Samstag, 4. August 2018

Mein Held: Kompass-Lattich vor dem Tore

Wenn man gern Urlaub am Mittelmeer macht, dann kann ich dieses Jahr Bielefeld empfehlen. Da fehlt zwar das Meer, aber die Temperaturen und die fehlenden Niederschläge kriegen wir hier sehr gut nachgebildet.

Allerdings ist das mit der ewigen heißen Sonne ohne Regen so langsam kein Luxusproblem mehr, obwohl es viele Mitbürger wohl eher als Luxus denn als Problem bezeichnen würden. Ich finde, es ist eine Katastrophe, und wundere mich, dass es trotz allem noch Pflanzen gibt, die aussehen wie das blühende Leben.

Diese Phalanx an Kompass-Lattichen (Lactuca serriola) zum Beispiel, die da so militärisch aufgereiht vor den Garagentoren in der prallen Sonne als Türsteher vor sich hin vegetieren. Ich lehne mich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass die da keiner gießt. Das lehrt uns zwei Dinge: Erstens: Die Garagen werden nicht so oft benutzt, und zweitens: der Kompass-Lattich ist mit allen Wassern gewaschen, zur Not aber auch mit gar keinem einzigen Tropfen. Wie macht er das bloß, gerade in dem Hitzestau vor der Wand?




Die Samenpuschel, die ein bisschen wie Löwenzahn als Gorgonenhaupt verkleidet aussehen, sind zahlreich, und so wird dieser Hitzeheld bald die Welt im Fluge erobern.



Doch was ist das Geheimnis seines Erfolges? Einer seiner Tricks ist es, die Blattstellung so zu verändern, dass das Laub entweder mit der vollen Blattspreite zur Sonne zeigt, wenn er denn welche möchte, oder er gibt dem Licht die Kante, sprich, er dreht die Blattfläche von der Sonne weg. So reduziert er die Verdunstung. Dazu kommt eine ewig lange Pfahlwurzel.


Schade, dass solche Harten für den Garten dann leider nicht so richtig repräsentativ aussehen, sonst wäre ich ja Feuer und Flamme für den ahletischen Kompass-Lattich mit seinen Kunstfertigkeiten.

Auch dieser Kalifornische Goldmohn an der Hauswand gibt sich ähnlich zäh, der kennt das schlimme Wetter ja auch von zuhause.



Im Garten ist es die Kugeldistel (Echninops ritro), die völlig unbeeindruckt dasteht, außerdem lassen sich die Moschusmalven, die Zypressen-Wolfsmilch, das Helmkraut und die Stockrosen nichts anmerken.





Die Buschmalve sieht blendend aus, die Süßdolde an den Rändern etwas ausgefranst und braun, sie lebt aber immerhin auch ohne Gießkanne noch.



Dagegen muss auf den Phlox und den Kerzen-Knöterich ständig aufgepasst werden, die möchten jeden Abend einen ordentlich Schluck aus der Pulle.



Wenn nur ein bisschen von der Contenance des Kompass-Lattichs in diesen Gartenpflanzen stecken würde, das wäre ein echter Gewinn, nicht nur vorm Garagentor.

Kommentare:

  1. Also der Kompass-Lattich sieht doch irgendwie repräsentativ aus finde ich... oder du hast sehr gut fotografiert ;-) Bei mir sieht auch nicht mehr viel gut aus. Meine Malven habe ich erst dieses Jahr gepflanzt und das sieht man bei mir leider auch. Das Wurzelwerk ist noch nicht so ausgebildet. Die Fetthennen sehen bei mir nur noch gut aus.

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  2. Hallo Elke,
    meine Empfehlung würde sich auch auf's Münsterland beziehen ;-)...Sonne pur, extreme Hitze und kein Tropfen Regen seit...ach ich weiß es schon gar nicht mehr. :-( Hier leidet nicht nur der Garten stumm vor sich hin und zur Trockenheit haben Stauden, Sträucher und Bäume teilweise auch noch heftigen Sonnenbrand.
    Lieben Gruß, Marita

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  3. Meine Beobachtungen sagen mir schon lange, die Wildblumen sind die zähesten, die schmeißt so schnell keiner um. Ich erlebe es in meinem Garten auch, z.Zt. bedeckt eine ganze Flanke einen Teil eines Steinbeetes mit Seifenkraut, im Frühjahr zu wenig ausgesäubert, heute bin ich froh darüber.Es hat mir einen nicht alltäglichen Nachtschwärmer in den Garten gelockt, den Wolfsmilchschwärmer, er ist jeden Abend begeisterter Gast. In meinem Blog gibt es da einige Fotos.
    Liebe Grüße
    von Edith

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    1. Das sind auch meine Erfahrungen: Die Wildblumen machen bei der Hitze und Trockenheit nicht schlapp. Sie sind es gewohnt, sich durchzusetzen. Ich lasse sie überall da stehen, wo sie mich nicht stören. Und das sind viele Plätze. :-) Leute, die unseren Garten sehen sind immer wieder erstaunt, wieviel bei uns noch blüht. Das sind vor allem die Wildblumen, allen voran die Nachtkerze und das Johanniskraut. An denen nuckeln auch immer viele Insekten.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  4. Ja, die Hitze wird heuer wirklich zum Problem. Meine Blumenbeete wirken auch schon Recht mitgenommen und werden wohl vorzeitig verblüht sein. Schade, dass der Kompass-Lattich nicht ein bisserl hübscher ist :)

    LG Kathrin

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  5. Der Kompass-Lattich sieht bei Dir toll aus, bei uns im Garten verfluchen wir ihn, weil er wie ein Vagabund überall erscheint... Genieß Deinen Sonntag. LG

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  6. Den Kompass-Lattich hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Dabei sind die Blätter hübsch gemasert und haben eine echt bemerkenswerte Form. Auch die Samenstände sind aus der Nähe betrachtet sehr hübsch. Nur der Gesamteindruck lässt wirklich etwas zu wünschen übrig. So oder so habe ich gerade eine neue Pflanze kennen gelernt. Danke dafür.
    Viele Grüße
    Claudia

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  7. Den kannte ich noch nicht namentlich, bei uns taucht er aber eher selten auf. Wenn er so eine lange Wurzel hat, ist das auch gut so. 😉
    Dafür hat sich am Haus mitten in der prallen Sonne eine Hirseart eingestellt, die steht da auch wie eine Eins, wobei ich dazu sagen muss, dass ich sie bewässere. Nicht explizit die Hirse sondern die Kriechmispeln, von denen eine schon ganz braun geworden ist. 😏Jedenfalls ist das Blattwerk der Hise sattgrün, einfach phantastisch!

    Liebe Grüße
    Sara

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