Jeder Gartenbesitzer kennt das: Wuchernde Pflanzen hat man als Neuling schneller in der Hand als man 'Spaten' sagen kann, alles wohlgemeinte Geschenke von Nachbarn oder Bekannten. Stauden, die ihr Revier allzu sehr zu ihren Gunsten ausdehnen, sind bald in aller Leute Gärten, im Gegensatz zu diversen Diven, die sich nur schwer vermehren lassen und deshalb nur in elitären Grüppchen vorkommen. Und so gibt es kaum einen Garten, in dem kein Gilb-Weiderich zu Hause ist, Milchstern, Maiglöckchen oder sich freigiebig aussäender Frauenmantel.


Möchte man aber selbst ein bisschen von der Pracht in gute Hände abgeben anstatt den Überschuss wegzuwerfen - vor allem, weil die Kompostwürmer das ewig gleiche Futter auch schon nicht mehr sehen können - werden sogleich alle Empfänger misstrauisch bis panisch und schauen betont konzentriert auf die Uhr mit den Worten: "Oh, so spät schon, ich muss dann auch mal weg - ich glaube, ich habe das Licht im Kühlschrank angelassen."
Dabei hätte man doch nun wirklich noch genug Wucherer zur Hand, die keine Allerweltsware sind und im Gartencenter (vielleicht aus gutem Grund) nicht erhältlich, zum Beispiel Bronze-Felberich (Lysimachia ciliata 'Firecracker') oder die sich wie Teufelswerk aussamende Pentaglottis sempervirens.
Hier nun also ein paar nagelneue Euphemismen, mit denen man die heiße Ware vielleicht doch noch unter die Leute bekommt. Die Übersetzung gibt es gleich dazu:
- Spatenfreundlich: Mit dieser Staude kann der überzeugte Maschinenparkinhaber endlich öfter einmal seinen nagelneuen und vor allem teuren, doppelt gemufften Spaten mit japanischem Damaszenerstahl-Schliff ansetzen, um den Staudenüberschuss abzustechen. Dank der wuchernden Pflanze muss das gute Stück kein Schattendasein im Geräteschuppen fristen, sondern kann sich öfter in ganzer Pracht den Nachbarn präsentieren, natürlich nicht ohne anschließendes liebevolles Polieren.
- Grüner-Daumen-Garant: Mit diesem Wucherer muss niemand an seinem Talent zum Gärtnern zweifeln - das Grünzeug kommt auch bei völliger Vernachlässigung noch groß raus und erntet zur Blütezeit bestimmt neidische Bicke, vor allem bei quadratmeterweiser Präsentation mit dem so dezenten wie falschen Hinweis auf die unglaubliche Seltenheit des Gewächses.
- Standort-Affin: Egal welcher Boden und wieviel Licht sie auch kriegen, die Wucherer wachsen gänzlich unbeeindruckt von ihrer Umgebung.
- Figurformend: Gegen die einnehmenden Stauden anzukämpfen fordert großen Muskeleinsatz. Das macht sich flugs am ganzen Astralkörper bemerkbar, der sichtbar gestählt aus dem Zweikampf hervorgeht. Jeden Monat wieder.
- Signalgebend: Jeder Garten braucht doch eine Flaggschiff-Pflanze. Warum also nicht die mit dem aufdringlichen Gehabe? Die kann wenigstens niemand übersehen und Besucher merken sofort: Hier ist ein Garten mit Charakter. Mit welchem auch immer.
- Sozial herausgefordert: Die Staude führt sich auf wie eine grüne Dampfwalze und begräbt rasend schnell andere Pflanzen unter sich. Wo sie ist, wächst kein Gras mehr.
- Abenteuerlich: Mit dieser Pflanze wird es nie langweilig. Sie wehrt sich nach Kräften gegen das Heranrücken des Spatens, zum Beispiel durch Dornen oder Fußangeln. Was könnte die Hand-Augen-Koordination besser trainieren?
- An der ist was dran: Die ist eine echte Plage von Substanz.
- Flächenoptimiert: Der ganze Garten ist bald voll.
Und nun ab vor den Spiegel und die Wörter üben... Sollte es mit dem Verschenken wider Erwarten doch nicht klappen, hilft nur noch ein ausgedachter Pflanzenname, der richtig selten klingt...
Ich wünsche euch ein buntes Gartenjahr 2016!


























