Samstag, 1. Oktober 2022

Der Elefant im Vorgarten

Es ist kein Elefant im Raum, aber ein Elefant im Vorgarten. Der eher wie ein grünes Zebra aussieht. Ich habe nämlich etwas sehr größenwahnsinniges gewagt und eine Mariendistel in das kleine Beet vor der Haustür gepflanzt. Die habe ich von Marion geschenkt bekommen, weil die im Juli noch recht kleine Distel im Topf als unverkäuflich galt. Nun, wenn ich mir das so anschaue, dann verkauft sich die Pflanze aber doch ausnehmend gut.

Jeden Tag freue ich mich über den erfrischenden Anblick der gesprenkelten Blätter im Vorgarten, die sich immer breiter machen.



 

Anfangs wuchs hier mal Frauenmantel an der Beetkante. Der wurde immer mehr von der Herbstanemone bedrängt, bis er verschwand. Jetzt verschwindet Anemone hupehensis immer mehr, blüht kaum noch und wirkt insgesamt angeschlagen. Also habe ich es gewagt, die Mariendistel in die vorderste Reihe zu setzen, wo sich eine Lücke auftat.




Das erfüllt noch einen ganz banalen Zweck: Da die Reihe Steine, die ans Beet grenzt, nicht einbetoniert ist, neigt sie zum Ins-Beet-Kippen. Und damit ich die wankelmütigen Steine nicht noch mehr an den Rand des Abgrundes befördere, hilft jetzt die Distel aus. Sie ist so wehrhaft, dass man sich ihr nur mit hochgeschnürtem, festen Schuhwerk nähert. Durch Socken kommen die Pikser mühelos durch. Ich halte also Abstand, wie das geht haben wir schließlich alle in den letzten zwei Jahren gelernt.

Hinter der Mariendistel steht ein Steckling einer Bartblume, den ich auch von Marion habe, die ihn selbst vermehrt hat. Der sollte sich jetzt mit Wachsen beeilen, denn die Konkurrenz, aka Distel, schläft nicht.


Wo sich die Mariendistel so gut macht im nur halbschattigen Vorgarten, bereue ich es fast, den wahren Elefanten nicht dorthin gepflanzt zu haben: Die Eselsdistel. Aber die wäre spätestens zur Blütezeit wohl doch zu groß.

Samstag, 24. September 2022

Urlaubsfrische - und dann? Alles frisch im Garten?

"Der gewünschte Gärtner ist zur Zeit nicht erreichbar." So oder ähnlich werden meine Gartenbewohner den Urlaub empfunden haben, denn es kam niemand mehr mit der Gießkanne vorbei, um die Dürre bei den Stauden zu lindern, nur die Töpfe hatten alle paar Tage einen Gießdienst. Zum Glück bekommt man von den Hilferufen nichts mit, wenn man nicht zuhause ist. Man muss ihnen auch nicht anworten mit einem herzlichen "Nach meiner Rückkehr am 17.9.2022 werde ich Ihre Nachricht umgehend bearbeiten. In besonders dringenden Fällen können Sie sich auch an die Unwetter-Zentrale wenden."

Es kam dann dankenswerterweise doch anders. Während der ersten Urlaubswoche war es tatsächlich noch viel zu trocken, der Phlox hat einige Triebe notgeschlachtet und stillgelegt, also vertrocknen lassen, um die anderen zu retten. Doch dann regnete es endlich ausgiebig. Die Fette Henne ist trotzdem haltlos in alle Richtungen auseinandergefallen und sieht wieder mal aus wie eine große rosafarbene Krake, aber das tut sie auch, wenn ich dabei bin.

Dafür gab es auch einige positive Überraschungen: Der Kaukasische Rankspinat (Hablitzia tamnoides), eine essbare Staude, die ich im März in den Schatten an der Terrassenwand neu gepflanzt habe (aus einem Ablger, er lässt sich sehr gut teilen!), hat endlich zugegriffen und das Rankgerüst entdeckt. Nach etlichen Monaten hat er gelernt, wie man rankt. Ich muss ihn also doch nicht zur Schulung schicken. Er nimmt dazu die Blattstiele und wickelt sie um den Rankobelisken. Na, geht doch!




Der Palmkohl im Topf hat wie auch die Tomaten den Luxus einer Tropfbewässerung genießen dürfen musste sich also rein gar keine Sorgen machen im Urlaub. Außer über Kohlweißlinge und Schnecken, aber die haben ihn offenbar in Ruhe gelassen. Sogar sein kleiner Bruder (rechts im Bild), der schon mehrfach von Schnecken komplett gefressen wurde, hat sich noch mal an neue Blätter herangewagt.



Der Staudensellerie, arg bedrängt von Purpur-Leinkraut, ist auch so ein Knaller. Gezogen aus einem Gemüserest hat er den Sommer im Kübel verbracht und ist jetzt wieder so groß, dass man noch mal ernten kann!


Die Etagenzwiebel setzt noch einen oben drauf und die Herbstzeitlose hat es dieses Jahr tatsächlich zu drei Blüten gebracht, ohne von den Schnecken gefressen zu werden:

Die Oca im Topf hat sich wie eine grüne Flutwelle über die Terrasse ergossen. Die Blätter schmecken herrlich nach Sauerampfer, aber eigentlich möchte ich ja später die Knollen ernten. Wie viele es wohl werden bei der irren Blattmasse?

 

Der Zierapfel musste den Rasen in meiner Abwesenheit unbedingt mit Äpfelchen zuschmeißen. Ein paar habe ich gleich dazu benutzt, den nicht mehr taufrisch aussehenen Trockenstrauß im Tontopf zu ersetzen und die Äpfel einzufüllen. Dieses Arrangement kommt mit und ohne Strauß ganz ohne Heißkleber und Steckschaum aus. Im Topf sind Abschnitte und Reste von Lavendel- und anderen Stielen, um die hineingesteckten Blumen und jetzt die Äpfel festzuhalten. Ich mag es nämlich nicht, perfekt kompostierbare Dinge mit Heißkleber, der aus Kunststoff besteht, in Restmüll zu verwandeln.

Links Original-Topfschmuck vor dem Gammel, rechts mit Nachfüll-Deko:


Und so ist der Urlaub mal wieder gut gegangen, ich bin erholt und der Garten auch. Ich mache mir da vorher immer große Sorgen, ob die Pflanzen ohne mich auskommen werden, aber es hat ja dann endlich geregnet, uff!

Samstag, 17. September 2022

Schwedische Schwedische Mehlbeeren

Da denkt man, nach jahrzehntelanger, einschlägiger Erfahrung mit dem Möbelschweden wüsste man zumindest, wie man schwedisch ausspricht. Bei manchen Wörtern scheint es ja auch ganz einfach zu sein, denn französische Begriffe werden einfach eingeschwedischt: Restaurang, Butik, Massör. Dann stellt man aber fest, dass es doch komplizierter ist: Derselbe Vokal wird anders ausgesprochen, je nachdem ob er kurz oder lang ist, Konsonanten werden gern auch mal gar nicht gesprochen.

Es hat auch eine Weile gedauert, bis ich begriffen habe, dass nicht an jeder Ecke Rum verkauft wird, sondern Zimmer vermietet.

Und wie sind die schwedischen Gärten so? Es gibt wirklich viele schwedenrote Holzhäuser, andere sind gelb, in ländlichen Regionen sieht es deswegen sehr idyllisch aus. Doch findet man auch Schottergärten und Gabionen, das scheint ein grenzübergreifender Trend zu sein.


Einladende Eingangspforten: 




Gärten in Schweden:





Interessant ist dieses begrünte Dach, auf dem Iris wächst (und hier ist wieder so ein Wort: Atelje):

 

Der Nationalbaum ist - wie könnte es anders sein - sollte eiegtnlich die Schwedische Melhbeere (Sorbus intermedia) sein, wenn's nach mir ginge.  Sie ist eine Kreuzung aus Sorbus aucuparia und Sorbus aria. In Südschweden kommt sie natürlicherweise vor, wie auch in weiten Teilen Nordeuropas. Dieser Baum ist genügsam und formbar, was man sich zunutze macht, sehr zum Leidwesen der Mehlbeere: Sie kann eine Hecke sein, aber auch ein Straßenbaum. Wild kommt sie auch überall vor und wächst gern in der kargen Wacholderheide, wo es auch sehr trocken ist.


Manche haben so einige Niederlagen erlitten und haben sich trotzdem nicht unterkriegen lassen, andere sind jetzt Totholz, daneben ein Baum, der sich seines Lebens erfreut.




 

Das Laub sieht ein bisschen eichenähnlich aus, die roten Früchte zieren jetzt im Herbst sehr.




 

Also durchaus ein Baum, den man gerade in Zeiten immer trockener werdender Sommer im Auge behalten sollte! Leider bekommt man den aber nicht beim Möbelschweden. Auf schwedisch heißt sie übrigens Oxel.

Samstag, 10. September 2022

Mitmachmöwen

Da der Garten im Moment dank der anhaltenden Trockenheit so wenig Spaß macht und ja sowieso bald die mehr oder minder blütenlose Zeit ins Haus steht, heute mal ein Thema, das ein bisschen Farbe in den grauen Winteralltag bringen wird - mit grau befrackten Vögeln, die bunte Ringe an den Beinen haben!

Sicher kennt ihr die zierlichen Lachmöwen mit dem roten Schnabel und den roten Beinen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Winterhalbjahr sogar in Regionen anzutreffen sind, die mit der Küste so wenig zu tun haben wie ein Golfrasen mit einer Blumenwiese. Ein kleines Gewässer reicht den Vögeln schon, um den Winter mitten in der Großstadt zu verbringen.

An einsamen Stränden oder in ländlichen Gegenden wie hier sind sie oft etwas scheu und die Fluchtdistanz ist groß:


Andere Stellen funktionieren besser, vor allem, wenn eine Pommesbude in der Nähe ist, die ein gutes Lockangebot darstellt. 

Wenn die Lachmöwen auf Brückengeländern über Flüssen herumlungern, kann man sie besonders gut beobachten - und dann zeigen sie auch Bein! Und die zieren bei vielen Tieren mehrere Ringe: Ein Metallring, wie er von Vogelwarten üblicherweise ausgeben wird, ob die Vögel wollen oder nicht, und ein Farbring mit einer großen Kennung drauf.




Wichtig ist, welche Farbe der Ring hat und an welchem Bein er sich befindet. Eine beringte Lachmöwe zu finden ist wie auf Schatzsuche zu gehen, an manchen Orten findet man gleich mehrere. Dann kann man seinen Fund auf mitmachmoewen.de melden.

Zur Belohnung erfährt man dann, wo das Tier beringt wurde und wo es schon überall gesichtet wurde. So liefert man Forschungsergebnisse zum Thema Wanderverhalten bei Lachmöwen.

 

Auch Silbermöwen findet man manchmal mit Ring, aber sie machen nicht mit bei MitmachMöwen. Dieses Tier trägt einen Ring der Vogelwarte Hiddensee:

Dieses Fräulein hier wurde zum Beispiel in Polen beringt, trägt einen schicken gelben Ring und wurde im Januar 2021 in Nürnberg gesehen, nun lungert es an der Ostsee herum.


Macht also mit bei MitmachMöwen!

Samstag, 3. September 2022

Ich war selbst überrascht

Neulich bekam ich mal wieder eine Spam-Mail mit dem Betreff "Ich war selbst überrascht". Ja, das ist doch mal eine Einleitung, da öffnet man doch voller Vorfreude diese Email und lädt sich begeistert Viren und Trojaner herunter, indem man auf so dubiose wie überraschende Links klickt! Hab ich natürlich nicht gemacht, sondern gleich gelöscht. Ich wollte nur mal schauen, ob ihr auch voller Neugier auf diesen Blogbeitrag klickt, denn ich war tatsächlich selbst überrascht, wie lang das Hohe Helmkraut dieses Jahr blüht, wie stark es sich vermehrt hat und wie gut es ohne Bewässerung auskommt!

 





Scutellaria altissima ist wirklich ein ganz ganz großartige Staude, über die man überraschenderweise ganz wenig herausfinden kann. Die meisten Quellen geben zum Beispiel als Blütezeit Juni-Juli an. Bei mir erreicht die Pflanze nach einer Blühpause, die ihr gegönnt sei, noch locker den September - das macht insgesamt vier Monate, in denen man immer mal wieder die blauen Blüten zu sehen bekommt.


Außerdem findet man oft den Hinweis, dass dieses Helmkraut frischen Boden benötigt. Auch das kann ich nicht bestätigen, es wächst selbst am Fuße von Obstbäumen und unter Sträuchern gut, sogar in diesem trockenen Sommer. Die Wurzeln eines Ahorns habe ich ihm allerdings noch nicht zugemutet, so sehr wollte ich es dann doch nicht strapazieren.


Außerdem vermehrt es sich von selbst über Samen. Man kann aber selbst im Hochsommer alles zu Stecklingen machen, was man aus Versehen abgeschnitten hat. Auch ohne Plastiktüte über dem Kopf wächst das alles an, solange das Substrat feucht genug ist, also alle paar Tage mal bewässert wird.

Die Staude verträgt recht viel Schatten und auch recht viele Schnecken, denn die lassen es völlig in Ruhe. Es ist wirklich eine der wenigen Pflanzen in meinem Garten, die die Stielaugen nicht mal schräg anschauen.

Nun hat das Hohe Helmkraut ein Problem: Die Blüten sind klein. Man muss also entweder ganz nah rangehen oder sehr viele Pflanzen blühen lassen. Ich habe ersteres schon oft getan und an zweitem arbeite ich gerade. Mal sehen, wie mich Scutellaria altissima noch überraschen wird.