Kennt ihr das auch? Wenn man nicht gerade mit der Nagelschere und chirurgischer Präzision verblühte Staudenstängel abschneidet, ist oft irgendwas zwischen die Klingen gekommen, was da nicht hingehört und von dem man sich auch gar nicht trennen wollte. Die Pflanze, der das Teil gehört hatte, auch nicht.
Man muss aber nicht gleich die Klinge ins Korn werfen deswegen. Passiert das im Frühjahr oder Sommer bei knackigen Trieben, kann man einfach aus dem Malheur eine Tugend machen und das gekappte Ende der Staude einpflanzen. Oft passiert dann etwas Wundersames: Der Trieb bildet Wurzeln. Wenn die abgeschnittene Triebspitze also nicht vertrocknet, ist alles gut gegangen und nach ein paar Wochen kann man vorsichtig spicken, ob die Bewurzelung klappt.
Ich habe so etwas schon oft hinbekommen, sogar ohne Plastikhaube oder sonstige Tricks, die die Feuchtigkeit beim Steckling halten. Nur pralle Sonne sollte man vermeiden.
Dieses Jahr ist mir das Experiment mit der Weißen Waldaster (Aster divaricatus, Eurybia divaricata) gelungen. Der hatte ich nämlich aus Versehen eine Triebspitze gekappt, als ich den benachbarten Wolligen Hahnenfuß geschnitten hatte, dessen Samen längst abgefallen waren.
Ich musste einfach probieren, ob ich den Trieb vermehren kann, denn diese Aster ist eine fantastische Staude für den Schatten und sogar in meinem Garten recht konkurrenzstark, wuchern tut sie aber nicht gerade. Hier habe ich sie kombiniert mit Pfirsichblättriger Glockenblume und Kerzen-Knöterich, bzw. die Glockenblume hat sich selbst kombiniert, da bin ich unschuldig.
Bald schieben sich bei so eingepflanzten Trieben unten die Wurzeln aus dem Topf, dann kann die neue Staude eingepflanzt werden. Das sieht dann oft recht putzig aus, denn wenn der Trieb knospig war, blüht er auch als Steckling einfach, aber eben nur wenige Zentimeter über dem Boden. Das macht die Platzwahl für die selbst vermehrte Staude schwierig, denn der Winzling soll ja nicht von Nicht-Stecklingen überwachsen werden.
Das hier ist die Mutterpflanze jetzt im Herbst..
...und das der Steckling:
Und so freue ich mich seit dem Sommer über diese Miniaturausgabe, die dicht über dem Boden so schön blühte und jetzt Samen angesetzt hat. Nächstes Jahr wird sie sicher so große wie die Mutterpflanze.



















