Wenn die Tomatentöpfe mit neuer Erde ausgestattet werden, um die neue und hungrige Besatzung zu beherbergen, ist es eine gute Zeit, Aussaaterde zu gewinnen. Das ausgelutschte Substrat von letztem Jahr hat inzwischen gut an Nährstoffen eingebüßt und ist für Keimlinge nicht zu scharf. Ich habe es in einem extra Eimer gesammelt für die ganze Mannschaft an Sämlingen, die da noch kommen werden bis in den Herbst hinein.
Auch die Kiste hier mit Borretsch hat diese Erde bekommen:
Nun hatte ich aber gerade noch einen sehr guten Anlass, die Aussaaterde einzusetzen, denn ich habe wahnsinnig interessante VIP-Samen bekommen, nämlich von der Erbsen-Wicke (Vicia pisiformis). Die habe ich aus Achims Garten bekommen und bei ihm sieht man auch, wie sie später mal ranken werden.
Die Erbsen-Wicke ist eine heimische Pflanze, die recht selten ist und essbare Schoten produziert, so wie Zuckererbsen. Und während sie später ganz ordentlich wuchert, ist aller Anfang bei ihr schwer. Sie möchte hofiert werden, nein, eigentlich möchte sie sogar schlecht behandelt werden, damit sie keimt. Ich habe also die winzigen Samen angeritzt (meine Finger auch, aber das hilft nicht, um die Keimung zu fördern), dann habe ich sie in lauwarmes Wasser geworfen, wo sie bis zum nächsten Tag plantschen durften.
Doch Erbsen haben lange Wurzeln. Was
man in so einem Fall ganz kostengünstig tun kann, ist, ihnen Töpfe auf
den Leib zu schneidern, damit die Wurzeln keinen Drehwurm bekommen und sich unwohl fühlen vor lauter Schwindel.
Selbst
gedrehte Papiertöpfe von variabler Länge sind schnell selbst gemacht. Dazu braucht man eine kleine Flasche mit geringem Durchmesser, um die
man das Papier in mehreren Lagen wickelt. Zeitungspapier geht gut, aber
auch große Briefumschläge sind prima. Ist die Rolle gewickelt, schlägt
man die Rolle unten um und presst das Papier fest zusammen, um den Boden
zu formen. Hier muss man manchmal noch ein paar Kniffe einbringen,
damit die Rolle auch hält. Nun kann gesät oder gepflanzt werden.
Also habe ich die Samen der Erbsen-Wicke in die Anzuchttöpfe gesteckt und bin für ein sehr langes Wochenende in Urlaub gefahren. Als ich wiederkam, waren sie da: Überall Keimlinge, spindeldürr und magersüchtig. Aber unter der Erde hatten sie an einem gigantischen Wurzelwerk gearbeitet.
Später sah man den Pflanzen schon eher an, dass sie mal eine Wicke werden, wenn sie groß sind. Und auch der längste Papiertopf ist irgendwann zu kurz:
Bald kann ich die kleinen Wicken in den Garten pflanzen, da haben sie soviel Platz für ihre Wurzeln, wie sie wollen.











