Dienstag, 1. Juni 2010

Überleben im Gartencenter

Hand auf's Herz: Wer kennt ihn nicht, den Kaufrausch im Gartencenter? Eigentlich wollte man nur gerade mal schnell ein Tütchen Rucola-Samen kaufen, Kostenpunkt noch nicht mal ein Euro. Oder nur mal kurz schauen, wo der Hammer hängt und was er kostet. Oder eine Tüte Blumenerde - ist ja nützlich und man braucht nun mal jetzt neue, sonst kommen die Tomatensämlinge nicht in die Erde und man verpasst das schöne Wetter, das ihnen einen guten Start ermöglichen wird.
Soweit, so gut, alle guten Vorsätze werden noch mal vor Betreten der heiligen Hallen in Erinnerung gerufen.
Aber dann.... Beim Anblick all der schönen getopften Sommerblumen, Raritäten wie panaschiertem Salbei oder Stauden, die man schon immer mal haben wollte, geht einem die Contenance schneller verloren, als man "Rose" sagen kann.

Dann erblickt man zu allem Überfluss auch noch das magische Wort "Reduziert" am nächsten Regal!
Wer kann da schon widerstehen?


Zuhause kommt dann das jähe Erwachen aus dem Gartencenterkoma: Eigentlich hat man doch gar keinen Platz mehr!
Ganz perfide ist das im zeitigen Frühjahr - der Gärtner lechzt sowieso nach Grün und ist dem Kaufrausch noch viel rapider erlegen, aber der Garten liegt noch halb im Winterschlaf und man erblickt überall vermeintlich freie Plätze im Beet! Natürlich passt doch da noch die neu erstandene Christrose hin?
Den Anblick just dieser Stelle im Sommer (der Ausdruck "Grüne Hölle" wäre hier passend) hat man bereits geflissentlich vergessen. Man kann sich nicht alles merken. Schon beim Pflanzen der Staude wird einem dann doch etwas mulmig zumute. Sollte es auch, denn der Tod durch Verschatten lauert im Untergrund - schon in ein paar Wochen wird der Frauenmantel aus der Winterruhe erwacht sein und dem Neuankömmling zeigen, was 'ne Harke, pardon: ein Blatt ist. Alchemilla kennt da keinen Spaß.

Ein paar Tricks gibt es aber doch, wie man den Schaden einigermaßen in Grenzen halten kann:

Tipp 1: Am besten jemanden mitnehmen, der einem ins Gewissen redet. Ehemänner eignen sich ganz hervorragend für diese Aufgabe. Die wollen sowieso eigentlich nur in die Werkzeugabteilung, und das bitte plötzlich. Da haben sie dann ihren ganz eigenen Kaufrausch, aber wenigstens wir sind dann nicht schuld am Kollaps des Bankkontos.

Tipp 2: Mit dem Rad zum Gartencenter/Baumarkt fahren. Ist sowieso gesünder, falls man nicht gerade an einer vierspurigen Straße langradeln muss. Einen Parkplatz findet man sofort, direkt am Eingang. Wenn man sich die Ausmaße von Gepäckträger und Rucksack immer wieder plastisch ins Gedächtnis zurückruft, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Und nicht mogeln - die Seitenpacktaschen vom letzten Radurlaub bleiben selbstverständlich daheim - man möchte ja schließlich bei der nächsten Tour keine Erdkrümel in der Wäsche haben.
Wird es doch ein bisschen mehr als gedacht, sollte man es sportlich nehmen. Mit dem Auto einkaufen kann ja jeder, aber nichts erfüllt einen so mit Stolz wie der erfolgreiche Tranport eines Sacks Blumenerde auf dem Fahrradgepäckträger! Es geht, ich habe es ausprobiert! 20-Liter-Säcke sind ein Kindergeburtstag.
Alternativ funkioniert der Trick natürlich auch mit Bus&Bahn - da fehlt dann auch noch der Gepäckträger.
Ganz Mutige gehen gleich zu Fuß.
Es sei an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt vor Freunden mit Minibussen!

Tipp 3: Wenn der Kaufrausch sich partout nicht vermeiden lassen will, sollte man ihm besser antizyklisch nachgeben. Pflanzen, die gerade frisch und blühend hereingekommen sind, sind erstmal teuer. Werden die Bestände dann langsam reduziert, reduziert sich meistens auch der Preis. Am besten geht das zu fortgeschrittener Jahreszeit - ab Oktober kriegen die Händler Panik und halbieren die Preise von Gehölzen und Stauden, bevor sie am Ende alles wegwerfen müssen.
Ebenso fällt der Preis mit der Anzahl der Blüten. Ist die Blühsaison einer Pflanze vorbei, bekommt man sie fast hinterhergeschmissen. So konnte ich dieses Jahr schon eine Christrose für noch nicht mal 30 Cent statt 2,99 Euro ergattern (was dann geschah, siehe oben)!

Vor allem Tipp 2 funktioniert übrigens ganz besonders gut bei Gartenfestivals jeglicher Couleur!



Man hat eine schöne Radtour und gleichzeitig vermeidet man den Pleitegeier mangels Stauraum.
Es sei denn, die Händler liefern neuerdings auch schon frei Haus, dann hat man den Salat....

Wie man den Kaufrausch im Internet verhindert, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Kommentare:

  1. ich gebe zu auch da habe ich meine
    " Sucht"Probleme, aber ich bin auch dazu übergegangen , nur geplante Sachen zu kaufen, und auch das kann schon zuviel sein!!!!
    aber die Erfahrung abzuwarten, habe ich auch schon mehrfach sehr gut erlebt, so ziert der Zierapfel für 5 Euro meine Garten statt 25€,
    oder die Stiefmüüterchen unter den Rosen pflanzte ich im Herbst zu 5 ct das Stück, leicht angetrocknet, aber nun eine Superblüte, die sich auch noch überall versamt,
    im übrigen finde ich deinen Ansatz dieses Thema als Blog zu machen ganz toll, eine Bereicherung und Nische, die ich auch viel ausprobiere,
    so gibt es bei mir kein Gewächshaus zu 1000€, sondern nur selbst ausgesähte Tomaten geschützt an der Hauswand ,
    viele Pflanzen nur einmal gekauft und mehrfach geteilt und vermehrt und auch wieder weiter an Gartenfreundinnen, die gerade 1000m füllen wollen, verschenkt
    und sehr viel aus Saat gezogen
    meine Akelei , selbst aus eigener Saat gesäht, bildet nun hoffentlich auch bald eine Hecke zum Nachbarszaun unter den Blütenbüschen
    herzliche Grüße Frauke

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  2. Hallo Gärtnerin,
    da mein Garten wirklich voll ist - und ich überhaupt nicht mehr weiß, wohin mit Neuzugängen - bin ich nicht mehr anfällig für Schnäppchen. Im Gegenteil, ich freue mich über jeden, der was von meinen Stauen mitnimmt :)
    Viele liebe Grüße
    Anke

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  3. Hallo Gärtnerin,
    das kommt mir alles sehr bekannt vor (lach). Ich erliege auch regelmäßig im Frühling, wenn die Beete doch noch soooo leer aussehen, dem Trugschluss, dass da doch noch Platz ist. Und wieder einmal muss ich feststellen, dass Neuzugänge gnadenlos von den alteingesessenen Pflanzen überwuchert werden...Mein Trick ist, keinen Einkaufswagen mit ins Geschäft zu nehmen!

    Liebe Grüße von Bärbel

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  4. Moin Moin!!

    Mein Name ist Tina und ich bin auch süchtig ;-)
    Mein Fahrrad sieht aus, wie das, was einst die Bäcker fuhren um Brötchen auszutragen.
    Und Baummärkte u. Ä. sind ganz schlimm.
    Selbst im Edekalädchen warte ich, bis die armen Dinger beinahe am Verdursten sind...dann bekomme ich sie sehr, sehr günstig!
    Lg :-)

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  5. Ein Beitrag, der ins Schwarze trifft, zumindest bei mir. Ich werde mich sicher beim nächsten Mal schmunzelnd daran erinnern. Allerdings habe ich beim letzten Mal auch 'Schnäppchen' gemacht.

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  6. ich kann alles unterschreiben *lach*
    LG Carmen

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  7. H ha ha ja genau....so ist es!
    Ich werde mir ab jetzt deine Ratschläge beherzigen, besonders der mit dem Ehemann mitnehmen der wirkt bei mir grandios! Brauchen wir nicht... ist doch schon grün
    Lieber Gruss Stephanie

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