Wenn Kirschbäume doch nur sprechen könnten. Können sie aber nicht. Fluchen können sie dagen wie ein Rohrspatz, nur mit der Artikulation hapert es ein wenig. Gummifluss nämlich ist wie ein Schimpfwort unter Kirschen. Das ist dieses zähflüssige, bernsteinfarbene Zeug, das der Baum aus seiner Rinde presst. Damit drückt er aus, dass ihm etwas nicht passt. Was genau, weiß man leider nicht.
Meine Gisela (mit vollem Namen heißt sie 'Celeste' auf GiSelA V, so viel Zeit muss sein) steigt jedes Jahr wieder beherzt in die Großproduktion von Gummi ein. Von Weitem fällt das noch nicht so auf, vor allem, wenn nette Vögel von der Misere ablenken:
Aus der Nähe sieht mein Garten aber mittlerweile aus wie ein etwas rustikales Bernsteinzimmer, Gisela gleicht einer farbenfrohen Tropfsteinhöhle.
Manche der glibbrigen Gebilde ähneln sogar Nacktschnecken:
Hinzu kommen noch gelbe und graue Flechten an den Ästen, aber die stören nicht weiter und sehen jetzt im Winter sogar ganz nett aus. Es handelt sich hier um Gelb- und Schüsselflechte (die in dezentem Grau) - sie sind oft unzertrennlich, wenn es um die Erstbesteigung von Bäumen geht.
Viele Äste, auch sehr dicke, sind ohne Zutun von Flechten arg in Mitleidenschaft gezogen und der Länge nach aufgerissen. Hier trat vorher Gummifluss auf.
Bukett-Triebe hat die Kirsche trotzdem noch. Aus diesen werden nächstes Jahr die Blüten.
Wenn wenigstens Reichtümer in Form von echtem Bernstein dabei rauskommen würden... Das einzige, wozu das Zeug nützlich zu sein scheint, ist die Herstellung von Klebstoff, solange die Masse nicht völlig durchgetrocknet ist.
Meine Gisela (mit vollem Namen heißt sie 'Celeste' auf GiSelA V, so viel Zeit muss sein) steigt jedes Jahr wieder beherzt in die Großproduktion von Gummi ein. Von Weitem fällt das noch nicht so auf, vor allem, wenn nette Vögel von der Misere ablenken:

Manche der glibbrigen Gebilde ähneln sogar Nacktschnecken:
Hinzu kommen noch gelbe und graue Flechten an den Ästen, aber die stören nicht weiter und sehen jetzt im Winter sogar ganz nett aus. Es handelt sich hier um Gelb- und Schüsselflechte (die in dezentem Grau) - sie sind oft unzertrennlich, wenn es um die Erstbesteigung von Bäumen geht.
Viele Äste, auch sehr dicke, sind ohne Zutun von Flechten arg in Mitleidenschaft gezogen und der Länge nach aufgerissen. Hier trat vorher Gummifluss auf.
Bukett-Triebe hat die Kirsche trotzdem noch. Aus diesen werden nächstes Jahr die Blüten.
Wenn wenigstens Reichtümer in Form von echtem Bernstein dabei rauskommen würden... Das einzige, wozu das Zeug nützlich zu sein scheint, ist die Herstellung von Klebstoff, solange die Masse nicht völlig durchgetrocknet ist.
Gummifluss kann im Detail folgendes bedeuten, hier motzt der Baum:
- Ich bin von Bakterien befallen.
- Der Standort ist mir zu nass.
- Der Standort ist mir zu trocken.
- Der Hallimasch will mich fertigmachen.
- Ein Vogel hat auf meinen linken oberen Ast gekackt (*).
- Die doofe Miezekatze hat fies geguckt (*).
- Jemand hat an meiner Rinde gekratzt (vielleicht die doofe Miezekatze).
Gummifluss scheint die Standardantwort auf alles zu sein, kurzum: Der Baum hat Stress. Man kann diesen Stress im Nachhinein weder mit der besten Wellnessbehandlung noch mit beruhigender Musik lindern. Wenn eine Kirsche ordentlich Gummi gibt, hat man's schon gründlich mit dem Standort versaut.
Vorbeugend kann bei den Bäumen darauf achten, sie nicht in staunasse Böden zu setzen und sie im Sommer auch mal zu gießen. Zu viel Schneiden sollte man auch nicht, und den Baum am besten mit Samthandschuhen anfassen, um nur ja keine neue Wunde entstehen zu lassen. Aber Kunststück, wenn die Äste sich ständig selbst zerlegen und Risse bekommen.
Gisela und ich müssen da jetzt wohl durch. Mal schauen, wie lange das noch gut geht. Aber solange Madame immer noch blüht und fruchtet, kann's ja so schlimm auch wieder nicht sein... (hier ein Bild aus dem Frühling 2018)
* Achtung, Satire