So langsam bekomme ich eine leise Ahnung.
Die Ausaat der Kaffeebohnen von Coffea arabica ist nämlich nicht so einfach, wie es die schiere Größe des Samens vermuten lässt.
Zunächst einmal ist natürlich die Farbe ganz entscheidend für das Gelingen - braune Bohnen weigern sich beharrlich, Leben zu zeigen - selbstredend, dass man keine gerösteten verwendet.
Stattdessen braucht man frische grüne Bohnen, höchstens das Hellbeige nach dem Trocknen ist noch zu tolerieren. Nur schokobraun sollten sie eben lieber nicht sein, wenn es nicht in völligen Frust ausarten soll.
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| Geröstete und zwei ungeröstete Kaffeebohnen zum Vergleich |
Denn den Frust hat man sowieso. Wer schnelle Erfolge sehen möchte, der sollte lieber Kapuzinerkresse oder Erbsen aussäen. Kaffee aber ist nichts für schwache Nerven - das gilt für die Samen wie für das fertige Getränk gleichermaßen - der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Da mein Kaffeestrauch "Tom Bohnen" dieses Jahr Unmengen an Kaffeekirschen produziert hat, kann ich mittlerweile von erhöhter Frusttoleranz sprechen, denn ich habe es durchgezogen, jawoll!
Anstatt mir ein Schnapspinnchen voll von eigenem Kaffee zu brühen, habe ich die Aussaat in Angriff genommen.
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| Kaffee - Blüte |
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| Frucht - noch grün hinter den Ohren |
Und was soll ich sagen: Kaum wartet man mal zwei bis drei Monate, gießt fleißig, murmelt Beschwörungsformeln und kleinere Flüche, regt es sich auch schon im Kaffeekindergarten.
So funktioniert die Aussaat:
Pro Kaffeekirsche lassen sich zwei Bohnen gewinnen, indem man das rote Fruchtfleisch gründlich entfernt - das man übrigens essen kann, schmeckt sogar gar nicht mal so schlecht!
Wartet man solange, bis die Frucht schon ganz schrumpelig braun geworden ist, gelingt die Aussaat auch, nur will man die Hülle dann nicht mehr verspeisen.
Ob man die Anwärter auf die Aussaaterde legt oder hineinsteckt, interessiert die Samen nicht die Bohne.
Auch stundenlanges Einweichen im Wasserglas vor dem Pflanzen scheint keine signifikante Beschleunigung zu bewirken, allenfalls erntet man komische Blicke, wenn Besucher des Treibguts ansichtig werden.
Allein die Temperatur könnte noch einen größeren Einfluss haben. Bei Zimmertemperatur jedenfalls fühlt man sich um Jahre gealtert, bis endlich etwas passiert.
Irgendwann keimen sie aber doch alle - die unterirdischen haben höchstens einen weiteren Weg, weil sie sich erst an die Erdoberfläche kämpfen müssen.
Was dann folgt, nenne ich das Herkulesstadium - die Keimlinge tun wochenlang nichts weiter, als den Stiel mit dem Samen obenauf immer höher zu schieben, die kleinen Kraftprotze.
Wenn ihnen der Ausblick dann endlich zusagt, beginnen sie, die Samenhülle auseinander zu drücken.
Auch das läuft in quälend langsamem Tempo ab, bis die Ungeduld siegt und man sich die Kleenen schließlich vorknöpft, um Geburtshilfe zu leisten.
Die Kerlchen sind robuster als sie aussehen - die kann man sich einfach schnappen und ihnen die Reste der Kaffeebohne vom Leib reißen. So leicht knicken die nicht ein.
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| Der vordere Keimling sprengt die Kaffeebohne |
Sind die Keimblätter erstmal entfaltet, und fühlt sich der Kaffeebohnendompteur schon stolz wie Oskar, geht das Ganze ein bisschen schneller vonstatten.
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| Keimblätter voll entfaltet |
Die ersten richtigen Blättchen lassen nicht lange auf sich warten.
Jetzt kann man ans Umtopfen denken.
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| Keimling mit den ersten beiden Blattpaaren |
Hier stehen sie nun, meine Kaffeeknirpse - mit selbstgebasteltem Namensschild - aus einem Eisstiel, einem Schaschlikspieß, Holzleim und ein bisschen Farbe:
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Wichtig ist, dass sie keine pralle Sonne bekommen.
Die kleinen Pflänzchen sind ein schönes Geschenk für Menschen mit dem grünen Daumen (hier ist jetzt auch wieder grün wichtig, damit das ganze Theater nicht für die Katz war), und auch die aussaatfähigen Kaffeebohnen sind eine begehrte Tauschwährung.
Kaffeepflanzen kaufen ist doch langweilig, wenn man so einen Nervenkitzel kostenlos geboten bekommt!
Im Moment habe ich allerdings keine Devisen mehr - die neue Ernte reift aber schon heran, so dass ich auch nächstes Jahr wieder offen bin für Tausch-Avancen!
Dann können wir auch gerne eine Kaffeezucht-Selbsthilfegruppe gründen.


































