Wer könnte besser für das Stehenlassen der Staudenstängel Werbung machen als Sonne und Frost? Jeder schnöde Halm sieht dann frisch und fesch aus. Durch den Regen zusammengepappte Flugsamen bekommen wieder eine Fönfrisur verpasst und glitzern im Gegenlicht.
Wer also noch ein Argument braucht, um Bekannte oder Nachbarn zu mehr Lässigkeit im Garten zu bewegen, sollte die herbstlichen Scherenschwinger einmal zu einem Besuch in einem botanischen Garten einladen. Denn dort kann die Sonne weiter ausholen als in kleinen Gärten und man hat einfach mehr Auswahl im Schaulaufen um den Wettbewerb "Wer hat den schönsten Samenstand".
Es kann nicht jeder botanische Garten Überzeugungsarbeit leisten, es muss schon einer unter fortschrittlicher Leitung sein, in dem die alten Stängel toleriert und zelebriert werden.
Im Winter steht die Sonne schön niedrig und auf Fotos treten die schönsten Lichteffekte auf, die einen ganz plümerant werden lassen.
Auf den vordersten Rängen stehen dabei die Blütenteller der Goldgarbe (Achillea filipendulina), die sich Mühe geben, ein Postkartenmotiv zu kreieren.
Fette Henne sieht ähnlich elegant aus, wirkt aber ein bisschen bodenständiger als die schwankenden Schafgarben.
Während das Lampenputzergras (Pennisetum) für seine Darbietung Silber bekommt, hat sich der Schneefelberich (Lysimachia clethroides) eindeutig Gold verdient.
Gräser gehen ja immer.

Die Agastache lässt sich auch nicht lumpen und steht wacker aufrecht.

Das hier könnte eine Bergminze (Calamintha nepeta) sein:
Und bei dem Samenstand hier bin ich mir gar nicht sicher, was das sein soll, sieht aber gut aus:

Sonnenhut (Rudbeckia fulgida) ist auch als Samenstand noch ein Sonnenschein:
Die Stinkende Nieswurz gibt sich grün wie eh und je:

Die Gehölze glänzen natürlich nicht weniger als die Stauden:
So, das war wieder mal der Botanische Garten Gütersloh. Ich hoffe, er hat auf ganzer Linie überzeugt, die Staudenstängel dran zu lassen und noch nicht wegzuwerfen.
















