Samstag, 2. Juni 2018

Quadratisch und praktisch

Hochbeete liegen im Trend. Ob das daran liegt, dass wir früher schon gerne im Sandkasten gespielt haben? Oder eher daran, dass sie unseren Sinne schmeicheln, namentlich unseren Ordnungssinn und den Sinn nach Symmetrie? Denn die meisten Hochbeete scheinen dem Geometrie-Unterricht entsprungen und sind meist dreieckig, quadratisch oder rechteckig. Manchmal auch rund.

In jedem Fall sind sie praktisch, denn man kann damit auf kontaminiertem oder versiegeltem Boden prima gärtnern. Oder einfach nur die Wühlmaus klein halten, die sich die Radieschen mit einem gut verbarrikadierten Hochbeet noch nicht einmal von unten angucken kann.

Diese Vorteile haben sich überall auf der Welt herumgesprochen. In diesem kleinen Gemüse- und Blumengarten in Vancouver haben die rechteckigen Beete noch einen anderen Nutzen: Mit ihnen lassen sich Grenzen ziehen, denn jeder der Gärtner in diesem Gemeinschaftsprojekt bekommt eine eigene Fläche zugewiesen, aus der die Pflanzen nicht einfach in die Nachbarparzelle rübermachen können. So erntet niemand aus Versehen fremdes Gemüse und auch das Unkraut schafft den Sprung nur schwer von einem Kasten in den nächsten.






Wie mit Hausnummern sind die Kästen durchnummeriert:



Manch einer pflanzt weniger Gemüse, sondern möchte eher Blumen, die das Herz erfreuen, oder lässt Flaggen flattern.






Andere denken auch an die Insekten mit einer Schautafel und einer selbstgebauten Tränke, die sicher auch für Vögel geeignet ist:


Auch Kreatives kann man sehen, wie diesen sehr akkurat aus Zweigen und Schnur gebastelten Korb:



In einem anderen Gemeinschaftsprojekt wachsen Blumen und Gemüse, beide werden mit Rasenschnitt gemulcht, denn in Vancouver kann es im Sommer sehr trocken werden:



Hier sind die Beete mit Zäunchen abgesteckt:




Zum Schluss der Reise, als wir wieder zum Ausgangspunkt Vancouver zurückkehren mussten, habe ich noch den Burquitlam Community Garden entdeckt, der an einer ruhigen Straßenecke gelegen ist und nette Pergolen mit Glyzine und Kiwi hat. Hochbeete gibt es natürlich auch, getrennt durch sehr akkurate Kieswege. Das Prinzip der durchnummerierten Kästen findet hier ebenso Anwendung.







Panaschierter Giersch sieht hier großartig und dekorativ aus und kontrastiert mit den i-Pünktchen des Schnittlauchs.



Dieser Garten ist einfach liebevoll gestaltet. In den Hochbeeten sind fast nur Gemüse und Kräuter, aber die Blumen haben sich einfach durch den rustikalen Holzzaun gemogelt oder dürfen im Eingangsbereich die Besucher begrüßen.




Raritäten wachsen hier auch - die Etagenzwiebel, die lebendgebärend ist und immer aussieht, als würde sie Fühler haben:


An die Wildbienen wird hier ebenso gedacht - die rechteckige Beetform spiegelt sich auch in der Nisthilfe wieder. Die Tiere sind da flexibel.



Und was lernen wir jetzt aus diesen Überseekisten? Zum einen ist interessant, dass nicht nur die Beetformen überall auf der Welt gleich sind, auch die Pflanzen sind denen in Europa sehr ähnlich. Wir Gärtner wollen eben alle das gleiche: Blumen, Gemüse, Insekten und vielleicht noch ein bisschen Symmetrie. Und warum gibt es solche Gemeinschaftsgärten nicht auch in Deutschland öfter? Nirgendwo bin ich so oft darüber gestolpert wie in Vancouver. Da könnten wir uns mal ein Beispiel dran nehmen, denn so macht das Gärtnern viel mehr Spaß und ist auch für Menschen erreichbar, die keine eigene Fläche zur Verfügung haben. Und günstig ist es auch!

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Bei der Verlosung des Buches Gardengirls hat gewonnen: Marita, Kleiner Staudengarten. Viel Spaß beim Lesen!

Kommentare:

  1. Liebe Elke,

    die Quadrate sind ja richtig kreativ bepflanzt, gefällt mir gut. Und Panaschierter Giersch dürfte auch in eine meiner Gartenecken, falls er sich nicht auch wie sein hiesiger Bruder so rasend vermehrt, dass man nicht gegenan essen kann. In Berlin habe ich auch schon schöne öffentliche Hochbeet-Gärten bewundert. An der FU haben einige Studenten daraus sogar richtige kleine Miniwelten gebaut. Sehr schön.
    Danke für den Vancouver-Ausflug, bin schon auf Deine nächsten Berichte espannt.
    Scnelle Grüße über den Gartenzaun
    Jo

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  2. Liebe Elke, ich habe bei einer Reise im vorigen Jahr auch die Gemeinschaftsgärten in Vancouver entdeckt. Muss jetzt nochmal meine Bilder rauskramen und schauen, wie der hieß, den ich entdeckt habe. Den mit der Glyzinie habe ich jedenfalls gesehen. Ich war begeistert vom grünen Vancouver. LG, Ute

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  3. Liebe Elke,
    Die Hochbeete sehen toll aus. Wir haben in diesem Jahr auch welche angelegt, denn wir hatten Holz übrig. Werde ich demnächst mal von berichten. Ein weiterer Vorteil von Hochbeeten ist der entlastete Rücken....
    Ich wünsche Dir ein tolles Wochenende!
    Herzliche Grüße
    Steffi

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  4. Hallo Elke,
    eine tolle Idee, diese Gemeinschaftsgärten...und die Hochbeete sehen klasse aus. Diese Art des Gardening - Jedem sein eigenes kleines Beet - sollte hier bei den Städtern viel mehr angeboten werden, da ist ein Umdenken dringend angesagt.
    Uiiihhhh, da war mir die Glücksfee hold...ich freue mich riesig über den Gewinn und auf das Schmökern bei den Gardengirls.
    Ein feines Wochenende für dich, Marita

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  5. Liebe Elke,
    dein Bericht mit den Hochbeeten finde ich sehr interessant und sehr zum Nachahmen empfohlen. Ich sah diese Art gärtnern das erste Mal in Freiburg, dort im neu angelegten Wohnviertel mit überwiegend "Grünen Ideen", das sogenannte Vauban-Gelände. Bei unserem letzten Besuch dort (3 Wochen ) trafen wir eine Großmutter mit ihrem Enkel, sie erzählte begeistert von dieser Idee, die zunäscht einmal auf Skepsis stieß, wie alles Neue. Mehr davon in den Städten, weg vom betonierten Wegen und sterilen Rasenflächen, das würde Menschen und Tieren sehr gut tun. Ich würde so eine Aktion sofort unterstützen.
    Liebe Sonntagsgrüße
    vom sehr heißen Kaiserstuhl
    wünscht dir Edith

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  6. Ja, warum gibt es hier nicht mehr Gemeinschaftsgärten? Zum Einen: Es wird ja langsam und auch hier wird häufiger über Gemeinschaftsgärten gesprochen. Zum Anderen: Ein Bekannter aus den USA hat irgendwann einmal moniert, dass wir in Deutschland am liebsten alle unser Eigenheim wollen. WGs sind nach wie vor etwas, was man hier sucht. In den USA, gerade in größeren Städten, leben viele Menschen in WGs, auch die Älteren. Die Menschen auf der anderen Seite des großen Ozeans scheinen viel besser teilen zu können, als wir. Hier endet ein Garten am weiß gestrichenen Zaun und jeder verwirklicht darin seine eigenen Träume.

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  7. prima diese kleine gartenquadrate ! gemeinschaftsgärten in städte ein super idée !
    lieber gruss

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  8. Hallo Elke,
    Hochbeete sind was Tolles: jede Schnecke verliert auf halber Strecke die Lust und seit wir die Hochbeete haben, hat mich auch mein Rücken wieder lieb :-). Er ist halt auch nicht mehr der Jüngste *lach*.
    Gartenkommunen sind auch in Deutschland immer mehr im Kommen. Die (meines Wissens) größte ist auf dem Gebiet des alten Berliner Flughafens Tempelhof. Ich finde es sehr schön wenn sich Menschen zum gärntern zusammen finden.
    Liebe Grüße,
    Krümel

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  9. Hallo Elke,
    eine super Idee und eine optisch wirklich ansprechende Lösung.
    Lustig finde ich diesen Satz: "So erntet niemand aus Versehen das eigene Gemüse." :-)) Eine wunderbare freudsche Fehlleistung.
    Claudia

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  10. sehr schön
    Hochbeete sind schon was Feines auch wenn das eher Viertel oder Halbhochbeete sind ;)
    aber sie haben schon ihre Vorteile
    schön auch dass da in Gemeinschaft gegärtnert wird
    ich glaube hier ist das auch im Kommen..
    bei uns gibt es zumindest die "essbare Stadt"
    da wird Gemüse und Obst angebaut und wer will darf sich bedienen
    ich hätte da allesrdings Skrupel wenn ich nicht selber vorher helfen würde

    liebe Grüße
    Rosi

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  11. Liebe Elke,
    die Gemeinschaftsgärten sind sehr interessant und sicher macht das Gärtnern dort auch Spaß, zumal Stadtmenschen wahrscheinlich sonst auch keine Gelegenheit dazu hätten oder nur mit erheblichem Aufwand. Aber auf mich machen diese Gärten einen zu aufgeräumten Eindruck, zu geometrisch, zu eckig.
    Aber wenn ich in der Stadt wohnte, wäre ich sicher sehr froh ein solches Rechteck zu haben.
    Ich wünsche Dir noch eine schöne Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  12. Liebe Elke, das ist rührend und faszinierend zugleich! Ich denke, diese Idee kann auch noch bei uns in Europa ankommen, es dauert halt noch ein bisschen. Wie Guerillagardening oder andere Trends. Wenn erstmal eine Stadt damit anfängt geht es weiter, keiner will dann altmodisch sein und hinten bleiben, oder?! Umstrickte, umhäkelte Bäume habe ich bei uns zwar noch kaum gesehen, aber das gehört ja auch in eine andere Kiste ;-)
    Ich finds super! So viele Kinder in den Städten haben kaum mehr eine Verbindung zu Pflanzen, das hat mMn weitreichende Folgen und wenn es nur dafür gut wäre, dass Kinder die Chance haben zu sehen, wie eine Zwiebel oder eine Tomate wachsen ist schon sehr viel gewonnen!
    Liebe Grüße und danke für den Post! Nach Vancouver will ich schon so lange mal, habe es aber noch nicht geschafft...

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  13. Liebe Elke, ein Gemeinschaftsprojekt bestehend aus Hochbeeten ist wirklich super. Das habe ich allerdings in Österreich auch noch nie in größerer Form gesehen. Hochbeete finde ich ebenfalls sehr praktisch. Wir haben ja zwei davon im Garten stehen und die werden jedes Jahr fleißig bepflanzt. Einen Garten ohne Hochbeete könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen.

    LG Kathrin

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  14. Ich fand schon immer, dass es nur darauf ankommt, wie Giersch kombiniert ist und wo er stehen darf. Dieser verbissene Kampf, den manche betreiben, um ihn ganz und gar auszurotten, kostet nur Energie...
    liebe Grüße
    Corinna

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  15. Liebe Elke,
    ist ja eine tolle Sache mit diesen kleinen Beetparzellen :-)
    Und so herrlich bunt sieht das alles aus!
    Ganz viele liebe Grüße
    sendet dir die Urte

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  16. Bei den Bienen fehlt die Nummerierung :-). Hier liegt die Tradition bei den Schrebergärten. Wie ist es dort mit der Wasserversorgung und der Pflege der Gesamtanlage?

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  17. Ich bin ja auch ein großer Fan von solchen Gemeinschaftsgärten und die Gärten hätte ich auch gerne angeschaut. Das schwierigste daran ist sicher, von der Stadt eine Grünfläche dafür zu erhalten. Vielleicht handhabt man das in Canada etwas einfacher. Immerhin gibt es in ER auch drei Gemeinschaftsgartenprojekte.
    LG Sigrun

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