"Schokolade ist Gottes Antwort auf Brokkoli." las ich neulich irgendwo. Ich gebe zu, dass ich so etwas freimütig über Rosenkohl sagen würde, aber andere Kohlgewächse sind doch gar nicht so schlimm, wenn sie nicht völlig zerkocht serviert werden.
Und als Pflanze ist alles aus der Gattung Brassica einfach nett anzuschauen. Dass es sogar Kohlgewächse mit Glamour-Faktor gibt, konnte ich vor ein paar Wochen im botanischen Garten Osnabrück feststellen. Melanie von Kistengrün und ich hatten uns auf halbem Wege zwischen unseren Wohnorten getroffen, um eine herbstliche Garten-Expedition zu machen. Schon der Weg vom Bahnhof zum botanischen Garten hatte etwas abenteuerliches, ganz ohne Hilfe hätten wir ihn wohl erst nachmittags gefunden. Zum Glück hatte Melanie einen mobilen Wegweiser dabei, den sie befragen konnte, während ich so fasziniert wie nutzlos den Feuerwanzen bei der Erstbesteigung des Universitäts-Wegweisers zugeschaut habe (die Uni-Karte half beim Finden des Gartens jedenfalls auch nicht weiter, trotz Feuerwanzen, die wie rote Standortkennzeicher über die Karte liefen).
Jedenfalls hatten wir den Garten dann irgendwann gefunden (Eintritt frei). Während schon viel unter dem Frost ins Braune übergegangen war, waren wir beim Anblick des Gemüsegartens ganz gebannt von der Farbenpracht, die hauptsächlich durch Kohl und Verwandte veranstaltet wurde.
Der penetrante Gammel-Kohl-Geruch kam jedenfalls von der Kapuzinerkresse am Zaun, die halb vom Frost dahingerafft war. Die Kohlgewächse waren dagegen völlig geruchlos und äußerst fit.
Die Raupen vom Großen Kohlweißling waren überraschend spät noch auf einer Pflanze zu finden und verständlicherweise etwas träge bei dem kalten Wetter. Aber sie lebten und hatten großes Glück, dass ihre Mutter die Eier nicht auf die temperaturempfindliche Kapuzinerkresse gelegt hatte, sondern auf einen standhaften Kohl. Gute Wahl!
Sojabohnen, Kichererbsen und Süßlupinen (von links nach rechts) zeigten ihre Früchte und wirkten auch noch ganz fit.
Im Beet nebenan leuchteten Fette Henne und Gräser im Herbstlicht um die Wette. Die Blätter der Kugeldisteln saßen mittendrin wie schwarze Scherenschnitte. Sowas sollte man sich viel öfter bei der Gestaltung von Gärten zunutze machen, um einen Winteraspekt zu schaffen.
Die Mispel hatte schöne Früchte, die eifrig von Schwebfliegen und Wespen besucht wurden - statt Blumen! Die Früchte waren anscheinend gerissen und so trat süßer Saft aus.
Das Tropenhaus war leider geschlossen. Am unteren Eingang lag ein Haufen Schnittgut der tropischen Gewächse. Ich musste schnell dort weg, um nicht einen ganzen Haufen Äste zusammen zu raffen, damit ich zuhause mal wieder neue Zimmerpflanzen ziehen kann, für die eigentlich kein Platz ist.
Lieber weiter zum Osagedorn (Maclura pomifera) aus Nordamerika, der seine lustigen Früchte auf den Boden geworfen hatte.
Auch der naturnahe Steinbruch war leider nicht begehbar, was schade ist. Also haben wir noch ein bisschen die Aussicht vom Alpin-Hügel aus genossen, bevor wir uns zum Quatschen in ein Café gesetzt haben. Es war ein rundum gelungener Tag, auch ohne Brokkoli. Schokolade gab's aber am Ende doch noch...





















































