Posts mit dem Label Randalls White werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Randalls White werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 6. März 2011

Die gelbe Gefahr

Das Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) ist das Reh unter den Wildstauden.
Es ist nicht so plüschig und es rennt auch nicht weg, wenn man sich ihm nähert.
Was es aber mit unserem grazilen Wiederkäuer das Waldes gemeinsam hat, ist die Tatsache, dass wir regelmäßig in völlige Verzückung geraten, sobald wir eines in freier Natur zu Gesicht bekommen, es aber im eigenen Garten bestenfalls von hinten sehen wollen!

Während das Reh mit Vorliebe Rosenknospen und anderes heißgeliebtes Garteninventar verspeist, neigt das Scharbockskraut zum Wuchern - und das können viele Gärtner gar nicht leiden.
Und das ist noch nicht alles - wie Herpes ist es außerdem noch: Wenn man es einmal hat, wird man es nicht mehr los.

Aber im Wald ist es ein gern gesehener Frühlingsbote. Auch die Farbe Gelb nimmt unsere Netzhaut zu dieser Zeit noch durchaus mit Wohlwollen zur Kenntnis.


Dabei müssten wir dem kleinen Pflänzchen eigentlich den roten Teppich ausrollen, wenn es sich freiwillig und ganz von selbst in unserem Garten ansiedelt und sich sogar fröhlich vermehrt.
Offenbar gefällt es ihm bei uns.


Tatsächlich wuchert das Scharbockskraut sehr. Seine glänzendgrünen Blätter sind ständig auf Expanionskurs, kleiner Wurzelknollen sei Dank.


Zart wie ein Reh gehört es zum Bodenpersonal unter Sträuchern und mitunter auch im Rasen, wo es vollends in Ungnade fällt.


Man muss aber doch lobend erwähnen, dass es seinen Geltungsdrang nicht nur in aller Bescheidenheit mit filigranem Wuchs und ganz entzückenden Blüten auslebt, sondern auch im Mai wieder sang- und klanglos in den Untergrund verschwindet, denn es gehört zu den Geophyten.

Das ist nun wirklich ein feiner Zug von ihm, macht es so doch schnell Platz für andere Hauptdarsteller im Beet.

Hinten in meinem Garten, wo der Bärlauch wächst, hat sich das kleine Hahnenfußgewächs ganz von selbst angesiedelt. Vielleicht ist es auch als blinder Passagier mit anderen Pflanzen mitgereist. Egal - noch freue ich mich darüber, wenn es mit seinen Blütensternen die farblich passende Untermalung zu gelben "Tête à Tête"-Narzissen bildet.
Für mich ist es eines der durchaus gartenwürdigen "Unkräuter".

Falls es doch zuviel des Guten wird, könnte man es durch Aufessen im Zaum halten, allerdings sollte man dies vor der Blüte (also jetzt) tun, sonst wird es giftig. Vorher aber soll es in Maßen genießbar sein und wird wegen seines hohen Vitamin-C-Gehaltes angepriesen, mit dem man früher den Skorbut (den Scharbock) geheilt hat.

Wir können natürlich auch ein paar Rehe einladen, um das Krawallkraut in seine Schranken zu verweisen, aber nein, das wäre keine allzu gute Idee. Die Kollateralschäden könnten enorm sein. Siehe oben.

Von zahmen Rehen im Garten hat man auch wirklich selten gehört, zahmes Scharbockskraut aber macht gerade Karriere: Gartentaugliche Sorten wie "Brazen Hussy" mit purpurnem Laub sind in aller Munde (nicht nur im Salat) und sollen sogar weniger stark wuchern.
Selbstverständlich gibt es auch gefüllte Sorten wie "Flore pleno" und solche mit weißlichen Blüten wie "Randalls White".

Diese Kostbarkeiten werden sich aber wohl kaum freiwillig und kostenfrei in unseren Gärten ansiedeln, wetten?

Aber wer weiß - vielleicht entdecken wir eines Tages eine eigene neue Sorte in unserem Bestand - das wäre wirklich ein Grund zur Freude.
Ich würde sie "Bambi" nennen.