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Dienstag, 1. Januar 2013

Die heimlichen Stars 2012

Ein neues Jahr fängt an und es ist Zeit für den obligatorischen Rückblick. Dieses Mal möchte ich aber nicht meine eigenen mehr oder minder guten Vorsätze aufschreiben und schon gar nicht den Erfolg der letztjährigen kritisch überprüfen (ihr wisst ja, wie das ist), sondern mal wieder die Prominenz im Reihenhausgarten zu Wort kommen lassen. Diese VIPs, über die ich mich 2012 gefreut habe, sollen heute inklusive Paparazzi-Fotos vorgestellt werden. Wie sich sicher jeder denken kann, ist die Prominenz hier allerdings rein pflanzlicher Natur, das macht auch das Zeigen von Oben-Ohne-Fotos einfacher.

Und so machen wir heute zur Abwechslung mal eine kleine Oscarverleihung - Vorhang auf!

Da wäre zum einen die spontane Spornblume (Centranthus ruber), die ganz ohne Erde und freiwillig in der Traufrinne an der Hauswand wächst, womit sie sich gleich noch den Tapferkeitsorden des Jahres verdient hat. Ich hatte letzten Winter schon darüber berichtet, aber dann kam ja noch der zweistellige Kahlfrost. Überlebt hat nur das Exemplar, das ich noch rechtzeitig mit Tannenreisig in Deckung gebracht hatte. Alsdann hieß es, die Staude vor feindlichen Übergriffen zu schützen, denn ein bisschen illegal war ihr Platz ja schon, und so war sie auch einigen Ordnungsfanatikern ein Sporn im Auge. Aber ich habe mich stets tapfer dazwischen geworfen, so dass ich im Sommer in den Genuss ihrer Blütenpracht kam. Wenn man genau hinschaut, sind ihre Flugsamen sogar ein bisschen golden - sie veranstaltet ihre eigene kleine Preisverleihung.


Mittlerweile hat sie damit reichlich Nachwuchs in den umliegenden Pflasterfugen verteilt - sie erhält damit auch noch den Oscar für die beste Nebenrolle (wenn auch etwas neben der Spur).

Meine langjährige Hausmarke, die immer wieder aus selbst gesammelten Samen vermehrte Kapuzinerkresse, hat letztes Jahr beschlossen, sich zur Abwechslung einmal dezenter zu kleiden. Statt wie jede Saison davor in knalligem Orange die Diva zu spielen und jede Party zu sprengen, nun wieder in zartem Apricot. Eindeutig der Oscar für das beste Kostüm, und noch ein Grund mehr, seine eigenen Pflanzen nach Samen abzusuchen statt immer neue zu kaufen:


Mein langjähriger Regieassistent, der gute alte Korallenstrauch (Solanum  pseudocapsicum), schlug auch 2012 wieder alle Rekorde und ist kein bisschen leise geworden. Blüht und fruchtet, dass es eine Pracht ist, trotz fortgeschrittenen Alters und ohne Schönheitschirurgie! Eindeutig keine Wegwerfpflanze - er erhält damit den Oscar für die besten visuellen Effekte,  Schattenspiel inklusive:


Den Oscar für die beste Hauptrolle erhält das längste Gemüse der Welt, das sich letzte Saison dazu herabgelassen hat, zaghaft zu blühen. Das ist das erste Mal in der Gartengeschichte meines Topinambur-Wildwuchses im Alcatraz-Beet. Immer ein wenig auf der dominanten Seite, muss man doch seiner Wuchskraft Respekt zollen. Weiter so!



Der Oscar für den besten Schnitt geht an die gute alte Katzenminze (Nepeta fassenii), denn es gibt nur wenige Stauden, die so lange blühen, wenn man sie rechtzeitig zurückschneidet, und dabei so anspruchslos sind. Dazu ist sie ein echter Publikumsliebling - bei Bienen und Hummeln genauso wie bei diesem winzigen Purpurzünsler (Pyrausta), der scheinbar Nachwuchs auf der Katzenminze heranziehen wollte:




Ein Frohes Neues Jahr 2013 wünsche ich allen meinen Lesern, ihr bekommt den Oscar für das beste Publikum!

Samstag, 26. Februar 2011

Jetzt oder nie

Der Tag heute begann perfekt. Die Wettervorhersage hatte mal wieder gründlich daneben gelegen und so gab es Sonne und milde Temperaturen.
Schneeglöckchen, Krokusse und Anverwandte schauten allerdings trotz Bombenwetters etwas missmutig aus der Wäsche, bzw. aus altem Laub und Staudengestrüpp vom Vorjahr.


Hier gab es eindeutig Handlungsbedarf.
Manchmal muss eine Frau eben tun, was eine Frau tun muss.

Mit diversen Scheren, Harken und einem Sammelbehälter bewaffnet ging es den Wintererinnungen an den Kragen.
Unter der Vertonung von Erlenzeisig, Heckenbraunelle und Grünling schritt ich zur Befreiung der Frühlingsflora.


Wo ich gerade dabei war, schnitt ich auch gleich noch das Waldgeißblatt (die Schere über Kopf) und die Carex-Halme vom Kübelteich.

Erste Erfolge wurden sichtbar: Das Rotkehlchen trank sogleich an der nun freien Wasserstelle, die Heckenbraunelle kam sogar zum Baden und meine Arme begannen, sich etwas puddingähnlich anzufühlen.

Meine Haare standen bald in alle Richtungen, dank tatkräftiger Hilfe mehrerer Wild- und Kletterrosenzweige, die sich nicht minder wild gebährdeten. Die Neuentdeckung meiner Rückenmuskulatur (Schmerzen sei Dank) spornte mich nur zu weiteren Höchstleistungen an und so zupfte und rupfte ich an den widerspenstigen Halmen des Frauenmantels wie eine Amsel am Regenwurm, nur noch weniger elegant.
Schließlich war es vollbracht, die erste Schlacht des Jahres geschlagen und ich schleppte soviel ehemaliges Grünzeug aus meinem winzigen Garten, dass ein Biomassekraftwerk davon einen Tag Strom erzeugen könnte. So fühlte sich zumindest mein Rücken an.

Jetzt konnte ich den Lockruf des Sofas laut und deutlich vernehmen.
Aber halt, etwas fehlte doch noch. Höchste Zeit, das einzige ertragreiche Gemüse meines recht schattigen und viel zu vollgestopften Gartens zu ernten: Topinambur (Helianthus tuberosus)!


Dieses mit der Sonnenblume verwandte Knollengemüse lässt sich im Winter gut ernten, aber nicht lange lagern. Daher sollte man es nur bei akutem Bedarf aus dem Boden holen.

Die recht stattliche Staude neigt sehr zum Wuchern. Mein ganzer Bestand stammt von einer einzigen Knolle ab, die ich vor Jahren im Bioladen gekauft habe. Mittlerweile reicht es für ein ganzes Abendessen.
Jedesmal habe ich dennoch arge Bedenken, dass ich meinen Topinambur komplett aufgegessen hätte. Diese Zweifel werden noch genährt durch die Tatsache, dass er relativ spät austreibt.
Schließlich kommt er aber doch jedes Jahr zuverlässig wieder und schafft es sogar noch, sich zu vermehren.

Damit er es nicht allzu bunt treibt, habe ich ihn in mein Alcatraz-Beet gepflanzt - unten Schotter und an den Seiten Pflastersteine - wenn er dort ausbricht, Respekt, dann hat er sich sein Bleiberecht verdient!
Bis jetzt verhält er sich aber zahm. Leider verwehrt er mir auch hartnäckig die Blüte, und das seit Jahren, schade.



Jetzt steht sie also in der Küche, die Schüssel mit der tollen Knolle.
Ob ich heute abend allerdings kochen mag, sei mal dahingestellt. Ihr wisst ja - mein Rücken.