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Samstag, 2. März 2024

Spitzenschnitt bei Stachelbeeren

Jedes Jahr im Februar, spätestens Anfang März, verpasse ich meiner Stachelbeere einen Spitzenschnitt. Dann stelle ich mich vor mein Hochstämmchen hin, gucke entschlossen und entferne die ersten Knospen an jedem Ast. Und weil ich nie auf einen ertragssteigernden Kronenaufbau hin arbeite, sind das sehr viele Spitzen, die ich schneiden muss. Als Stämmchen-Veredelung kommt mir meine 'Hinnonmäki Grün' aber dabei sehr entgegen. Bücken ist nicht nötig, aber vorbeugen schon (im doppelten Sinne), weil ich auf die andere Seite nicht komme, da hört mein Garten nämlich auch schon wieder auf.

Meist endet es so: Erst schneide ich akribisch alle Spitzen und am Ende entscheide ich dann, dass ein kompletter Ast im Weg ist, und schneide den dann ganz ab. So kann ich sicher sein, dass ich mir mehr Arbeit mache als nötig, aber das ist ja sehr meditativ, wenn auch manchmal piksig und bei der Jahreszeit auch kalt.

(...und damit die Stachelbeere sich jetzt auch so richtig motiviert fühlt, habe ich mir extra Armstulpen mit Margeritenmuster gehäkelt...)








Nicht immer schneide ich akkurat. Es ist am besten, ganz kurz vor der nächstunteren Knospe zu schneiden, um tote Aststummel zu vermeiden, aber nicht immer treffe ich so genau, weil es schnell gehen soll. Macht aber nichts. Auch achte ich nie darauf, überalterte Äste komplett zu entfernen, weil Madame mich sowieso jeden Sommer mit mehr Früchten ausstattet, als ich verarbeiten kann. Stachelbeermarmelade gibt es jedenfalls immer reichlich, daher schneide ich recht schlampig, und der Spitzenschnitt ist nie ein spitzen Schnitt.

Warum tu ich mir das Ganze überhaupt an? Das liegt daran, dass 'Hinnonmäki Grün', von mir liebevoll Hinnie genannt, zwar eine reichlich robuste Sorte ist, aber in ihren Anfangsjahren trotzdem den Amerikanischen Stachelbeermehltau hatte. Und wenn der die Früchte befällt, sind sie ungenießbar und nicht mehr grün.Da das Biest an den Triebspitzen überwintert, schneide ich ihn also einfach raus. Seitdem ich diese Prozedur beherzige, hatte Hinnie nie wieder mit der Seuche zu kämpfen.

Bei weniger robusten Sorten reicht diese Fummelei vermutlich auch nicht, deshalb ist es sehr wichtig, von vorherein auf eine robuste Sorte zu achten. Dazu zählen ‘Invicta’ (die unbesiegbare), ‘Rokula’, ‘Captivator’ oder ‘Redeva’. Die 'Hinnonmäki'-Sorten sind gering anfällig.

‘Spinefree’ ist auch noch dornenlos - aber das wäre ja nur der halbe Spaß, oder? Der Spitzenschnitt ist doch was für echte Heldinnen und nur mit Schrammen hat man wirklich im Garten gearbeitet, oder? 😉

Mittwoch, 6. Juli 2011

Türsteher

Vor meiner Haustür steht ein Wächter.
Er ist schwer bewaffnet, zeitweise auch richtig sauer und steht auf einem Bein.

Der wahrscheinlich kleinste Vorgarten der Welt sollte nämlich auch in die Höhe wachsen, also musste ein Hochstämmchen her - wirklich nur ein Stämmchen, kein Stamm, das hätte den Rahmen gesprengt und das Pflaster gleich mit.

Nun gibt es eine illustre und elitäre Gesellschaft von allerlei Sträuchern am Stiel, angefangen von einer Hochstammrose über Nadelbäumchen bis hin zu edlen Ligustervarianten, die schon eine Ewigkeit zu einer Kugelform dressiert wurden.
Jedes Gartencenter bietet eine nicht endenwollende Auswahl feil von diesen Gewächsen, so dass dem willigen Käufer ganz schwindlig wird, auf dass er sich gar nicht mehr entscheiden kann.

Schließlich hatte ich doch noch eine ganze andere Idee. Warum nicht nur etwas Dekoratives, sondern auch was zum Spielen - und was zum Naschen?
Denn was all die teuren Ligusterkugeln nicht können, ist zum einen Essbares produzieren, und zum anderen den Winter überstehen. Zumindest bei den italienischen Vertretern kann man in der Hinsicht nicht ganz sicher sein - wenigstens die Veredelungsstelle muss man schützen, und dann sieht das Arrangement nicht mehr allzu dekorativ aus...
Und außerdem sind sie eben völlig unbillig. Nicht auszudenken, wenn man sie an einen strengen Winter verlieren sollte. Dann ist das Geheule nämlich groß.

Was also her musste war eine beerentragende Wollmilchsau, nämlich eine Stachelbeere - die sind unschlagbar günstig - um die 10 Euro für so eine gelungene Veredelung kann man schon schaffen - und dabei unschlagbar winterhart.




Und so nützlich! Nicht nur macht sie uns Freude, zudem gehört ihre (zugegebenermaßen nicht unbedingt spektakuläre) Blüte zu den Lieblingsspeisen der Roten Sandbiene (Andrena fulva). Die Blätter ernähren die Raupen des C-Falters, und uns ernähren die Stachelbeeren.

 
Eigentlich die Blüte einer Jostabeere, die ihrer Verwandten sehen aber ähnlich aus.
Beachten muss man lediglich, dass so ein Stämmchen nie selbständig wird und zeitlebens auf Stütze angewiesen ist - ohne Pfahl geht es nicht, dann kippt sie um oder sie bricht sich sogar die Krone ab.


Ein weiteres leidiges Thema ist der Stachelbeermehltau. Den will nun wirklich keiner, schon gar nicht an den Früchten, aber die können auch unter ihm leiden.
Es gibt zum Glück mittlerweile genug robuste Sorten, eine davon ist die Invicta, die Unbesiegbare.
Meine hört auf den Namen "Hinnonmäki Gelb" und ist ebenfalls weitestgehend frei von dieser Plage - wenn man sie im Spätwinter ordentlich frisiert mit einem Spitzenschnitt!
Die Astspitzen im Februar zu entfernen klingt komisch, hat sich aber bei meiner Hinnie absolut bewährt.
Seitdem ich das praktiziere hatte die Dame keinen Befall mehr mit der Pestilenz.
Das kommt daher, dass der Pilz auf den Triebspitzen überwintern soll (er verreist wohl auch gern).

Wenn man das alles beachtet, wird man viel Freude an seinem nützlichen Hochstämmchen haben.
Es sieht nicht so akkurat aus wie andere Sträucher, und piekst auch in Notwehr (das tun Rosen auch und alle lieben sie trotzdem), aber das Kunststück mit den essbaren Früchten macht ihm so leicht keiner nach!
Wer lieber Stachelbeeren ohne Stacheln möchte, dem sei der Pazifist unter den Sorten empfohlen, und zwar die robuste Sorte Pax.

Unter den seltsamsten Verrenkungen habe ich die Beeren dieses Wochenende gepflückt. Tat auch gar nicht weh (ich hab nämlich aufgepasst).
Die erste Marmelade ist schon fertig, der Rest wurde verwendet für Stachelbeerkuchen - insgesamt kommt sie dieses Jahr auf 2 kg Früchte!



Mehr Obst auf so kleinem Raum geht nun wirklich nicht.
Oder doch?
Ja, das geht, denn ein weiterer Vorteil eines Hochstämmchens ist, dass man es unterpflanzen kann.
Eine Stachelbeere ist da sehr tolerant gegenüber Mitbewohnern, solange sie nicht an ihr herumklettern.

Noch mehr Früchte bekommt man mit Walderdbeeren als Fußvolk:



Die sind aber eher was für die Hand in den Mund - auf Marmelade müsste man doch zu lange sparen.