Freitag, 5. Juni 2020

Papier ist geduldig

Wenn die Tomatentöpfe mit neuer Erde ausgestattet werden, um die neue und hungrige Besatzung zu beherbergen, ist es eine gute Zeit, Aussaaterde zu gewinnen. Das ausgelutschte Substrat von letztem Jahr hat inzwischen gut an Nährstoffen eingebüßt und ist für Keimlinge nicht zu scharf. Ich habe es in einem extra Eimer gesammelt für die ganze Mannschaft an Sämlingen, die da noch kommen werden bis in den Herbst hinein.

Auch die Kiste hier mit Borretsch hat diese Erde bekommen:



Nun hatte ich aber gerade noch einen sehr guten Anlass, die Aussaaterde einzusetzen, denn ich habe wahnsinnig interessante VIP-Samen bekommen, nämlich von der Erbsen-Wicke (Vicia pisiformis). Die habe ich aus Achims Garten bekommen und bei ihm sieht man auch, wie sie später mal ranken werden.




Die Erbsen-Wicke ist eine heimische Pflanze, die recht selten ist und essbare Schoten produziert, so wie Zuckererbsen. Und während sie später ganz ordentlich wuchert, ist aller Anfang bei ihr schwer. Sie möchte hofiert werden, nein, eigentlich möchte sie sogar schlecht behandelt werden, damit sie keimt. Ich habe also die winzigen Samen angeritzt (meine Finger auch, aber das hilft nicht, um die Keimung zu fördern), dann habe ich sie in lauwarmes Wasser geworfen, wo sie bis zum nächsten Tag plantschen durften.

Doch Erbsen haben lange Wurzeln. Was man in so einem Fall ganz kostengünstig tun kann, ist, ihnen Töpfe auf den Leib zu schneidern, damit die Wurzeln keinen Drehwurm bekommen und sich unwohl fühlen vor lauter Schwindel.

Selbst gedrehte Papiertöpfe von variabler Länge sind schnell selbst gemacht. Dazu braucht man eine kleine Flasche mit geringem Durchmesser, um die man das Papier in mehreren Lagen wickelt. Zeitungspapier geht gut, aber auch große Briefumschläge sind prima. Ist die Rolle gewickelt, schlägt man die Rolle unten um und presst das Papier fest zusammen, um den Boden zu formen. Hier muss man manchmal noch ein paar Kniffe einbringen, damit die Rolle auch hält. Nun kann gesät oder gepflanzt werden.

Also habe ich die Samen der Erbsen-Wicke in die Anzuchttöpfe gesteckt und bin für ein sehr langes Wochenende in Urlaub gefahren. Als ich wiederkam, waren sie da: Überall Keimlinge, spindeldürr und magersüchtig. Aber unter der Erde hatten sie an einem gigantischen Wurzelwerk gearbeitet.




Später sah man den Pflanzen schon eher an, dass sie mal eine Wicke werden, wenn sie groß sind. Und auch der längste Papiertopf ist irgendwann zu kurz:






Bald kann ich die kleinen Wicken in den Garten pflanzen, da haben sie soviel Platz für ihre Wurzeln, wie sie wollen.

Kommentare:

  1. Hallo Elke,
    bin schon gespannt wie sich die Erbsenwicken entwickeln werden. Normalerweise sind sie relativ anspruchslos, solange genügend Sonne an sie kommt. Schönes Wochennede
    LG...Stephanie

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  2. Hallo Elke,
    da wünsche ich dir viel Erfolg mit deinen Wickensämlingen, auf dass sie kräftige Pflänzchen werden. Auf die blühenden Impressionen bin ich gespannt. ;-)
    Hab ein feines Wochenende - lieben Gruß, Marita

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  3. Als Erstes:Ich habe mir zwei deiner Bücher geschenkt!! Post folgt, ich werde dich informieren...
    Zweitens : nun heule ich seit Jahren rum, weil mir diese "Papiertöpfedreher-Sets" zu teuer erscheinen.... Dabei kann man Zeitungen um Fladchen drehen.... Du bist ein Genie!
    Herzlichst
    yase

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  4. Hallo Elke, da sind meine Samen ja noch richtig prominent geworden. Super sind deine Pflänzchen. Sie sind im ersten Jahr tatsächlich so unvorstellbar grazil und zerbrechlich. Du wirst Augen machen, wie die nächstes Jahr im Beet abgehen. Meine haben jetzt Blüten angesetzt. Die sind jetzt nicht so der Brüller (also nur weil sie Wicke im Namen hat, muß sie nicht so auffällig blühen). Aber der Gag sind ja die putzigen Erbsen in Größe eines Stecknadelkopfes. Mit denen kann man alles machen (auch konserviern) wie mit normalen grünen Erbsen. Sind sie aber erst einmal reif und trocken, kann man gar nichts mehr mit ihnen machen. Sie sind nicht mehr genießbar.Sie werden dann auch so hart ,dass sie selbst beim Kochen (anders als bei Palerbsen) nicht mehr weich werden. Es hatte schon einen Grund, warum empfohlen wird, die Samen durch Anritzen aufzubrechen, damit sie keimem können. Viel Spass weiter damit, pflanz sie einfach bald aus, die kämpfen sich schon durch, meist erst unterirdisch und merke dir die STelle, wo du sie hingepflanzt hast fürs nächste Jahr. Und eine Rankhilfe brauchen sie dann nächstes Jahr. 2m erreichen sie schon.

    Liebe Grüße,der Achim

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  5. Liebe Elke,
    da gab es ja wieder eine Menge Neues bei dir, der Trick mit den selbstgebasteleten Papiertöpfchen ist genieal, so soll Umweltschutz aussehen, Wiederverwertung ist angesagt. Ich muß mich nun ganz neu umstellen, meinen Garten gebe ich ja ab, wir ziehen um in eine kleinere Wohnung, Haus ist verkauft und mit ihm der Garten. Mal schauen was in der abgespeckten Form machbar ist, kräftemässig ist bei mir auch manches nicht mehr möglich, ich will auch nicht mehr einen großen Garten betreiben. Dennoch werde ich es nicht ganz lassen, Gemüse in kleinerem Umfang anzubauen.
    Liebe Grüße
    und einen schönen Sonntag
    Edith

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  6. Liebe Elke, mir kommt nichts Tankendes mehr in den Garten. Die Winden reichen mir. :) Ist zwar nicht dasselbe, aber ich habe inzwischen Bammel vor dem Ausbreitungsdrang von Rank- und Schlingpflanzen.

    LG Kathrin

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  7. Wenn die alle ordentlich wachsen, wird sich Dein Garten bald in einen Dschungel verwandeln! Spaß beiseite... ich habe mit der Aussaat bisher keine großen Erfolge erzielt. Ein kleines Aussaat-Set für Mini-Tomaten habe ich mir mitgenommen. Die Samen waren so winzig, dass ich sie erst mal aus den Augen verloren habe und sie wieder vom Küchenboden aufsammeln musste. Das war gar kein so leichtes Unerfangen. Aufgegangen ist bisher nichts. Vielleicht sollte ich mal meinen Küchenboden absuchen! Haha...
    Viele Grüße von
    Margit

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  8. Liebe Elke,
    da bin ich gespannt, wie sie sich dann nächstes Jahr in deinem
    Garten so machen. Ich finde rankende Pflanzen toll.
    Hässliche Ecken sind dann auf einmal grün.
    Ganz liebe Grüße von Urte

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  9. We also have an indigenous edible pea. I have tried twice with plants.
    I cannot keep them alive - but I see them scrambling up thru shrubs when we h
    ike.

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  10. Liebe Elke,
    Wahnsinn, wie lang oder groß die Wurzeln dieser noch so kleinen Pflanze ist. Hätte ich nicht vermutet, und die Idee mit den Papiertöpfen ist wirklich gut. Die besten Lösungen für irgendwelche Probleme sind doch sehr oft auch die einfachsten.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  11. Das klingt sehr verlockend, so ein mehrjähriges und dazu noch heimisches Naschgemüse im Garten zu haben. Tolle Anregung von Achim...und danke für die Aussaatanleitung.
    LG Sigrun

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  12. Toll wie es bei dir mit den Papiertöpfen klappt, ich habe das nun schon zwei Jahre versucht und die Saat ist auch aufgegangen und gewachsen, dann jedoch haben sich immer kleine Pilze gebildet und das Wachstum stockte. Warum es Pilze gab ist mir ein Rätsel, denn mit der gleichen Aussaaterde in den Töpfen klappte es.
    Liebe Grüsse
    Doris

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