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Montag, 10. April 2017

Fahrt ins Gelbe

Ich hatte einen Traum. Ich träumte, ich würde in einem duftenden Narzissenfeld aufwachen und über mir singen die Feld-Lerchen. Das einzige andere Geräusch waren die Rufe der Kiebitze - zu schön um wahr zu sein!

Doch dann merke ich: Das ist ja gar kein Traum! Ich bin wirklich vom Lerchengesang aufgewacht und beim ersten verschlafenen Blick aus dem Fenster trompeten mir tatsächlich ganz taufrisch lauter gelbe und orangefarbene Narzissenblüten entgegen. Nur das mit dem Duft hat morgens nicht geklappt, aber dafür hätte ein kleines Mittagsschläfchen gereicht und schon wäre man zusammen mit duftenden Blüten aufgewacht.

Wie dieser Traum wahr geworden ist? Ich durfte mit meinem Mann ein Wochenende in einem silbernen Airstream-Wohnwagen aus den 60er Jahren auf dem Gelände eines Blumenzwiebel-Zucht-Betriebs in Holland verbringen, auf Einladung des niederländischen Tourismusbüros.






Anja und Daan von De Tulperij hießen uns auf ihrem Hof mit Stroopwafels und Kaffee ganz herzlich willkommen (das nett eingerichtete Cafe kann man jederzeit besuchen).







Zum Gelände gehören riesige Narzissen-, Tulpen- und Hyazinthenfelder. Und eben viele Feld-Lerchen, Kiebitze und ein Jungspunt von Kater, der auch gern den Wohnwagen erkundet hätte.




Was in unserer deutschen Maiswüste nicht denkbar wäre, klappt in Holland ganz gut: Die Vögel brüten auf den leeren Feldern, die per Fruchtfolge jedes Jahr die Belegschaft wechseln, damit sich keine Krankheiten bei den verschiedenen Zwiebelarten einstellen. So haben die Bodenbrüter immer freie Bahn. Bei der Ortsbegehung mit Daan haben wir auch gleich ein Kiebitznest gefunden - hoffentlich wird es ein toller Bruterfolg! Die Blässhühner hatten sich ein ganz blumiges, duftendes Nest aus Hyazinthen gebaut (rechts im Bild, aber noch im Rohbau befindlich).



Die Führung durch die Tulperij war spannend und als Verfechterin des günstigen Gärtnerns habe ich gleich ein gehörig schlechtes Gewissen gekriegt, als ich gelernt habe, wie viel Arbeit die Zucht einer neuen Sorte ist. Hier ist Daans ganzer Stolz: Ein "Sport" (Spontanmutation) einer roten Tulpe, der herrlich orange blüht und nun vermehrt wird, um irgendwann verkauft zu werden - oranje eben.


Bei den Hyazinthen geht die Vermehrung mit dem Trick des Anschneidens des Zwiebelbodens schneller. Hier kann man den Werdegang der Hyazinthenableger sehen: Von links nach rechts gibt es erst Blätter und dann immer mehr Blüten, je nach Alter.


Narzissen und Tulpen müssen dagegen über Brutzwiebeln vermehrt werden, wenn man sie sortenrein vermarkten möchte.

Die Zwiebeln werden mit Netz und doppeltem Boden gepflanzt, wenn der Boden lehmig ist: Auf den Lehm wird in diesem Fall Sand aufgetragen, dazwischen kommt ein Netz, so geht die Ernte leicht von der Hand - man muss nur das Netz hochziehen. Die Reihen werden mit Stroh gemulcht, um organisches Material zuzuführen. Der Grundwasserspiegel ist extrem noch, sodass eine Bewässerung kaum einmal nötig ist.


Die bunten Felder erzeugen zwar nichts Essbares, aber wenn sie Kiebitzen und Feld-Lerchen eine Heimat geben, dann ist es das doch wert. Narzissen, Tulpen und Hyazinthen machen vielleicht nicht satt, aber auf jeden Fall glücklich - wie auch die ganze holländische Landschaft im Bollenstreek um diese Zeit!

Samstag, 1. April 2017

Der Garten im Zwiebel-Look

Um diese Zeit lasse ich nichts auf meinen Garten kommen, da mag ich ihn, so wie er ist! Die Zeit des Muskelkaters ist vorbei, die Rückstände des Winters sind abgeschnitten und ich habe den Kompost auf die Beete geschmissen. Noch sieht der Garten also adrett und handzahm aus, als könnte er kein Wässerchen trüben.



Dabei gibt es jetzt schon erste Anzeichen, dass mein Revier sich bald wieder in ein alles-verschlingendes Wucher-Monster verwandeln wird. Hier zum Beispiel verschluckt der Braune Storchschnabel gerade mit großem Appetit eine arme Camassia, die auf so einer herzliche Umarmung sicher gern verzichtet hätte, und der Bärlauch legt sich mit den Schneeglöckchen an:

Das Brandkraut hat sich unmerklich an die Storchschnäbel rangewanzt und sie schon ordentlich zur Seite ausweichen lassen. Das Seifenkraut kommt dem Garten überall mit neuen Trieben zu den Ohren raus.

Zum Glück gibt es aber auch noch die harten und zarten, die jetzt wunderschön blühen und sich später wieder dezent unter die Erde zurückziehen, wenn über ihnen das Gerangel der Stauden ins große Finale geht: Die Zwiebelblumen und Knollenpflanzen.

Die Blausternchen (Scilla siberica) haben den Platz zwischen Spierstrauch und Rosenbogen langsam bis zum Anschlag gefüllt, was dieses Jahr besonders viele der winzigen Zweifarbigen Sandbienen (Andrena bicolor) anlockt und ihre Beinchen blau färbt mit Pollen:






Tulipa turkestanica, die ich letztes Jahr als Bio-Zwiebeln von Natural Bulbs bekommen habe und als Preis bei meinem Fotowettbewerb einsetzen durfte, ist die Zartheit in Person und einfach nur nett. Die Bienen lieben sie genauso wie ich. Besonders schön ist, dass sie so viele Knospen hat, was große Tulpen nicht können.




Ich wusste nur nicht mehr, dass ich sie auch mitten in den Rasen gesetzt hatte. Als sie mich wieder dezent daran erinnerten, hatte ich das Laub dieser zierlichen Geschöpfe schon arg ramponiert. Einige haben es glücklicherweise an weniger frequentierte Plätze geschafft. Dafür ist die Karawane im Rasen aber auch gut besonnt und fühlt sich offenbar ganz wohl:



Der Gefingerte Lerchensporn (Corydalis solida) macht dieses Jahr einen auf Kraftprotz und Gewichtheber - er hat sein eigenes Gewicht in Haselnussblättern gestemmt:



Ich habe ihn dann mal entlastet und nun blüht er richtig schön. Er versamt sich gut und wächst sogar schon im Rasen, zur Freude von Pelzbienen und Zitronenfalter. Bestimmt besucht er auch bald die Wildtulpendamen.

Die dicken Hyazinthen hocken jetzt schon seit vielen Jahren im Beet und blühen jedes Frühjahr zuverlässig.

Alle diese kleinen Zwiebelchen und Knöllchen sollten in keinem Bienengarten fehlen. Außerdem lassen die lieben Kleinen mich noch ein bisschen daran glauben, dass mein Garten kein gewalttätiges Ungetüm ist, das Streit unter Stauden auslöst, sondern ein Ort der Zartheit und des Friedens...

Freitag, 27. Dezember 2013

Hoch leben die Hyazinthen

Neulich habe ich eine Schokolade gegessen, die von mir aus nicht hätte in Großproduktion gehen müssen: Sie war unterseits mit salzigen Crackern gespickt - Überraschung! Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, aber diese Kombination war nicht nur gewagt, sondern auch gewöhnungsbedürftig. Das war gerade so, als würde man Weihnachtsbäume zusammen mit Hyazinthen verkaufen. Ach, Moment, ich vergaß - auch das tut man ja tatsächlich. Im Dezember wird ständig und überall Frühlingsschmuck neben Tannengrün feil geboten.

Aber obwohl ich Hyazinthen sehr gerne mag, finde ich: Alles zu seiner Zeit. Bitte erst nach Neujahr, wenn man den Frühling ganz plötzlich kaum noch erwarten kann.

Im Januar und Februar sind die feisten Stinkeblumen (Hyacinthus orientalis) dagegen eine wunderbare Ersatzdroge für das Gärtnern draußen. Nur ins Schlafzimmer sollte man sie nicht stellen, denn während ihr Geruch im Garten sich nur dezent ausbreitet, kann die geballte Ladung Parfum in kleinen Räumen durchaus anstrengend werden.

Egal, ob man die Hyzinthenzwiebeln im Glas selbst vortreibt oder im Topf schon knospig kauft: Ist die Blütezeit vorbei, muss man der Pflanze ein bisschen Ruhe gönnen. Bis das Laub eingezogen ist, kann man sie kühl stellen, nur abschneiden darf man es nicht - hier empfiehlt sich dann doch das Schlafzimmer.



Wenn die Blätter verwelkt sind, kann man die Hyazinthen während einer frostfreien Witterungsperiode in den Garten pflanzen und hoffen, dass die dicken Geophyten uns bis zum nächsten Frühjahr die Treue halten. Mit dem Einpflanzen sollte man nur nicht allzu lange warten, sonst fangen sie in der warmen Stube an, ein zweites Mal auszutreiben und verausgaben sich dabei völlig. Falls es bei Dauerfrost gar keine Gelegenheit gibt, die Zwiebeln ohne Spitzhacke unter die Erde zu bringen, sollten man sie lieber aus dem Topf-Substrat kratzen und kühl und trocken aufbewahren, bis ihre Zeit gekommen ist.

Gern kann man auch noch Zwiebeln von Bekannten und Verwandten adoptieren, wenn die verblühten Wonneproppen ansonsten weggeworfen würden. Immer eine Spitzen-Idee sowie eine gute Tat ist es, sie im März und April vom Friedhof zu evakuieren, wo sie in Massen in den Entsorgungsbehältern dahinvegetieren.

Man sollte von den neuen Gartengästen jedoch nicht erwarten, dass sie stets wieder die gleiche angeberische Hochleistungsblüte zeigen. Mit den Jahren werden die Blütenstände wieder wildhafter - lockerer und zarter, aber immer noch duftend und nett anzuschauen. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass man das Alter einer Zwiebel an ihrer Blüte ablesen kann: Je älter, desto lockerer - da können wir uns alle noch eine Scheibe von abschneiden!

Die Zwiebelblumen sind trotz ihrer großen Show erstaunlich hart im Nehmen und vertragen auch späte, tiefe Fröste tapferer als so manche Narzisse.

An den Hyazinthen hat daher man noch jahrelang Freude - und das ganz ohne Tannengrün!