Donnerstag, 23. August 2012

Kopfsache

Nach dem großen Überraschungserfolg des Rätsels um die selbst gebauten Windräder aus der Flasche (Günstig Gärtnern berichtete), heute ein weiterer Beitrag aus der Reihe "Bizarres Bielefeld".

Dass die Bielefelder Schrebergärtner einige kreative Köpfe haben, wenn es um die innovative Verwertung von ausgemusterten Dingen des Alltags geht, wusste ich ja schon. Aber diese originelle Art der Kopfarbeit überraschte mich dieses Jahr dann doch ganz kolossal:



Zu sehen sind die Puppenköpfe in einer dieser vereinslosen Kleingartenanlagen - meistens verkehrsgünstig an Bahndämmen gelegen und bei Zugfahrten immer ein guter Grund, aus dem Fenster zu schauen - und hier schaut sogar garantiert etwas zurück.

Was im Halbdunkeln besser verborgen bleibt, entbehrt hier bei Tageslicht nicht einer gewissen morbiden Komik - aufgespießte Köpfe als Vogelschreck? Nun, welcher Vogel wird sich bei dem ungewohnten Anblick nicht denken: Wenn die sowas mit Ihresgleichen machen, was stellen die dann erst mit gefiederten Kirschendieben an? 
Vermutlich tritt aber doch mit der Zeit wie bei jeder Art von Vogelscheuche eine gewisse Gewöhnung ein, und die etwas starr drein blickenden Gesellen schrecken doch eher Passanten als Vögel ab, das aber gründlich.

Wer dieses innovative Horrorkabinett in seinem Garten nachbauen möchte, braucht entweder Schaufensterpuppen ohne Unterleib, oder - wie hier - ausgediente Friseur-Modell-Köpfe, die ihre besten Zeiten hinter sich haben und vom Coiffeur vor die Tür gesetzt wurden.

An diesen wurde offenbar eine modische Herrenfrisur geprobt - immer dieselbe, wie es scheint. Hier sieht man ohne Zweifel einen Kopfschmuck, der die Jahrzehnte überdauert hat und wohl immer noch nachahmenswert erscheint - man beachte die keck in die Stirn geworfenen Strähnen bei dem blonden Modell - ein Meisterwerk der Friseurkunst. Allein das Werbeschild fehlt, wo man sich denn diesen zeitlosen Haarschnitt am eigenen Leib verpassen lassen kann - in diesem Garten doch wohl kaum?

Auf jeden Fall eine preiswerte Vogelscheuche, die gleichzeitig jeden Einbrecher das Fürchten lehrt. Und falls sich das Vogelvolk davon auf Dauer doch nicht davon überzeugen lässt, die Schnäbel von den Johannisbeeren zu lassen, variiert man einfach die Frisur der Köpfe solange, bis sie wirklich jeden abschreckt.
Wenn sich die Gefiederten nicht irgendwann ein Vogelnest aus den Haaren bauen...

Donnerstag, 16. August 2012

Uferlos

Das Schönste am Sommer ist, gemütlich im Liegestuhl neben Lavendel und Blutweiderich zu sitzen und dem Treiben der Hummeln zuzuschauen. 

Halt mal, was stimmt mit dem Satz nicht, werdet ihr jetzt rufen. Liegestuhl und Hummeln, meinetwegen - aber was hat denn bloß der Blutweiderich neben dem Lavendel zu suchen? Beide mögen Sonne, aber während es der eine gerne trocken mag, gilt der andere als stadtbekannter Säufer, der gerne nasse Füße hat. Blutweiderich (Lythrum salicaria) kennt man in der Tat von Teichrändern und feuchten Gräben. Den Lavendel kennt man aus Frankreich.

Zum Blutweiderich bin ich auch eher unverhofft und vor allem unvorbereitet gekommen. Der damalige Nachbar hatte einen streng blau-weißen Garten mit Teich, in dem plötzlich und uneingeladen diese scheußlich pinkfarbene Kerze auftauchte. Der Schandfleck musste sich selbst gesät haben oder war mit anderen Teichpflanzen eingeschleppt worden. Wenn er sich bloß ans Farbschema gehalten hätte, aber so musste er verschwinden, und zwar schleunigst. Also wurde der Spaten gezückt und mir die jetzt arg ramponierte Pflanze in voller Blüte über den Zaun gereicht.


In Ermangelung eines Teiches habe ich den Blutweiderich dann einfach ins sonnige Beet gesteckt. Und wochenlang gepflegt, damit er den Wurzelverlust kompensieren konnte.

Dass so etwas klappen kann, wusste ich schon, hatte ich doch gegen Ende meiner Schulzeit im Garten meiner Eltern sturmfreie Bude und einen Anfall von Anarchie gehabt: Im Aldi gab es Blutweiderich zu kaufen, und da ich das Anwesen meiner Altvorderen mit ein bisschen Bienenfutter aufpeppen wollte, habe ich eine Staude mitgenommen und an den Hang neben den Apfelbaum gepflanzt. Nach nun mehr als 20 Jahren steht er dort immer noch und blüht jeden Sommer wieder. Nicht nur, dass der Apfelbaum ihm etwas Bodenfeuchte wegsaugt - der Hang tut sein Übriges, um dem Blutweiderich das Wasser abzugraben. Trotzdem gedeiht er dort.

Nachbars Blutweiderich in meinem Garten

Auch das Mädesüß (Filipendula ulmaria) in meinem Garten wuchert uferlos vor sich hin, ganz ohne Teich und in normalem Gartenboden. Selbst das wächst mühelos und macht dem Giersch das Leben schwer bis unmöglich.



Was viele Pflanzen nämlich auszeichnet, sind raffinierte Strategien zur Konkurrenzvermeidung. Die einen tolerieren magere Böden, die anderen überflutete Standorte. Dort sind sie vor dem gemeinen Pöbel sicher, der dort nicht wachsen will, weil er über keine Anpassung an diese Extreme verfügt.

Im Garten aber sorgt der Gärtner für das Fehlen von Konkurrenz, so dass die Pflanzen trotz einiger Unterschiede zum Naturstandort gedeihen können. Würde dieser Garten verlassen, wären diese Arten ganz schnell von stärkeren Allerweltsarten verdrängt.

Das klappt natürlich nicht mit jeder Staude - eine Seerose auf der Trockenmauer würde trotzdem nichts, auch wenn wir ihr das Blaukissen vom Hals halten. Viele Pflanzen der wechselfeuchten Standorte aber sind einigermaßen tolerant und Experimenten gegenüber durchaus aufgeschlossen.

Mittlerweile ist der Teich nebenan zugeschüttet und in einen der extremsten Extrenstandorte umgewandelt worden, die es überhaupt gibt: Einen Sandkasten. Dort möchte auch der Blutweiderich nicht mehr hin, trotz völliger Konkurrenzlosigkeit. Aber er ist ja zum Glück bei mir gelandet und nun das Einzige, was noch an den belebten Tümpel von letztem Jahr erinnert.

Spielt uns der Zufall also eine Pflanze zu, für die wir keinen adäquaten Lebensraum haben, macht das nichts. Einfach mal versuchen, auf den Kompost kann sie später immer noch.

Der Blutweiderich jedenfalls kann tatsächlich ein Freund für's Leben werden.

Freitag, 10. August 2012

Das Glück ist mit dem Gärtner

Kann ein Garten glücklich machen - trotz Maden, Mehltau und Muskelkater? Trotz Schnecken und Wühlmäusen? Wir unverbesserlichen Freiluftfanatiker werden das bejahen, wozu gibt es schließlich noch Meisen, Margeriten und Möhren? Ja, davon, dass ein Garten glücklich macht, müssen wir nicht erst mühsam überzeugt werden. Manchmal ist es aber trotzdem nett, eine zweite Meinung einzuholen, und sei es nur, um sich bestätigt zu sehen. Eine solche ist das Buch "Wo die Seele aufblüht. Warum ein Garten glücklich macht." von Doris Bewernitz aus dem Kreuz-Verlag.


Nach Jahreszeiten geordnet erzählt sie aus ihrem Berliner Garten in einer Schrebergartenanlage, die ungewöhnlicherweise direkt an einer S-Bahn-Station liegt, Lautsprecherdurchsagen inklusive. Mitten in der Stadt lässt sich trotzdem glücklich gärtnern - in ihrem Garten gibt es Kirschbäume, Pfirsiche, Nachtigallen und jede Menge selbstangebautes Gemüse, das sie mit Genuss zubereitet.

Wie viele dieser Bücher mit Gartenerzählungen verfügt es über keine Bilder, so dass man schon all seine Fantasie einsetzen muss, um sich diese Großstadtinsel vorstellen zu können. Aber das macht nichts, denn so kann man sich jeden Garten schöner und größer denken, als er vielleicht ist.

Er ist jedenfalls groß genug für all die Obstbäume, unzählige Rosen und alles-verschlingende Hokkaido-Kürbisse. Frau Bewernitz hat viele Tipps für das günstige Gärtnern auf Lager - sie berichtet vom Mulchen, von geretteten Rosen aus dem Rinnstein, von weggeworfenen Briefkästen, die zu Meisenkästen werden können, und natürlich vom Kompostieren. Selbst das Guerilla-Gärtnern ist ihr nicht fremd - sie träumt davon, Berlin von Hokkaido-Kürbissen beranken zu lassen.

Schließlich geht es auch noch um eine innovative Möglichkeit, Kraft und Handwerker zu sparen: Man lade einfach seine Freunde zur Mitmachparty im Garten ein, hänge Karteikarten mit den zu erledigenden Arbeiten an eine Wäscheleine und sorge für Gratis-Getränke und Essen. Und siehe da: Die Freunde kommen tatsächlich, nehmen sich eine Karteikarte ihrer Wahl und helfen sogar mit viel Vergnügen im Garten mit -  Frau Bewernitz hat viel Muskelkater und Rückenschmerzen eingespart.


Eine andere brilliante Idee von ihr ist die, Rosenpatenschaften zu verschenken. Die Sträucher bleiben bei ihr im Garten, dürfen aber jederzeit besucht und betüddelt werden. Und vor allem: Die Paten fragen nun eher nach den Pflanzen als ohne Schenkungsurkunde - ein Freifahrtschein für ausschweifende Gartenschwärmereien, wo man als leidenschaftlicher Gärtner sonst oft auf quälend taube Ohren stößt.

Das Buch enthält viele kurze Kapitel, die man auf die Schnelle nebenbei durchlesen kann - in der U-Bahn oder auf dem Balkon. Meistens geht es hauptsächlich um die Beschreibung des Glücks mit dem Garten in verschiedenen Variationen, um Sinneseindrücke und Gefühle, nicht so sehr um Pflanzenportraits in aller Ausführlichkeit. Die Autorin beschreibt dafür detailliert, wie etwas schmeckt, sich anfühlt. Sie hört die Nachtigall trappsen und sogar das Herbstlaub fallen - faszinierenderweise macht jeder Baum ein anderes Geräusch! Sie erzählt von ihren Gedanken beim Müßiggang im Liegestuhl und beim Betrachten des gefrorenen Gartens im Winter - und auch viel aus ihrer Kindheit im Grünen.

Natürlich gibt es auch in ihrem Garten Probleme. Mit Nacktschnecken zum Beispiel. Das Kapitel allerdings hat mir am wenigsten gefallen, handelt es doch von der Sichtweise der Molluske auf den Menschen und umgekehrt. Am Ende philosophieren Schnecke und Mensch auch noch jeder für sich über Gott - das ging mir ein bisschen zu weit und wollte nicht so recht zum Rest des Buches passen.

Doris Bewernitz schreibt nicht so philosophisch-weise und belesen wie Eva Demski und nicht so selbstironisch, lustig und lehrreich wie Susanne Wiborg. Manches Mal waren mir die Kapitelchen zu kurz, gingen nicht genug ans Eingemachte, was die Pflanzen angeht. Aber der Titel des Buches erklärt es ja: Hier soll die Seele behandelt werden, das Glück und wie es sich wann anfühlt, nicht so sehr das Wissen. Und das klappt auch - man nimmt sich vor, den Garten mehr zu genießen, ihn mit allen Sinnen wahrzunehmen, zur Not auch mit dem Sinn für Muskelkater.

Alles in Allem gärtnert Frau Bewernitz nämlich durchaus sympathisch vor sich hin, freut sich an ihrem Gemüse und lässt Unkraut auch mal Unkraut sein. Viele Gedankengänge kann ich durchaus nachvollziehen, etwa die Überlegungen zum Thema, wieviel Dreck unter den Fingernägeln und wieviel verrutschte Frisur wohl noch gesellschaftsfähig sei.

Das Buch ist eine flüssig zu lesende, kurzweilige Anleitung, den Garten bewusster wahrzunehmen und sich an ihm zu freuen, statt sich darin kaputtzumachen. Oftmals erheiternd, manchmal nachdenklich. Ich kann ihren Stil zu gärtnern verstehen, er ist meinem sehr ähnlich - wenn ich auch nicht immer soviel Erfolg mit Hokkaidokürbissen habe. Und wenn ich mal wieder in Berlin bin, schaue ich nach, ob ich irgendwo eine wilde Kürbispflanze entdecken kann, die vielleicht Frau Bewernitz gesät hat...

PS: Vielen Dank an bloggdeinbuch und den Kreuz-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Freitag, 3. August 2012

Aufgeblasene Blumen

Auf manchen käuflichen Blumen sollte ganz groß eine Warnung stehen, am besten in Rot und blinkend: "Achtung, dies ist eine Staude. Sie ist winterhart. Ehrenwort! Ich schwöre!". Oder so ähnlich. Stattdessen steht da höchstens was von der Untauglichkeit, das fragliche Gewächs beim Abendessen zu servieren ("Pflanze nicht zum Verzehr geeignet.") - was dem Grünzeug aber am Ende auch nichts nützt, wenn es postwendend den Weg in die Biotonne antritt, sobald die Blüte auch nur ein bisschen droht nachzulassen.

Einer dieser völlig verkannten Pechvögel ist die Ballonblume (Platycodon grandiflorus). Wahrscheinlich gibt es keine andere zuverlässig winterharte Staude, die so oft nach der Blüte entsorgt wird, weil man einer Pflanze mit derart übertrieben großen Blüten nicht zutraut, das Kunststück noch einmal über die Bühne zu bringen. Denn etwas so Aufgeblasenes, Kopflastiges muss in die Kategorie Sonnenblume gehören, nach dem Motto "Sie tanzte nur einen Sommer".

Die Knospe sieht immer ein bisschen aus wie eine Kreuzung aus Fesselballon und Briefumschlag, bis sie sich zu einer übergroßen glockenblumenartigen Blüte von perfekter Eleganz aufschwingt. So einen spektakulären Auftritt erwartet man sonst tatsächlich eher von Einjährigen.




Wie es das Schicksal so will, bekommt man im Hochsommer Ballonblumen zuverlässig an jeder Ecke. Selbst viele Supermärkte, die sich sonst eher auf Gemüse spezialisiert haben, bieten dann zwanghaft palettenweise Platycodon an. Bei soviel Verlockung greifen auch hartgesottene Gärtner beherzt zu oder bekommen unweigerlich ein Töpfchen Sommerblasen geschenkt. Meine entstammt übrigens der Tischdekoration vom letztjährigen Firmensommerfest - eine zweistellige Anzahl dieser Töpfchen wurde am nächstgreifbaren Werktag unter den Mitarbeitern verschenkt - da musste auch ich eine haben, das war meine erste Ballonblume überhaupt.



Die Blütezeit liegt zwischen Juli und August und dauert erfreulich lange an. Im Herbst ist auch noch nicht Schluss mit Ballonglühen, denn dann erstrahlt das Laub von Platycodon in leuchtendem Gelb.

Herbstfärbung

Glücklich ist die Ballonblume, die ihre Wurzeln jetzt im Garten an einem sonnigen Plätzchen ausstrecken darf. Viele Artgenossen sind wohl schon lange vorher im Kompost gelandet.


Aber auch für die eingepflanzten Exemplare muss das noch nicht das Happy End sein. Sie können weiterhin mehrere Pleiten erleben, wenn der nächste Frühling kommt. Denn das Glockenblumengewächs gehört zu den Langschläfern und traut sich oft frühestens im Mai wieder aus der Erde. Bis dahin kann man also schon längst auf ihr herumgehackt haben. Hier besteht unbedingt Kennzeichnungspflicht!

Hinzu kommt, dass ihr schuppenförmiger Austrieb so verdächtig aussieht wie kleine Lindwürmer und sie deswegen für komisches Unkraut gehalten wird. Auch nach erfolgreicher Blattentfaltung kann sich mancher Gärtner zu dem Zeitpunkt nicht mehr erinnern, was da noch mal gepflanzt wurde - spätestens jetzt ab in den Kompost mit ihr. Schade.


Hat sie es dann tatsächlich bis zur Blüte geschafft, atmet sie hörbar auf, bläht ihre Backen und freut sich des Lebens.

Und sie ist es wert, dass man auf sie acht gibt. Die Asiatin kommt mit wenig Wasser zurecht und erfreut in drei möglichen Farbvarianten: Weiß, Blau und Rosa, gerne auch gefleckt. Wenn man sie lässt, kann sie sich sogar aussäen.

Platycodon grandiflorus Perlmuttschale

Übrigens kann sie im zweiten Jahr viel größer werden als das bodendeckerartige Exemplar aus dem Supermarkt! Möglicherweise sind da Stauchungsmittel im Spiel, um den Eindruck von Blumenkasten-Tauglichkeit zu suggerieren. Am Ende ist sie dann aber doch eine waschechte mittelhohe Staude, die unbedingt ins Beet gehört!

Dort kann sie dann in Ruhe loslegen mit ihrem aufgeblasenen Höhenflug!

Sonntag, 29. Juli 2012

Münchner Freiheit

Was ist die Farbe von München im Hochsommer? Für mich Orange mit viel Gelb - Farben wie die Sonne. Kunststück, um die Jahreszeit, werdet ihr sagen. Aber München ist selbst da Orange, wo die Sonne nie scheint, zum Beispiel in der U-Bahn am Marienplatz. Und auch dort, wo Jahreszeiten egal sind, wie beim Gelb der Theatinerkirche.

München hat wirklich viel Orange - aber diese Kanadagänse hier im Nymphenburger Schlosspark (Eintritt frei) haben beschlossen, dass das beileibe nicht ihre Farbe sei. Sie mögen doch lieber gedecktere Töne, da sind sie konservativ. Und so nehmen sie sich die Münchner Freiheit heraus und mampfen die knalligen Farben einfach auf. Gänse als Pflanzenschädlinge - sowas ist unbekannt im kleinen Reihenhausgarten. Wenn man die Gans zum Gärtner macht, kann man sich immerhin das lästige Rasenmähen sparen.


Nebenan im botanischen Garten kosten die Sommerfarben fünf Euro Eintritt pro Person (Gänse kostenlos), aber dafür gibt es auch viel heiße Luft in Form von Tropenhäusern - und einen sensationellen Senkgarten mit Seerosenbecken.


Das spannendste an München war das Olympiagelände (Eintritt frei) - nicht nur, weil wir gleich alt sind (es hat sich aber deutlich besser gehalten).


Leider waren die Wiesen gerade gemäht worden, man konnte trotzdem noch die Blattrosetten vom Wiesen-Salbei erkennen.
Vom Olympiaberg hat man eine gute Übersicht über die Stadt. Außerdem fand hier das Gipfeltreffen der Neophyten statt: Bocksdorn und Schlanke Karde hatten das olympische Motto aufgegriffen und sich dort versammelt:


Das Olympiadorf schließlich war dann die ganz große gärtnerische Überraschung - die schon einmal komplett neu gebauten Sportlerbungalows dienen als Studentenwohnheim und boten einen spektakulären Anblick: Von den Bewohnern bemalte Fassaden wetteiferten mit den Taglilien, die in verschiedenen Farben die engen Gassen säumten - aber ganz streng immer nur eine Sorte pro Reihe!


Und das passt - Hemerocallis mit ihren fröhlichen Farben mildern die harten Kanten und wirken naturnah und unkompliziert - irgendwie studentisch.


Auch die Studenten selbst gärtnern ein bisschen mit, tanzen schon mal aus der Reihe und haben im Farbschema bleibend Sonnenhut und Kapuzinerkresse beigesteuert - Pflanzen, die auch zum studentischen Budget passen. Und wer weiß - vielleicht haben sich unter den Stauden auch noch gelbe Krokusse versteckt?

Nicht nur also, dass die grandiosen Taglilien meinen Eindruck von München als Stadt in Orange bestärkt haben. Sie haben mir außerdem die Augen dafür geöffnet, diese anspruchslosen wildhaften Sorten auch einmal als Hauptperson zu betrachten - denn selbst in Reih' und Glied haben sie nichts Strenges an sich. Und eigentlich ist Orange doch auch ganz schön?