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Samstag, 7. Januar 2017

Der Knaller im Winter

Im Winter ist alles grau und eintönig? Nicht alles. Ein kleiner Strauch, der den Rest des Jahres eher unauffällig daherwächst, überrascht nun mit richtigen Knalleffekten in Pink. Während der Liebesperlenstrauch schon nicht mehr so liebreizend aussieht, ist die Purpur- oder Korallenbeere (Symphoricarpos) auch nach Silvester noch der Knaller.



Die ganze Gattung gehört wie die Schneebeere zu den Knallerbsensträuchern, da die Frucht beim Zerdrücken mit einem Knall zerplatzt - aber nur ganz leise, ein floraler Miniböller also, biologisch abbaubar.



Bei Frost sehen sie aus wie kandierte Leckereien in Bonbonfarben und gehören zu den besten winterlichen Fotomotiven. Keiner Frucht steht Raureif besser - eine echte Eisprinzessin. Oft bleibt sogar das Laub im Winter lange grün.

Hier trägt der Oregano eine Perlenkette aus Purpurbeeren:


Bis mindestens in den März hinein versüßen die kleinen pinkfarbenen Beeren so manchen Spaziergang. Und zwar oft alle paar Meter wieder, da sie in Parks am laufenden Band als Begleit- und Leidgrün gepflanzt werden.


Die niedrigen Sträucher müssen nämlich auch so einiges erleiden. Salzattacken im Winter, keinerlei künstliche Bewässerung im Sommer, gassigehende Hund und allerhand Zigarettenkippen. Dabei beklagen sie sich nie. Im Gegenteil, die Knallerbschen sind so hartgesotten, dass sie ein Auf-den-Stock-setzen auch noch wegstecken. Sogar die abgeschnittenen Äste bewurzeln tapfer in der Vase. Die wollen's wirklich wissen.

Es lohnt also, jetzt im Winter im Park Ausschau zu halten nach besonders hübschen Beerchen - denn es gibt verschiedene Sorten, manche wachsen eher niedrig und breit ausladend, andere sind höher, und auch Beerenform und -anzahl variieren. Dann Stelle merken und bei etwaigen Strauchmassakern die Zweige abgreifen, die oft noch wochenlang neben den zerrütteten Pflanzen auf dem Rasen liegen. Zuhause ab ins Wasserglas damit.


Die Knallerbse im Null-Euro-Beet ist genauso entstanden. Die Hummeln und Bienen freuen sich im Sommer über die ewig lang erscheinenden Blüten. Und ich muss nicht mehr weit laufen, um die Eisprinzessinnen fotografieren zu können.


Amseln fressen die Früchte manchmal, aber nur, wenn wirklich nichts Besseres mehr zu schnabulieren ist.


Also, holt euch noch dieses Jahr den Knaller in Strauchgestalt, wenn ihr noch einen Quadratmeter Platz habt.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Letzter Aufruf

Ab 1. März dürfen Hecken und Strauchwerk nicht mehr geschnitten und auf keinen Fall auf den Stock gesetzt werden. Denn dann können bereits brütende Vögel in den Sträuchern hocken. Und damit es erst gar nicht soweit kommt, haben die Stadtgärtner bereits im Januar angefangen mit dem Großreinemache - obwohl dieses Schaltjahr sogar ein ganzer Tag mehr Zeit wäre, den Vögeln das Brutgeschäft zu vergeigen. Bis auf ein paar ausgewählte VIP-Sträucher (erkenntlich an freiem Stand auf öder Rasenfläche), wie Winter-Schneeball oder vereinzelte Kornelkirschen, wurde alles niedergemacht: Großflächig und heckenweise wurden die Pflanzen auf den Stock gesetzt - und die Singvögel können auf ihre Familienplanung in dieser Hecke künftig pfeifen.

Suchbild: Wo sind die Sträucher?

Dass oft sogar dicht an Wegen gebrütet wird, sieht man jetzt besonders deutlich, wenn man im fahlen Winterlicht Nester vom Vorjahr irgendwo in den kahlen Ästen entdeckt:


Die Nähe zu Spazierwegen ist also keine wirklich gute Entschuldigung für das winterliche Strauchmassaker. Gehölze, die am vorjährigen Holz blühen würden, kommen dieses Jahr jedenfalls auf keinen bunten Zweig mehr, so dass auch die Bienen sich woanders umsehen müssen. Darüberhinaus wird nicht gerade zimperlich umgegangen mit dem pflanzlichen Inventar der Parks. Manche Sträucher wirken, als wären sie vom Einsatzleiter "Freie Sicht für freie Bürger" höchstpersönlich abgebissen worden. Nach einem sauberen Scherenschnitt sieht das jedenfalls nicht aus:



Man muss sich schon sehr anstrengen, um noch etwas Positives an den nun ungewohnt leeren öffentlichen Flächen zu finden. Aber mit ein bisschen Mühe geht sogar das: Wo das Schnittgut längere Zeit herumliegt - und das tut es oft genug für mehrere Tage bis Wochen - kann sich der experimentierfreudige Gärtner bedienen. Wenn man nicht gerade zufällig eine Gartenschere in der Hosentasche findet, kann man versuchen, kleinere Äste von den dicken, nicht transportfähigen Exemplaren abzureißen. Risslinge wurzeln auch besser an. Und schon kann der Spaß beginnen.



Ob man die Zweige in eine Vase stellt oder draußen als Stecklinge in der Erde versenkt, hängt vom Aggregatzustand des Bodens und vom persönlichen Geschmack ab. Die meisten Sträucher treiben in der plötzlichen Wohnungswärme bei Wasserkontakt willig aus. Wenn es richtig gut läuft, bilden sie sogar Wurzeln. Auch wenn sie uns den Gefallen nicht tun, erfreuen viele immerhin mit einer erfrischenden Blüte, wie die Zweige dieser Vogelkirsche:


Die Äste können einen Grundstock für unsere eigene Gartenhecke bilden, unser eigenes Vogelschutzgebiet. Auch wenn die neuen Sträucher dann doch nicht ins bestehende Gartenkonzept passen sollten, hat man immerhin gelernt, wer sich so alles in der Wohnung vermehren lässt. Und so konnte ich meine Liste vom letzten Jahr um einen Neuzugang erweitern: Eine Purpurbeere (Symphoricarpos), die brav im Wasserglas Wurzeln schlug, während Spiraea bumalda ein kompletter Reinfall war.

Ohne Blätter und Blüten geben die Zweige oft Rätsel auf, so dass es manchmal eine echte Überraschung ist, was man da mit nach Hause genommen hat. Aber das gehört schließlich mit zum Spaß dazu.