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Samstag, 13. Mai 2023

Das Tulpenrätsel

Neulich sind wieder Keimlinge aufgetaucht, beu denen ich mich nicht erinnern konnte, sie gesät zu haben. Also, sie waren ein einem Topf, ansonsten könnte es ja auch einfach Unkraut sein, aber dabei ging ich von Absicht aus. Nur welcher? Was für Sämlinge waren das? Und was hatte ich mir dabei gedacht?

Fragen über Fragen. Und dann blühte plötzlich auch noch eine orangefarbene, elfengleiche, gertenschlanke Tulpe, bei der ich auch von nichts wusste. Wo kam sie her? Welchen Namen trug sie? Ich kann mich da ja auch nicht einfach zurücklehnen und denken: Eine Tulpe ist eine Tulpe ist eine Tulpe. Der Artname sollte es schon sein, und warum nicht auch noch der Sortenname, wo wir gerade dabei sein?




Also suchte ich nach Bildern von ähnlichen orangefarbenen Tulpen. Tulipa orphanidae 'Whittallii' könnte es sein. Um die Verwirrung perfekt zu machen, gibt es aber auch Tulipa whittallii, die Feuertulpe. Die beiden Namen könnten auch noch dieselbe Art meinen, je nachdem, wo man schaut.

Im Botanischen Garten haben wir ganz viele dieser Feuertulpen im Steingarten, aber sie wirken korpulenter und nicht so zart wie meine, die sich anscheinend an den benachbarten Weinbergtulpen orientiert hat. Kulturelle Aneignung auch bei Tulpen? Das schlanke Laub passt aber zu meinem Kandidaten.

 



An wem sie sich jedenfalls nicht orientiert, ist der fette 'Black Hero', den ich anno domini 2020 aus dem Botanischen Garten geholt habe, als das große Tulpenbeet gerodet wurde und (fast) alle Tulpen entsorgt werden mussten. Und der Held hat seitdem nie mehr geblüht- aber dieses Jahr. Zumindest eine Blüte gibt es, sehr heldenhaft, ich bin begeistert! Sie ist umzingelt von Tulipa bakeri 'Lilac Wonder', die dieses Jahr so schön blüht wie zu ihren glorreichen Anfangszeiten.

Wer mir also den Namen der Tulpe nennen kann, immer her damit!

Woher sie kommt, ist immer noch unklar. Sollte ich sie etwa mit den weggeworfenen Zwiebeln von der wilden Waldmülkippe mit nach Hause genommen haben? Da sind auch einige andere rätselhafte Dinge beigewesen, darunter einige vermehrungsfreudige Ungeheuer mit Brutzwiebeln wie Klunker (Doldiger Milchstern?):



Rätsel über Rätsel...

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Grüne Schokolade und fliegende Fische

Neulich habe ich Schokolade für Gärtner gegessen, die war so richtig was für den grünen Gaumen. Nein, nicht was ihr denkt - sie war nicht etwa mit allerhand Gartenkräutern angereichert oder mit Rosenblättern belegt wie eine Hochzeitstorte. Sie war nämlich leibhaftig grün, außen wie innen.

Glaubt ihr nicht? Hier ist sie, kurz vor dem Vernaschtwerden:


Wie das schmeckt? Ich sag es frank und frei von der Leber weg: Merkwürdig. Man müsste Schokoladensommelier sein, um den Geschmack zu beschreiben. Im ersten Moment schmeckt es wie weiße Schokolade, bevor ein penetranter Eindruck von grünem Tee sich breitmacht - und der bleibt.

Wieso das süße Ding diese plakative Farbe hat und nach grünem Tee schmeckt, könnte daran liegen, dass es grünen Tee enthält (zumindest hoffe ich, dass die Färbung nur daher kommt). Süßkram also, der gleichzeitig glücklich und wach macht, das klingt gut, solange man den Tee mag. Diese Gärtnerschokolade lässt uns Mitteleuropäer nicht gerade grün vor Neid werden, sonst gäbe es sie längst auch hier zu kaufen. Gibt es aber nicht. Um in den Genuss dieses Angriffs auf den guten Geschmack zu kommen, muss man schon nach Japan reisen. Oder reisen lassen, wie in meinem Fall.


Eine Idee, die uns die Japaner aber erfolgreich vermittelt haben (mal abgesehen vom Atomausstieg), ist Sushi. Das ist reinste Kunst auf dem Teller und zum Glück auch nur mit Gemüse zu haben.

In unserer Kantine gibt es manchmal Sushi, komplett mit Sojasoßenfischchen, die ich mal wie verrückt gesammelt habe. Wozu wusste ich lange Zeit nicht, bis mir mal wieder das Treibholz vom holländischen Strand in die Hände fiel, samt aufgewickelter Angelschnur mit Originalhaken dran. Letzteres hatte ich eigentlich nur aufgesammelt, damit sich kein Seevogel darin verheddert:


Mit diesen Zutaten lässt sich ein waschechtes maritimes Mobile fertigen! Was man dazu noch braucht, sind eine Schere, eine Kerze und eine Stecknadel.


Erst einmal habe ich die Schraubverschlüsse vom Fischkopf abgeschnitten. Dann bei Kerzenschein die Stecknadel erhitzt und Löcher in die Flossen geschmolzen. Da die Angelschnur so hart ist, kann man sie ohne Nähnadel durch die Löcher stecken und verknoten. Die unteren Fische hängen an den vom Meer professionell angerosteten Angelhaken, nennen wir es mal Edelrost. Das ist etwas mühsamer beim Einfädeln wegen der fiesen Widerhaken - man möchte ab sofort bitte nicht als Fisch wiedergeboren werden.


Die einzelnen Stränge werden am Ende an das Treibholz geknotet.


Fertig sind die fliegenden Fische aus Upcycling-Material und Treibgut - jetzt habe ich mir aber noch ein Stück Gärtnerschokolade verdient!

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Trotz dieses wirklich bemerkenswert unweihnachtlichen Artikels (das Bloggen hab ich echt drauf)  wünsche ich euch Frohe Festtage! 

Donnerstag, 14. Mai 2015

Robin-Hood-Rasen

So, ab sofort könnt ihr mich den Robin Hood des Gartens nennen, den Rächer der Enterbten. Oder so ähnlich. Ich habe heute den Reichen genommen und meinem armen Rasen gegeben. Beim vatertäglichen Spaziergang durch eines unserer protzigeren Villenviertel fiel mir nämlich ein Haufen Rollrasenreste vor einem Prunkbau auf. Der Gartenabfall lag auf der Straße neben dem Gehweg und bestand zu großen Teilen aus hübsch aufgerolltem Rasenfilz. Darunter winzige Flicken, aber eben auch Stücke von der Größe einer handelsüblichen grünen Fußmatte.

Ein Blick in den Garten der Villa zeigte: Hier war wohl diese Woche erst von Profihand Rollrasen verlegt worden in der Ausdehnung eines mittleren Bolzplatzes. Der Verschnitt trocknete nun vor dem Haus vor sich hin.

Da ich ja immer Plastiktüten in diversen Größen dabei habe, haben wir so eine Rasenroulade einfach mal eingetütet und in den Rucksack gepackt. So ein Wrap ist ganz schön schwer, daher blieb es leider nur bei diesem einen. Mit dem Fahrrad wurde das Fundstück schnell nach Hause gerollt.

Man sieht: Die Qualität ist ausgezeichnet:

Mein eigener Rasen ist nach dem Roden der Buchsbaumhecke um die Süßkirsche herum als dringend bedürftig einzustufen und brauchte unbedingt so eine Rasenspende der gut betuchten Leute. Ich habe dort zwar schon neues Grün eingesät, aber mit einem Rollrasenpflaster geht es natürlich viel schneller und sieht sofort prächtig aus.

Gut, dass mein Mann gerne Dokus im Fernsehen schaut und aufgepasst hat, als holländische Fachkräfte demonstrierten, wie Rollrasen zu verlegen ist.

Also haben wir mit dem Spaten die schadhaften Stellen ausgeschnitten und abgehoben, dann den Untergrund aufgelockert und mit Erdkrümeln für eine ebene Fläche gesorgt. Ein bisschen vorwässern und der Flicken kann aufgelegt werden. Der Zuschnitt erfolgt am besten mit einem scharfen Messer, auch überstehende Ecken lassen sich so in Form schneiden und woanders wieder einsetzen.


Als der neue Teppich an Ort und Stelle lag, haben wir die Stücke kräftig unter Wasser gesetzt. Wir hätten  ruhig noch mehr gebrauchen können vom Instantgrün, aber auch so sieht es nun schon viel besser aus. Ich hoffe, der noble Rasen ist nun nicht enttäuscht, statt im Villenviertel nur in einer schnöden Reihenhaussiedlung zu wohnen - nicht, dass er noch angewidert die Wurzeln rümpft...

Mein Dank geht aber an die reichen Mitbürger dieser Stadt für die großzügige Spende an meinen notleidenden Rasen. Ist doch schön, wenn der Abfall noch einen Sinn hat und nun die Hauptrolle unterm Kirschbaum spielt, oder?

Montag, 5. Januar 2015

Das Meisenknödel-Mysterium

Wenn ein Meisenknödel abends im letzten Licht des Tages noch prall und kugelrund herumhängt, im Morgengrauen aber nur noch das leere Netz ohne kalorienhaltigen Inhalt schlaff im Wind baumelt, dann darf man davon ausgehen, dass es nicht die Meisen waren, die einen solchen unbändigen Appetit an den Tag gelegt haben. Die kleinen Vögel sind zwar oft bei einer Hängepartie am fettigen Futter zu beobachten, haben aber insgesamt nur einen Spatzenhunger und würden niemals in derartiger Geschwindigkeit speisen. Zumal Blau- und Kohlmeisen meist unter sich sind und zartere Vögel wie Schwanzmeisen erbost wegmobben, obwohl diese ihnen zahlenmäßig überlegen sind und immer auch ihre großen Brüder mitbringen.


Bleibt wohl nur ein Tier übrig, das in der Lage ist, in luftiger Höhe einen Knödel im Ganzen zu entführen: Das Eichhörnchen. Da es ein paar Tage später bei einer Nachkontrolle am nun leeren Meisenknödelhalter inflagranti erwischt wurde, erhärtet sich der Anfangsverdacht. Die plüschigen Pinselohren halten auch nicht wie Igel und Siebenschläfer einen echten Winterschlaf, sondern stehen durchaus öfter mal auf, um sich was aus dem großen Kühlschrank zu holen.

In Großbritannien, wo die aus Amerika eingeschleppten Grauhörnchen eine pelzige Plage darstellen, müssen sich die Gartenbesitzer die waghalsigsten Konstruktionen ausdenken, um das Vogelfutter nur der Zielgruppe zukommen zu lassen. Gitterkäfige, durch die nur die Vögel passen, sind dort sehr gefragt.

Hierzulande haben wir immerhin das Glück, nur das heimische Hörnchen zu haben, dem man natürlich nichts abschlagen kann. Daher habe ich ihm extra einen mit Walnüssen gefüllten Intelligenztest für kletternde Nager hingehängt, bei dem sie mit dem Kopf den Deckel aufstoßen müssen, um an die Nüsse zu gelangen. Doch Meisenknödel machen einerseits satt wie sonstwas, zum anderen sind sie auch leichter und ohne Nachdenken zu plündern.

Die Birkenholzeule, in die man einen Fettball einhängen kann, ist offenbar zu einfach auszuräubern. Also gibt es nun eine vermeintliche Diebstahlsicherung - auch ein Fundstück der Silvesternacht, das neben einer Feuerwerksbatterie herumlag.

Diese winterlich rote Metallspirale war vermutlich mal eine Raketenabschussrampe? Einmal den Stiel umgebogen, wird ein Haken draus, mit dem man die Konstruktion kopfüber aufhängen kann. Dann den Meisenknödel samt Netz eingefädelt und ganz fest in die Spirale gepresst. Passt und wackelt nicht. Was ich natürlich nicht bedacht habe, ist, dass der Knödel mit der Zeit ja immer dünner wird. 

Immerhin - einige Tage blieb das Futter nun schon an Ort und Stelle, ohne dass findige Pfoten sich daran zu schaffen gemacht haben. Ich bin jedenfalls ganz begeistert von meinem kostenlosen Recycling-Knödelhalter. Das artistisch nicht so begabte Rotkehlchen auch, denn es kann sich ganz einfach oben auf die Spirale setzen, was bei einer frei schwingenden Fettkugel ohne Halterung nicht so einfach möglich ist.

Warten wir also ab, ob der Rotschopf auf vier Beinen nun endlich mal zu den Walnüssen übergeht. Den Vögeln wäre das jedenfalls mehr als recht.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Gerettet

Skrupelloser Blumenhändler setzt Balkontomate auf dem Supermarktparkplatz aus

Bielefeld. Auch ohne Ferienzeit und andere schlechte Ausreden wurde ein Topf mit einer Balkontomate darin letzte Woche vor die Supermarkttür geworfen. Hierbei handelte es sich um eine alleinerziehende Pflanze dreier überreifer Früchtchen. In einem völlig verwahrlosten Zustand fand sie eine mitleidige Bürgerin und nahm sie in ihre Obhut. Ohne diese engagierte Mithilfe wäre die Pflanze bald darauf den Tod durch qualvolles Vertrocknen gestorben, denn geregnet hatte es schon lange nicht mehr. Die Pflanze trägt keinen Mikrochip, so dass der frühere Halter nicht eindeutig zu ermitteln ist. Hinweise bitte an die ermittelnde Tomatendienststelle.

Diese Schlagzeile hat es natürlich so nie gegeben, aber die Geschichte ist wahr. Ich war nämlich die bekloppte Bürgerin, die es wieder einmal nicht lassen konnte, das marode Grünzeug einzukassieren. Es lag in arger Schräglage auf einer Grünfläche am Supermarkt. Ich habe es mitgenommen, obwohl meine eigenen Tomaten auf der Terrasse die Weltherrschaft anstreben. Mittlerweile wachsen sie die Hauswand empor und haben den Rasenmäher als Rankhilfe entdeckt, so dass ich ihn bei jedem Frisiertermin erst entwirren muss.

Wildtomate Golden Currant erklimmt den Rasenmäher

Eine meiner Wildtomaten wird hier professionell bestäubt
 
Paradeiser habe ich also genug und Arbeit mit denen auch. Aber ich liebe die Herausforderung und konnte den Pflegefall nicht einfach vertrocknen lassen. Eine Frucht war immerhin noch essbar, die beiden anderen waren schon überflüssig.

Dabei ist die Rettung um diese Jahreszeit eigentlich ziemlich fruchtlos, denn es ist genauso spät für die Anschaffung weiterer Tomaten wie es viel zu früh ist für Spekulatius und Lebkuchen. Aber das alles ist nun mal jetzt da und man muss das beste daraus machen. Einen leckeren Lebkuchen würde ich im September ja auch nicht von der Tellerkante schubsen.

Ich habe einfach ein zu weiches Herz für Nutzpflanzen. Auf dem Acker ausgerissenen Mais würde ich natürlich ungern adoptieren, aber wenn das Grünzeug schon komplett im Umzugstopf und fertig gestäbt daherkommt, kann ich es nicht einfach links liegen lassen. Dabei hatte ich das sogar erst vor, aus oben genannten Gründen. Daher habe ich den Einkauf zunächst tomatenlos begonnen. Aber schon irgendwo zwischen Zeitschriftenregal und Gemüseabteilung wuchsen Gier und Mitleid in etwa proportional zur Fülle des Einkaufswagens. Sollte der Rucksack nachher voll sein, bliebe immerhin noch der Fahrradgepäckträger. Der kann sich schließlich auch mal nützlich machen und eine tragende Rolle übernehmen.

Gesagt, getan. Nicht ganz überraschend war die Tomate auch nach dem Einkauf noch dort, wo sie vorher gewesen war. Also ab damit auf den Drahtesel. Die Rückfahrt wurde zwar etwas unbequem, schließlich wollte ich die fruchtende Fracht nicht mit dem Allwertesten zerquetschen, aber sie kam am Ende doch heile Zuhause an. Nach einer gründlichen Notwasserung sah die Pflanze dann auch schon wieder aus wie eine Tomate.



Habitus und Blattstellung lassen erahnen, dass das eine waschechte Balkontomate ist, eine Sorte also, die nicht meterhoch wird, schön kompakt bleibt und deutlich zahmer ist als mein wildes Wuchergemüse. Die Gerettete bewahrt stets Haltung und neigt nicht dazu, herumstehendes Gartengerät anzuspringen (siehe Rasenmäher).

Hoffnungsträger der Saison

Daher reifte mit der letzten grünen Tomatenfrucht an dem geretteten Strauch der Plan, Samen aufzubewahren für die nächste Saison. Das löst zwar meine Platznot in keinster Weise, denn auf die sagenhaft fruchtbaren Wildtomaten möchte ich trotzdem nicht verzichten, aber das ist ein Problem, das sich getrost auf das nächste Jahr verschieben lässt. Kommt Zeit, kommen Tomaten, manchmal auch ganz unverhofft.

Samstag, 5. November 2011

Strandgut, alles gut

Ein Spaziergang am Meer ist fantastisch, zu jeder Jahreszeit.
Unendliche Weiten: der Himmel, das Meer, die Dünen - und dazu eine permanente Schatzsuche.


Sanddorn

 Es gibt wilde Kreaturen zu sehen - große Pflanzenfresser und ganz kleine:

Gefräßiger Unpaarhufer

Bärenraupe

Rätselhafte Spuren im Sand gilt es zu entschlüsseln: Die linke kann ich nicht recht deuten, bei der anderen habe ich eine leise Ahnung:

























Die Schnirkelschneckenhäuser in den Dünen tragen Uniform, nämlich dezentes Weiß, so sehr haben Wind und Wetter an ihnen gezehrt:


Diese leeren weißen Häuser finden sich in Massen am Wegesrand und man kann schöne Dinge mit ihnen basteln, so wie dieses Kunstherz, das ich an Ort und Stelle arrangiert habe.
Zu sehen ist es (hoffentlich) in etwa hier. Wer es wiederfindet und mir den fotografischen Beweis erbringt, erhält ein Geschenk!

Am Strand kann es dann endlich losgehen, auf zur Schatzsuche!

Mal sehen, ob sich nicht ein paar brauchbare Dinge finden lassen, die erst Schiffbruch erlitten haben, dann zum Treibgut und schließlich zum Strandgut wurden.
Es müsste sich doch etwas für Haus und Garten daraus zaubern lassen.

Zunächst einmal heißt es aber, den richtigen Ort zu finden, weitab der üblichen Touristenströme und allzu gründlichen Strandreinigungskommandos.
Am besten geeignet sind Strandabschnitte, die genau auf der Mitte des Weges zwischen zwei Orten liegen. Hierhin verirren sich nur noch wenige Spaziergänger und man ist der Platzhirsch.
Auf kleinen Nordseeinseln, wo es meist nur einen einzigen Ort gibt, hilft das allerdings wenig. Da heißt die Devise: Früh aufstehen, am besten, wenn nächstens die Flut gastiert hat.

Mit ein bisschen Glück findet man ein schönes großes Wellhornschneckenhaus, das jeden schnöden Gartenpfahl aufwerten würde:

Obwohl Rostpatina sich im Garten einer gewissen Mode erfreut, ist dieses Objekt hier leider wertlos. Da gibt es noch nicht mal Dosenpfand für zurück:


Alte Seilschaften und vor allem von den Gezeiten geprägtes Holz sind schon besser:




Diese alte Bürste hatte es mir besonders angetan, wenn sie doch nur reden könnte.
Wessen Deck schrubbte sie, oder war sie gar in der Kosmetikbranche tätig?
Sie würde sich glatt als Bienenhotel eröffnen lassen:


Manches muss man einfach vor Ort auf sich wirken lassen - als Objekt eines unbekannten Künstlers:


Schließlich fand sich noch dieses furchterregende Etwas - kilometerlang aufgewickelte Angelschnur inklusive drei rostigen Haken - ein Quell der Freude für jeden Tetanuserreger:


Und nun habe ich den ganzen Winter lang Zeit, mir zu überlegen, was ich dem Garten bastle aus den rundgeschliffenen Holzstücken, die ich mitgenommen habe.
Denn was so lange auf hoher See war, müsste doch auch im ostwestfälischen Regen noch eine Weile halten?