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Samstag, 16. September 2023

Der Aufgeblasene

Nicht nur gelb blühende Stauden sind in den Gärten oft nicht gut gelitten, auch bei den Gehölzen sind gelbe Blüten für viele oft zu grell. Gelb mögen viele Gartenbesitzer nur im Frühling und vielleicht jetzt im Spätsommer wieder, wenn die Sonnenhüte blühen.

Da mein Garten seine eigenen Spielregeln hat und sie auch durchzusetzen weiß, bin ich selbst da nicht so wählerisch. Einen pastellfarbenen Garten oder einen blau-weißen anzustreben, wie ihn der ehemalige Nachbar pflegte, hätte nur in Tränen geendet (der Anblick meines kunterbunten Gartens hat vermutlich dann beim Nachbarn in Tränen geendet, aber das war nicht der Grund für seinen Auszug, ich schwöre!). Und es hatte auch in etlichen Pflanzen geendet, die gleich zu Kompost wurden, sei es wegen der Schnecken, der Wühlmäuse oder einfach, weil die Nachbarstauden etwas gegen den Neuzugang hatten und rabiat wurden.

Jedenfalls ist ein spezieller gelbblühender Strauch mein Liebling, und ich würde ihn jederzeit einer durstigen, liebreizend pastellfarbenen, aber insektenunfreundlichen Hortensie vorziehen: Die Rede ist vom Gewöhnlichen Blasenstrauch (Colutea arborescens).









 

Er blüht ewig lang, von Mai bis September, also wenn die Insekten es besonders nötig haben. Er hat attraktive aufgeblasene Hülsen, in denen die Samen heranreifen, und zieht Insekten an. Schmetterlinge lieben die Blüten und einige Blattschneiderarten sammeln hier Nektar und Pollen.




Das Fotomodell habe ich auf dem Campingplatz in Mecklenburg-Vorpommern am Kummerower See neben dem Sanitärangebäude entdeckt - da steht der Blasenstrauch ja auch ganz passend. 😉

Hier einige Bewegtbilder, um ein bisschen die Werbetrommel zu rühren:



Der Blasenstrauch kommt gut mit trockenen, sandigen Böden klar und lässt sich leicht aus den schwarzen Samen heranziehen, wenn man sie vor der Aussaat vorsichtig mit dem Messer anritzt und 24 h in Wasser quellen lässt.

Der Sämling wächst rasch und wird oft schon im nächsten Jahr blühen. Meinen Sämling haben leider die Wühlmäuse getötet, aber einen hatte ich zu einer Freundin als Sicherungskopie gegeben, wo er schön gewachsen ist und blüht. Nun kann ich es noch mal mit der Anzucht versuchen, aber dann werde ich einen anderen Standort wählen.


Wer jetzt immer noch keinen Blasenstrauch möchte, weil er eben gelb blüht: Es gibt auch eine orangefarbene Variante!

Na, wäre das etwas?

Samstag, 30. Juli 2022

Gelenkige Wildbienen

Neulich in Brandenburg sah ich keinen springenden Punkt, aber einen fliegenden, roten. Ich dachte zunächst, dass da ein rotes Geranienblütenblatt in einem Spinnennetz hängt und vom Wind hin und her geweht wird, bis das Blatt mit einer Biene in einem Loch im Geländer verschwand. Hier war ganz offensichtlich eine Blattschneiderbiene mit Stil zuhause, die Rosenblütenblätter zum Ausschneiden ihrer Nistmaterialien benutzt.

Im Garten habe ich solche farbenfrohen Bienen noch nicht gesehen, doch auch dort sind zwei Arten Blattschneiderbienen heimisch, die vor allem an der Breitblättrigen Platterbse (Lathyrus latifolius) Pollen und Nektar sammeln: Die Garten-Blattschneiderbiene (Megachile willughbiella) und die Platterbsen-Mörtelbiene (Megachile ericetorum). Beide fallen durch ihre Gelenkigkeit auf, die ganz neidisch macht. In der Blüte wird der Hinterleib nach oben gebogen, sodass die Bauchbürste gut zu sehen ist, die nach erfolgreicher Pollensammlung ganz gelb ist vor lauter Wickenpollen.



Auch die Männchen erweisen sich als sehr gelenkig. In den Pausen, wenn sie gerade mal keine Weibchen suchen und ihnrn auflauern, setzen sie sich gern auf immer dieselbe Sitzwarte in der Nähe der Futterpflanzen und putzen sich.

Die Drohnen der Garten-Blattschneiderbiene haben verbreiterte Vordertarsen, die aussehen wie ein piekfeiner weißer Handschuh. Mit diesen Grabschern halten sie den Weibchen bei der Paarung die Augen zu. Dabei sieht der Kerl doch gar nicht so schlecht aus mit seiner verwegenen Frisur, oder?








Die Männchen brauchen nur Nektar und das reichlich nach ihren rasanten Verfolgungsjagden. Diesen nehmen sie auch gern an Malvenblüten zu sich, an denen sie sich im Tieftauchen üben. Am Stempel halten sie sich fest und drehen einmal eine Runde wie im Karussell, um als kleiner Bienenstaubsauger den Nektar am Blütengrund komplett aufzusaugen. Dabei bleibt viel Pollen an ihrem Pelz hängen - so schlechte Bestäuber sind also die Drohnen gar nicht.


Die Weibchen der Platterbsen-Mörtelbiene sind leicht an ihrem geringelten Hinterleib zu erkennen. Sie findet man am ehesten an der Staudenwicke. 






Sie nisten in vorhandenen Hohlräumen, die Weibchen der Garten-Blattschneiderbiene auch in der Erde von Blumentöpfen oder in morschem Totholz.




Auch durch die kreisrunden Löcher, die sie auf Laub- und Blütenblättern ausschneiden, um damit ihre Niströhren auszukleiden, fallen die Blattschneiderbienen auf, hier verräterische Spuren an Ahorn:



Wer diese Freiluft-Gymnastik an Breitblättrigen Platterbse also in Action sehen möchte, sollte sich unbedingt Samen besorgen. Sie sollten jetzt reif werden. Zusätzlich darf es für die Garten-Blattschneiderbiene auch noch die ein oder andere Glockenblume sein.

 


Dann steht der Blattschneiderbienensafara in der Platterbse nichts mehr im Wege - und gießen muss man sie nie!

Samstag, 16. Juli 2022

Wicken-Wahnsinn

Eigentlich ist so ein Rosenbogen ja dazu da, aufstrebenden Pflanzen einen Platz zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu geben. Und so habe ich Jahr für Jahr der Staudenwicke gezeigt, wo es langgeht, und sie gezwungen, in der Spur zu bleiben - 𝅘𝅥𝅱𝅘𝅥𝅮♪ The only way is up! 𝅘𝅥𝅱♪𝅘𝅥𝅮








Diese Mal aber habe ich etwas ganz Ausgeflipptes gemacht und geschaut, was passiert, wenn man nur den Durchgang freihält und Madame Platterbse selbst entscheiden darf, wohin der Lebensweg sie führt. Und ich muss sagen, so schlecht gefällt es mir gar nicht, wenn sie vom Pfad der Tugend abrückt!


Sie hat sich nach rechts und hinten sehr gut ausgebreitet, sich das Brandkraut, die Halme vom Reitgras und der Malven gegriffen und sich an sie herangeschmissen. So blüht das Beet endlich mal weiter, wenn Phlomis russeliana längst keine Lust mehr dazu hat. Mir gefällt's.


Nun muss ich mich nur zum Entfernen der verwelkenden Blüten sehr weit vorbeugen, denn man kann die Ranken nicht einfach wie ein Tau beim Segeln zu sich hinziehen. Im Gegensatz zum Tau gilt hier: Der Klügere gibt nach und das ist in diesem Fall der Wickentrieb, der einfach abbricht. Das will man natürlich nicht, also heißt es Beetakrobatik machen, bis die Bandscheibe, aber nicht die Breitblättrige Platterbse jammert.

Die Blütenpracht ist dieses Jahr jedenfalls phänomenal und mehrere Arten Blattschneiderbienen, der Zitronenfalter und die Ackerhummeln sind auch ganz begeistert davon.


Megachile ericetorum


Nur an der anderen Seite vom Rosenbogen ist die Pracht weniger prächtig, denn die Wicke dort haben die Schnecken mehrfach so heruntergefressen, dass ich sie schon verloren glaubte und meine Chance witternd eine Zaunrübe dazugesetzt habe. Nun ist die Wicke aber wieder da, wenn auch mit einer Verspätung, die nicht mal ein durchschnittlicher ICE schafft, aber sie wird noch blühen, soviel steht fest.

 

Zaunrübe und Wicke gehen nun Hand in Hand bzw. Ranke in Ranke und hiefen sich gegenseitig am Rosenbogen hoch, die Zaunrübe wie gewohnt mit ihren eleganten Telefonschnüren.


Zaunrübenranken


Aber sie wird erst nächstes Jahr blühen, das macht aber nichts. Von jetzt an heißt es: Anarchie am Rosenbogen!



Samstag, 27. Juni 2020

Blaumachen im Juni

Was ist blau, lässt sich hängen und wird von Bienen umschwärmt? Das ist die Hängepolster-Glockenblume (Campanula poscharskyana). Hängepolster, das klingt doch ziemlich unschmeichelhaft und prosaisch für so eine fantastische Glockenblume, oder? Wie gut, dass es Sortennamen gibt, da wurden der Staude doch noch ein paar zweite Vornamen verpasst: Die Sorte 'Blauranke' ist sicher die bekannteste mit besonders langen hängenden Trieben. Dann gibt es noch 'Silberregen' in Weiß und 'Templiner Teppich', eine niedrige, blaublühende Sorte.


Man sollte aber den 'Silberregen' trotz des hübschen Namens lieber beiseite lassen, denn die blauen Blüten sind meiner Erfahrung nach beliebter bei Wildbienen. Und das ist bei Glockenblumen besonders wichtig, denn hier gibt es viele Spezialisten, wie die Glockenblumen-Scherenbiene, ein winziges Tier, das an den Staubgefäßen entlangrobbt wie ein Staubwedel:





Neben der Glockenblumen-Scherenbiene interessiert sich besonders die Garten-Blattschneiderbiene (Megachile willughbiella) für die Blüten, hier ein Weibchen:



...und ein Männchen:



Die Weibchen strecken in Blattschneiderbienenmanier den Hinterleib nach oben, daran kann man sie immer gut erkennen.

Auch Furchenbienen lieben Glockenblumen, sie sind aber nicht darauf spezialisiert und haben daher auch keine speziellen "Moves" für die Pollenernte entwickelt:




Die Zweifarbige Sandbiene (Andrena bicolor) schaut ebenfalls gern vorbei, auch sie ist nicht auf Glockenblumen angewiesen, besucht die Blüten aber regelmäßig:



Die Bienen können es kaum erwarten, dass die Blüten sich öffnen und quetschen sich schon in den kleinsten Spalt, um nur ja die erste Kundschaft zu sein bei der Eröffnung.




Und wenn die Bienen könnten, würden sie sogar noch die Samen der Glockenblumen im Garten herumschmeißen, so sehr lieben sie die Stauden. Bei der Hängepolster-Glockenblume ist das zum Glück nicht nötig. Kleine Mauern, Kübel und Beete überzieht sie schnell mit einem Teppich aus Ausläufern und blühenden Ranken, was besonders auf Natursteinmauern fantastisch aussieht, obwohl sich so ein Bauwerk nun wirklich nicht verstecken muss.

Es lohnt auch, beizeiten einen Topf mit Erde unter die Ranken zu stellen, denn diese Glockenblume versamt sich auch gern. Selbst Pflasterfugen kann man nach Sämlingen absuchen. Ich habe so schon mehrere weitere Kübel bepflanzt und Sämlinge weiterverschenkt für noch mehr Bienenfreude auf Balkonen und Terrassen.

Der bepflanzte Durchschlag von letztem Jahr, der einen Sämling implantiert bekommen hat, erblüht nun auch blau mit einer langen Schleppe aus Glockenblumenranken:





Habt ihr auch eine Hängepolster-Glockenblume im Garten?

Samstag, 15. Juli 2017

Schöne Schötchen (...und Besuch Schloss Ippenburg)

Erbsen sind gut, Zuckerschoten sind noch besser. So lecker sind sie, dass sie es bei mir nie bis in die Küche schaffen. Und wie unglaublich praktisch, weltbewegend und überhaupt fantastisch wäre es doch jetzt, wenn man die hübsch grünen Schoten der Breitblättrigen Platterbse (Lathyrus latifolius) auch essen könnte? Sie sehen aus wie Zuckerschoten, sind überaus reichlich vorhanden an der spendablen Rankstaude, haben aber einen gravierenden Nachteil: Sie sind gänzlich unbekömmlich und sogar giftig.




Die Staudenwicke möchte bitteschön nicht gegessen werden, soviel steht mal fest. Worüber sie leider nicht genug nachgedacht hat: Die Giftigkeit mag vordergründig zum Vorteil gereichen, auf lange Sicht aber wäre ihr ein Platz in viel mehr Gärten sicher, wäre sie nur essbar. Und da heißt es immer, nur Menschen könnten nicht langfristig denken. Aber nein, die wunderbare Wicke setzt einzig und allein auf ihre Schönheit.

Also kann man getrost auf die Schoten verzichten, wenn man die Damen nicht vermehren möchte. Fleißiges Zupfen ist angesagt, um die Blütezeit zu verlängern. An meinem Rosenbogen bin ich auch ganz bemüht, aber im Null-Euro-Beet, das ich nicht ständig im Blick habe, herrscht schon mal der Schlendrian - und dann heißt es Nachsitzen und hunderte Schoten auf einmal abzwicken. Die Nachblüte freut nicht nur uns, sondern auch eine ganze Reihe schöner Tiere:

Der Zitronenfalter, frisch geschlüpft und erst seit Kurzem von einer Immobilie zum Reisenden geworden, mag die Blüten so gern, dass er nach einer kurzen Flugrunde gleich wieder da ist und weiternuckelt.



Auch dem Grünader-Weißling (Pieris napi) schmeckt's:




Blattschneiderbienen lieben die Blüten ebenfalls heiß und innig. Das erste Mal dieses Jahr habe ich nicht nur Megachile ericetorum, sondern auch Megachile nigriventris an den Wicken gesehen.


M. nigriventris

Diese Varietät mit dem ungewöhnlichen dunklen Rand steht bei meiner Mutter im Garten und ich könnte schwören, dass sie früher noch nicht da war. Da hat sich eine ganz neue Sorte gebildet, die ich leider noch nicht vermehren konnte.



Das liegt zum einen daran, dass meine Mutter auch immer alle Schoten entfernt, zum anderen an ihm hier: Dem Erbsenkäfer.








Seine Larven fressen die Samen, was man aber erst merkt, wenn der Käfer schlüpft und sich herausbohrt. Er hat's am Besten: Was wir uns erträumen, nämlich sowohl Erbse als auch Wicken essen zu können, ist ihm vergönnt. Im Frühjahr hat man dann nichts Keimfähiges mehr von den gesammelten Samen in der Schublade. Und so sorgt der Käfer dafür, dass sich die Wicken nicht allzu sehr vermehren, indem sie ihre Samen in der Gegend herumwerfen.


Man kann es nicht oft genug sagen: Holt euch die rankenden Platterbsen in den Garten, lasst sie sich an Obelisken, Zäune und Rosenbögen heranschmeißen - das schmückt und lockt fröhliche Insekten an. Auch wenn man die schicken Schoten nicht essen kann, aber da wollen wir mal nicht so kleinlich sein und lieber wieder Zuckerschoten pflanzen...

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Apropos Zuckerschoten: Am letzten Wochenende habe ich den Küchengarten auf Schloss Ippenburg in Bad Essen besichtigt - er ist im Sommer jeden Sonntag geöffnet. Hinterm Schloss geht's auch weiter, mit einem opulenten Rosen- und Staudengarten. Hier ein paar Impressionen (Klick auf ein Bild startet die Diaschau):