Posts mit dem Label Palmen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Palmen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 10. September 2012

Gran Canaria für Anfänger

Im Urlaub kann man viel lernen. Wenn man so wie ich zum ersten Mal Gran Canaria bereist, kann man ganz besonders interessante Dinge zu allen Lebenslagen erfahren - allerdings nicht immer freiwillig.


Gran Canaria Anfang September - mancherorts eine trockene Angelegenheit


Zum Beispiel kann man am eigenen Leib lernen, dass kurvige Küstenstraßen einen starken Magen erfordern. Oder dass es eine böswillige Pflanze mit kreisrunden, stachelbesetzten Hinterlassenschaften gibt, die in kürzester Zeit Fahrradreifen zu einer überraschend platten Angelegenheit werden lassen (die Opuntien stehen in dringendem Tatverdacht).

Man ahnt, dass das Wort Zimmerpflanze hier nicht zum aktiven Wortschatz gehören kann, denn von der Sansevieria bis zum Kaktus kann alles ganzjährig vor die Tür gesetzt werden.

Man beobachtet staunend, dass die Felsenkrabbe (Grapsus spec.) mit allen Wassern gewaschen und in der Lage ist, kleinere Felsspalten lässig zu überspringen - und sich bei Gefahr (Stielauge sei wachsam!) einfach fallen lässt.

Man lernt, dass Wassersparen für die Pflanzen hier eine ernsthafte Angelegenheit darstellt - vor allem im Sommer und in den Halbwüstengebieten, von denen einige noch dazu salzig sind. Von wegen "Inseln des ewigen Frühlings" - Gran Canaria bringt auch einen zünftigen Sommer zustande, der richtig trocken werden kann, so dass selbst hartgesottene Trockenkünstler nicht mehr so ganz prall wirken. Die kaktus-ähnliche Kanaren-Wolfsmilch (Euphorbia canariensis) allerdings sieht immer aus wie der junge Frühling.

Man lernt auch, dass die Blätter der Kanarischen Dattelpalme zu einem ganz passablen Straßenbesen improvisiert werden können.

Vor allem aber lernt man, dass man noch viel lernen muss, was die Flora der Kanaren angeht. Da denkt man, man kennt ein paar Pflanzen, und am Ende ist man schon froh, wenn man die Pflanzenfamilie richtig errät, aber oft gelingt nicht mal das. Dabei tun die Bäume und Sträucher alles, einem den Tag mit den lustigsten Blatt- und Schotenformen zu versüßen. Allein ihr Name blieb unbekannt.

Die bislang Unidentifizierten

Ziemlich spät lernt man dann zufällig etwas über den Botanischen Garten von Maspalomas, denn er scheint wie geschaffen, etwas Licht ins Dunkel der Pflanzenrätsel zu bringen. Leider wird dieser nicht an die große Glocke gehängt, nicht mal in den Hotels, von denen aus er fußläufig zu erreichen wäre. Dabei ist er gratis, großartig und vor allem an Wochenenden geschlossen. Was nicht hilft, wenn man am Freitag Abend von seiner Existenz erfährt, am Samstag (dem letzten Urlaubstag) gleich hinrennt, um dann zu lernen, dass Cerrado und Sabado keine allzu gute Kombination spanischer Wörter darstellt. Die Tore blieben jedenfalls tatsächlich hartnäckig verschlossen, und das, wo jede unnütze, überteuerte Boutique im Ort an jedem Tag der Woche zu nahezu jeder unmöglichen Uhrzeit geöffnet hat.

Ich gestehe, ich war kurz davor, über den Zaun zu klettern, denn der stellte selbst bei mittlerer Körperbeherrschung keine allzu große Herausforderung dar. Allerdings wusste ich nicht so genau, ob die Policia local das als eher amüsante Unterbrechung ihres Arbeitsalltages auffassen würde. Vermutlich nicht. Also habe ich mich stattdessen geärgert (das war kein Spaß für alle Beteiligten, das könnt ihr mir glauben) und bin mürrisch am Zaun entlang gestapft, nur um zu beobachten, dass das Innere des Botanischen Gartens überquoll von Monarchfaltern, Bläulingen, Libellen und Wellenastrilden. Na toll, das hatte mir gerade noch gefehlt zu meinem Unglück - all diese flatternden Fotomotive gut verschlossen und unerreichbar hinter Gittern.

Also bleibt mir jetzt nichts weiter, als euch diesen Tipp mit auf den Reiseweg zu geben: Wenn ihr in Maspalomas oder Playa del Ingles verweilt auf der größten der Kanarischen Inseln, besucht den Botanischen Garten bitte für mich mit. Er befindet sich an der Avenida del Touroperador Neckermann, Ecke Avenida del Touroperador Tui, nahe Vista Flor. Von der Avenida de Gran Canaria kommend kann man über eine Treppe oben an der Brücke abkürzen.

Der Eintritt ist kostenlos, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen aber unmöglich. Leider. Also nehmt euch einen Werktag vor - und macht viele Fotos. Der Besuch lohnt auf jeden Fall. Und man kann danach endlich wenigstens einen Bruchteil der Kanarenflora mit Vornamen ansprechen...