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Samstag, 3. August 2019

Hex, hex!

Manchmal steht man staunend vor einer wilden Pflanze und fragt sich, warum sie es nicht zur Gartenstaude geschafft hat? So eine ist das Gewöhnliche Hexenkraut (Circaea lutetiana), das man oft im Wald antrifft. Meistens sieht es da auch eher bescheiden aus, klein mit weißen, winzigen Blüten, damit kann man keinen Blumentopf gewinnen. 

Dabei kann es auch anders, wie ich kürzlich im botanischen Garten erleben durfte. Dort hatte es sich mit einem Blütenschleier gekonnt im Heidegarten über die Ericas geworfen. Ist ja nicht schlimm, die blühen ja gerade gar nicht, und so bekommt dieser nun völlig verhexte Gartenteil jetzt doch noch zu einem kleinen Rühmchen.






Auffällig waren an diesem Bestand die schönen rosafarbene statt weißen Blüten, die in der Masse einfach fabelhaft aussahen, ein wenig wie eine heimische Heuchera.


Die Samenkapseln sind klein und haarig, ein bisschen wie beim Kletten-Labkraut, aber viel zierlicher - das Hexenkraut ist eindeutig die Samtpfote unter den heimischen Pflanzen.


Schwebfliegen und Furchenbienen freuen sich sehr über diesen blühenden Hexenkessel.



Das Hexenkraut ist eine Staude, die Ausläufer treibt. Vielleicht ist es deswegen nicht in Gärten zu finden? Dabei kommt es als Waldpflanze ganz hervorragend mit Schatten zurecht, und wie der Fund im botanischen Garten zeigt, auch mit halbschattigen Lagen bei großer Trockenheit, denn ich glaube nicht, dass der Heidegarten bewässert wird.


Ich würde es gern einmal mit der kleinen Hexe versuchen, denn der nun völlig kahle Platz hinten im Garten, den der Bärlauch hinterlassen hat wie verbrannte Erde, wäre vielleicht ideal dafür. Wenn es sich aus Heidekraut empor zaubern kann, dann vielleicht auch aus drängelndem Bärlauch in dieser sommerlichen Problemzone?

Ein anderer Kandidat für die monotone Bärlauchsuppe hinten im Garten ist der Wald-Geißbart, den ich vor zwei Jahren selbst aus Samen gezogen habe. Nun steht er zwar schon woanders, aber das Geschlecht der Pflanzen an dieser Stelle ist zum Glück als divers zu bezeichnen: Männchen und Weibchen wachsen zusammen an einer Stelle, sodass mit Samenansatz zu rechnen ist bei dieser zweihäusigen Staude. Dieses Jahr Anfang Juni haben die Sämlinge schon geblüht, sehr zur Freude der Hummeln, Sandbienen und des Gefleckten Schmalbocks.

Sandbiene auf dem männlichen Geißbart beim Pollensammeln

Gefleckter Schmalbock auf dem weiblichen Geißbart beim Naschen von Nektar



Daher habe ich sicher bald genug Saatgut für eine neue Pflanze, damit die Leerstelle, die der Bärlauch nach dem Einziehen hinterlässt, endlich besetzt und verschönert werden kann.

Samstag, 27. Mai 2017

Verflixt und ausgesät

Dieses Jahr läuft es ganz oft so: Nach ewigem Wünschen und Wollen habe ich meine Sehnsuchtsstauden letzten Herbst ausgesät. Sie sind auch brav wunschgemäß gekeimt, und kaum haben sie die ersten richtigen Blätter, bekomme ich sie als größere Ausgabe geschenkt. Es ist wie verhext. Hätte ich das Wagnis Kaltkeimer nicht auf mich genommen, hätte ich jetzt vermutlich gar kein Exemplar, auch kein geschenktes.

So ein Monster von Wald-Geißbart wie diese hier wollte ich gern haben vor lauter Übermut - denn Barttragen ist ja gerade so unglaublich modern:


Nun habe ich ihn in Gütersloh bei der Staudentauschbörse in die Finger bekommen, nachdem die Wald-Geißbart-Babies schon als solche zu erkennen waren. Sind sie nicht niedlich, auch ohne Bart? Die Samen hatte ich letzten Sommer im Vorbeigehen in einem Vorgarten einkassiert und vor dem Winter draußen ausgesät. (Das Blaue auf der Erde auf dem folgenden Bild ist kein Blaukorn, sondern Schneckenschleim. Geißbart schmeckt aber nicht, ha!)

Dann ist da noch die süße Süßdolde (Myrrhis odorata), die ich unbedingt haben wollte, da sie auch ganz gut im Schatten wächst und als Zugabe leckere Samen hat, die frischgrün nach Lakritz schmecken. Einer der besten Doldenblütler überhaupt für den Garten: So langlebig wie lecker.



Also habe ich die Samen auch im letzten Sommer in einen Topf gesteckt und abgewartet. Tatsächlich rührte sich im Frühling was: Die elegantesten Keimblätter überhaupt erschienen auf der Bildfläche, schön wie Models.



Schnell wuchsen die ersten weiß gezeichneten Laubblätter - auch das ist typisch Süßdolde, die durchaus zur Blattschmuckstaude taugt.


Und genau also in dem Jahr, als ich stolz die ersten süßen Mini-Döldchen im Töpfchen hatte, besuche ich einen Schaugarten an einem Montag. Es arbeitete dort gerade jemand. Wir kamen ins Gespräch, ich bewunderte die schönen Süßdolden, als der gute Mann auch schon den Spaten zückte und mir beherzt ein gigantisches Stück Wurzel abstach. Die Pflanze musste sowieso ein wenig eingedämmt werden, da sie sich so gut versamt.

So eine verletzte Wurzel riecht übrigens auch ganz herrlich und sehr stark nach Anis, aber es wäre gemein, sie nur dafür zu piesacken. Immerhin wurde die Rückfahrt auf dem Rad so zu einem ungeahnten Dufterlebnis.

In meinem Garten angekommen war die neue Süßdolde erst ganz schlapp und fremdelte ein wenig, erholte sich aber unglaublich schnell von dem Schock und fing sofort an zu blühen. Das nenn ich Lebenswillen.

Zusammen mit Bärlauch in weißen Hasenglöckchen sieht sie sensationell aus. Bald schon kann ich die ersten Samen naschen, aber nicht zuviele, damit ich bald überall die eleganten Keimlinge habe.







Und was säe ich jetzt, damit ich es geschenkt bekomme? Krötenlilien, Trillium oder -nein, jetzt hab ich's: Frühlings-Platterbse!