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Samstag, 24. Juli 2021

Das große Flattern

Sie haben sich große Augen aufgemalt, um Feinde zu beeindrucken und in die Flucht zu schlagen. Andere kommen mit militärischen Streifen daher, damit sie Authorität ausstrahlen und respektvoll behandelt werden - was nicht immer klappt... 

 


Die nächsten wedeln mit der weißen Flagge, um nicht angegriffen zu werden. Wiederum andere versuchen, mit einer raffinierten Landkartenzeichnung in der Umgebung zu verschwinden oder hoffen auf ihre Tarnung. Die Rede ist von den vielen Schmetterlingen, die im Moment durch die Landschaft und die Gärten fliegen - endlich gibt es wieder mehr von ihnen! Sicher habt ihr sie erkannt, die Beschreibung oben meint Tagpfauenauge, Admiral, Weißling, Landkärtchen und so unscheinbare Vertreter wie den C-Falter.

Wer sie im Garten beobachten möchte, muss ihnen nur die richtigen Nektarpflanzen bieten. Auf Platz eins der Beliebtheitsskale steht der Echte Dost oder Oregano (Origanum vulgare). Er ist anspruchslos, wird von Schnecken nicht gefressen und wächst nahezu überall. Er kommt mit magerem Boden genauso zurecht wie mit kompostverwöhntem. Die Blütezeit ist lang und wahlweise in weiß bis lila.



 

Auch sehr beliebt und eine der wertvollsten Insektenpflanzen ist die Echte Betonie (Betonica officinalis). Die Pflanze wurde umbenannt, früher hieß sie Heil-Ziest und hörte auf den wissenschaftlichen Namen Stachys officinalis. Was den Gärtner verwirrt, ist dem Schmetterling einerlei. Besonders gern besuchen Dickkopffalter, Weißlinge und Zitronenfalter die Betonie. Auch Hummeln und Garten-Wollbienen trifft man hier mit großer Regelmäßigkeit, Nacktschnecken dagegen nicht





Dieses Foto ist eigentlich misslungen, zeigt aber gut den Andrang, der an der Staude herrscht, inklusive einem Zitronenfalter als Fotobombe.


 

Auch Katzenminze (Nepeta x fassenii) ist unter Faltern nicht zu verachten. Der Zitronenfalter ist richtig vernarrt in die blauen Blüten.


 

Zitronenfalter sind es auch, die regelmäßig die Kronen-Lichtnelke (Lychnis coronaria) besuchen, denn hier können sie mit ihrem langen Rüssel ganz leicht Nektar trinken bei wenig Konkurrenz durch andere Blütenbesucher. Die Farbe ist ihnen schnuppe, sie besuchen die rötlichen Blüten genauso wie die weißen. Auch hier ist Schneckenfraß sehr selten.



Ganz große Schmetterlingsmagneten sind auch Disteln. Am Feldrand kann man ganze Herscharen an der Acker-Kratzdistel beobachten, hier trifft sich das Who-is-who der illustren Schmetterlingsbevölkerung.


Lavendel ist ebenfalls stark frequentiert.


Im Garten tut es bei viel Platz auch die zahme Gewöhnliche Eselsdistel (Onopordum acanthium), Kombiniert man sie mit Kugelköpfigem Lauch (Allium sphaerocephalon), haben die Falter noch mehr vom Garten.



Welche Blüten werden in euren Gärten ganz besonders oft von Schmetterlingen besucht?

Freitag, 29. Mai 2015

Pflaster-Flora

Das Geld liegt auf der Straße. Manchmal zumindest - und mit Sicherheit in den vielen Fugen von gepflasterten Wegen und Hauseingängen. Da siedeln sie nämlich, die mutigen Stauden und andere, die sich gern in die kleinste Ritze versamen und dort Wurzeln schlagen - wenn auch immer etwas zweidimensional.

Manche Stauden mimen den Lückenbüßer geradezu hauptberuflich, wie das Gefleckte Habichtskraut (Hieracium maculatum), das meist - wie hier im botanischen Garten - in der Sorte 'Leopard' gepflanzt wird. Diese ist sagenhaft schick im "Animal Print". Die Art ist geeignet für das Blackbox-Gardening und samt sich bereitwillig in alle möglichen und unmöglichen Lücken aus.



Besonders gern nutzen bei mir diese Arten freie Zwischenräume, wenn die Konkurrenz noch schläft:

  • Frauenmantel
  • Akelei
  • Wald-Erdbeere
  • Hain-Veilchen (Viola riviniana 'Purpurea')
  • Pfirsichblättrige Glockenblume
  • Wald-Scheinmohn (Meconopsis cambrica)
  • Wilde Malven
  • Schnittlauch
  • Feldsalat
  • Kronen-Lichtnelke (Lychnis coronaria)
  • Mauerpfeffer
  • Spornblume
  • Nachtkerze
  • Stachelbeere
  • Orangerotes Habichtskraut (Hieracium aurantiacum)
  • Winter-Portulak





Die Bedingungen sind aber alles andere als optimal, selbst für wirklich hartgesottene Sämlinge. Die kleinen Pioniere müssen mit großer Hitze und viel Trockenheit zurechtkommen. Gibt es nur einen Platzregen, läuft das Wasser schnell oberirdisch davon, ohne die Pflänzchen zu erreichen. Auch Platz und Dünger sind Mangelware in den Engstellen. Und so schaffen es nur die Besten der Besten der Besten.

Falls die Spontanvegetation nicht den Ordnungssinn stört, ist die Pflaster-Flora also eine tolle Kaderschmiede für wahre Superhelden - Angepasstsein ist hier kein Schimpfwort.

Wird der Typ der Keimlinge aber anderswo verlangt, kann man die Knirpse auch frühzeitig aus ihrer Zwangslage befreien und in richtige Erde setzen. So lassen sich Lücken im Beet kostenlos und schnell füllen. Auch der Pflanze wird geholfen, denn sie wird in Gartenboden sicher besser blühen und ganz froh sein, wenn ihr Rhizom nicht für immer platt wie eine Briefmarke ist.

Zum Herausprokeln eignet sich am besten ein altes, stumpfes Messer. Damit hebelt man vorsichtig unter die Pflanzen (im Bild Akelei) und lockert ihren minimalistischen Wurzelballen. Damit habe ich bis jetzt die besten Erfolge erzielt. Nur mit der Hand an den Keimlingen zu ziehen führte oft zum Abreißen der Wurzeln - und das will man ja nicht.

Sogar die Moschusmalve, die dummerweise direkt vor der Stufe zum Hauseingang ihre Nische gefunden hatte, konnte ich mit dem Messer endlich erfolgreich befreien, nachdem ich ihr vorher mehrfach mit den Fingern nur die Blätter abgerissen hatte.


Mauerpfeffer und die Vielzahl der Habichtskräuter können am rechten Fleck, zum Beispiel vor einer Wand, aber ganz kleidsam aussehen. Deshalb lasse ich die kleinen Asphaltcowboys dort gern gewähren. Zuviel Ordnung muss ja auch nicht...