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Sonntag, 5. Juli 2015

Geburtstagsgäste

Wenn man so wie ich am Johannistag (24. Juni) Geburtstag hat, dann verheißt das nicht nur Gutes. Viele schöne Dinge enden dann: Es gibt keinen Spargel mehr und auch den Rhabarber sollte man dann nicht mehr essen. Die Tage werden allmählich schon wieder kürzer. Dafür steht der Johannis-Schnitt an, mit dem man Bäume und Sträucher gut in ihrem Wachstum bremsen kann, in jedem Fall besser als beim Schnitt im kahlen Zustand. Das bedeutet aber wiederum viel Arbeit und weniger Auf-der-faulen-Haut-Herumliegen, wie man es im Sommer doch am liebsten tut.

Zum Glück gibt es aber natürlich auch Vorteile: Die Wicken fangen zuverlässig an meinem Geburtstag an zu blühen, die Rosenblüte ist in vollem Gange, die ersten Johannisbeeren werden reif und man kann oft draußen feiern.



In lauen Sommernächten, die um den Johannistag herum liegen, findet in meinem Garten eine ganz besondere Lightshow statt: Glühwürmchen - wie sollte es anders sein auch unter dem Namen Johanniswürmchen bekannt.

Ab 22:30 Uhr kann man sich auf die Lauer legen und das kalte grüne Licht genießen, das aus dem Gebüsch hervortanzt und mal heller, mal dunkler wird. Einen Ausschalter haben die Tierchen auch, vor allem, wenn der Selbstauslöser an der Kamera betätigt wird, um eine Langzeitbelichtung mit ihnen zu machen. Dabei sendet der Apparat leider seinerseits ein Licht aus, das anfliegende Glühwürmchen nervt und sie zum Abschalten bringt. So ist es dann noch schwieriger, die kleinen Käfer auf ein Bild zu bannen.


Zugucken ist aber auch immer wieder nett und eine große Freude. Diesen Tierchen scheint das Licht förmlich aus dem Allerwertesten, und das alles mit erneuerbaren Energien! In meinem Garten ist es die Art Kleiner Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula). Die Männchen können fliegen und suchen die flugunfähigen Weibchen am Boden, die ihrerseits mit Positionslichtern auf glühende Verehrer warten.

In den Genuss der kleinen Lichtorgeln kommt man nur, wenn man es nicht übertreibt mit der Gartenpflege. Sie brauchen luftfeuchte Stellen mit viel Stauden- und Strauchwuchs, wo sich die Larvenspeise aufhält: Schnecken! Mit dem Schneckenkorn an den Wildwuchsstellen sparsam zu sein lohnt sich daher.

Wer meinen Garten um diese Jahreszeit zu wild findet, der sollte ihn also mal bei Nacht sehen. Die Dunkelheit breitet gnädigerweise den Mantel des Schweigens über mein Wildstaudenchaos, stattdessen erscheinen wundersame grüne Leuchtsignale.

Am nächsten Morgen sieht man dann die Opfer der nächtlichen Ausschweifungen. Manche Männchen sind nach der Party in einem Spinnennetz verglüht - Katerfrühstück der besonderen Art. Dieses Tierchen hier habe ich befreit, hoffentlich erholt es sich noch von den Verwicklungen. Gut zu erkennen sind die zwei hellen Segmente auf der Unterseite, die das Licht produzieren:



Als ich das nächtliche Fotografieren schon aufgeben wollte, fiel mir noch ein großer Falter am Wald-Geißblatt auf, den ich mit Blitz erwischt habe. Ein Ligusterschwärmer gab sich die Ehre, leider keine große Leuchte, aber auch ein imposanter Besuch von respektabler Größe.

Also doch ganz gut, am Johannistag Geburtstag zu haben - bei diesen Gästen! Auch wenn sie nie pünktlich sind und manchmal Wochen zu spät kommen...