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Samstag, 1. Dezember 2018

Gisela gibt Gummi

Wenn Kirschbäume doch nur sprechen könnten. Können sie aber nicht. Fluchen können sie dagen wie ein Rohrspatz, nur mit der Artikulation hapert es ein wenig. Gummifluss nämlich ist wie ein Schimpfwort unter Kirschen. Das ist dieses zähflüssige, bernsteinfarbene Zeug, das der Baum aus seiner Rinde presst. Damit drückt er aus, dass ihm etwas nicht passt. Was genau, weiß man leider nicht.

Meine Gisela (mit vollem Namen heißt sie 'Celeste' auf GiSelA V, so viel Zeit muss sein) steigt jedes Jahr wieder beherzt in die Großproduktion von Gummi ein. Von Weitem fällt das noch nicht so auf, vor allem, wenn nette Vögel von der Misere ablenken:




Aus der Nähe sieht mein Garten aber mittlerweile aus wie ein etwas rustikales Bernsteinzimmer, Gisela gleicht einer farbenfrohen Tropfsteinhöhle.


Manche der glibbrigen Gebilde ähneln sogar Nacktschnecken:



Hinzu kommen noch gelbe und graue Flechten an den Ästen, aber die stören nicht weiter und sehen jetzt im Winter sogar ganz nett aus. Es handelt sich hier um Gelb- und Schüsselflechte (die in dezentem Grau) - sie sind oft unzertrennlich, wenn es um die Erstbesteigung von Bäumen geht.




Viele Äste, auch sehr dicke, sind ohne Zutun von Flechten arg in Mitleidenschaft gezogen und der Länge nach aufgerissen. Hier trat vorher Gummifluss auf.




Bukett-Triebe hat die Kirsche trotzdem noch. Aus diesen werden nächstes Jahr die Blüten.




Wenn wenigstens Reichtümer in Form von echtem Bernstein dabei rauskommen würden... Das einzige, wozu das Zeug nützlich zu sein scheint, ist die Herstellung von Klebstoff, solange die Masse nicht völlig durchgetrocknet ist.

Gummifluss kann im Detail folgendes bedeuten, hier motzt der Baum:

  • Ich bin von Bakterien befallen.
  • Der Standort ist mir zu nass.
  • Der Standort ist mir zu trocken.
  • Der Hallimasch will mich fertigmachen. 
  • Ein Vogel hat auf meinen linken oberen Ast gekackt (*).
  • Die doofe Miezekatze hat fies geguckt (*).
  • Jemand hat an meiner Rinde gekratzt (vielleicht die doofe Miezekatze).

Gummifluss scheint die Standardantwort auf alles zu sein, kurzum: Der Baum hat Stress. Man kann diesen Stress im Nachhinein weder mit der besten Wellnessbehandlung noch mit beruhigender Musik lindern. Wenn eine Kirsche ordentlich Gummi gibt, hat man's schon gründlich mit dem Standort versaut.

Vorbeugend kann bei den Bäumen darauf achten, sie nicht in staunasse Böden zu setzen und sie im Sommer auch mal zu gießen. Zu viel Schneiden sollte man auch nicht, und den Baum am besten mit Samthandschuhen anfassen, um nur ja keine neue Wunde entstehen zu lassen. Aber Kunststück, wenn die Äste sich ständig selbst zerlegen und Risse bekommen.

Gisela und ich müssen da jetzt wohl durch. Mal schauen, wie lange das noch gut geht. Aber solange Madame immer noch blüht und fruchtet, kann's ja so schlimm auch wieder nicht sein... (hier ein Bild aus dem Frühling 2018)


* Achtung, Satire

Samstag, 21. April 2018

Luxusgeschöpf

Was habe ich mich doch letztes Jahr zurückgehalten beim Pflanzenkaufen, das war eiserne Selbstdisziplin. Vor lauter Tauschbörsen, selbstvermehrten und geschenkten Stauden kann man zwar nicht wirklich von Enthaltsamkeit sprechen, aber immerhin war das sehr sparsam. Passiert ist es aber letzten April in Holland dann doch. Da wollte ich unbedingt noch ein Souvenir haben. Naja, ursprünglich wollte ich eigentlich gar nicht, zumindest bis zu diesem Stand mit den Staudenraritäten war ich wunschlos glücklich.

Aber da habe ich dieses entzückende rosafarbene Etwas gesehen, das es so schnell nicht wieder zu kaufen geben würde. So wahnsinnig selten ist der Zwerg im Handel anzutreffen, dass die Gelegenheit einfach nach einem Spontankauf schrie.

Die Folge: Ich musste den Rest des Tages und die gesamte Rückreise mit dem Zug in Begleitung dieses Staudenschätzchens verbringen und gut drauf aufpassen. Das war schon ein bisschen unhandlich mitunter.


Wer dieses entzückende Luxusgeschöpf ist? Eine Rautenanemone (Anemonella thalictroides), ihres Zeichens Nordamerikanerin und Antwort auf unser Buschwindröschen. Aber eben in rosa und mit Blättern, die an Akeleien erinnern. Der Name Anemonella klingt ja auch schon so nett, wer könnte da widerstehen?

Letztes Jahr war sie auch zum Verlieben schön. Blühte ewig und wirkte trotz ihrer Zartheit ganz robust.


Aber was macht Frau Anemonella denn so im Winter? Von einer amerikanischen Waldstaude sollte man da ja nur Gutes erwarten dürfen, oder?

Stimmt zum Glück auch. Hier ist sie schon wieder, schoss wie ein Pilz aus dem Boden, entfaltete in großer Eile ihre rosa Blüten und gibt schon wieder die Prinzessin Lillifee.
 



Noch nie habe ich einen Spontankauf so wenig bereut!

Und was ist sonst so los im Garten? Die Süßkirsche blüht dieses Jahr überlappend mit den Äpfeln. Das ist wirklich selten.


Das Einjährige Silberblatt hat auch gerade angefangen, seine Knospen zu öffnen, und wächst zufällig mit einer farblich passenden Tulpe zusammen:



Dieser Frühling hat plötzlich den Turbo eingeschaltet. Von der Apfelblüte haben wir hoffentlich mehr als eine Woche...

Mittwoch, 25. Juni 2014

Schnabelraub

Die Amseln haben mir in alter Tradition wieder mal alle Süßkirschen weggefressen. Nicht ohne ausgiebig mit mir zu schimpfen, sollte ich mich erdreisten, zufällig gerade dabei anwesend zu sein. Das Gelage beginnt sicherheitshalber zu einem Zeitpunkt, wo die Kirschen noch grün hinter den Ohren sind und ich sie unter Garantie nicht ernten möchte. Wenn sich eine außergewöhnliche gute Ernte ankündigt, netze ich den Baum auch schon mal ein, aber dieses Jahr hätte sich die Mühe nicht gelohnt. Also haben die Amseln kurzen Prozess mit den wenigen Früchten gemacht. Zusätzlich wurden aus anderen Gärten entwendete Kirschen eingeflogen und demonstrativ auf meinem Rasen schnabuliert, um mir zu zeigen, was ich verpasse.

Obwohl ich Amseln wirklich sehr schätze, bin ich nun durchaus in Versuchung, es den Vögeln mit gleichen Mitteln heimzuzahlen und Mundraub, oder besser: Schnabelraub, zu begehen.

Ich habe nämlich die Früchte der Felsenbirne verkostet und bin begeistert. Die Sträucher in der Umgebung sind voll mit diesen leckeren kleinen Dingern, so dass die Amseln gar nicht alles auf einmal schaffen. Sind sie reif, wechseln die Beeren ihre Farbe von rot nach blau - und so schmecken sie dann auch! Das Aroma erinnert stark an Blaubeeren, köstlich!


Nur die Kerne sollten besser nicht in großen Mengen zerkaut werden, ansonsten sind die Beeren der Felsenbirne absolut ungiftig. Und so lecker! Ein Jammer, dass zwar viele Gärten einen Strauch beherbergen (meist die amerikanische Kupfer-Felsenbirne Amelanchier lamarckii), aber die Besitzer gar nicht zu wissen scheinen, welch kulinarischer Schatz da im Wind baumelt!

Einheimisch geht es auch mit Amelanchier ovalis. Beide Arten sind so nah miteinander verwandt, dass die Vögel gar nicht merken, ob der Strauch nun aus Übersee stammt oder nicht. Die Beeren stehen in jedem Fall bei den gefiederten Gartenbesuchern hoch im Kurs und man möchte sich beim Rezitieren des Gattungsnamens ständig verschreiben in Richtung Amselanchier.



Und ich mag die Früchtchen jetzt auch! Wozu teure, oft sogar importierte Heidelbeeren kaufen, wenn man welche inkognito im Garten hat! Ein Felsenbirnen-Pfannkuchen ist der Renner der Saison, obwohl ich sagen muss, dass mir die Beeren roh am besten schmecken.


Probiert es einmal aus, wenn ihr eine Felsenbirne im Garten stehen habt. Immerhin durften die Amseln ja auch die Kirschen und einige Johannisbeeren haben, da können sie ruhig auch mal mit uns teilen.

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Und nun noch die Auflösung des Rätsels von letzter Woche - wer hat hier gemampft?



Hier ist nun der kleine Übeltäter bei der Arbeit - eine Gelbhalsmaus, die die Zweige des Knotigen Storchschnabels (Geranium nodosum) einfach mit ihrem eigenen Fliegengewicht niederringt, um an die noch unreifen Samenstände zu kommen. Ein bisschen klettern kann sie aber auch. Die grüne Beute wird nach Art eines Mini-Maiskolbens in den Pfoten gewendet und unten herum abgeknabbert.

Da die Maus so überaus kurzsichtig ist, sind uns beim gemütlichen Sitzen auf der Terrasse diese seltenen Bilddokumente aus kurzer Entfernung gelungen. Immerhin frisst das niedliche Nagetier auch das dicke Ende von Ahornsamen, das erspart mir das Jäten der Sämlinge...

Montag, 7. April 2014

Die Verschmähte

Ich verstehe das nicht mit den Blumen und den Bienen. So grundsätzlich natürlich schon, ich bin ja nicht von gestern. Allerdings frage ich mich, warum meine Süßkirsche zwar mich betören kann mit ihren herrlich üppigen Blüten, die Bienen aber auf Abstand hält, als wollte sie niemanden auf sich herumkrabbeln haben.

Mein sich zierendes Bäumchen namens 'Celeste' veredelt auf die schwachwachsende Unterlage GiSelA 5, im folgenden kurz Gisela genannt, ist ja von seinen Ausmaßen her wirklich überschaubar und prima für den Reihenhausgarten geeignet. Hier steht sie jetzt seit 2005. Wenn sie mir zu breit wird, schneide ich sie nach der Ernte ein wenig.


Zur Blütezeit macht der Fruchtzwerg auch durchaus was her mit seinen Pompons ganz in Weiß. Madame duftet zart und verwandelt meinen wilden Garten für eine kurze Zeit in etwas ausgesprochen Elegantes.


Wenn da nur nicht die unschöne Sache mit den Bienen wäre. Ich bin ja stets bemüht, in meinem Garten nicht nur hübsche Pflanzen zu pflegen, sondern mit ihrer Hilfe auch die Insekten gut zu beköstigen. Mit der Gisela verhält es sich nun so, dass sie in ganz wenigen Jahren bei Hummeln und Wildbienen beliebt ist, während die Tierchen in den anderen scheinbar angewidert abdrehen, nachdem sie kurz an den Blüten gekostet haben.


In einem Frühling (anno 2012) hat es sich mal gelohnt, mit der Kamera daneben zu stehen, weil immer neue illustre Gäste kamen - von der Zweifarbigen Sandbiene bis zur Rotpelzigen, von Mauerbienen bis zu Hummelköniginnen war alles vertreten. Es war eine wahre Pracht.


Dieses Mal steht der Baum wieder fast allein da, während die Vogelkirschen im Park und die Sauerkirsche ein paar Gärten weiter von Bienen umschwärmt werden, als würden sie es bezahlt kriegen. Es ist mir ein Rätsel. Aber mehr als anbieten kann ich es den Insekten ja nicht. Nur eine einsame Honigbiene und die Zweifarbige Sandbiene konnte ich dieses Jahr schon an ihr beobachten - der Laden brummt nicht so richtig.

Gut, dass Gisela immerhin selbstfruchtbar ist, sondern hätten wir den Salat und würden keine einzige Frucht zu sehen bekommen.

Vielleicht kann mich ein Imker mal aufklären, wie das mit den Süßkirschen und den Bienen denn nun eigentlich so ist. Gibt es da einen Trick - weniger Kompost oder mehr etwa? Geht es ihr zu gut? Hat sie es nicht nötig? Oder verpasse ich den Tag der größtmöglichen Attraktivität der Blüten einfach nur immer?

Bald blüht aber der Zierapfel und auf den ist wenigstens Verlass - der ist schon eher der Kumpeltyp und ein echter Bienenmagnet, jedes Jahr zuverlässig wieder. So gehört sich das ja auch. Nur meine süße Gisela kriegt es einfach nicht hin mit den Blumen und den Bienen - da hat sie in der Baumschule offenbar nicht aufgepasst. Ich werde sie wohl doch mal aufklären müssen...

Sonntag, 15. April 2012

Albtraum in Weiß

Es gibt Sträucher, die liebt man solange heiß und innig, bis man sie im Garten hat. Zu dieser Sorte Strauchwerk gehört die gute alte Schlehe (Prunus spinosa), auch Schwarzdorn genannt. In Feld, Wald und Wiese ruft sie sofortiges Entzücken hervor, vor allem zur Blütezeit und wenn die blau bereiften Früchte locken.



Im Garten dagegen entpuppt sie sich rasch als Albtraum in Weiß. Sie kann sich einfach nicht benehmen und treibt schneller Ausläufer als jede wuchernde Wildrose es je könnte. Sie ist der Giersch unter den Sträuchern. Was ihr in der Natur zum Durchbruch verhilft, indem sie an neuen Standorten schnell Boden gewinnt, vermasselt ihr in Gärten die Tour so richtig gründlich. Ihr Ruf eilt ihr voraus, und so wird es immer weniger Gärtner geben, die das Wagnis des Zusammenlebens mit einer zwielichtigen Schlehe unbedarft eingehen.

Dabei könnte alles so einfach sein: Sie ist preiswert zu haben, ihre Blüte ist eine Wucht, sie wehrt Einbrecher ab und bietet Vögeln Nahrung und ein Zuhause:

Blaumeise 

Wildbienen lieben ihre Blüten, wie diese Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva) gerne demonstriert:

Andrena fulva

Schließlich sind ihre Früchte obendrein noch kulinarisch verwertbar. 

Aber das nützt ihr alles nichts, wenn man sich mit ihr nicht gütlich einigen kann, ihre Ausläufer bei sich zu behalten. So ein Gebaren kann im kleinen Garten zum immerwährenden Kräftemessen zwischen Gärtner und größenwahnsinnigem Strauch werden, sich womöglich sogar zum Grabenkrieg mit den Nachbarn auswachsen, wenn die Schlehe es schaffen sollte, die Seiten zu wechseln.

Prunus spinosa ist wahrlich das Enfant Terrible der Naturgartenbewegung. So wertvoll für die Fauna und so wenig salonfähig auf begrenztem Raum. 20 Vogelarten sollen sich allein von ihren Früchten ernähren. In derselben Größenordnung dürfte sich auch die Anzahl der Gärtner weltweit bewegen, die im letzten Jahr die Schlehe freiwillig in ihren Garten gepflanzt haben.

Kleiner Fuchs

Wem es also gelingt, eine zuverlässig kleinbleibende, strauchartige Schlehe ohne Ausbreitungsdrang zu züchten, oder eine solche erfolgreich zu veredeln, dem sollte mit sofortiger Wirkung der Friedensnobelpreis der Naturgärtner sowie der Goldene Spaten am Bande feierlich verliehen werden. Selbstverständlich würden die Festivitäten mit Schlehenlikör begangen.

Ein Mini-Schwarzdorn, der sich im Zaum halten kann, das wäre der Durchbruch für den ökologisch orientierten Reihenhausbewohner, das wäre ein Meilenstein auf dem Wege der Völkerverständigung zwischen Mensch und Meise. So ein Wunderstrauchwerk darf auch gerne etwas mehr kosten als ein ausufernder Ausläufer, den man von entnervten Schlehenbändigern sogar geschenkt bekommen kann.

Bis dahin bleibt uns wohl nur, den Schwarzdorn aus gebührender Entfernung zu bewundern, oder einen kleinbleibenden Kirschbaum zu pflanzen. Der ist ähnlich beliebt bei den Bienen und produziert auch Leckeres, ist aber deutlich anspruchsvoller an den Standort und braucht einiges an Platz. Darüber hinaus macht Prunus avium eine wesentlich schlechtere, weil größere Figur in einer kleinen Grenzhecke.  

Andrena fulva kann man zum Glück auch noch mit Stachel- und Johannisbeeren in den Garten locken. Das schont auf jeden Fall die Nerven und wahrt den Nachbarschaftsfrieden. Ein Traum in Weiß sind sie allerdings auch nicht.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Gut Kirschen essen

Nun ist es vollbracht - der kleine Süßkirschenbaum in unserem Garten, von uns liebevoll Gisela genannt (nach seiner Unterlage GiSelA 5, denn der Sortenname Celeste erschien uns zu prätentiös...), ist endlich feierlich enthüllt worden und steht wieder ohne Vogelschutznetz da. Sieht auch besser aus, ganz eindeutig.


Aber es muss gesagt sein: Dank des nervigen Netzwerks konnten wir sagenhafte 1500g Kirschen ernten - in Worten: Tausendfünfhundert Gramm feinste, dunkelrote Früchtchen!
 
 
Das ist Giselas bisheriger Rekord. Sie ist jetzt 6 Jahre alt übrigens.

Also: Tausend Dank, Gisela, wir lieben dich!

So viele Kirschen zu haben, ist toll. Nur - was stellt man denn mit denen an?
Schon lange keine Marmelade mehr gekocht, dachte ich mir.


Dummerweise gebührt Kirschmarmelade auf der Weltrangliste der arbeitsaufwändigsten Konfitüren einer der vorderen Plätze, gleich hinter Hagebuttenmarmelade - die ist noch nervenaufreibender, zum Dank lässt sich aber allerhand Schabernack mit dem daraus gewonnenen Juckpulver anstellen.

Leider benötigt man ein zusätzliches Hilfsmittel, wenn man kein Kirschmassaker anrichten will, und zwar einen stählernen Entsteiner.

 

 Dieses Gerät glänzt nicht nur hübsch, vor allem durch völlige Abwesenheit in den meisten Geschäften, sondern kostet zu allem Überfluss gar nicht mal so wenig Geld.
Aber wer erst mal einen mittleren Marathon durch alle Läden hinter sich hat, die nur im entferntesten etwas mit Haushaltswaren zu tun haben könnten, ist irgendwann bereit, selbst überhöhte Preise zu zahlen.
Sitzt einem zuhause nämlich auch noch eine frisch geerntete Charge Kirschen im Nacken, auf die schon die Geier in Form von Fruchtfliegen mehrere geübte Facettenaugen geworfen haben, bekommt die Odyssee doch eine gewisse Eile.
Aber geschafft, hier ist es, das seltenste Haushaltsgerät der Welt (kein Wunder, wenn die Regale der Geschäfte schon voll sind mit Schokobrunnen und anderem unnützem Spielzeug...):


Die meiste Zeit des Jahres ist der Entsteiner leider arbeitslos. Man könnte ihn vielleicht noch an Oliven ausprobieren, das war es aber auch schon - andere Früchte wollen damit nichts zu tun haben.
Macht aber nichts: Da das Gerät keine allzu ausgeklügelte Feinmechanik bietet und schon gar keine Batterie braucht, wird es wohl älter werden als ich. Glücklich ist daher, wer einen Kirschquetscher geerbt hat - eine Dachbodenrazzia lohnt in jedem Fall.

Beim Entsteinen unbedingt eine Schürze tragen. Sieht doof aus, macht aber Sinn, denn man weiß nie, ob die Flecken dem Waschmittel standhalten oder nicht.
Schön wäre auch noch, wenn man danach nicht die Küche renovieren müsste, aber dummerweise kann man diesen Vorgang nur in wirklich einsamen Gegenden draußen veranstalten, denn allzu nervig ist das fortwährende "Klack!", wenn wieder ein Kirschkern fliegen lernt.

Hat man alle Früchte erfolgreich entsteint, zunächst die eigenen Gesichtszüge kontrollieren. Man möchte ja nicht, dass jemand denken könnte, man hätte die Masern.

Dann alle rein in einen Kochtopf, nach Belieben mit dem Pürierstab bearbeiten, Gelierzucker dazugeben und nach Anleitung kochen lassen. Ich nehme immer ein Kilo Früchte und 500 Gramm 2:1 Gelierzucker.
Der Saft einer Zitrone hilft beim Gelieren - bei Süßkirschen rate ich sogar zu mehreren Zitronen, denn die Marmelade wird sonst sehr süß. Schmeckt aber trotzdem.

Nach der Gelierprobe dann ab in Schraubdeckelgläser - am besten recycelte (ich berichtete bereits).
Die Gläser randvoll füllen, Deckel drauf und auf den Kopf stellen (nicht den eigenen), bis der Verschluss knackt oder sich zumindest nach innen gewölbt hat.

Nach dem Erkalten schmeckt die Kirschmarmelade gut auf's Brot, aber auch in Naturjoghurt.

Leider hat man nach der Aktion keine Lust mehr, ein Abendessen zu kochen.
Der Anblick der gefüllten Gläser entschädigt aber für die ganze Mühe.
Nächstes Jahr mache ich das sicher noch einmal - der Entsteiner möchte ja beschäftigt werden...

Dienstag, 31. Mai 2011

Kirschkarneval

Ich habe den Kirschbaum verkleidet.
Als Scheusal.
Er sieht jetzt aus wie ein Mahnmal gegen die Vermüllung und die Überfischung der Weltmeere in einem.


Das war eigentlich das, was ich mir immer geschworen hatte, nicht zu tun.
Schließlich ist der kleine Baum der Mittelpunkt meines Kleinstgartens und also solcher sehr prominent von überall sichtbar. Und wer die Hauptrolle spielt, der sollte nicht am schlechtesten angezogen sein.

Wenn ich ihn aber nicht einnetze, verschwindet die gesamte Kirschenernte in den Amseln. Bevor sie rot ist.
Also besser ein paar Wochen einen Schandfleck im Garten, als gar keine roten Früchtchen. Die schmecken wirklich gut. Finden die Amseln auch.

Dabei wollte ich doch so gerne ohne das filigrane Machwerk aus Plastik auskommen.
Die Meisenbabies auch, die so gern in den Ästen auf Futter warten.


Also habe ich zunächst auf die abschreckende Wirkung einer Silberscheibe gesetzt, die man bis vor einigen Jahren ständig ungefragt im Briefkasten hatte, um auch außerhalb von Amerika jeden zu vernetzen. AOL gibt es nun nicht mehr. Was uns geblieben ist, ist ein Film mit Meg Ryan. Und mehrere unnütze CDs.
Meine hing nun mitten im Kirschbaum, baumelte lustig vor sich hin und war noch einigermaßen dezent. Im Dunkeln.
Die Amseln jedoch interessierte sie sowieso nicht die Bohne. Und weg waren die Kirschen.


Dann bekam ich das grüne Netz geschenkt. Dummerweise hatte der Schenkende wohl gerade anderes im Kopf, denn es war ein Netz für Obststräucher - elend lang und als Schleppe zu tragen, anstatt groß und quadratisch, um es einmal über den Baum zu werfen.
Daher also die rustikale Wäscheklammerntechnik. Wegschmeißen wäre ja auch nicht die feine Art gewesen.

Früher wäre so etwas nicht möglich gewesen, einen ganzen Süßkirschenbaum mit einem mickrigen Netz vollständig zu verhüllen. Süßkirschen waren mächtige Obstbäume, die man sich tunlichst nicht in den Reihenhausgarten pflanzte, wenn man noch die Sonne sehen wollte und in Frieden mit den Nachbarn leben.

 
Dafür waren diese Bäume aber auch so groß, dass ein einzelnes Amselpärchen sie nicht hätte kahlfressen können. Dazu bedurfte es schon eines mittelprächtigen Starenschwarms mit großem Hunger. Was eine Tautologie ist.
Die Zeiten sind vorbei. Dank moderner Veredelungstechniken bekommt man mittlerweile kleinbleibende Bäume auf der schwachwachsenden Unterlage GiSelA 5 (Giessener Selektion für Avium Nr. 5).


Nun könnte sich jeder Reihenhausgarten eine Süßkirsche gönnen. Tut er aber nicht, das wäre zu einfach. Und so ist meine Gisela die einzige weit und breit. Ohne Bestäuber in der Nähe muss es also eine selbstfruchtbare Sorte sein. Wir haben uns für die Celeste entschieden.
Da der Baum so allein auf weiter Flur ist, ist er eben auch ein echter Insidertipp bei den Amseln.

Aber damit ist Dank des grünen Netzwerks jetzt Schluss. Die Kirschen gehören mir.
Der zerstörte Ausblick auch.

Noch günstiger ist die Gardinenvariante, falls man noch ein größeres Exemplar auf dem Dachboden oder sonstwo auftreiben kann. Falls sie zu schwer ist, sollte man sie dem Baum zuliebe zusätzlich mit Stangen abstützen.
Gewinnt aber auch keinen Schönheitspreis, höchstens die Recyclingmedaille.


Also freue ich mich gleich doppelt auf den Tag, an dem meine Gisela feierlich enthüllt wird.
Denn dann gibt es süße Kirschen und endlich wieder einen richtigen Baum im Garten ohne Zusatzstoffe.