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Samstag, 3. Dezember 2016

Hütchenspiele im Advent

Scheren können töten. Vor allem in Gärtnerhand, denn der ist ja sowieso immer der Mörder. Pflanzen haben deswegen sicher gehörigen Respekt vor den scharfen Schnittwesen und würden sich wegducken, wenn sie nur könnten.

Ich in meiner Person als Mörder mit den Scherenhänden bin nämlich im Nachhinein richtig froh, dass ich nicht geschnitten habe, als dem Efeuzaun plötzlich grasgrüne Zweige wuchsen. Denn das Pfaffenhütchen, das die Vögel in einem seltenen Anflug von guter Gartengestaltung perfekt mittig auf die hintere Gartengrenze gesät haben, ist dieses Jahr richtig hübsch und ein Adventsspektakel sondergleichen: Alles in weihnachtlichem Rot. Die modische Entgleisung, Pink mit Orange zu kombinieren, kann sich nur ein echter Euonymus leisten - und dabei noch gut aussehen und nicht wie ein dahergelaufener Clown wirken:



Letztes Jahr sah das ja noch recht langweilig aus.

Für die doofe immergrüne Nadelbaumhecke im Hintergrund kann ich leider nichts. Sie könnte der (viel zu große) Grund sein, warum mein Rotkäppchen nur eine verbesserungswürdige Herbstfärbung aus sich rausbringt. Denn eigentlich können auch die Blätter knallrot werden, wenn man ein richtig talentiertes Hütchen hat. So wie dieses hier im Stadtpark, das dafür kleinere Früchte hat:



Aber ansonsten: So üppig behangen mit großen Früchten ist mein roter Freund, dass man fast glauben könnte, ich hätte eine wahnsinnig teure Sorte gepflanzt:



Die beste Auslese was die Früchte angeht ist Euonymus europaeus 'Red Cascade'. Die errötet so richtig. Doch ich finde, mein Findling ist ein ebensolcher Knaller und durchaus ebenbürtig. Selbst als Bildhintergrund hinterlässt es auf Fotos einen sichtbaren Rotstich:




Pfaffenhütchen haben sogar das Zeug zum Hausbaum, wenn man sie lässt, wie dieses große Exemplar in einem Schaugarten zeigt. Es passt mit seinen Früchten einfach perfekt zu rotem Kerzen-Knöterich.

Die Amseln und Rotkehlchen haben schon fleißig die orangefarbenen Klunker aus den roten Hüllen gefressen. Die haben wohl spitzgekriegt, dass ich dem Pfaffenhütchen nicht grundsätzlich abgeneigt bin, und schon wieder für Nachschub gesorgt. Diese beiden Babies hier neben dem Zierapfel kann ich aber nicht groß werden lassen, sonst sehe ich wirklich Rot:

Wenn die Kleinen jemand haben möchte, um auch bald so ein knalliges und noch dazu einheimisches Winterspektakel im Garten zu haben, der möge sich melden. Die Sträucher wachsen rasch, bis zur Blüte dauert es aber trotzdem ein paar Jahre. Man sieht diesen Zwergen an, dass sie ein Blättchen für Herbstfärbung haben könnten. (Versand nur nach Deutschland, besonders gern im Tausch - mir fehlt noch Wald-Geißbart, eventuell hat jemand einen Sämling abzugeben?)