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Montag, 5. Januar 2015

Das Meisenknödel-Mysterium

Wenn ein Meisenknödel abends im letzten Licht des Tages noch prall und kugelrund herumhängt, im Morgengrauen aber nur noch das leere Netz ohne kalorienhaltigen Inhalt schlaff im Wind baumelt, dann darf man davon ausgehen, dass es nicht die Meisen waren, die einen solchen unbändigen Appetit an den Tag gelegt haben. Die kleinen Vögel sind zwar oft bei einer Hängepartie am fettigen Futter zu beobachten, haben aber insgesamt nur einen Spatzenhunger und würden niemals in derartiger Geschwindigkeit speisen. Zumal Blau- und Kohlmeisen meist unter sich sind und zartere Vögel wie Schwanzmeisen erbost wegmobben, obwohl diese ihnen zahlenmäßig überlegen sind und immer auch ihre großen Brüder mitbringen.


Bleibt wohl nur ein Tier übrig, das in der Lage ist, in luftiger Höhe einen Knödel im Ganzen zu entführen: Das Eichhörnchen. Da es ein paar Tage später bei einer Nachkontrolle am nun leeren Meisenknödelhalter inflagranti erwischt wurde, erhärtet sich der Anfangsverdacht. Die plüschigen Pinselohren halten auch nicht wie Igel und Siebenschläfer einen echten Winterschlaf, sondern stehen durchaus öfter mal auf, um sich was aus dem großen Kühlschrank zu holen.

In Großbritannien, wo die aus Amerika eingeschleppten Grauhörnchen eine pelzige Plage darstellen, müssen sich die Gartenbesitzer die waghalsigsten Konstruktionen ausdenken, um das Vogelfutter nur der Zielgruppe zukommen zu lassen. Gitterkäfige, durch die nur die Vögel passen, sind dort sehr gefragt.

Hierzulande haben wir immerhin das Glück, nur das heimische Hörnchen zu haben, dem man natürlich nichts abschlagen kann. Daher habe ich ihm extra einen mit Walnüssen gefüllten Intelligenztest für kletternde Nager hingehängt, bei dem sie mit dem Kopf den Deckel aufstoßen müssen, um an die Nüsse zu gelangen. Doch Meisenknödel machen einerseits satt wie sonstwas, zum anderen sind sie auch leichter und ohne Nachdenken zu plündern.

Die Birkenholzeule, in die man einen Fettball einhängen kann, ist offenbar zu einfach auszuräubern. Also gibt es nun eine vermeintliche Diebstahlsicherung - auch ein Fundstück der Silvesternacht, das neben einer Feuerwerksbatterie herumlag.

Diese winterlich rote Metallspirale war vermutlich mal eine Raketenabschussrampe? Einmal den Stiel umgebogen, wird ein Haken draus, mit dem man die Konstruktion kopfüber aufhängen kann. Dann den Meisenknödel samt Netz eingefädelt und ganz fest in die Spirale gepresst. Passt und wackelt nicht. Was ich natürlich nicht bedacht habe, ist, dass der Knödel mit der Zeit ja immer dünner wird. 

Immerhin - einige Tage blieb das Futter nun schon an Ort und Stelle, ohne dass findige Pfoten sich daran zu schaffen gemacht haben. Ich bin jedenfalls ganz begeistert von meinem kostenlosen Recycling-Knödelhalter. Das artistisch nicht so begabte Rotkehlchen auch, denn es kann sich ganz einfach oben auf die Spirale setzen, was bei einer frei schwingenden Fettkugel ohne Halterung nicht so einfach möglich ist.

Warten wir also ab, ob der Rotschopf auf vier Beinen nun endlich mal zu den Walnüssen übergeht. Den Vögeln wäre das jedenfalls mehr als recht.