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Samstag, 17. Dezember 2022

Das blühende Büro

Heute mal ein paar Bilder aus der guten Stube. Doch halt, gut? Denn auch bei Zimmerpflanzen gilt: Aus den Augen, aus dem Sinn. Stellt man seine Lieblinge zu weit ab unter, vergisst man das Gießen nur zu leicht. Selbst im Schlafzimmer ist es schon nicht selbstverständlich, die Dürstenden hinter dem semi-transparenten Vorhang rechtzeitig wahrzunehmen, vor allem, wenn man im Winter eher im Dunklen durschhuscht.

Seit ich im Home-Office bin, habe ich aber das Arbeitszimmer noch mehr als blühendes Büro entdeckt. Hier schaue ich wachsame acht Stunden lang und mehr auf die Zimmerpflanzen, da kann nicht so viel schiefgehen. Das funktiponiert so gut, dass einige glückliche Gewächse eher umgetopft werden als früher, mit dem Ergebnis, dass ich des Öfteren nicht allein im Home-Office tätig bin, sondern mir den Platz mit zig Trauermücken teilen muss. Die sind gar nicht mal so fleißige Mitarbeiter, sondern sitzen morgens gern auf dem Monitor herum und tun so, als ob sie laufende Kommata wären. Ganz schön nervig.

Davon abgesehen erfreut mich die Zimmerpflanzen-Armada aber immens. Ich habe sogar ein lange dumm und ungenutzt herumstehendes Blumenregal wiederentdeckt und meine Lieblinge darauf arrangiert.

 

Alle diese Pflanzen hier habe ich selbst aus Ablegern gezogen, als da wären: Ein Binsenkaktus (Rhipsalis), den ich als dürres Ästchen vor zwei Jahren auf der IPM vom Boden aufgelesen habe. Er bildet mittlerweile einen grünen, stachellosen Schleier. Seinen verschnörkelten Übertopf habe ich auf dem Friedhof gefunden.


Darunter ein Philodendron scandens 'Brazil', dessen Triebe im Wasser leicht Wurzeln schlagen. Da er nach unten rankt, hat man immer genug Material zur Vermehrung.


In dem Minigewächshaus wächst ein Roter Glücksklee (Oxalis triangularis). Er bildet immer neue Knollen und lässt sich so jederzeit ausgraben und teilen. Die Farbe und windmühlenartige Form der Blätter ist ebenso spektakulär wie sein Schlafverhalten: Wenn es dunkel wird, legt er seine Blätter feinsäuberlich zusammen und schläft.


Daneben wohnt ein Korallenkaktus, der eine ganz besondere Odyssee hinter sich hat. Er kam als Einladung zu einem Bloggertreffen in einem Schlüsselanhänger aus Plexiglas. Ich habe erst gedacht, es wäre ein Kunststoffgewächs. Es war grün und winzig klein, nur eine Triebspitze in ein bisschen Substrat gesetzt. Also schnell den Anhänger aufgehebelt und den Insassen, der aussah wie in einer Raumkapsel, befreit und eingepflanzt.

Hier habe ich ihn mal zum Vergleich eine Etage höher zum anderen Kaktus gestellt: 



Und nun ist er schon so groß und blüht sogar!


Die Metallgießkanne muss schon 30 Jahre alt sein.

Alle diese Zimmerpflanzen eignen sich übrigens ganz hervorragend als Weihnachtsgeschenk für Leute mit dem grünen Daumen (im Falle von Oxalis triangularis geht auch der rote Daumen). Schnell vermehrt, eingetopft und schön verpackt sind sie ein umweltfreundliches Geschenk ohne Pestizide, Plastik und Torf. Am allerschnellsten lässt sich der Glücksklee vermehren, aber auch die sich schon an der Mutterpflanze von selbst bewurzelnden Triebe vom Rhipsalis sind schnell Last Minute getopft.

Über welche Pflanze würde ihr euch zu Weihnachten am meisten freuen? 

 



Samstag, 2. Januar 2021

Origami zum Zugucken

Wer hat's erfunden? Die Japaner? Nein, ich glaube, Origami wurde von einer Pflanze erfunden, und die braucht noch nicht mal eine Schere, um die Ausgangsform herzustellen.

Und vom Sofa aus kann man ganz gemütlich dabei zuschauen, wie die Pflanze jeden Abend feinsäuberlich jedes einzelne Blatt zusammenfaltet, wenn auch in Superzeitlupe, das ist nichts für Ungeduldige. Trotzdem grandios!

Diese handwerklich so begabte Staude kommt noch nicht mal aus Japan, sondern aus Südamerika, und heißt Oxalis triangularis, oder Dreiecksklee. Die roten Blätter gliedern sich in drei Dreiecke. Und das sogar ziemlich symmetrisch, die Pflanze kennt sich also auch mit Geometrie bestens aus.


 

Die Speicherknollen habe ich dem Ficus elastica untergejubelt, weil auf der Fensterbank Platzmangel herrschte. Einfach ein bisschen Kokossubstrat oben aufgetragen und die Knollen eingepflanzt. In Windeseile erscheinen kleine rote Triebe, die sich zu den kunstvollen, weinroten Blättern entwickeln. Oxalis triangularis lässt sich über die Speicherknollen prima vermehren. So habe ich meine Pflanze auch geschenkt bekommen.

 

Tagsüber sehen die Blätter aus wie rote Windmühlen, hübsch entfaltet, zur maximalen Ausbeute von Sonnenlicht.

 




Abends aber gehen sie schlafen. Sie müssen sich gar keine Schlafmütze überziehen, denn jedes Blatt faltet sich einfach zu einer zusammen. Das ist ein raffinierter Vorgang, bei dem jedes der drei Einzelteile sich in der Mitte, exakt entlang der Mittelrippe, so faltet, dass es mit dem Nachbardreieck zusammen stößt. So entsteht eine Form wie ein roter Regenschirm.

Bringen wir doch ganz langsam mal ein bisschen Licht ins Dunkel, um den Klee nicht zu wecken:


 

Die Pflanze hat durch diesem Faltenwurf mehrere Vorteile: Die Blätter, die im Dunklen sowieso keine Photosynthese betreiben können, werden so besser geschützt vor mechanischen Beschädigungen wie Hagel oder Sturm. Und sollte es in der Nacht regnen, werden die Regentropfen schön nach unten zum Wurzelbereich abgeleitet. Verdunstung wird so ebenfalls minimiert, weshalb die Blätter sich auch bei Trockenheit oder zu starker Sonneneinstrahlung falten.



 

Diese Blattbewegungen finden sogar sehr energiesparend statt, indem sie nicht über Wachstum an den Blattstängeln stattfinden, sondern über den Wasserdruck, den Turgor, in den Zellen der Blattbasis. Sinkt der Druck des Zellsafts auf die Zellwände, werden die Zellen kleiner und die Blätter senken sich ab.

Ist das nicht toll, wie Pflanzen zur Unterhaltung beitragen können, selbst in der dunklen Jahreszeit? Oxalis triangularis ist, wie auch andere Oxalis-Arten, so ein Alleinunterhalter, der es faustdick hinter den dreieckigen Ohren hat - Origami zum Zuschauen für's Wohnzimmer!

Mittwoch, 13. August 2014

Männersache

Um diese Zeit ist mein Garten größtenteils in Rosa gekleidet, nicht in sonniges Gelb wie es im Sommer vielerorts üblich ist. Schuld daran ist die Staudenwicke (Lathyrus latifolius), die so sehr an allem herumgriffelt und in die Breite gegangen ist, dass ich von der Terrasse aus sowieso kaum etwas anderes sehe als den pastellfarbenen Rosenbogen, an dem auch das Wald-Geißblatt rankt. 

Daneben steht die Moschus-Malve (Malva moschata) und drängt sich ebenso rosafarben ins Gartengeschehen.



Auf Bodenhöhe blüht das wuchernde Seifenkraut (Saponaria officinalis) und zwar - wie könnte es anders sein - in ganz zartem rosé.




Der Oregano (Origanum vulgare) (hier links mit Purpur-Zünsler, der immerhin nicht rosa ist) mischt da fröhlich mit, zusammen mit Herbst-Anemone und Purpur-Leinkraut - über allem thronen erhaben die pinkfarbene Kletterrose 'Manita' und eine lachsfarbene Stockrose. In der alleruntersten Etage schließlich blüht das Herbst-Alpenveilchen.

Eigentlich daher ein eher weiblich gefärbter Garten, oder? Was für Mädchen eben. Wären das alles auch Pflanzen, die gärtnernden Männern gefallen würden? Mein ehemaliger Nachbar jedenfalls hätte alle diese schlüpferfarbenen Kandidaten aus dem Garten verbannt. Bei ihm sollte es streng nur in Weiß und Blau blühen.

Vor meiner Haustür aber steht sorgsam getopft in einem - man höre und staune - blauen Kübel eine Pflanze mit pinkfarbenen Blüten, die über jeden Zweifel erhaben sein sollte. Ist die Blütenfarbe allein noch ein bisschen auf der weiblichen Seite, so lassen die Blätter doch eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht vermissen. Braune Flecken auf grünem Kleeblatt und das ganze Schauspiel in Massen - wenn diese kleine Pflanze nicht Manns genug ist, dann weiß ich es auch nicht.


Was da nun schon seit Mai ununterbrochen blüht und fröhlich Blätter schiebt, ist Glücksklee (Oxalis tetraphylla, syn. Oxalis deppei) 'Iron Cross' - ein Sauerklee mit einem äußerst ernsten Sortennamen, aber einer unbändigen Lebensfreude. Wenn man das Gießen nicht vergisst, ist er eine wahre Frohnatur.

Technisch begabt ist er auch über die Maßen - klappt bei starker Sonne oder wenn er abends müde wird - seine Blätter wie ein Regenschirm nach unten. Ein echter Kerl eben.

Alles, was man für die Inbetriebnahme dieser Pracht braucht, sind ein paar Knollen, die man im Frühjahr in ausreichend Blumenerde setzt. Sobald die kleinen Dinger gepflanzt sind, legen sie auch schon los. Das funktioniert deutlich besser als bei diesen schwindsüchtigen Kandidaten, die um Silvester herum inklusive Schornsteinfeger-Deko in viel zu kleinen Töpfen verschenkt werden und vielleicht Glück bringen, aber selbst keines haben.

Der Sommer ist eher seine Lieblingszeit, dann legt der Klee sich so richtig ins Zeug. Als Kübelpflanze ist er mein diesjähriger Preisleistungssieger - so viel Spaß hat man selten im Topf. Der Glücksklee macht wirklich glücklich, soviel steht fest.

Sogar für den Eintopf wäre der was, denn essbar sind die Knollen auch noch!


Ich werde aber versuchen, den kleinen Mexikaner in Form seiner unterirdischen Speicherorgane trocken zu überwintern, damit ich auch im nächsten Jahr wieder so ein Mannsbild im Vorgarten stehen habe.