Um diese Zeit lasse ich nichts auf meinen Garten kommen, da mag ich ihn, so wie er ist! Die Zeit des Muskelkaters ist vorbei, die Rückstände des Winters sind abgeschnitten und ich habe den Kompost auf die Beete geschmissen. Noch sieht der Garten also adrett und handzahm aus, als könnte er kein Wässerchen trüben.
Dabei gibt es jetzt schon erste Anzeichen, dass mein Revier sich bald wieder in ein alles-verschlingendes Wucher-Monster verwandeln wird. Hier zum Beispiel verschluckt der Braune Storchschnabel gerade mit großem Appetit eine arme Camassia, die auf so einer herzliche Umarmung sicher gern verzichtet hätte, und der Bärlauch legt sich mit den Schneeglöckchen an:
Das Brandkraut hat sich unmerklich an die Storchschnäbel rangewanzt und sie schon ordentlich zur Seite ausweichen lassen. Das Seifenkraut kommt dem Garten überall mit neuen Trieben zu den Ohren raus.
Zum Glück gibt es aber auch noch die harten und zarten, die jetzt wunderschön blühen und sich später wieder dezent unter die Erde zurückziehen, wenn über ihnen das Gerangel der Stauden ins große Finale geht: Die Zwiebelblumen und Knollenpflanzen.
Die Blausternchen (Scilla siberica) haben den Platz zwischen Spierstrauch und Rosenbogen langsam bis zum Anschlag gefüllt, was dieses Jahr besonders viele der winzigen Zweifarbigen Sandbienen (Andrena bicolor) anlockt und ihre Beinchen blau färbt mit Pollen:
Tulipa turkestanica, die ich letztes Jahr als Bio-Zwiebeln von Natural Bulbs bekommen habe und als Preis bei meinem Fotowettbewerb einsetzen durfte, ist die Zartheit in Person und einfach nur nett. Die Bienen lieben sie genauso wie ich. Besonders schön ist, dass sie so viele Knospen hat, was große Tulpen nicht können.
Ich wusste nur nicht mehr, dass ich sie auch mitten in den Rasen gesetzt hatte. Als sie mich wieder dezent daran erinnerten, hatte ich das Laub dieser zierlichen Geschöpfe schon arg ramponiert. Einige haben es glücklicherweise an weniger frequentierte Plätze geschafft. Dafür ist die Karawane im Rasen aber auch gut besonnt und fühlt sich offenbar ganz wohl:
Der Gefingerte Lerchensporn (Corydalis solida) macht dieses Jahr einen auf Kraftprotz und Gewichtheber - er hat sein eigenes Gewicht in Haselnussblättern gestemmt:
Ich habe ihn dann mal entlastet und nun blüht er richtig schön. Er versamt sich gut und wächst sogar schon im Rasen, zur Freude von Pelzbienen und Zitronenfalter. Bestimmt besucht er auch bald die Wildtulpendamen.
Die dicken Hyazinthen hocken jetzt schon seit vielen Jahren im Beet und blühen jedes Frühjahr zuverlässig.
Die dicken Hyazinthen hocken jetzt schon seit vielen Jahren im Beet und blühen jedes Frühjahr zuverlässig.
Alle diese kleinen Zwiebelchen und Knöllchen sollten in keinem Bienengarten fehlen. Außerdem lassen die lieben Kleinen mich noch ein bisschen daran glauben, dass mein Garten kein gewalttätiges Ungetüm ist, das Streit unter Stauden auslöst, sondern ein Ort der Zartheit und des Friedens...




















