Samstag, 17. März 2018

Archäologie im Garten

Beim Komposter-Leeren kommt man sich ja sowieso schon immer ein bisschen vor wie Indiana Jones, der eine altertümliche Gruft betritt. Welche historischen Artefakte wird man entdecken, wenn man nur genug Schichten abträgt? Aber so sehr das auch an eine Schatzsuche erinnert, meistens wird man weder Gold noch Münzen finden. Dafür aber alte Plastikteile, Pflanzenetiketten oder wieder mal dieselben Strünke, Wurzelballen und Äste, die einfach nicht verrotten wollen - der Komposter als Tempel des Todes.

Dieses Mal, am Samstag vor einer Woche, kam ich mir aber noch mehr vor wie ein Archäologe. Das lag am wochenlangen Dauerfrost, der auch den Inhalt des Thermokomposters zu ewigem Eis hatte erstarren lassen. Auch nach einer Woche von erträglichen Temperaturen bestand das Zentrum der Rotte nicht wie sonst aus mehr oder weniger krümeliger Erde, sondern aus einem soliden Eisblock. Der doppelwandige Behälter hält eben nicht nur prima die Kälte draußen, sondern auch prima drin, wenn sie sich erstmal häuslich eingerichtet hat.


Das habe ich aber blöderweise erst festgestellt, als der Komposter schon demontiert war, die oberen, unverrotteten Teile mit der Mistgabel in einen Gartensack befördert waren und ich mit Gummistiefeln, Eimer und Schaufel bewaffnet vor dem ewigen Eis hockte. Bange machen gilt nicht, also ran an den Speck: Die äußeren Teile waren immerhin schon getaut, aber der Kern war eigentlich nur mit dem Eispickel zu beeindrucken. Mit dem Schäufelchen habe ich auf ihn eingehämmert, Schicht um Schicht abgetragen, als würde ich die Reste einer prähistorischen Siedlung freilegen.

Das ganze Unterfangen hatte was von Zirkeltraining: In die Hocke gehen, auf dem Kompost rumhacken, Eimer füllen, Rundlauf durch den Garten mit selbigem und Weitwurf der nun immerhin kleineren Eisblöcke. Ganz schön anstrengend.



Erstaunlicherweise habe ich das Ding fast komplett kleingekriegt. Nur die Wurzelballen der Teichpflanzen, die ich letztes Jahr dort verklappt hatte, waren nicht nur gefroren, sondern auch noch so durchwurzelt, dass selbst die Kompostwürmer eine kleine Spitzhacke brauchen würden.

Aber man muss sich ja auch noch alte Bekannte fürs nächste Jahr aufheben, die man dann wieder freilegen kann...


Als ich endlich fertig war und eine ordentliche Portion Kompost im Gesicht und in den Haaren hatte, fehlte die Schaufel. Unschwer zu erraten, wo sie wohl war. Also Kompost wieder auseinander bauen und diesmal wirklich Jäger des verlorenen Schatzes sein...



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... und weil jetzt schon wieder der Winter über uns hereingebrochen ist und der Inhalt meines Komposters zum zweiten Mal tiefgefroren wird, kann man in Ruhe Bücher lesen. Daher stelle ich euch dieses hier vor, das der BLV-Verlag mir zum Valentinstag geschickt hat zusammen mit einem Päckchen Anemonenknollen:

"We love Schrebergarten" von Martin Rist und Angelika Feiner - beides erfahrene Kleingärtner.


Es ist hauptsächlich, aber nicht nur, für Schrebergartenbesitzer geschrieben und enthält Gartenpläne zur Gestaltung der Parzelle, Tipps zum Schrebergartenrecht und viele Inspirationen, was Bepflanzung und Einbeziehung der Laube angeht.

Was mich besonders gefreut hat: Auch ein Kapitel über den Kleingarten als Öko-/Naturgarten ist dabei. Warum nicht mal eine Laube mit begrüntem Dach bauen und daneben eine Blumenwiese anlegen? Der kreative Aspekt wird ebenfalls behandelt. Ein schönes Buch für Schrebergartenneulinge, aber auch für Besitzer kleiner Hausgärten.

Kommentare:

  1. Guten Morgen Elke,
    dann erging es Dir am Wochenende ganz anders als mir am Donnerstag! Denn ich wollte meine beiden fürchterlich matschig schimmligen Kompostschalen nach dem Wintereinbruch endlich im zukünftigen Rosen-Hochbeet beerdigen. Denn nur mit Nadelmulch wird das wohl auch nach Jahren nix mit einem blühenden Hochbeet. Und ich staunte nicht schlecht, als ich die ersten 5 cm in die Tiefe grub und mir dann eine dampfende verrottende Masse begegnete. Da besteht bei uns im trockenen Frühjahr dann vielleicht sogar Waldbrandgefahr, und ich muss das zukünftige Hochbeet sogar zeitweilig mit Wasser kühlen …

    Tja, und Teichpflanzen auf den Kompost - da sollte man genau überlegen, was da tatsächlich drauf darf. Ich hatte wohl vor 2 Jahren die blöde Idee den geshredderten Schilfschnitt nach dem Düngen über das Schneeglöckchen-Feld zu verteilen. Nun wächst dort munter das Schilf …
    Mein Teichschnitt-Material von vorgestern lagert noch im Hochwald. Da haben die versehentlich mitbeförderten Tierchen noch genug Zeit wieder auszuwandern. Aber die freuen sich wohl jetzt eher über den unverhofften Winterschutz im Schnittaufen ;-) Überflüssiges Teichmaterial kommt bei mir nur auf den Hochwald-'Kompost'. Das Zeug kommt mir nicht mehr ins Beet. Das darf dort gern verrotten, und es den Schnecken & Schnegeln etwas gemütlicher machen …

    Aber Kompost hat es wirklich in sich. Meine Großmutter hatte da mal beim Umschichten ihren Ehering verloren, und ein Küchenmesser wurde versehentlich dort hinein befördert. Beides wurde aber irgendwann wieder freigegeben ;-)

    LG Silke

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  2. kompost auseinander machen ist keine leichte aufgabe und dort sammelt sich wirklich einige schätze ... sogar ehering deiner grossmutter :)
    bin auch gerne auf der suche nach schätze aber lieber auf den strand der meeren... habe leider nur ein verrostetes eisenrohr am strand von Nizia gefunden aber für mich ist es schon ein schatz den er hat alle ränder glatt abgerundet vom den wellen :)
    schönes weekend !

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  3. Liebe Elke,
    Oder soll ich besser Indiana sagen�� was für ein Abenteuer. Ich habe letzt Woche auch angefangen unseren Kompost zu leeren, der war aber nur noch leicht gefroren deshalb ging es ganz gut aber bei dir hört es sich wirklich sehr beschwerlich an. Du Arme da bekommt man richtig Mitleid, mit dir beim lesen. Ja manchmal ist es nicht einfach an das Gold des Gärtner zu kommen aber der Garten wird's dir bestimmt prächtigem Wuchs danken, dass du dich so plagen hast müssen.
    Ganz liebe Grüße Saskia

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  4. Ach herrje. Was für ein Unterfangen. Aber der Vergleich mit Indiana Jones trifft's sehr gut muss ich sagen. ;)
    GLG, Andrea
    Pebbles and Blooms

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  5. Liebe Elke,
    göttlich deine Kompostgeschichte und sehr beruhigend, dass dir die Schaufel abhanden kam ;-)...bei mir taucht ewig die Rosenschere in der Biotonne unter und die steht dann auch Kopf.
    Das frostige Wochenende bietet sich wirklich zum Schmökern an ...ich werde ein wenig weiter an meinem Gartenbuch basteln. ;-)
    Lieben Gruß und ein gemütliches Wochenende, Marita

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  6. Liebe Elke,
    das Ausräumen deines Kompostbehälters liest sich ja wie eine Abenteuergeschichte, sehr unterhaltsam. Dieses alljährliche Tauchen in den Tiefen des Kompostbehälters kommt mir auch nur allzu bekannt vor und den einen oder anderen verlohrengegangenen Schatz habe ich da auch schon wiederentdeckt, Gartenscheeren und Handschaufeln, alles schon dabei gewesen. Habe da aber auch schon Hummelnester und Mäusebau samt Bewohnern ausgehoben...
    Ein schönes kuscheliges Wochenende wünsche ich.
    Herzliche Grüße
    Theresa

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  7. Liebe Elke
    Abfall im Garten ist ein Thema das mir dauernd begegnet. Wir wohnen an einem Ort wo viele Spaziergänger unterwegs sind und es ist immer wider erstaunlich was alles aus unerklärlichen Gründen in unserem Garten in unserem Kompost landet. Eine Silbermünze habe ich leider auch noch nicht gefunden, leider.
    Mara-Tiziana

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  8. Ich lach mich kaputt und beschließe, meinem Mann diese Arbeit n i e abzunehmen.
    Ute

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  9. ...herrlich deine Kompost-Geschichte; musste öfter schmunzeln, weil ich selbst so etwas auch schon erlebt habe!
    LG Christiane

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  10. Welch eine Arbeit! An meinen Kompost habe ich mich noch nicht gewagt, hege jedoch den Verdacht, dass sich dort noch nicht so viel getan hat, wie ich gerne hätte... In der Kälte verrottet wohl sowieso nichts.
    Wenn es etwas wärmer und sonniger ist, werde ich einmal beim Kompost nachsehen gehen. Meine jetztige Idee ist, dass ich (aus Platzgründen) alles was erst halb-kompostiert ist, unten ins Hochbeet schichten werde.
    Liebe Grüsse, Miuh

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  11. Da mein Komposthaufen aus Holz besteht, also von unten offen und ein Holzgestell, besser gesagt, Palletten die Begrenzung sind, gibt es in unserem Kompost kein Eis, einen Pickel benötigen wir nicht. Wir besitzen einen Schredder und sind in der Lage, alles einigermassen klein zu verarbeiten, so kann er schneller verrotten. Ich bin aber auch noch nicht dran gegangen, ihn durchzusieben, es war mir schlicht zu nass und zu kalt.
    Einen guten Wocheneinstieg wünscht dir Edith, die Naturwanderin

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  12. Liebe Elke,
    Du hast hast echt eine schwere Arbeit geleistet. Ich weiß, wie mein Körper sich anfüllt, wenn der Komposter endlich leer ist. Ich denke, am meisten trainiert man Muskeln, wenn man den Kompost mit der Schaufel in die Beete wirft (etwas wie Weitwurf).
    Einen schönen Abend Dir
    Loretta

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  13. Ach Mensch, ich liebe deine Posts! Ich finde in regelmäßigen Abständen Küchenmesser, Schäler oder andere Vermisste.
    Und ich muss den Komposter noch leeren. Heute ist tiefster Nordpol hier, also irgendwann später dann...
    Herzlichst
    yase

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  14. Brrr, hier ist auch wieder alles zugefroren und das, obwohl ich schon berechtige Hoffnung hatte, dass mir ein sibirscher Winter auch nur ein Mal erspart bleiben würde. Aber Pustekuchen, meine Balkonkästen müssen noch lange warten und ich begnüge mich derweil indoor mit der Wasserspinat-Anzucht. Besser als nichts ;) Lieben Gruß, Carla

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  15. Liebe Elke, Die Krokusse hast Du aber wunderschön mit der Kamera eingefangen. Bei uns ist ebenfalls schon wieder total kalt und sämtliche Frühblüher liegen traurig am Boden. Wann kommt heuer wohl der Frühling?

    Komposter verbergen so manche Schätze - der Garten allerdings auch :) Als wir umgebaut haben, ist so einiges von den Vorbesitzern aufgetaucht, vornehmlich Keramikscherben...

    LG Kathrin

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  16. Hallo Elke,
    ich finde auch immer mal wieder eine Gartenschere im Kompost. Ergiebiger ist da unser Garten. Die vorherigen Hausbesitzter haben dort einiges an Baumüll entsorgt. Was ich bisher leider noch nicht gefunden habe sind römische Hinterlassenschaften obwohl hier eine alte römische Strasse war.
    LG Dagmar

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  17. Hallo Elke,
    herrlich, deine archäologische Feldstudie. Nur gut, dass kein Ötzi aus dem Eisblock kam.
    Ich drücke uns allen jedenfalls feste die Daumen, dass es jetzt nicht nur kalendarisch endlich Frühling wird.
    Liebe Grüße
    Claudia

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  18. Och ja, das klingt für mich als begeisterte Kleingärtnerin nicht schlecht :-), obwohl der olle Winter wirklich dieses Jahr teuer ist: Ständig diese "Trostbücher", die man als Gartenfan einfach haben m u s s , weil es im Garten noch nicht recht voran geht ;-). Ich glaube, mein Regal bricht bald (wieder) zusammen...
    liebe Grüße
    Corinna

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  19. Oje, oje, liebe Elke, das klingt nach echt harter Arbeit!
    Bei dem Wetter ist dir aber bestimmt trotzdem warm geworden :-)
    Aber was macht Gärtner nicht alles für ein wenig wunderschöne
    feinkrümelige Komposterde :-)
    Viele liebe Grüße
    von der Urte

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  20. Über das Buch durfte ich mich auch freuen....hast du die Anemonen eingepflanzt? Ich war aufgrund der Kälte und des gefrorenen Bodens noch nicht motiviert. Aber morgen soll es ja besser werden.
    Ich stelle mir gerade vor, wie meine Kompostwürmer mit der Eispicke arbeiten....:-))
    LG Sigrun

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    1. Ich habe sie vor zwei Wochen eingepflanzt. Hoffentlich haben sie die neue Kältewelle überlebt..
      VG
      Elke

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