Freitag, 20. April 2012

Überlebenstipps für den Reihenhausgarten

Wer einen Garten mit angeschlossenem Eigenheim nahe dem Stadtzentrum sucht, für den ist ein Reihenhaus oft die einzige erschwingliche Möglichkeit. Ein Reihenendhaus stellt hier bereits die Luxus-Ausgabe dar, der handelsübliche Mittelhausgarten im Handtuchformat dagegen ist weitaus öfter anzutreffen.


Für große gärtnerische Ambitionen bleibt da freilich wenig Raum: Ein Schwimmteich ist vielleicht denkbar, aber dann ist auch schon kein Platz mehr für andere nützliche Dinge wie ein Gewächshaus im Garten oder ein Gemüsebeet. 

Nur wie macht man aus dem Handtuch einen schönen Garten ohne viel Stress? Im Folgenden einige Überlebenstipps, die ich nach mehreren Jahren Reihenhaus sammeln konnte:

Sehen und gesehen werden: Sichtschutz

Die häufigste Spezies, der man im Reihenhausgarten begegnen wird, ist der Gemeine Nachbar. Möchte man in sensiblen Momenten ein wenig Privatsphäre genießen (etwa bei diversen Slapstickeinlagen im Kampf mit einer widerspenstigen Kletterrose), sollte man für Deckung sorgen. Die schönste und günstigste Variante ist eine mit den Nachbarn gemeinsam geplante Hecke: Äußerst platzsparend und preiswert ist Liguster, aber auch eine freiwachsende Blütenhecke ist machbar, wenn sich beide Anrainer den wertvollen Platz teilen.

Unsere gemeinsame Grenze mit Rosen

Da Reihenhäuser oft mit schlankem Fuß daherkommen und in die Höhe streben, ist man auch von oben nicht ganz sicher vor neugierigen Blicken. Eine mit Weinreben berankte Pergola aus Holz kann hier Abhilfe schaffen und macht sich sogar noch nützlich. Wenn sie höchstens die Hälfte der Hausbreite einnimmt, wirkt sie weniger wuchtig und man kann auch noch die Wäsche auf der Terrasse trocknen.

Feste Elemente

Wer einen Reihenmittelhausgarten sein Eigen nennt, der nicht nur durch das Haus zu betreten ist, sondern zusätzlich über einen externen Zuweg verfügt, kann sich glücklich schätzen. Ist die Terrassentür (wie bei uns) aber der einzige Eingang, muss man doppelt gut planen, denn das Wuchten von schweren Pflastersteinen einmal quer durch die gute Stube ist keine schöne Aufgabe. Um also unnötige Schufterei von vornherein zu vermeiden, sollte man die Terrasse mit Materialien belegen, die man sich möglichst noch in Jahrzehnten gerne anschaut. Vor billigen Betonsteinen sei hier ausdrücklich gewarnt - selbst mit Moospatina werden die nicht schöner (ich habe das ausführlich getestet).

Ziegel und Pflastersteine - eine schöne Mischung

 

Bäume

Bäume auf winzigen Grundstücken können alles in den Schatten stellen und den Hausfrieden gefährden. Während man die meisten Sträucher noch mit der Schere traktieren kann, ohne dass sie unansehnlich werden, schaut man nicht gern ständig auf ein verstümmeltes Baumgerippe. Größenangaben für Gehölze also unbedingt vorher genau überprüfen und lieber mehrere Quellen konsultieren.

Süßkirsche Celeste veredelt auf GiSelA 5 (Alter: 7)

Obstbäume können mit weniger Grenzabstand gepflanzt werden, daher sind sie auf schwachwachsender Unterlage immer eine gute Wahl - vor allem, weil sie schöne Blüten und Früchte bieten.

Tarnen und Täuschen - wie der Garten größer wirkt


Der beliebte Trick, mit Querunterteilungen einen langen, schmalen Garten größer wirken zu lassen, stimmt wirklich! Der Raum wirkt so weniger gestreckt und die Erkundung ist gleich viel spannender. Mit Gehölzen, Spalieren oder großen Stauden lässt sich die Rasenfläche unterteilen. Die Königsdisziplin im Querdenken ist ein Riegel aus Spalierobst.

Auf begrenztem Raum müssen Pflanzensammler aber noch tiefer in die Trickkiste greifen: An viele Sträucher passt immer noch ein Untermieter in Form einer Clematis, so dass man ihnen leicht eine zweite Blüte unterjubeln kann. Spaliere jeglicher Art sind außerdem eine willkommene Möglichkeit, bei wenig Platzbedarf in die Vertikale zu streben.


Aber auch die Horizontale sollte genutzt werden: Die Rasenfläche kann man prima mit Blumenzwiebeln bepflanzen, wenn die Beete schon überquellen.


Also: Ein Reihenhausgarten ist zwar kein Schlosspark - aber langweilig muss er deswegen noch lange nicht sein!

Sonntag, 15. April 2012

Albtraum in Weiß

Es gibt Sträucher, die liebt man solange heiß und innig, bis man sie im Garten hat. Zu dieser Sorte Strauchwerk gehört die gute alte Schlehe (Prunus spinosa), auch Schwarzdorn genannt. In Feld, Wald und Wiese ruft sie sofortiges Entzücken hervor, vor allem zur Blütezeit und wenn die blau bereiften Früchte locken.



Im Garten dagegen entpuppt sie sich rasch als Albtraum in Weiß. Sie kann sich einfach nicht benehmen und treibt schneller Ausläufer als jede wuchernde Wildrose es je könnte. Sie ist der Giersch unter den Sträuchern. Was ihr in der Natur zum Durchbruch verhilft, indem sie an neuen Standorten schnell Boden gewinnt, vermasselt ihr in Gärten die Tour so richtig gründlich. Ihr Ruf eilt ihr voraus, und so wird es immer weniger Gärtner geben, die das Wagnis des Zusammenlebens mit einer zwielichtigen Schlehe unbedarft eingehen.

Dabei könnte alles so einfach sein: Sie ist preiswert zu haben, ihre Blüte ist eine Wucht, sie wehrt Einbrecher ab und bietet Vögeln Nahrung und ein Zuhause:

Blaumeise 

Wildbienen lieben ihre Blüten, wie diese Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva) gerne demonstriert:

Andrena fulva

Schließlich sind ihre Früchte obendrein noch kulinarisch verwertbar. 

Aber das nützt ihr alles nichts, wenn man sich mit ihr nicht gütlich einigen kann, ihre Ausläufer bei sich zu behalten. So ein Gebaren kann im kleinen Garten zum immerwährenden Kräftemessen zwischen Gärtner und größenwahnsinnigem Strauch werden, sich womöglich sogar zum Grabenkrieg mit den Nachbarn auswachsen, wenn die Schlehe es schaffen sollte, die Seiten zu wechseln.

Prunus spinosa ist wahrlich das Enfant Terrible der Naturgartenbewegung. So wertvoll für die Fauna und so wenig salonfähig auf begrenztem Raum. 20 Vogelarten sollen sich allein von ihren Früchten ernähren. In derselben Größenordnung dürfte sich auch die Anzahl der Gärtner weltweit bewegen, die im letzten Jahr die Schlehe freiwillig in ihren Garten gepflanzt haben.

Kleiner Fuchs

Wem es also gelingt, eine zuverlässig kleinbleibende, strauchartige Schlehe ohne Ausbreitungsdrang zu züchten, oder eine solche erfolgreich zu veredeln, dem sollte mit sofortiger Wirkung der Friedensnobelpreis der Naturgärtner sowie der Goldene Spaten am Bande feierlich verliehen werden. Selbstverständlich würden die Festivitäten mit Schlehenlikör begangen.

Ein Mini-Schwarzdorn, der sich im Zaum halten kann, das wäre der Durchbruch für den ökologisch orientierten Reihenhausbewohner, das wäre ein Meilenstein auf dem Wege der Völkerverständigung zwischen Mensch und Meise. So ein Wunderstrauchwerk darf auch gerne etwas mehr kosten als ein ausufernder Ausläufer, den man von entnervten Schlehenbändigern sogar geschenkt bekommen kann.

Bis dahin bleibt uns wohl nur, den Schwarzdorn aus gebührender Entfernung zu bewundern, oder einen kleinbleibenden Kirschbaum zu pflanzen. Der ist ähnlich beliebt bei den Bienen und produziert auch Leckeres, ist aber deutlich anspruchsvoller an den Standort und braucht einiges an Platz. Darüber hinaus macht Prunus avium eine wesentlich schlechtere, weil größere Figur in einer kleinen Grenzhecke.  

Andrena fulva kann man zum Glück auch noch mit Stachel- und Johannisbeeren in den Garten locken. Das schont auf jeden Fall die Nerven und wahrt den Nachbarschaftsfrieden. Ein Traum in Weiß sind sie allerdings auch nicht.

Montag, 9. April 2012

Knöllchen

Es hat hier bereits leise Andeutungen gegeben, dass ich kein penibler Gärtner bin. Brennnessel und Giersch haben den Reihenhausgarten zwar im hohen Bogen zu verlassen, aber für die kleinen, wilden Frühlingsknöllchen habe ich eine große Schwäche. Das Scharbockskraut darf sich in der hintersten Gartenecke zum Bärlauch gesellen, wo es mit seinem frischen Grün schon zuverlässig den Boden deckt, wenn andere Stauden noch genüsslich im Winterschlaf liegen.

Scharbockskraut im Gras

Naiv oder naturverbunden? Das werden die nächsten Jahre zeigen. Bis jetzt kann ich der kleinen, bunten Spontanvegetation aber nicht ernsthaft böse sein, vor allem, wenn sie sich spätestens im Mai brav vom Acker macht und das Spielfeld den Großen überlässt.

Weitere, gern gesehene Teilnehmer an der Frühjahrsoffensive sind ebenso als Unkraut verpönt wie das Scharbockskraut, machen sich aber noch schneller wieder unsichtbar: Die beiden heimischen Lerchensporne Corydalis cava und solida.

Unterscheiden lassen sie sich anhand der Knolle, die beim Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava) namensgebend hohl ist, beim selteneren Gefingerten (Corydalis solida) aber grundsolide. Minimalinvasiv kann man die beiden zum Glück auch äußerlich auseinander halten, denn der Gefingerte hat fein geschlitzte Tragblätter zwischen den Blütchen, wo sie beim Hohlen ganzrandig sind.

Corydalis solida mit seinen gefingerten Tragblättern

Corydalis cava mit ganzrandigen Tragblättern

Corydalis cava bildet besonders gern große Bestände mit rein weißen Blüten:

C. cava ganz in Weiß im Buchenwald
Corydalis solida

An zusagenden Plätzen neigen beide Lerchensporne zur Massenvermehrung, gerne auch im Wurzelbereich größerer Bäume (oft in lichten Buchenwäldern) und unter Hecken.

Bestand von C. solida auf einer Wiese im Park am Gehözrand

Als Bewohner des Waldes haben die heimischen Lerchensporne es immer ein bisschen eilig. Bevor das Blätterdach über ihnen allzu dicht wird, müssen sie mit der Familienplanung fertig sein. Bei aller gebotenen Eile führen sie ansonsten ein wahrhaft königliches Leben: Die Bestäubung im Buchenwald übernehmen hauptsächlich Hummelköniginnen. Wenn die Arbeiterinnen erscheinen, ist der Lerchensporn bereits verblüht. Die Verbreitung der Samen schließlich lassen sie vom Fußvolk des Waldes, den Ameisen, übernehmen.

Wer sich an einem sonnigen Tag etwas Zeit nimmt, wird auch im Garten eine illustre Gesellschaft an Corydalis antreffen: Behäbige Hummelköniginnen wechseln sich mit immer hektischen Pelzbienen ab.

Hummelhintern und Hohler Lerchensporn
Pelzbiene an Hohlem Lerchensporn


Auch in meinem Garten kommt ein kleiner Bestand vor, den ich als winzige Knöllchen aus einem anderen Garten bekommen habe. Wo ordnungsliebende Gärtner entnervt zum Spaten greifen, um die bösen Blumen wieder loszuwerden, warte ich jedes Jahr mit Hochspannung auf meine wilden Lerchensporne. Das ist immer wieder nerven-zerfetzend, denn im April greift pünktlich das Kontrollgremium der allgegenwärtigen Akeleien um sich und beschattet die kleinen Knollenpflanzen scheinbar zu Tode. Und so schleiche ich schon ab Ende Februar um das herum, was ich großspurig meinen Waldgarten nenne. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um die eineinhalb Meter Boden zwischen Zierapfel und Hundsrose.

Mein "Waldgarten"

Und genau hier geschieht jedes Frühjahr wieder ein kleines Wunder, wenn die Lerchensporne wie Phönix aus der Asche emporschießen und sogar üppig blühen. Dieses Schauspiel ist kurz und muss ausreichend gewürdigt werden. Im Zeitraffer werden nämlich dann Samen gebildet und die Blätter ziehen schnell ein, um bis zum nächsten Frühling im Boden zu verschlafen.


Weil die Pflanzen so überaus schnell Platz für Neues machen, darüber hinaus auch noch hübsch und nützlich sind, empfinde ich sie als durchaus gartenwürdig. Ich freue mich sehr über ihren Nachwuchs, der dank der Ameisen bereits an kahlen Stellen im Waldgarten aufkeimt, damit im nächsten Jahr noch mehr Hummelköniginnen satt werden können.

Donnerstag, 5. April 2012

Der Name der Tulpe

Die großen Tulpen gehören ohne Zweifel zum Hochadel im Frühlingsgarten: Aus luftiger Höhe schaut die Knospe erhaben auf die kleinere Blumenzwiebelverwandtschaft hinunter: Während das Schneeglöckchen bereits alle Blätter voll zu tun hat, Samen auszubilden, macht es die Tulpenblüte noch spannend. Tulipa ist wahrhaft eine Meisterin der Vorfreude: Keine zelebriert die Knospe so wie sie. Welche Farbe die Blütenblätter haben werden, ist lange ein gut gehütetes Geheimnis verhüllt in grüner Knospe. Gut Ding will schließlich Weile haben. Wo andere Zwiebelblumen quasi über Nacht mit ihren Blüten rausrücken, geht die Tulpe alles etwas ruhiger an.

Doch schon jetzt ist zu erahnen, dass diese hier rot werden wird:


Eine knappe Woche später:



Sie wird nicht etwa zart erröten. Ganz und gar nicht. Nein, feuerwehrautorot wird sie werden: Alarm im Blumenbeet!


Feinsinnige Pastellpuristen werden sich schütteln bei diesem Anblick, aber ich verzeihe meinen Tulpen ihren wenig dezenten Auftritt. Ich bin schon froh, dass ich die langstieligen Diven überhaupt zu Gast haben darf.


Denn die hohen Tulpen machen nicht uneingeschränkt Freude und gehören zur wankelmütigen Sorte. Oft genug blühen frisch gepflanzte Exemplare im ersten Frühling tadellos (wenn die Wühlmäuse sie nicht gefunden haben), um schon im zweiten nur wehleidig mit Blättern zu wedeln. Ob eine Tulpe blühen wird oder nicht, erkennt man schon frühzeitig an der Anzahl der Laubblätter: Gibt es nur ein einziges, fällt die Blüte aus. Sind es aber zwei sich gegenüber stehende, wird aus ihrer Mitte eine Knospe entspringen.

Experimentierfreudige Gärtner nutzen die Blühschwäche gerne schamlos aus und pflanzen jedes Jahr frische, gut gemästete Zwiebeln in immer neuen Farben. 

So bin ich auch zu meinen Alarmtulpen gekommen: Schwiegermutter wollte sie entsorgen, um Platz für Neues zu schaffen. Und so wurde ich vom Jäte- zum Erntehelfer und konfiszierte die ungeliebten Stengel einfach. Zuhause entließ ich die verblühten Pflanzen in ein neu angelegtes, kahles Beet. Das war vor sieben Jahren.

Sie dankten es mir mit jahrelang ausbleibender Blüte, trieben aber immerhin brav Blätter. So richtig warm wurden wir zunächst nicht miteinander - Kunststück, so ganz ohne Feuerfarben.

Zwei Jahre und ein paar Ladungen Kompost später wendete sich das Blatt: Sie blühten - und wurden seitdem sogar jeden April mehr! Nun sind wir die besten Frühlingsfreunde. Auf meine Second-Hand-Zwiebeln ist Verlass. Unter den Geretteten ist sogar eine gefüllte rosa Tulpe, die mich immerhin jedes zweite Jahr mit einer Blüte beehrt:

Allein unter Akeleien und Storchschnabel

Den Sortennamen all dieser bunten Ostereier kenne ich nicht, als gesichert kann aber gelten, dass es keine seltenen oder teuren Zwiebeln waren. 

Oft steht geschrieben, dass blühfaule Tulpen unverzüglich auszutauschen wären, weil sie sowieso nichts mehr würden. Das kann ich so nicht bestätigen. Erstmal einfach abwarten. Das kostet auch nichts. Wenn der Service stimmt, werden sie auch wieder blühen. Irgendwann. Nur Wühlmäuse und Staunässe sollte man ihnen vom Hals halten, dann gedeihen sie sogar noch im Halbschatten.

Wenn ich also im Frühling Farbe sehen will, muss ich nur auf mein feuerrotes Sondereinsatzkommando warten. Es kommt zwar nicht so schnell wie die Feuerwehr, aber der Anlass ihres Besuches ist auch deutlich schöner.

Mittwoch, 28. März 2012

Wer Äpfel sät, wird Bäume ernten

Samenbomben sind ja jetzt in aller Munde, oder besser: Hände. Da haben die kreativen Stadtgärtner mit dieser subversiven Begrünungstaktik mal wieder einen ganz großen Wurf gelandet - oder? Nun ja - scheinbar sind Samenbomben wohl doch gar nicht so neu, wie es den Anschein hat.

Wer hat's erfunden? Nein, nicht die Schweizer, und wenn doch, dann wohl Wilhelm Tell. Aber auch der hat nur am Rande mit ihrer Entstehungsgeschichte zu schaffen. Denn auf die eigentliche geniale Idee kam wohl wieder mal Mutter Natur ganz allein, genauer: ein Apfelbaum. Und zwar vermutlich kein hochgezüchteter Tafelapfel, sondern ein kleiner, bescheidener Zierapfel. Die Fruchtzwerge bringen nämlich das beste Keimsubstrat als Saatgutverpackung gleich mit. Gut durchfeuchtet und auch noch in einer schützenden Hülle untergebracht. Wo der Apfel hinfällt, da lässt er gleich seine Kerne keimen - zur Not auch nicht weit vom Stamm.


Der Vermehrung zuträglicher wäre natürlich die weiträumige Verteilung der handlichen Samenbömbchen. Vielleicht vergessen die Drosseln manchmal, die erbeuteten Zieräpfel aufzuessen und lassen sie ganz oder in Teilen irgendwo fallen. Fertig ist die biologische Samenbombe! Egal, wie der Boden beschaffen ist - der Apfelkern bringt sein liebstes Substrat gleich im Handgepäck mit. Ist er am unteren Ende der Fruchthülle angelangt, wird einfach weiter in den Untergrund gewurzelt. Ganz schön clever!


Und heißt es nicht sowieso, dass jeder einmal in seinem Leben ein Apfelbäumchen gepflanzt haben sollte? Das geht jetzt sogar im Vorbeigehen und ganz lässig aus der Hüfte. Die Apfelbomben passen in jede Handtasche und sind jetzt zum Frühling ausgehfein! Der Samen hat bereits gekeimt und muss nur noch mit Fruchtfleisch an der gewünschten Stelle ausgebracht werden. Natürlich nur dort, wo sowieso schon fremdländische Gewächse absichtlich gepflanzt wurden, denn zur heimischen Flora zählen Zieräpfel auch wieder nicht. Man kann sie auch ganz konventionell in einen Topf pflanzen und mal schauen, ob etwas Gartentaugliches dabei herauskommt. Könnte doch ganz spannend werden!

Alles was man also braucht, sind richtig schön angegammelte Zieräpfel. Die wachsen vielleicht im eigenen Garten oder fallen vom Nachbarn herüber.
Mein Golden Hornet geizt heuer mal wieder nicht mit Fruchtmumien, da die Äpfelchen bei dem zuerst so milden Herbst- und Winterwetter schneller verfaulten, als die Amseln sie fressen mochten. So kann ich ausgiebig Samenpakete ernten - und die Schrumpfköpfe können sich auch noch nützlich machen:



Ab damit ins nächste Parkgebüsch, vielleicht blüht uns dann bald was!


PS: Ein ganz besonderes Paket habe ich heute von der lieben Alex aus dem Schweizer Gwundergarten bekommen!
Im Tausch gegen wilde Rosen reisten zahme Märzenbecher und selbstgemachte Seifen an - eine verführerischer als die andere:


Die Märzenbecher wohnen bereits zwischen Schneeglöckchen, Akelei und Lerchensporn, und zwar unterm Zierapfel!


Die Reise scheinen sie ganz gut überstanden zu haben! Hoffen wir nun, dass ihnen keine Apfelbombe auf den Kopf fällt!
Vielen Dank, Alex, für die schönen Sachen!