Einen Garten ohne Baum kann ich mir nur schwer vorstellen. Im kleinen Revier braucht man aber die gehölzgewordene Allzweckwaffe - gertenschlank soll er sein, aber trotzdem bei Bedarf den kühlsten Schatten seit Erfindung des Waldes werfen. Er soll immer aussehen wie aus dem Ei gepellt, nicht wehleidig sein und sich auch noch mit möglichst viel fabelhaftem Fußvolk unterpflanzen lassen.
Im kleinen Garten ist es zudem wichtig, dass das Gehölz im Frühjahr schön und bienentauglich blüht, und im Herbst nette Früchte produziert, die auch noch den Vögeln schmecken. Das sind ja gleich drei Dinge auf einmal.
Das ist zugegebenermaßen ein bisschen viel verlangt. Und so verzeihe ich meinem Flaggschiff, dem Zierapfel "Golden Hornet", auch seine Unfähigkeit, Früchte zu produzieren, die länger als November hübsch aussehen. Das kriegt er einfach nicht hin, das ist seine größte Charakterschwäche. Stattdessen hängen auch ohne frostige Temperaturen bereits im Herbst aufplatzende und farblich nicht sehr appetitlich aussehende Dinger am Baum, die Äpfel sein sollen. Die Amseln stört das wenig, die legen auch so im Winter gerne mal einen Obsttag auf meinem Apfelbaum ein. Sogar das Eichhörnchen wurde schon dabei beobachtet, wie es einen halben Apfel zu sich genommen hat.
Im Frühjahr ist sowieso wieder alles in Butter, wenn Mister "Golden Hornet" eine große Show veranstaltet, indem er sich über und über in Blüten gehüllt präsentiert. Denn das kann er, das hat er gelernt. Zu seinen Füßen findet dann ein ebensolches Spektakel statt, wenn die Frühlingsblüher sich gleichermaßen mächtig ins Zeug legen. Sozialkompetenz hat der Zierapfel nämlich auch und lässt sich bereitwillig unterpflanzen.
Soweit, so gut. Nun hätte ich aber gerne noch einen Zweck von meinem Hausbaum erfüllt, und ich finde, da verlange ich nicht zuviel. Nein, ein Anker für eine Hängematte soll er ja gar nicht sein, er soll nur lediglich einen Nistkasten tragen. Bisher wollte ich ihm diese Last nicht zumuten. Aber so langsam mehren sich die Zeichen, dass er es kann.
Da wäre zum einen der Baumläufer, der neulich einen zaghaften Versuch unternahm, den Zierapfel als Nahrungsquelle zu benutzen. Das ist doch wohl ein untrüglicher Beweis dafür, dass der Baum von der Tierwelt als solcher wahrgenommen wird (und nicht, dass mein Garten mittlerweile als Wald durchgeht, hoffe ich)? Schließlich hat der kleine Vogel ja auch seinen Stolz und kriecht nicht an jedem dürren Stängel entlang.
Und dann wäre da noch Nachbars Katze, die ihn - öfter als mir lieb ist - als Kratz
baum frequentiert.
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| Immergrün ist so ein Zierapfel auch, wie das linke Foto beweist! |
Außerdem hat der Zierapfel schon letztes Jahr erfolgreich Vogelfutter feil geboten in Gestalt eines formschönen Spenders (der für noch mehr Unterpflanzung in Form von Sonnenblumen und Getreide sorgte...).
So sind sich Jäger und Gejagte wohl einig: Es handelt sich hier um einen Baum, der den Namen auch verdient.
Also wurde es höchste Zeit, dass "Golden Hornet" dieses Jahr eine tragende Rolle übernimmt und bei der Familienplanung behilflich ist. Einer dieser wirklich unverwüstlichen Holzbetonnistkästen sollte es sein, für eine dauerhafte Bindung zwischen Baum und Anhängsel.
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| Der Baum steht nicht wirklich so schief... |
Wer in das Baumhaus einziehen wird, ist noch nicht klar, ich schätze, die Kohlmeisen werden das Rennen machen, sie führten bereits eine erste Wohnungsbesichtigung durch. Soviel Glück, dass es die seltenen Feldsperlinge sind, werde ich wohl nicht haben.
Der geneigte Leser wird jetzt zu Recht anmerken, dass es doch günstiger wäre, so eine Nisthöhle aus Restholz selbst zu bauen. Jawoll, ist es auch. Wer aber wie ich mit zwei linken Händen verflucht ist und nur windschiefes Zeugs und einen blauen Daumen fabrizieren kann - das aber reproduzierbar - tut den Vögeln auch keinen Gefallen. Und wer nicht basteln kann, muss kaufen - dann aber lieber nur einmal in der robusten, rottefreien Variante.