So, jetzt ist er weg, der alte Sack. Er hatte schon ein bisschen Haltungsprobleme und war ein wenig ausgefranst. Auch mit der Sauberkeit haperte es etwas in letzter Zeit. Er ließ sich nur noch hängen und war völlig ausgelaugt, in seinem Inneren irgendwie leer. Der alte musste weg, da gab es keinen Zweifel, es hatte alles keinen Zweck mehr. Unser Verhältnis war zerrüttet, genauso wie sein äußeres Erscheinungsbild. Kennt ihr das auch? Manchmal braucht man einfach einen neuen. Jetzt habe ich endlich wieder einen. Den habe ich im China-Restaurant kennengelernt. Und so sieht er aus, ist er nicht bildschön? Der ist sogar mit "Extra Parfum", mit Auszeichnung also.
Er war kostenlos und wäre ohne meine Hilfe ausgemustert worden. Leere Reissäcke wandern nämlich nach der Leerung direkt in den Hausmüll - ich habe es kontrolliert, da ist kein grüner Punkt drauf! Nun sollen in den Sack wieder Kartoffeln rein. Diesmal baue ich Linda an, denn die war dummerweise dem Kochtopf entkommen, lungerte unnütz in der Küche herum und hatte schon fleißig ausgetrieben. Jetzt darf sie im Reissack für Nachwuchs sorgen. Ich hoffe, sie weiß das Angebot zu schätzen.
Warum ich schon wieder auf dem Thema herumreite? Weil mein Artikel zum Anbau von Knollen im Sack laut Statistik der meistgelesene überhaupt ist. Ein echter Dauerbrenner, ein ganz heißes Eisen. Daher habe ich mir gedacht, noch ein paar Tipps oben drauf zu legen. Völlig gratis. Im Nachhinein sind mir nämlich noch ein paar Dinge eingefallen, die man besser machen kann. Man lernt ja ständig dazu, und warum sollte man nicht seine Pleiten auch mal niederschreiben? Hier kommen sie also, es darf gelacht werden:
- Letztes Jahr hatte ich meine Kartoffeln im Reissack fleißig mit Kaffeetrester aus der Maschine angehäufelt. Sieht aus wie Erde und hat den Knollen offenbar gut zugesagt. Allerdings fand auch die Gelbe Lohblüte (Fuligo septica) Gefallen an diesem hausgemachten Substrat. Der Name klingt nett, oder? Ist aber ein Schleimpilz, der schön leuchtende Fruchtkörper macht. Er schadet den Kartoffeln ganz und gar nicht, ernährt sich einzig und allein von anderen Dingen, die uns Menschen nicht schmecken. Der Pilz ist lediglich ein kosmetisches Problem, aber ein großes, wenn Besuch ansteht, der zu allem Überfluss auf der Terrasse dinieren will. Also schnell alles abgekratzt, um keine Hygienefragen aufzuwerfen. Wer auf den gelben Gast verzichten möchte, sollte keinen Kaffee verwenden. Eine Garantie ist das aber auch nicht.
- Ein weiterer Nachteil von Kaffeemaschinenabfall ist die schnelle Verfärbung des Reissacks von Blütenweiß in Richtung bräunlich. Auch das gewinnt keinen Schönheitspreis.
- Da so ein Reissack mit dem Messer oder der Schere geöffnet wird, franst die Schnittstelle gerne aus. Wenn man nicht aufpasst, sieht die Terrasse bald aus wie nach einer mittleren Karnevalsparty. Daher den Flatterrand am besten vorsichtig mit dem Feuerzeug verschmelzen.
- Hat man das Substrat großzügig mit selbstgemachtem Kompost angereichert, darf man sich über Wurm-Nachwuchs freuen, und zwar nicht zu knapp. Das ist der Vorteil der Koffeinkur. Um die Nutztiere nicht zu verlieren sollte man den ganzen Sack nach erfolgreicher Kartoffelernte zurück in den Komposter entleeren.
- Da der Sack Feuchtigkeit nach unten entlässt, ist ein Abstandshalter zu wertvollen Fliesen oder Terrassenbohlen ratsam. Wie wäre es mit einem alten Topfuntersetzer aus Metall oder einem großen Teller?
Wie weit ist eure Reissack-Akquise gediehen? Hattet ihr Probleme mit der Materialbeschaffung oder ging alles glatt? Ich bin auf eure Erfahrung gespannt!





