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Samstag, 26. September 2026

Der Havelgarten am Silokanal

Vor sechs Jahren, der Lockdown machte gerade mal Pause und man hatte wieder Auslauf, war ich das letzte Mal im wilden Havelgarten in Brandenburg an der Havel, der nicht an selbiger liegt, sondern am Silokanal. Macht aber nichts, die Havel ist ja doch näher als man denkt.

Hochbeete, Obstbäume, günstig Gärtnern, Gemüse, Blumen und ganz viele Kulturen kommen hier zusammen, um den kleinen Flecken Garten zu genießen und etwas zu ernten.

Wie hatte sich der Havelgarten wohl verändert? Gab es ihn überhaupt noch? Zuerst einmal ist das Drumherum mittlerweile ganz anders als damals. Beim letzten Mal war der Garten fast das einzige kultivierte Grün, was man zwischen den Häusern und dem Kanal finden konnte. Der Rest mit stillgelegten Bahngleisen und besseren Trampelpfaden war naturbelassen, voller Insekten, Industrierelikten und vielen wilden Stauden, aber auch Essigbaum-Ausläufern, Robinien und irgendwie durchs Gebüsch ans Ufer manövrierte Wohnwagen und Autos von Anglern.

Ich weiß noch, dass ich die Angler nicht mochte, die die Insektenstauden platt machten und Fische aus dem Kanal holten. Jetzt hatte es Geld zur Städtebauförderung gegeben und nun wären mir die Angler doch lieber, denn es gibt nun einen deutlich gepflegteren Park am Silokanal. Für Spaziergänger und Fahrradpendler ist es sicher jetzt richtig toll, denn es gibt einen ausgebauten Radweg, einen Fußweg am Kanal, Bänke und Spielplätze. Es gibt zum Glück auch noch die überwucherten Schienen, aber in der Mitte war die Wiese leider gemäht. Die Angler kommen nun zu Fuß, ohne Wohnwagen.




Das Highline-Feeling ist aber noch da, wenn man die Gleise findet. Die Essigbäume wuchern ungebrochen und haben sich nicht vertreiben lassen.







Ich hatte schon Angst, dass der Havelgarten jetzt womöglich auch einem Spielplatz gewichen ist, aber, uff, ich habe ihn wiedergefunden. Er hatte sich ein wenig verändert, war aber im Herzen derselbe geblieben. Geburtstag hatte er sogar dieses Jahr, 10 Jahre alt ist er geworden!

Wie Muppetshow-Figuren grüßten die rote Amaranth-Pflanzen schon von weitem:

Beim Näherkommen sieht man, dass sie auf einem Hügelbeet wachsen:


Den Weg begleitet ein Rankgerüst, an dem Brombeeren und andere sich lang hangeln.


Die Hochbeete sind sicher nicht mehr dieselben, aber es gibt sie noch und sie quollen über mit Kohl, Tomaten, Zucchini und Mais, obwohl es in Brandenburg noch trockener war und immer noch ist als bei uns.


Eine Glattblatt-Aster am Weg mit Königskerzen, Minze und Fetter Henne:



Sogar eine kleine Rose darf vor den Hochbeeten wachsen:



Die Auberginen fühlen sich im warmen Brandenburg auch ohne Gewächshaus ganz wohl:

Birkenäste als Stützen für die Tomaten:







Einen Sandkasten gibt es auch:



Ein Baumstumpf wird zum Pflanztopf:



Die industrielle Revolution schlägt Wurzeln:

Und dann habe ich den Kompost entdeckt und musste natürlich erstmal schauen, was da so weggeworfen wurde. Ich hatte nämlich noch kein Souvenir aus dem Urlaub mitgenommen und das wurde am letzten Tag langsam mal höchste Eisenbahn.

Da war sie, die Leidgeplagte im Haufen vergraben: Gelbe Fette Henne, also wohl Hohe Fetthenne (Hylotelephium telephium).

Sie kommt auch wild in Brandenburg vor und toleriert sandigen Boden und ganz viel Trockenheit.


Selbst in den Gleisen wachsen sie:

Und die hatten es wohl im Havelgarten zu bunt getrieben und waren gejätet worden.

Diese Fetthenne ist bei Hummeln noch deutlich beliebter als die rosafarbene, also kam der Kompostfund wie gerufen. Die armen Dinger waren auch schon ganz verschrumpelt und abgemagert, also dünn statt fett. Das war Rettung in letzter Minute!

Zwei Tage später hatten die briefmarkenplatten Blätter wieder zu alter Form zurückgefunden und ich habe die neuen Fetthennen im Garten eingepflanzt. Danke, Havelgarten, für das Souvenir!

Samstag, 12. September 2020

Die Demokratisierung des Gemüses

Die Demokratisierung des Gemüses, sprich: Gärtnern für alle in der Stadt und ganz ohne Zäune und Wachschutz, geht das? Kommt drauf an. In Städten oder Stadtvierteln, in denen Vandalismus stärker wuchert als Giersch, Zaunwinde und Knöterich zusammen, wird es sicher anstrengend. Selten wird man eine besondere Tomatensorte dazu gepflanzt bekommen, eher verschwindet eine besondere Tomate in fremden Mägen. Wenn das mühsam gezogene Gemüse also von Leuten geklaut wird, die sich nie drum gekümmert haben, oder die schönen Hochbeete auf dem öffentlichen Platz von Graffiti statt Blumen geschmückt werden, kann einem die Lust am Grün für alle, die keinen eigenen Garten haben, sicher schnell vergehen.

Alles vergebliche Liebesmüh also mit dem demokratisierten Gemüse? In manchen Städten scheint es doch zu klappen. In Coburg, Bayern, kann man zunächst einen Garten mit Blumen und rotem Grünkohl bewundern, der aber hinter Gittern verschlossen liegt und nicht betreten werden kann. Kunststück also, dass der Kohl noch da ist?



Ohne Zaun stehen diese Kübel herum, gänzlich grafittifrei und ohne eine einzige Einwegflasche zwischen den Blumen:


 

Dahinter die Treppe hinauf gibt es aber schöne Hochbeete aus Cortenstahl, der immer vor Rost so schön errötet, während man selbst bei diesem edlen Hochbeet ganz blass vor Neid wird. Bepflanzt ist es mit Salbei, Erdbeeren, Ringelblumen, Zucchii, Kapuzinerkresse und Duftverbene als kleiner Lufterfrischer für zwischendurch.




 Dahinter steht noch ein ausgeklügelter Erdbeerturm.


Das alles wird betreut vom Grünflächenamt und kommt gut gewässert, aber ohne Grafitti oder Vermüllung daher. Was hat Coburg, das andere Städte nicht haben?

Auch nett ist der "Stinknormale Stadtgarten" in Rathenow, Brandenburg. Hier findet man ebenfalls keinen Stein des Anstoßes. Der Park, in dem der Gemüsegarten liegt, gehört zum ehemaligen Gelände der Bundesgartenschau 2015 in Rathenow und hat daher einen Zaun drum herum, der vielleicht auch nachts ganz geschlossen wird.

 

Hier gibt es eine gigantische Feuerbohne in einem Ziegelsteinbeet.

 


Obstspaliere von Apfel bis Kirsche rahmen die Beete kunstvoll ein. Ein Riegel Spalierobst zeigt sogar Herz. Was so akkurat gezogen wurde, stammt ganz sicher noch aus BUGA-Zeiten.






Ganz so stinknormal ist dieser Stadtgarten also doch nicht...

Wie ist es in eurer Stadt? Gibt es öffentliche Gemüsegärten und wenn ja, wie klappt es damit?