Nachdem ich über mein diesjähriges Tomatentrauma geschrieben hatte und kein gutes Haar, pardon: Blatt, an meinen Pflanzen gelassen hatte, haben sie wohl ein schlechtes Gewissen bekommen - geschieht ihnen auch ganz recht..
Mit meiner Klageschrift war es nämlich noch nicht getan - Bärbel hat mir zudem netterweise einen Nachtschattentausch angeboten: Samen der Wildtomate "Golden Currant" gegen Korallenstrauch.
Die Samen kamen wunderschön verpackt per Post bei mir an, ein dickes Dankeschön noch mal dafür!
Nach der öffentlichen Schmach nun auch noch die Konkurrenz im Haus - das konnten meine braunfäule-gebeutelten Diven nicht auf sich sitzen lassen und schoben noch schnell ein paar späte Früchte nach, obwohl sie kaum noch Blätter hatten.
Um den noch grünen Früchtchen die herbstlichen Tiefdruckgebiete und damit eine nasse, Pilzkrankheiten fördernde Schale zu ersparen, habe ich sie einfach abgeschnitten und mit ins Haus genommen - zum Nachreifen.
Die Kunst des "Aus Grün mach Rot" ist nicht ganz unstrittig. Zum einen gibt es die lichtscheue Variante (Nachtschatten lässt grüßen), zum anderen sind da die Befürworter der Reife bei Tageslicht.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Großmutter ihren grünen Tomaten immer eine eigene mit Butterbrotpapier ausgeschlagene Küchenschublade reservierte und sie dort im Dunklen liegen ließ, bis sie vor Kummer knallrot wurden.
Nun, eine freie Küchenschublade ist in unserem Haushalt absoluter Luxus und völlige Mangelware, daher habe ich mich an der Tageslicht-Variante versucht.
Da wir uns sowieso in der lichtarmen Jahreszeit befinden, kommt es ohnehin fast schon auf's selbe raus.
Zur Reifebeschleunigung durften sich die Paradiesäpfel an richtige Äpfel kuscheln - das Reifegas Ethylen gibt dem Gemüse den richtigen Hinweis. Tatsächlich wurden sie am Ende rot, bis auf ein paar Unbelehrbare mit mittlerer Reife:
Und jetzt ganz schnell weg mit den Äpfeln, denn in diesem Zustand bringt zuviel Reifegas den Tomaten das Verderben.
Ach, am besten wird gleich kurzer Prozess gemacht und die ganze Pracht einfach aufgegessen - schmecken tun sie nämlich ganz hervorragend, auch ohne direkte Sonne!

