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Samstag, 2. September 2017

Nischenthema

Zur Landesgartenschau Bad Lippspringe gehört etwas, das gar nicht dazu gehört. Zumindest kann man es besuchen, ohne Eintritt zu bezahlen. Es ist ein echtes Nischenprodukt und man übersieht es schnell, wenn man es allzu eilig hat. Es ist ein kleiner Innenhof auf dem Weg zwischen den beiden Teilen der Gartenschau und zeigt, wie man in Hochbeeten und mit viel Phantasie mitten in der Stadt gärtnern kann.

Das alles ist so kreativ und detail-verliebt, dass man sich stundenlang in diesem winzigen Innenhöfchen aufhalten könnte. Es gibt so viel zu sehen! Eine Fundgrube für Stadtgärtner mit Recyclingambitionen.


Die meisten Pflanzen haben das Glück, in einer Villa Kunterbunt zu wohnen, einem großen Palettenhochbeet mit rotem Rand. Wenn oben mal nichts blüht, stimmen die Planken fröhlich.

Ohne Milch geht hier schon mal gar nichts, zumindest dienen leere Kartons als Auffangstation für die Milchbubies unter den Gemüsen:


Milchpackung im Zwiebellook - leicht, wasserdicht - und 0% Fett:

Während die Kapuzinerkresse die Hosen an hat, dürfen sich andere Blümchen in der Wasserstelle breitmachen.


Tagetes in Töpfen und Dosen, an der Wand baumeln behandschuhte Pflänzchen neben Erdbeeren im Palettenregal:


Andere haben es noch besser getroffen und wachsen im warmen Wollhandschuh, während Kartoffeln im Sack hausen und gelbe Tagetes auch mit den Wurzeln die Aussicht genießen:



Eine Schatztruhe für Bohnen und Kapuzinerkresse gibt es, außerdem bunt bemalte Plastikflaschen mit Ausguck für Zwiebeln.



Lässig lässt die bepflanzte Hose die Beine baumeln, die Flaschen in Klarsichtoptik sehen aus, als würden sie jeden Tag frisch gewienert.


Der Ampfer muss hier sicher keine Angst haben, dass ihm jemand im alten Kochtopf die Hölle heißmacht. An der Wand baumelt noch eine Handtasche und reißt die Klappe auf.




Alles in allem ein Innenhof, der es in sich hat.

Samstag, 5. August 2017

Kleine und große Gartenschau

An apple a day keeps the doctor away - und ein offener Garten pro Woche verhindert schlechte Laune, oder? Einer pro Tag ist nun auch wirklich nicht zu schaffen, bei allem Ehrgeiz. Ich kann ja nicht jede Mittagspause bei wildfremden Leuten klingeln, wenn mir ihr Vorgarten gefällt.

Beim Blick hinter Gartenzäune erlebt man viel und lernt die Gartenbesitzer kennen. Ist es an einem Wochenende ein schöner Naturgarten, ist es am nächsten ein äußerst gepflegter Sammlergarten.

In eben diesem war ich letzten Sonntag: Ein Hanggarten einer Doppelhaushälfte mit seltenen Hortensien, Natursteinmauern aus Muschelkalk, Teich mit Gold-Elritzen - und natürlich gab es viele Stauden. Und alles so ordentlich! Ich hätte die nötige Disziplin ja nicht, einen ganzen Quadratmeter mit der winzigen Bodendeckerstaude Gunnera magellanica zu beplanzen, ohne nicht noch andere Blümchen hineinzuschmuggeln.





Und doch war auch dort ein bisschen Anarchie zu spüren: Die Weiße Wald-Aster (Aster divaricatus) hatte sich in Fugen und an den Mauern ausgesät. Netterweise sind überzählige Pflanzen nicht im Müll, sondern im Topf gelandet und man konnte sie kaufen. Habe ich gemacht, jetzt habe ich auch, so eine schattenverträgliche, schneckensichere Super-Aster. Sowas ist sympathischer als Stauden aus dem Gartencenter, denn nun werde ich immer an diesen Tag und den Garten erinnert. Außerdem waren Kaffee und Eintritt kostenlos, da kann man mal was investieren.

Investieren musste man auch beim nächsten, riesigen Garten, und das nicht zu knapp: Diesmal sollte es die Landesgartenschau in Bad Lippspringe sein. Die ist mit 17,50 Euro pro erwachsener Person wohl die teuerste aller Zeiten. Und wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis? Erst einmal wird man am Parkplatz von einem grünen Bus abgeholt, kostenlos. Gleich am Eingang blüht es einladend in bunten Kombinationen aus Einjährigen und Dahlien, danach gibt es Staudenbeete am laufenden Kilometer, gern auch international.






Wer einen Urlaub in Amerika plant, kann sich hier schon mal ein paar prominentere Wildpflanzen anschauen.






Die Mustergärten hätten gern mehr sein können.



Zur Gartenschau gehört ein Park mit Düne, Teichen, altem Baumbestand und Blumenwiesen - mitten drin ein Stand vom Imkervein (auch mein Bienenbuch war in der Auslage, hurra!). An der Düne ein mit Sempervivum und Anverwandten gedeckter Tisch:




Einmal durch die Fußgängerzone laufen und schon ist man im zweiten Teil der Gartenschau, wo ein Naturgarten vom Nabu und ein Gemüsegarten die Attraktionen sind. Leider waren im Nabu-Garten die Pflanzen nicht beschriftet, auch wirkte er hinter eine Villa gequetscht etwas ins schattige Abseits gestellt und war teilweise wenig üppig.

Alles in allem habe ich mich in anderen Gartenschauen länger aufhalten können, obwohl die Stauden- und Einjährigen-Beete in Bad Lippspringe wirklich beeindruckend waren - und die wilden Bereiche für die Tiere eine echte Bereicherung sind. Doch irgendwie war viel leerer Raum zwischen den gärtnerisch bearbeiteten Teilen, immerhin hatte man dadurch überall ein ruhiges Eckchen. Gastronomisch war es eher Autobahnraststätten-Niveau. Vielleicht erwartet man auch mehr bei so hohem Eintrittspreis?


Und welcher Garten ist nächstes Wochenende dran?