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Samstag, 4. Oktober 2025

Merkwürdigkeiten des Jahres

Dieses Jahr war stellenweise seltsam. Es gab einige Dinge, die anders waren als sonst oder anders merkwürdig. Da war zum Beispiel der eine Sommernachmittag, als ich im Schrebergarten in der Nähe fotografieren war und spontan von einer Bekannten zum Kaffee in ihren Garten eingeladen wurde. Das war sehr nett und wir saßen gemütlich an ihrem Gartentisch, auf dem eine bunte Tischdecke lag, darauf dann Eis und Getränke. Plötzlich flog zielstrebig ein kleiner bunter Käfer heran und setzte sich auf die Tischdecke. Ich fotografierte und bestimmte ihn, und siehe da: Es war - Tusch, Fanfare, großes Staunen - der Picknickkäfer (Glischrochilus quadrisignatus). Der ernährt sich von Früchten, Baumsäften und Gemüse, aber er erscheint eben auch gern spontan zum Picknick. Erstaunlich, oder?


Das Wetter war dieses Jahr auch wirklich sehr merkwürdig. Seit August bekam Bielefeld nur äußerst sporadisch mal einen Regenschauer ab, die Wolken mieden den Teuto wie der Teufel das Weihwasser und regneten lieber anderswo ab. Selbst Brandenburg sah im September saftiger aus als Ostwestfalen und das will was heißen. Und so konnte ich einen Monat früher als sonst das Laub vom Rasen kehren.

Im April hatte ich mich noch sehr gefreut, dass eine Hornissenkönigin im Meisenkasten nisten wollte. Der Mai war dann aber so kalt, dass sie verstarb und das Nest so verwaist blieb wie der ganze Kasten. Dafür aber haben es drei Wespennester geschafft, allesamt am Haus, was dazu führt, dass man ab Spätsommer täglich die Haustür putzen kann, weil sie ständig von den Wespen zugeschissen wird.

Im großen Meisenkasten trugen sich derweil andere komische Ereignisse zu. Stammgast ist eigentlich die Kohlmeise und die fing auch wie immer an, ein Nest zu bauen. Dann aber entschieden sich die Blaumeisen, dass sie unbedingt diesen Kasten zu ihrem Familienglück brauchen und keinen anderen. War ja auch mit dem waschbärsicheren Vorbau die erste Adresse. Also haben sie zu zweit die Kohlmeisen so lange verprügelt, bis die klein bei gaben. Das hatte ich bisher immer nur anders herum beobachtet.

Die Merkwürdigkeiten gingen aber noch weiter: Die Blaumeisen zogen um und nahmen ihr Nistmaterial aus einem anderen, anscheinend minderwertigen Kasten, in dem sie vorher im Nachbargarten ein Nest gebaut hatten, einfach mit. Und sie genossen sichtlich den grünen Vorbau am Kasten. Hier konnte man sich kurz ausruhen und die Aussicht genießen, ohne Gefahr durch Katzen oder Sperber.

Die Brut war erfolgreich, bei den Kohlmeisen seit der feindlichen Übernahme allerdings nicht. So ein Bild wie dieses gab es dieses Jahr nicht zu beobachten...

...dafür aber solche Szenen:



Bisher hatte ich nur Kohlmeisennester im Garten und es war immer eine gute Idee gewesen, mit dem Reinigen des Kastens bis September zu warten, denn dann sind die Vogelflöhe entnervt aus dem leeren Kasten geflohen. Nie wieder werde ich im Mai den Kasten leeren, die Flohattacke konnte sich sehen lassen.

Diesmal also wie gehabt im September. Der Kasten ist neu und hat auch einen waschbärsicheren Verschluss. Man muss an einer Kugel drehen, mit der Vorderteil und Kasten verschraubt sind. Natürlich ließ ich die Kugel fallen und habe ewig in den Stauden nach dem schwarzen Ding gesucht, bis ich es wiederfand.

Dann die große Überraschung: Das Nest war leer, keine toten Jungvögel zu sehen, aber - Moment - so leer war es doch nicht: Überall lauerten Flöhe! Jetzt war es zu spät, nun konnte ich auch weitermachen, sie hatten mich sowieso schon gesehen. Mein rechter Arm war danach völlig zerbissen und noch Wochen später konnte ich nicht durch den Garten gehen, ohne verzweifelte Flöhe an den Socken zu haben.

Wenigstens das Hornissennest im anderen Kasten war flohfrei. Ein Hornissenvolk wäre mir wirklich lieber gewesen als ein Flohzirkus...

Das hier ist übrigens ein Luzernefloh, ein putziger Kugelspringer und völlig harmlos. Auch er wäre freudig begrüßt worden..



Samstag, 8. März 2025

Frühjahrsputz

Der Frühling ist schön und man freut sich natürlich über ihn, weil es schon ein Jahr lang keinen mehr gab. Gleichzeitig weiß man aber auch, woher das Wort Frühjahrsputz kommt: Wenn die Sonne nachmittags so schräg durch die Scheiben ins Haus fällt (wovon sie im letzten halben Jahr abgesehen hat und vorher war das Laub der Bäume im Weg), sieht man jedes Staubkorn. Und da sind immer welche, egal, ob man gerade erst gewischt hat oder nicht. Da fühlt man sich sehr unter Druck gesetzt, finde ich.

Auch die Vögel machen gerade Frühjahrsputz, aber nicht wegen Staubkörnern, sondern wegen größerer Baustellen. Die Nistkästen müssen vor dem Nestbau aufgeräumt werden. Alte Nester würden die Kohlmeisen zwar nicht aus dem Kasten befördern, aber alles andere muss raus.

Der neue waschbärsichere Hochsicherheitstrakt, den ich im Herbst aufgehängt habe, muss hergerichtet werden, obwohl es ein Erstbezug ist.


Ich staunte also die Tage nicht schlecht, als ich etwas in dem grünen Gitter stecken sah. Als ich näher kam, erkannte ich, dass es bedrucktes Papier war. Für einen kurzen Moment dachte ich, die Kohlmeisen hätten Post bekommen oder der Waschbär hätte ihnen einen Denkzettel verpasst. Oder war es ein Knöllchen wegen zu lauten Gesangs?


Ich zog das Papier aus dem Eingangsbereich und erkannte es als Bedienungsanleitung für den Nistkasten. Da ich ihn vor dem Aufhängen nicht geöffnet hatte, wusste ich auch nicht, dass da eine Anleitung versteckt war. Und die musste nach Ansicht der Kohlmeisen raus, vermutlich hatten sie sie schon ausgelesen. Als Gutenachtgeschichte taugt die Anleitung wohl auch nicht, es gibt einfach keinen Spannungsbogen.

Die Kohlmeisen sind aber auch voll pingelig... Wäre doch ein hübscher Teppich gewesen, aber nein.... Sie wollen wohl lieber ihren eigenen Teppich verlegen, den hochflorigen grünen.

Nachdem sie die Anleitung in die Drahtröhre gesteckt und ich diese Wurfsendung entfernt habe, ging es aber noch weiter - die Vögel haben noch mehrere, aber kleinere Papierschnippsel aus dem Kasten geholt. Nun sieht der Bereich unter dem Zierapfel aus wie mit unförmigem Konfetti beworfen.

Na ja, immerhin heißt das ja, dass sie den Kasten trotz seines komischen Vorbaus als Neststandort akzeptieren, hurra! 



Freitag, 22. Februar 2013

Baumhaus

Einen Garten ohne Baum kann ich mir nur schwer vorstellen. Im kleinen Revier braucht man aber die gehölzgewordene Allzweckwaffe - gertenschlank soll er sein, aber trotzdem bei Bedarf den kühlsten Schatten seit Erfindung des Waldes werfen. Er soll immer aussehen wie aus dem Ei gepellt, nicht wehleidig sein und sich auch noch mit möglichst viel fabelhaftem Fußvolk unterpflanzen lassen.

Im kleinen Garten ist es zudem wichtig, dass das Gehölz im Frühjahr schön und bienentauglich blüht, und im Herbst nette Früchte produziert, die auch noch den Vögeln schmecken. Das sind ja gleich drei Dinge auf einmal.

Das ist zugegebenermaßen ein bisschen viel verlangt. Und so verzeihe ich meinem Flaggschiff, dem Zierapfel "Golden Hornet", auch seine Unfähigkeit, Früchte zu produzieren, die länger als November hübsch aussehen. Das kriegt er einfach nicht hin, das ist seine größte Charakterschwäche. Stattdessen hängen auch ohne frostige Temperaturen bereits im Herbst aufplatzende und farblich nicht sehr appetitlich aussehende Dinger am Baum, die Äpfel sein sollen. Die Amseln stört das wenig, die legen auch so im Winter gerne mal einen Obsttag auf meinem Apfelbaum ein. Sogar das Eichhörnchen wurde schon dabei beobachtet, wie es einen halben Apfel zu sich genommen hat.

Im Frühjahr ist sowieso wieder alles in Butter, wenn Mister "Golden Hornet" eine große Show veranstaltet, indem er sich über und über in Blüten gehüllt präsentiert. Denn das kann er, das hat er gelernt. Zu seinen Füßen findet dann ein ebensolches Spektakel statt, wenn die Frühlingsblüher sich gleichermaßen mächtig ins Zeug legen. Sozialkompetenz hat der Zierapfel nämlich auch und lässt sich bereitwillig unterpflanzen.

Soweit, so gut. Nun hätte ich aber gerne noch einen Zweck von meinem Hausbaum erfüllt, und ich finde, da verlange ich nicht zuviel. Nein, ein Anker für eine Hängematte soll er ja gar nicht sein, er soll nur lediglich einen Nistkasten tragen. Bisher wollte ich ihm diese Last nicht zumuten. Aber so langsam mehren sich die Zeichen, dass er es kann.

Da wäre zum einen der Baumläufer, der neulich einen zaghaften Versuch unternahm, den Zierapfel als Nahrungsquelle zu benutzen. Das ist doch wohl ein untrüglicher Beweis dafür, dass der Baum von der Tierwelt als solcher wahrgenommen wird (und nicht, dass mein Garten mittlerweile als Wald durchgeht, hoffe ich)? Schließlich hat der kleine Vogel ja auch seinen Stolz und kriecht nicht an jedem dürren Stängel entlang.

Und dann wäre da noch Nachbars Katze, die ihn - öfter als mir lieb ist - als Kratzbaum frequentiert.

Immergrün ist so ein Zierapfel auch, wie das linke Foto beweist!


Außerdem hat der Zierapfel schon letztes Jahr erfolgreich Vogelfutter feil geboten in Gestalt eines formschönen Spenders (der für noch mehr Unterpflanzung in Form von Sonnenblumen und Getreide sorgte...).



So sind sich Jäger und Gejagte wohl einig: Es handelt sich hier um einen Baum, der den Namen auch verdient.

Also wurde es höchste Zeit, dass "Golden Hornet" dieses Jahr eine tragende Rolle übernimmt und bei der Familienplanung behilflich ist. Einer dieser wirklich unverwüstlichen Holzbetonnistkästen sollte es sein, für eine dauerhafte Bindung zwischen Baum und Anhängsel.

Der Baum steht nicht wirklich so schief...


Wer in das Baumhaus einziehen wird, ist noch nicht klar, ich schätze, die Kohlmeisen werden das Rennen machen, sie führten bereits eine erste Wohnungsbesichtigung durch. Soviel Glück, dass es die seltenen Feldsperlinge sind, werde ich wohl nicht haben.

Der geneigte Leser wird jetzt zu Recht anmerken, dass es doch günstiger wäre, so eine Nisthöhle aus Restholz selbst zu bauen. Jawoll, ist es auch. Wer aber wie ich mit zwei linken Händen verflucht ist und nur windschiefes Zeugs und einen blauen Daumen fabrizieren kann - das aber reproduzierbar - tut den Vögeln auch keinen Gefallen. Und wer nicht basteln kann, muss kaufen - dann aber lieber nur einmal in der robusten, rottefreien Variante.