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Samstag, 26. Oktober 2019

Oktoberfundstücke

Es ist schön, wenn der Garten auch mal Sachen macht, ohne dass man ihn groß dazu ermuntern müsste. Durch Gießen zum Beispiel oder ewiges Unkrautzupfen. Man muss sich im Herbst nur noch daran erinnern, dass man dem Garten im Frühjahr irgendwelche Ideen eingepflanzt hat. Das ist gar nicht so einfach.

Bereits im Sommer hatte ich nämlich schon vergessen, dass ich hinten im Garten eine rotschalige Schrumpelkartoffel aus der Küche eingegraben hatte, um sie zu entknittern - als nagelneue Kartoffel natürlich.

Und dann kam es natürlich, wie es kommen musste: Ich habe an der Stelle an den braunen Blütenständen der Pentaglottis nicht gerade sanft herumgezerrt und gezogen, bis ich plötzlich einen ganzen Kartoffelstrunk in der Hand hatte. Wo kam der denn her? Ach, da war ja was, die hatte ich doch selbst eingepflanzt. Die arme Kartoffelpflanze habe ich ganz schnell wieder eingegraben und gewässert. Das Wunder war, wie sie dort völlig ohne Schneckenverfolgung und sogar ohne Gießen den ganzen trockenen Sommer überstanden hatte. Auch danach bekam sie keine Extraportion Wasser mehr.

Letzte Woche habe ich mal nachschauen wollen und kein Kartoffelgrün mehr gefunden. Nach einigem Graben habe ich dann zwei größere Kartöffelchen in der Hand gehabt - und zwei murmelgroße, die sind in der Erde geblieben, falls sie im nächsten Jahr wachsen möchten.


Der Ertrag wäre mit viel Bemuttern und mehr Sonne sicher höher gewesen, aber diese kleine Ernte ist immerhin auch nur mit minimalem Aufwand entstanden.

Auch andere Pflanzen haben ohne Arbeit meinerseits die trockene Zeit überstanden und machen jetzt wieder bei der Gartengestaltung mit.

Dieses rhabarberähnliche Gebilde mit den großen Laubflatschen ist die Kriechende Gämswurz, die im Sommer eingezogen war und jetzt mit Macht und immer wieder überraschend austreibt. Ich hatte mal wieder gar nicht mit ihr gerechnet, und nun ist sie da und spielt den Platzhirsch. An der Stelle stand vorher auch der Buchsbaum, den wir wegen der Zünsler-Attacken gerodet haben. Nun hat die Gämswurz endlich Platz, was sie natürlich sofort spitz gekriegt hat.



Die jahrealten Sämlinge der Herbst-Alpenveilchen kommen auch jetzt erst wieder zutage. Dummerweise hat die Knoblauchsrauke ihre Abwesenheit genutzt und sie zugewuchert. Da musste ich doch ein paar Pflanzen rausreißen, damit die kleinen Knöllchen mehr Licht bekommen. Schatten schön und gut, aber bitte nicht den absoluten Vollschatten unter großen Blättern, das hält doch keiner aus. Auch der aufdringliche Wald-Ziest musste da weg. Die Wurzeln der Knoblauchsrauke habe ich geraspelt und mit Schmand zu einer Soße angerührt, die täuschend echt nach Meerrettich geschmeckt hat.



Nach Jahren der Abwesenheit ist auch urplötzlich diesen Herbst die Frühlings-Braunwurz (Scrophularia vernalis) wieder dabei und hat große Pflanzen in den Schatten platziert, sehr zu meiner Freude, denn sonst wäre die Stelle dort ziemlich kahl, die der eingezogene Bärlauch wie jedes Jahr hinterlassen hat.


Und weil daneben noch mehr geht, habe ich ein weggeworfenes Alpenveilchen vom Friedhof gerettet, das noch ziemlich fit aussieht. Vermutlich wird es den Winter nicht überleben, aber bis dahin bringt es ein bisschen Farbe in die kahle Ecke.


Es lohnt sich im Herbst also ganz besonders, nach wiedergekehrten oder neu gesäten Gartengästen Ausschau zu halten - oder nach vergessenem Gemüse.

Montag, 9. September 2013

Wunschfilm

Liebes Fernsehen, ich wünsche mir jetzt eine Sendung, die es so noch nicht gab. Eine Reise zu den Ursprüngen unserer Gartenpflanzen würde ich gerne einmal sehen - aus welchen Teilen der Erde kommen unsere Stauden, in welchem Lebensraum wachsen sie dort und welche Gesellschaft haben sie am Naturstandort. Danach soll bitte gezeigt werden, wie die Wildarten züchterisch bearbeitet wurden und wann man damit angefangen hat. Ein bisschen so wie in den Vorher-Nachher-Shows soll das aussehen, nur eben ohne Lockenstab und Wimperntusche.

Die erste Folge der neuen Serie ist auch gar nicht so teuer, denn man kann schon in den Alpen anfangen, wo man eine große Zahl von Gartenstauden entdecken kann. Vom Gipfel in den Garten hat es weniger das Edelweiß geschafft, dafür aber viele altbekannte Beetblumen, die wir teilweise gar nicht mehr mit den Bergen in Verbindung bringen.


Ich habe mal ein bisschen mit der Recherche angefangen und zeige hier ein paar der möglichen Kandidaten für die Sendung. Ist zwar alles nur privat, aber es kostet auch keine Fernsehgebühren. Da ich Anfang September in den Berchtesgadener Kalkalpen unterwegs war, finden sich hier leider keine Frühlingsblüher, wie die Gemswurz. Aber auch zur fortgeschrittenen Jahreszeit blüht noch eine ganze Menge.

Da wäre zum einen das Alpenveilchen (Cyclamen europaeum), das schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts seinen Weg nach England antrat und später in mehreren Sorten erhältlich war. Man kann es in den Wäldern finden, ich habe es allerdings nur in Tal-Lagen erspäht.

 
Die Christrose (Helleborus niger) ist ebenfalls eine alte Bekannte. Sie lebt gern im Wald, man kann sie aber manchmal selbst auf sonnigen Almen entdecken. Sie wächst schon lange auch in den Gärten außerhalb der Alpen, wo sie erst im 19. Jahrhundert Konkurrenz durch exotischere Arten bekam.




Eine auffällige Erscheinung im Spätsommer ist der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus), der bis auf 2500 m klettert. Er ist wirklich mit allen Wassern gewaschen - man kann ihn auf Almwiesen, in Wäldern, Felsschluchten und sogar am Ufer des Königssees finden, wo er sich nasse Füße holt. Bei soviel Anpassungsfähigkeit ist es kein Wunder, dass er mit Leichtigkeit Eingang in die Gärten gefunden hat.


Bei manchen Pflanzen wundert es allerdings, dass sie nicht flächendeckend in unseren Gärten zu sehen sind. Zum Beispiel der Klebrige Salbei (Salvia glutinosa), der in Wäldern und auf Lichtungen zu hause ist. Mit seiner späten Blütezeit und ungewöhnlichen Farbe ist diese Staude eine Bereicherung für licht-schattige Gartenecken. Er mag kalkhaltige Böden und ist ansonsten anspruchslos. Gute Staudengärtnereien führen diesen sensationellen Salbei zum Glück im Sortiment.



Der Bunte Hohlzahn (Galeopsis speciosa) könnte ebenfalls gartenwürdig sein. Zwar ist er einjährig, aber scheinbar äußerst genügsam, denn man kann ihn in der Sonne wie im Schatten als auch auf ganz unwirtlichen Böden, wie Schotter, finden.



Nun sollen diese Beispiele natürlich nicht dazu animieren, die schönen Stauden beim nächsten Wanderurlaub einfach auszugraben. Das wäre zwar sehr günstiges, aber auch sehr illegales Gärtnern. Stattdessen kann man sich bei so einer Ortsbesichtigung einmal anschauen, was die lieben Kleinen alle so für Ansprüche haben. Findet man sie im schattigen Laubwald oder eher in der vollen Sonne auf dem Bergrücken? Welche Nachbarpflanzen kann man finden? Kultiviert man nämlich eine dieser Stauden bereits richtig erfolgreich, sollte man sich auch einmal an die Gesellschafter des Naturstandortes wagen. Das "Wer mit wem" kann man also beim Wandern im Vorbeilaufen klären - oder vielleicht auch ganz bequem beim Fernsehen, wenn die neue Serie kommt.

Christrose und Leberblümchen sind solche Traumpaare, die man in den Alpen finden kann, wenn es ganz gut läuft auch noch mit Alpenveilchen zusammen (Bild links und oben rechts). Auch der Klebrige Salbei macht eine gute Figur neben ihnen im Schatten. Eine andere interessante Kombination fand ich in einem schattigen Tal, wo Akeleiblättrige Wiesenraute mit Blauem Eisenhut und Schwalbenwurz-Enzian aufs Innigste verbandelt war (Bild unten rechts).

 
Hat man die Ansprüche dieser Pflanzen dann gut getroffen, werden sie sich prima vermehren. Das ist dann wahrhaft günstiges Gärtnern.

Also, liebes Fernsehen, wann läuft die erste Folge der neuen Serie? Ich schalte auch ein, versprochen!

Samstag, 18. September 2010

Mutter und Kind

Auch im Herbst ist es Zeit, dem Bodenpersonal ein bisschen Aufmerksamkeit zu gönnen. Was die Frühlingszwiebeln können, können Herbstkrokus und Herbstzeitlose schon lange.

Eine ganz besondere Kostbarkeit ist das winterharte Herbst-Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium), das auch Efeublättriges Alpenveilchen genannt wird - man sieht auch sofort, warum:


Es liegt gern Sträuchern und Bäumen zu Füßen und nimmt auch mit den Schattenseiten des Lebens vorlieb.

Die Blüten erscheinen schon vor dem Laub, das über Sommer einzieht.


In großen Gruppen gepflanzt sehen die kleinen Alpenveilchen einfach umwerfend aus:


Doch wie kommt man überhaupt an so eine große Ansammlung? Die Knollen sind gar nicht billig und zu allem Überfluss kann man auch noch aus Versehen Wildfänge erstehen, da ein Großteil der Alpenveilchen noch in der Natur geräubert wird.
Es wird daher empfohlen, nur kleine Knollen zu kaufen, so kann man noch am ehesten Pflanzen aus Kultur und nicht Natur bekommen. Je größer die Knolle, umso eher fehlt sie irgendwo im Balkan.

Wenn man nur wenige kaufen möchte, braucht man eine Engelsgeduld, bis ein schöner Teppich entsteht.

Allerdings sind uns die Ameisen bei der Vermehrung behilflich, denn sie verschleppen die Samen netterweise überallhin. Nach dem Verblühen wickelt sich der Blütenstiel spiralig auf, bis er schließlich in bequemer Ameisenreichweite am Boden ankommt.

Sind die Ameisen zu faul, keimt der Samen auch schon mal dort, wo er hingewickelt wurde - direkt auf der Mutterknolle. Das finden weder Mutter noch Kind besonders gelungen, aber der winzige Sämling hat im Zweifelsfall doch das Nachsehen.
Man muss auch loslassen können: Auf diese Huckepacksämlinge sollte man auf jeden Fall ein wachsames Auge haben und den Abnabelungsprozess zur Not selbst in die Hand nehmen - wieder ein Alpenveilchen mehr, wenn auch eine Miniaturausgabe!




Hat man die kleinen und großen Cyclamen nun sicher unter der Erde, sollte man sich die Stelle gut merken, und zwar so richtig gut. Dass die Blätter im Sommer einziehen ist zwar einerseits super (muss man ihnen wenigstens nicht über Durststrecken hinweghelfen), andererseits aber kann so eine schlafende Knolle schnell mal einem nervösen Spaten zum Opfer fallen. Bei Narzissen ist das ja schon ein wirklicher Fauxpas, aber bei einem Alpenveilchen, das auch noch die Größe eines mittelprächtigen Kuhfladens einnehmen kann, ist die tödliche Trefferquote natürlich ungleich größer und der Tag ist gelaufen.

Daher lieber in Warnschilder investieren, etwa: "Achtung, Alpenveilchen im Tiefschlaf!".

Wenn die Cyclamen-Kolonie dann mit der Zeit größer und prächtiger wird, hat man alles richtig gemacht.

Damit es ihnen so richtig gut geht, teile ich mit meinen auch noch das Frühstück - sie kriegen die Eierschalen, ich den Rest.
Kalk mögen sie nämlich gerne.
Dann klappt's auch mit dem Wachstum.