Nicht nur im Gedächtnis, sondern auch an allen nicht allzu glatten Oberflächen.
Nein, die Rede ist hier nicht von exotischen Geckos oder Eidechsen, die kommen selbstverständlich nicht in die Tüte. Und schon gar nicht ins Handgepäck.
Eine Pflanze meine ich natürlich, den Wilden Wein (Parthenocissus quinquefolia). Mit dem echten eher weitläufig verwandt und lässt sich daher mit ihm auch nicht kreuzen.
Eine berauschende Ernte werden wir also vergeblich suchen, dafür kann ihm die Reblaus auch den Buckel herunterrutschen.
Seine hübschen blauen Beeren an knallroten Stielen sorgen an sich schon für Begeisterungsstürme.
Und auf genau die hat man es als Andenkensammler abgesehen. Also, auf die Beeren, nicht die Stiele.
Die Samen kann man nämlich von Fruchtfleisch befreit direkt aussäen, den Winter über draußen lassen und sich im Frühjahr an den Keimlingen erfreuen.
Den Topf gut kennzeichnen, denn die Keimblätter lassen nicht erkennen, wer da wächst - das sieht eher nach Knöterich aus, finde ich:
Das ist nicht nur ein nettes, kostenloses Reisemitbringsel - wer schon einmal angesichts des tiefen Topfes, in dem Baumarkt-Kletterpflanzen verkauft werden, beim Einpflanzen verzweifelt ist, weiß die Jungpflanzen sehr zu schätzen.
Ohne Spitzhacke, Presslufthammer oder Sprengstoff lassen sie sich auch in wenig Erde setzen - an der Hauswand etwa, an Gartenschuppen oder Terrassensichtschutzwände.
Die Wurzeln werden im Schotter schon zurechtkommen. Wenn nicht, wuchert der Wilde Wein eben weniger, soll uns auch recht sein.
Meiner jedenfalls, in mehr Schotter als Erde gepflanzt, hat bereits die gesamte Trennwand zur Nachbarterrasse mit seinem wunderschönen Laub tapeziert. In dieser Jahreszeit ist er mein Lieblings-Terrassen-Accessoire:
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| Meine Terrassentapete, aus Samen gezogen |
Beim Auswählen der beerigen Reiseandenken sind ein paar Dinge zu beachten, möchte man möglichst lange in schönen Erinnerungen schwelgen:
- Nur Orte verwenden, an die man sich gern erinnert. Hat man gerade die längste Nacht seines Lebens verbracht, weil das Hotelzimmer vor Mücken nur so wimmelte, lieber einen anderen Wein suchen.
- Historische Bauwerke oder Altstädte werden oft von Wildem Wein bewachsen. Hier zu sammeln fördert das Gedächtnis. Man kann dann ganz großspurig seinen selbstgezogenen Pflanzen Sortennamen geben nach dem Gebäude oder der Stadt: "Schloss Sanssouci" etwa oder einfach nur "Zürich".
- Orte mit negativen Assoziationen lieber nicht beernten. Ein Sortenname à la "Lärmschutzwand A2 Südhang" oder "Burger King Bahnhofsstraße Ostflügel" wird womöglich dazu führen, dass man die Pflanze etwas vernachlässigt. Das will ja keiner.
- Wer absolut auf Nummer Sicher gehen möchte, was sein Gedächtnis angeht, sammelt nicht nur an bestimmten Orten, sondern gleich auch noch zu einem besonderen Anlass. Weinfest Meersburg etwa (findet praktischerweise gerade statt). Aber Vorsicht: Am anschließenden Kater ist nicht der Wilde Wein schuld, das schafft nur der echte!
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| Wilder Wein berankt Zürich |
Auch Balkongeländer lassen sich mit der schönen Kletterpflanze verdichten. Hier sind Sämlinge wieder besser einzutopfen, weil sie keinen allzu ausufernden Wurzelballen haben:
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| Nochmal Zürich |
| Hausfassade in Meersburg mit Echtem und Wildem Wein. Und Geranien. |
Wenn alles klappt, ernährt das besondere Reiseandenken in ein paar Jahren auch die durchreisenden Wintervögel. Was will man mehr.




































