sich:
Hier habe ich mal ein paar Sprösslinge gerettet und in eine alte Kakao-Packung gesetzt, die nun als Übertopf dient - und schon sieht man: früh übt sich:
Sie an Freunde weiterzugeben, scheiterte auch bisher kläglich. Dort wurden sie einfach vertrocknen lassen, wohl als Präventivmaßnahme gegen eine militärische Invasion auf der Fensterbank.
Dabei ist das Mutterschiff schon schön. Und enorm pflegeleicht - bis auf das Aufräumen eben... Bei ernsthaftem Interesse kann ich gern mal ein paar Ablegerchen in gute Hände abgeben. Nur, falls es jemandem auf dem Sofa zu langweilig werden sollte...













