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Samstag, 19. Februar 2022

Krake oder nicht?

So sieht eine Fette Henne aus, wegen der man den ganzen Winter lang die Schere im Schrank lässt, um sich diese gestandene Dame monatelang anzuschauen, wie sie aufrecht und elegant im herbstlichen Gewand im Beet steht. Nun ist sie sogar umringt von Elfenkrokussen, die sie nicht etwa erdrückt, sondern sie in ihrem Windschatten wachsen lässt.


Manche fetten Streber sehen sogar im Spätherbst noch richtig farbig aus - und immer senkrecht wie eine Eins:




 

Ja, so können Fette Hennen aussehen. Meine Exemplare beherrschen allesamt den aufrechten Gang nicht, sondern legen sich sofort hin, als hätten sie Angst vor Herbst und Winter und wollten ihn eng an den Boden gekuschelt überstehen. Da muss ich mich immer schwer beherrschen, sie nicht schon im Oktober auf den Kompost zu schicken. So doof sieht das meistens aus, dass ich von Fetten Kraken kaum Bilder habe.

 


Hier kann man es ein bisschen erahnen, wie das im Frühjahr aussieht. Immerhin ist es grün in der Mitte und die alten Stängel schön elfenbeinfarben.


 


Doch auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn und eine Detailaufnahme mit Frost mag doch dann und wann gelingen, etwa wenn sich ein Trieb irgendwo angelehnt hat.

Bald muss ja der Komposter wieder geleert werden und diesmal habe ich mir vorgenommen, dass die Fetten Hennen auf Diät gesetzt werden und rein gar nichts davon abbekommen. Zu viele Nährstoffe sollen nämlich zu diesem haltlosen Häufchen Triebe führen. Dann bleibt auch mehr Kompost für die restlichen Stauden und die Kübel über. Im Null-Euro-Beet gelingt das nämlich besser, dort ist der Boden mager und die Pflanze standfest.


Wie ist es bei euren Fetten Hennen? Sind sie eher Marke Bodendecker oder von der aufstrebenden Sorte?


Samstag, 23. Februar 2019

Fette Küken

Die Krokusse blühen und locken die ersten Bienen der Saison an.





Kann man sich bei diesem Anblick ernsthaft mit Spätsommerblühern wie der Fetten Henne beschäftigen? Das wäre ja gerade so, wie zu Ostern Weihnachtsdeko zu basteln?




Doch genauso, wie man es jetzt bitterlich bereut, im Herbst keine neuen Blumenzwiebeln gesetzt zu haben, sollte man den Frühjahrsputz im Garten dazu nutzen, mal nach den kleinen Pflanzengeschenken zu schauen.

Besonders die Fette Henne hat oft eine kleine Brut an Küken um sich herum versammelt, die man jetzt einsammeln und umsetzen kann.



So dick die Staude wird, so gern lässt sie uns auch an ihrem Bruterfolg teilhaben, der einem quasi zu Füßen liegt. An den alten Strünken vom letzten Jahr haben fleißige Pflanzen jede alte Knospe zu einer kleinen Tochterpflanze werden lassen und spielen Henne mit Küken. Das ist ganz schön schlau, denn durch diese passiv-aggressive Ausläuferbildung kann der Umfang einer Pflanze ganz schnell vervielfacht werden.


Die winzigen Rosetten werden am besten in einen Topf gesetzt, um sie unter Aufsicht groß zu ziehen. Junge Hennen gehen sonst in dicht gepflanzten Beeten unter. Schafft man es aber, um sie herum ein bisschen Freiraum zu schaffen, wird man in ein paar Jahren die anderen Pflanzen vor der umtriebigen Staude beschützen müssen, so groß wird sie.


Natürlich gibt es einfachere Methoden der Vermehrung: Einfach beherzt mit dem Spaten in den Horst stechen und aus einer Pflanze zwei oder mehr machen. Doch das tut meistens nicht Not, denn die Fette Henne wird lange Zeit nicht blühfaul und verkahlt auch nicht in der Mitte. Warum also eine gute Beetkombination ausdünnen, wenn man doch die Babies großziehen kann?


Auch die Zeit zum Fette-Hennen-Retten ist nun gekommen: Steht eine Staude viel zu schattig und mickert vor sich hin, kann man sie nun ausgraben und ihr ein besseres Leben versprechen. Die Stauden sind erstaunlich leidensfähig und sterben nicht sofort, wenn der Standort nicht stimmt. Doch irgendwann ist auch ihre Geduld erschöpft.

Also ran an den Speck: Der nächste Sommer kommt bestimmt und den will doch niemand ernsthaft ohne Fette Henne verbringen?

Sonntag, 21. Juni 2015

Fette Hennen und kluge Kohlmeisen

Fette Hennen sind fabelhafte Pflanzen, auch wenn man sich den Großteil des Sommers mit ihren Blättern begnügen muss, bevor im September das Blütenspektakel losgeht.

Aber die Show will schließlich gut vorbereitet werden - und was wäre ein Spätsommergarten ohne ihre lilarosa Blütenteller?

Die Pflanze sieht auch vorher durchaus attraktiv aus, wenn man die Farbe Grün mag. Ihre kuppelförmigen Horste bringen Struktur und Ruhe ins Staudenbeet - und natürlich ein gerüttelt Maß an Vorfreude auf das große Blühen.


In letzter Zeit allerdings werde ich ab Mitte Mai immer ein bisschen unruhig und schaue mit weniger Wohlwollen auf meine Mädels. Sie kriegen zwar nicht die Motten, brüten aber etwas anderes aus: Minierende Schwebfliegen machen sich in immer größerer Zahl an den fetten Blättern zu schaffen. Zwischen Blattober- und -unterseite ist ja auch ordentlich Platz, da lässt es sich gut leben und speisen - das Laub wird allerdings durch die Völlerei etwas unansehnlich.


Die Schwebfliege, die sich an meinem Sedum zu schaffen macht, ist keine geringere als Cheilosia semifasciata - eine Art, die sich aufgrund der wenigen Wildvorkommen von Fetten Hennen schon ganz verdutzt auf der Roten Liste wiederfand.

Dieser fragwürdige Titel wird ihr aber wohl wieder aberkannt werden, denn durch die üppigen Gartenvorkommen ihrer Futterpflanzen muss sie keinen Hunger mehr leiden - viele Fette Hennen, viele fette Fliegen.

Mein Garten jedenfalls scheint eine komfortable Arche dieser Art zu sein. Erst habe ich mich ein bisschen über die verunstalteten Stauden geärgert, aber dieses Jahr war ich gar nicht mehr böse um die Blattaushöhler. Ich habe Hilfe bekommen von meinen Nistkastenbewohnern, den Kohlmeisen.


Der Herr Papa der hungrigen Brut hat nämlich in Eigenarbeit herausgefunden, dass jede vertrocknete Stelle in meinem Sedum eine kleine Imbissbude darstellt. Wenn man die minierten Stellen mit dem Schnabel ein wenig bearbeitet und den Briefumschlag aus Laub öffnet, kommt einem eine leckere weiße Made entgegen - die der einer blattlausfressenden Schwebfliege nicht unähnlich sieht.

Ist der Trick erst einmal gelernt, wird die Fette Henne regelmäßig nach wenig flüchtiger Babynahrung abgegrast.

Nicht nur meine Brutvögel sind darauf gekommen, sondern auch ein anderes Paar, das mit seinen flüggen Jungvögeln im Garten gastierte. Die Fotos sind nur Belege und durch die Scheibe aufgenommen, denn sonst hätte ich den Trick nicht dokumentieren können.




Seitdem ich weiß, dass die Meisen die Maden mögen, sehe ich großzügig über meine ramponierten Fetten Hennen hinweg. Die Feinarbeit am Ende übernehmen sowieso die Schnirkelschnecken, die kosmetisch eingreifen und die vertrockneten Stellen mit nahezu chirurgischer Präzision entfernen.



Und wer wird denn da auch so pingelig sein - blühen tut das Sedum schließlich jedes Jahr trotzdem!

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Ach, du dickes Huhn!

Ein Garten ohne Phlox ist ein Irrtum, sagte seinerzeit Karl Foerster. Kann sein. Aber ein Garten ohne Fette Henne ist ein Fehler, sage ich. Das hat jetzt nicht so eine Tragweite, als wenn Herr F. das gesagt hätte, aber ich wollte auch mal was zu dem Thema beitragen, jawoll. Wer die dickblättrige Dame unter den Stauden jetzt nämlich nicht im Garten hat, guckt ziemlich dumm aus der Wäsche. Denn es gibt zwar viele hübsche Herbststauden, aber nur das sagenhafte Sedum bleibt so lange so ansehnlich. Bis nächstes Jahr, wenn man es nicht vorschnell schneidet.


Dabei glaubt man im Frühjahr noch nicht so recht, dass man ohne Sedum spectabile und S. telephium überhaupt etwas verpassen wird. Zu sehr ist man damit beschäftigt, die Tulpen zu bewundern und später die Rosen. Aber nicht umsonst hatten unsere Altvorderen schon annodazumal die Fette Henne im Garten. Jetzt im Herbst schlägt ihre große Stunde und wir sind froh, dass sie da ist und Struktur und Farbe in die Beete bringt.

Und bloß nicht schon beim ersten Frost alles abschneiden, dann bringt man sich um die schönsten Winterbilder:



Seit es Sorten mit violettem Laub gibt, wie Purple Emperor oder Matrona, haben auch Freunde des purpurfarbenen Gartens keine Ausrede mehr, die Grande Dame unter den Stauden nicht zu pflanzen. Selbst weißblühende Varietäten gibt es für die Anhänger des weißen Beetes, wie Sedum spectabile 'Iceberg'.


Sprichwörtlich ist ihre Robustheit. Gibt man ihr genug Sonne, blüht sie jedes Jahr wieder. Selbst voller Schatten bringt sie nicht sofort um. Sie spart sich dann zwar die Blüte komplett, aber auch nach einigen Jahren kann man sie noch aus einem verwilderten Garten und dieser misslichen Lage befreien. Schnecken lassen sie weitgehend in Ruhe, bei Hummeln, Bienen und Schmetterlingen ist sie dagegen äußerst beliebt.

Man sagt ihr eine gute Trockenheitsverträglichkeit nach, allerdings sollte man diese nicht überbewerten: Kommt die Dürre zur falschen Zeit, nämlich im Mai oder Juni, macht sich selbst die Fetteste Henne ganz schnell ganz dünn. In dieser Zeit muss man ihr schon mal unter die stämmigen Arme greifen, vor allem im Topf. Im Hochsommer erträgt sie längere trockene Phasen aber mit Würde.

Die Vermehrung ist denkbar einfach. Man kann es schaffen, keine einzige Fette Henne zu kaufen, und sie sich stattdessen aus anderen Gärten schenken zu lassen, wenn sie dort zu breit oder zu blühfaul geworden ist. Oder wenn der andere Gärtner uns einfach eine Freude machen möchte. So bin ich zu fast allen meinen dicken Hühnern gekommen.

Bewährt haben sich zwei Methoden der Vervielfältigung:

1. Teile und herrsche: Einen Horst mit dem Spaten teilen, schon hat man mehrere neue Pflanzen, die garantiert anwachsen. Jederzeit. Das macht man natürlich in einem fremden Garten nicht selbst, denn Raubkopieren wird auch dort nicht gern gesehen. Aber wer nett fragt, bekommt bestimmt eine nette Fette Henne geschenkt. Eine meiner beleibten Damen habe ich sogar schon einmal von einem fremden Kompost mitnehmen dürfen, wo sie der Verrottung zugeführt werden sollte.

2. Floristik im Namen der Fortpflanzung: Blumensträuße vermehren! Wer schon einmal Blütenstiele von Sedum in die Vase gestellt hat, wird bemerken, wie schnell sie sich bewurzeln. Selbst durch die Schere lässt sie sich nämlich nicht unterkriegen! Die Triebe kann man noch im Herbst an Ort und Stelle einpflanzen. Mit ein bisschen Glück wächst entweder aus dem Boden eine neue Blattrosette oder aus den Blattachseln. Oder beides. Diese winzigen Pflänzchen, die am Stiel gewachsen sind, kommen inklusive eigener Wurzeln daher und können abgetrennt und eingepflanzt werden. Mitunter klappt das sogar ganz ohne den Umweg über die Vase, wenn nämlich im Frühjahr an den nicht zurück geschnittenen alten Trieben winzige Küken sprossen - ein Grund mehr, die ollen Blüten an Ort und Stelle zu belassen, bis sie den frischen Austrieb nerven.

Brutknospe an vorjährigem Blütenstiel

Im Frühling gepflanzt, kann man staunen, was noch im selben Jahr aus so einer nur Sempervivum-großen Rosette werden kann. Diese stattliche Staude hier habe ich aus drei solchen Ablegerchen herangezogen - vom Baby bis zur Blüte in nur sechs Monaten!



Also, ran an den Speck: Jetzt ist noch Gelegenheit, sich in der Vermehrung von Fetten Hennen zu versuchen. Die Verwendungsmöglichkeiten der Pflanze sind jedenfalls grenzenlos: Sie passt in ein modernes Gräserbeet genauso wie in den Bauerngarten, in naturnahe Gestaltungen ebenso wie in formale. Besonders schön wirkt sie mit filigraneren Stauden wie hoher Katzenminze oder Gaura.

Und - Karl Foerster wird es gewusst haben - selbst zu Phlox ist sie kein Irrtum: