Vor sechs Jahren, der Lockdown machte gerade mal Pause und man hatte wieder Auslauf, war ich das letzte Mal im wilden Havelgarten in Brandenburg an der Havel, der nicht an selbiger liegt, sondern am Silokanal. Macht aber nichts, die Havel ist ja doch näher als man denkt.
Hochbeete, Obstbäume, günstig Gärtnern, Gemüse, Blumen und ganz viele Kulturen kommen hier zusammen, um den kleinen Flecken Garten zu genießen und etwas zu ernten.
Wie hatte sich der Havelgarten wohl verändert? Gab es ihn überhaupt noch? Zuerst einmal ist das Drumherum mittlerweile ganz anders als damals. Beim letzten Mal war der Garten fast das einzige kultivierte Grün, was man zwischen den Häusern und dem Kanal finden konnte. Der Rest mit stillgelegten Bahngleisen und besseren Trampelpfaden war naturbelassen, voller Insekten, Industrierelikten und vielen wilden Stauden, aber auch Essigbaum-Ausläufern, Robinien und irgendwie durchs Gebüsch ans Ufer manövrierte Wohnwagen und Autos von Anglern.
Ich weiß noch, dass ich die Angler nicht mochte, die die Insektenstauden platt machten und Fische aus dem Kanal holten. Jetzt hatte es Geld zur Städtebauförderung gegeben und nun wären mir die Angler doch lieber, denn es gibt nun einen deutlich gepflegteren Park am Silokanal. Für Spaziergänger und Fahrradpendler ist es sicher jetzt richtig toll, denn es gibt einen ausgebauten Radweg, einen Fußweg am Kanal, Bänke und Spielplätze. Es gibt zum Glück auch noch die überwucherten Schienen, aber in der Mitte war die Wiese leider gemäht. Die Angler kommen nun zu Fuß, ohne Wohnwagen.
Ich hatte schon Angst, dass der Havelgarten jetzt womöglich auch einem Spielplatz gewichen ist, aber, uff, ich habe ihn wiedergefunden. Er hatte sich ein wenig verändert, war aber im Herzen derselbe geblieben. Geburtstag hatte er sogar dieses Jahr, 10 Jahre alt ist er geworden!
Wie Muppetshow-Figuren grüßten die rote Amaranth-Pflanzen schon von weitem:
Den Weg begleitet ein Rankgerüst, an dem Brombeeren und andere sich lang hangeln.
Die Hochbeete sind sicher nicht mehr dieselben, aber es gibt sie noch und sie quollen über mit Kohl, Tomaten, Zucchini und Mais, obwohl es in Brandenburg noch trockener war und immer noch ist als bei uns.
Sogar eine kleine Rose darf vor den Hochbeeten wachsen:
Birkenäste als Stützen für die Tomaten:
Einen Sandkasten gibt es auch:
Ein Baumstumpf wird zum Pflanztopf:
Und dann habe ich den Kompost entdeckt und musste natürlich erstmal schauen, was da so weggeworfen wurde. Ich hatte nämlich noch kein Souvenir aus dem Urlaub mitgenommen und das wurde am letzten Tag langsam mal höchste Eisenbahn.
Da war sie, die Leidgeplagte im Haufen vergraben: Gelbe Fette Henne, also wohl Hohe Fetthenne (Hylotelephium telephium).
Sie kommt auch wild in Brandenburg vor und toleriert sandigen Boden und ganz viel Trockenheit.
Selbst in den Gleisen wachsen sie:
Und die hatten es wohl im Havelgarten zu bunt getrieben und waren gejätet worden.
Diese Fetthenne ist bei Hummeln noch deutlich beliebter als die rosafarbene, also kam der Kompostfund wie gerufen. Die armen Dinger waren auch schon ganz verschrumpelt und abgemagert, also dünn statt fett. Das war Rettung in letzter Minute!
Zwei Tage später hatten die briefmarkenplatten Blätter wieder zu alter Form zurückgefunden und ich habe die neuen Fetthennen im Garten eingepflanzt. Danke, Havelgarten, für das Souvenir!









































Guten Morgen Elke,
AntwortenLöschenwie schön, dass du den Garten wiedergefunden hast. Er hat einen ganz eigenen Charme mit den Birkenzweigen als Stütze und den Blütenstauden, die ganz zufällig (?) am Weg wachsen. Toll finde ich, dass die Kita dort ein Beet hat und die Kinder ans Gärtnern herangeführt werden.
Ob du wohl noch ein Sonnenplätzchen für deine Fetthenne gefunden hast?
Viele Grüße
Susanna
Guten Morgen Elke, wieder ein schöner Gartenreisebericht mit tollen Bildern. Inzwischen finde ich den Herbst mit seinen Farben noch schöner als den Sommer, auch wegen der angenehmeren Temperaturen. Könntest du bei den Bildern mit geretteten Pflanzen wohl den lateinischen Namen der gelben Fetthenne hinzufügen? Ich finde den leider nicht. Diese Pflanze fehlt noch in meinem Garten. Danke und weiterhin so tolle berichte.
AntwortenLöschenAnnette
Hallo Annette,
Löschenich denke, dass es die Große Fetthenne (Hylotelephium telephium) ist, wobei das eine Sammelart ist, also alles nicht so eindeutig.
VG
Elke
Du findest auch immer etwas, das du retten kannst, liebe Elke. Finde ich prima. Dieser Havelgarten ist wohl irgendein (wildes?) Gemeinschaftsprojekt? Aber offenbar nach wie vor betreut. Bei uns gab es auch immer mal wieder ähnliche Projekte, aber oft verlieren die Initiatoren, oder auch die Mitglieder, irgendwann die Lust daran und dann verfällt das Ganze wieder. Ich erinnere mich an das Permakulturprojekt am Rand der Schwanheimer Düne. Das hat genau ein Jahr funktioniert. Fand ich wirklich Jammerschaden.
AntwortenLöschenLiebe Grüße und ein schönes Wochenende 🌿🌻🫛 Elke
Wie cool, dass du doch noch ein Souvenir vom Aufenthalt im Havelgarten mitnehmen konntest...die Gemüsehochbeete in diesem verwunschenen Garten sehen recht ansehnlich aus, da wird der Garten sicher von so manchem geliebt, der diese tollen Gemüsesorten erntet und sich dabei an der Rose im Gemüsebeet erfreut.
AntwortenLöschenEinen lieben Gruß von Marita
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenHalbe Wildnis, kann man dazu sagen. Solche Flächen findet man hier in Freiburg auch, ich bin gerne darin rumgestöbert. Mit einem Schluck Wasser erholt sich so manches Pflänzchen wieder zu neuem Leben. Pflanzenretter wissen das.
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Edith