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Donnerstag, 21. Juli 2011

Was macht eigentlich....

"Was macht eigentlich ...?" ist eine Frage, um die sich gern gewisse hochnotpeinliche Zeitschriften kümmern, die man höchstens notgedrungen und ganz, ganz heimlich beim Friseur oder beim Zahnarzt liest, um sich die Wartezeit in Ermangelung von Alternativen zu vertreiben. Jederzeit darauf hoffend, dass nicht doch ein Bekannter den Salon/die Praxis betritt, der uns als begeisterter Leser der Regenbogenpresse enttarnen könnte.
Was wir ja nicht sind, außer in Notwehr, denn die Lektüre ist ungefähr so spannend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen.

Besagte Fragestellung dieser allseits bekannten literarischen Glanzleistungen rankt sich meist um abgetakelte Prominente oder solche, die es nie wirklich geworden sind, aber zur Not auch Seiten füllen, wenn sie einen skandalösen Lebenswandel führen. Stars und Sternchen, die von schlimmen Schicksalsschlägen heimgesucht wurden, gehen zur Not auch.

Wer also diesen wichtigen Informationen einige Lebensqualität abgewinnen kann, findet sie in Zeitschriften, die eines oder gleich mehrere der folgenden Worte im Titel führen: "Frau", "Aktuell", "Revue", "Neu", "Woche", "Golden".

Woher ich das weiß? Ein Friseurbesuch oder vergnügliche zehn Minuten in einer Kassenschlange zur Mittagszeit in Gesellschaft älterer Damen bilden ungemein. Das ist aber immer noch besser als das Zahnarztwartezimmer.

Und auch ich möchte mich heute der Frage "Was macht eigentlich...?" widmen.
Keine Sorge, es wird botanisch, denn es soll um alte Bekannte der letzten Monate gehen, deren Lebenslauf einer kleinen Auffrischung bedarf:

Auf Platz 1: Der Korallenstrauch


Das niedliche Nachtschattengewächs spielt auch in seiner zweiten Saison den Alleinunterhalter und zeigt den Tomaten, was eine Frucht ist. Ähnlichkeiten mit diesen sind rein zufällig und bergen einiges Gefahrenpotential - Besuchern sollte man den kleinen Strauch daher vorsorglich vorstellen, bevor von der verbotenen Frucht genascht wird.

Überwintert im kühlen Schlafzimmer ist er immer noch im alten Topf zufrieden.
Mal sehen, ob er auch einen dritten Sommer schafft. Ich bin da ganz zuversichtlich.

Auf Platz 2: Die ehemals schlappen Kartoffeln

Die alten Schrumpfköpfe, die ich im März wunderbar vorgetrieben unter die Erde gebracht habe, waren zwischenzeitliche Sorgenkinder, wurden sie doch von allerlei Nacktschnecken gebeutelt. 
Dank Hornspänen und Brennnesselmulch konnte ich aber doch letzten Freitag die sagenhafte Ernte von 400 Gramm feinsten Frühkartoffeln einfahren!
 

Die Ausmaße variierten zwischen Murmelgröße und ausgewachsener, supermarkttauglicher Riesenknolle:


Das Endergebnis - eine mediterrane Gemüsepfanne mit Paprika und Zucchini für zwei Personen:



Auf Platz 3: Der Sperrmüllfund des Jahres

Der antike Topf Marke "Constantia" darf ab sofort meinen riesenhaften Ficus lyrata beheimaten:


Nachdem die olle Geigenfeige schon die Zimmerdecke erreicht hatte und in Ermangelung eines weiteren lohnenden Lebensziels in sich zusammengesackt war, musste ich ihr die Spitze kappen.
Als Entschädigung für diesen gravierenden Einschnitt in ihre Pflanzenwürde wurde sie umgetopft, in den schönen alten Metallübertopf verfrachtet und die abgeschnittene Spitze daneben in die Erde gesteckt.
Ob sich diese weiterentwickeln kann? Man wird sehen.
Die neue Spitze aber treibt schon aus und scheint sich endlich zu verzweigen:


So, das war die Pflanzenrevue für diese Woche.
Schalten Sie auch nächstes Mal wieder ein, wenn es heißt: "Was macht eigentlich... ?"

Montag, 4. Oktober 2010

Deutschland sucht den Superstar

Mein absoluter Top(f)star des Jahres 2010 ist eine kleine Giftspritze, aber so ist das nun mal, wenn man sich mit Nachtschattengewächsen einlässt.

Mitten im Winter, als ich mich zur Abwechslung mal wieder im Baumarkt herumtrieb, kullerte mir eine rote Beere vom Korallenstrauch (Solanum pseudocapsicum) entgegen (nachgeholfen habe ich nicht, ich schwöre!). Ich hob sie auf und nahm sie mit nach Hause, denn auch im Winter darf der grüne Daumen nicht nur Däumchen drehen sondern braucht auch mal eine kleine Fingerübung.

Schnell die Samen herausgekratzt, in einen Topf gesät und ab damit auf die Fensterbank.

Die Keimung ging unglaublich schnell und einfach vonstatten und schon reckten sich etliche winzige Sämlinge ans Licht.
Bald wurde es zu eng in der Kinderstube und ich musste sie trennen. Naja, um einer größeren Korallenstrauch-Invasion auf der Fensterbank vorzubeugen, habe ich nur einen pikiert und seine restlichen Geschwister verschenkt (ihnen geht es aber blendend, hab ich mir sagen lassen).

Im März sah die angehende Koralle schon so aus:


Im Mai hatte ich einen kleinen Strauch:


Dann kamen auch schon die ersten Blüten - dezentes Weiß mit ein bisschen Orange und nicht überragend spektakulär, aber einfach unverkennbar Nachtschatten:


Beim Bestäuben braucht es keine Nachhilfe - die Beeren kommen von ganz allein:


Dieser Strauch macht einfach nur Freude!
Die Schere kann man getrost einmotten - der verzweigt sich ganz ohne Friseur.
Er sieht seit Mai ununterbrochen dekorativ aus - einfach gänzlich ohne Fehl und Tadel.
Mit bewundernswertem Gleichmut erträgt er Hitze mit und ohne Platzregen sowie Kälte bis kurz vorm Frost - ich wünschte, ich könnte das auch, stattdessen habe ich das beneidenswerte Talent, auch im Sommer durchaus mit kalten Füßen aufwarten zu können.

Vor allem, wenn die Tomatenzucht mal wieder so richtig in die Binsen geht, ist Solanum pseudocapsicum ein echtes Trostpflaster, denn zumindest sind die Beeren einer Tomate wie aus dem Gesicht geschnitten - aber zum Glück war es das auch schon mit der Familienähnlichkeit, denn eine Heulsuse ist der kleine Strauch nicht: Mit der bösen Braunfäule haben die Früchte nämlich nichts am Hut.

Aber trotzdem besser nicht als Vorspeisenteller anrichten - die Beeren sind giftig.

Im Handel bekommt man den Korallenstrauch jetzt überall. Das geht so weiter bis mindestens Neujahr - weil er einfach immer passt: Er kann herbstlich aussehen oder auch weihnachtlich, je nach Stimmungslage des Betrachters - und würde er nicht auch prima zu Ostern passen? Oder Karneval? Die Pappnase(n) hat er immer auf.

Am liebsten werden Exemplare mit nur noch knallroten Beeren verkauft, aber dann bringt man sich um ein sagenhaftes Farbenspiel, wenn die Früchte von Grün über Orange nach Rot wechseln.


Aber kaufen ist ja sowieso langweilig. Diese Pflanze will einfach wachsen und man sollte sich den Spaß einmal gönnen, sie selbst heranzuziehen.
Ich hätte doch in die Großproduktion einsteigen sollen, denn jetzt könnte ich sie gut gebrauchen - als Mitbringsel und kleines Geschenk.

Aber nachher ist man immer schlauer, daher bleibt mir nur noch, euch den kleinen Superstar wärmstens ans Herz zu legen. Allüren hat er jedenfalls keine.