Samstag, 8. April 2023

Das Zitronenfalter-Experiment

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Wäre es nicht schön, eine Pflanze mit essbaren Früchten zu finden, die dürrefest ist und auf jedem Boden wächst, der nicht staunass ist? Wäre es nicht noch schöner, wenn diese Pflanze auch Raupenfutter für schöne Schmetterlinge wäre? Die eierlegende Wollmilchsau also? Ich versuche es herauszufinden und hoffe, dass es klappt. Mit den Früchten und den Raupen.

Seit ich las, wie lecker und trockenheitsresistent die Chinesische Dattel (Ziziphus jujuba) oder Jujube wäre, und dass sie zudem Raupenfutterpflanze vom Mehligen Zitronenfalter (Gonepteryx farinosa) ist, war ich hin und weg. Das Gehölz wird zwar immer öfter angeflanzt, doch wer achtet schon auf Raupen? Das wäre ja ein Ding, wenn ich herausfinden würde, dass auch unser Zitronenfalter an den Blättern Gefallen findet, immerhin gehört die Jujube zur Familie der Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae), so wie Faulbaum und Kreuzdorn auch, und daran frisst der Zitronenfalter.

Der lateinische Name Ziziphus klingt zwar etwas nach Sisiphos-Arbeit, aber das ist die Raupensuche ja auch, also sei's drum, her mit dem Strauch!

Manchmal bekommt man Wünsche sehr schnell erfüllt. Wie es der Zufall wollte, bat die Bioland-Baumschule Ackerbaum um eine Kooperation. Ich habe mir Pflanzen aussuchen dürfen. Im riesigen Karton erschienen eine Jujube und eine Strauchmelde (Atriplex halimus) vor meiner Haustür. Dieser Strauch hat salzig schmeckende Blätter und ist ebenfalls dürreresistent.


 

Ich habe sie beide im Null-Euro-Beet eingepflanzt und wegen des Frosts mit dem mitgelieferten Stroh abgedeckt.





 


 

Ich werde berichten, ob Früchte oder Raupen wachsen.

Wenn ihr auch unter die Hobbyforscher gehen wollt oder einfach essbare Pflanzen zum Beispiel für den Waldgarten oder einfach für den Hausgarten ausprobieren wollt, bekommt ihr bis Ende April Rabatt bei Ackerbaum. Den Faulbaum haben die übrigens auch im Sortiment, an den geht der Zitronenfalter ganz sicher.

Sie gaben mir diesen Brief an euch mit:

"Liebe Gartenfreunde, der Frühling steht vor der Tür und mit ihm beginnt auch die Gartensaison. Endlich wieder Zeit, sich um das Grün rund ums Haus zu kümmern und sich an der Natur zu erfreuen. Wie wäre es in diesem Jahr mit etwas ganz Besonderem? Wie wäre es, wenn Ihr Euch Euer eigenes essbares Paradies anlegen und köstliche Früchte aus dem eigenen Garten ernten könntet? Dann haben wir die perfekte Lösung für Euch: ackerbaum, die Nr. 1 Baumschule für essbare Pflanzen. Das einzigartige Sortiment der Baumschule ackerbaum ermöglicht es Euch, Euer eigenes Paradies anzulegen und viele besondere Sorten von Früchten, Nüssen, Beeren und vieles mehr zu entdecken. Um Euch den Einstieg in Euer eigenes essbares Paradies zu erleichtern, bietet ackerbaum Euch jetzt bis Ende April einen tollen Frühlingsrabatt von 10% auf alle Produkte. Also worauf wartet Ihr noch? Schaut Euch um und beginnt noch heute Euren Essbaren Garten anzulegen! 

Hier ist Euer Rabatt-Code: günstiggärtnern10 

Schaut vorbei unter ackerbaum.de.

Herzliche Grüße vom ackerbaum-Team"

Samstag, 1. April 2023

Hinter Gittern: Der Süßdolden-Knast

Rötelmäuse sind furchtbar niedlich, ich beobachte die kleinen Wuseldinger wirklich gern. Aber neulich fragte ich mich, wo denn die neu ausgetriebenen Blätter der Süßdolde plötzlich geblieben sind. Frost gab es keinen, außerdem sollte sie so etwas vertragen können. Aus der Nähe sah man, dass sie abgebissen waren, aber komplett. Da Rötelmäuse sich gern aus allen möglichen Pflanzen einen Salat zubereiten und ich sie an der Stelle öfter beobachten konnte, lag der Verdacht auf der Hand: Das waren die Nager.


Auch an Scillas und Gefingertem Lerchensporn habe ich sie schon beobachtet. Der Mausemagen scheint sehr robust zu sein, wenn sie so etwas vertragen. Den Lerchensporn hier haben sie schon ziemlich abgeräumt, wohingegen Lysimachia ciliata 'Firecracker' keine Begehrlichkeiten zu wecken scheint. Man beachte, dass die Maus dem Lerchensporn wenigstens ein paar Anstandsblätter gelassen hat. Vielleicht möchte auch das Nagetier enkeltauglich gärtnern und den Nachkommen noch einen Lerchensporn für das nächste Jahr sichern.



 

Wo immer eine leckere Pflanze nah an ihrem Mausloch wächst, beißen sie sie ab und nehmen sie mit in den Bau.  Und hinter der Süßdolde ist mein Asthaufen. Das ist natürlich ein prima Versteck, aus dem heraus man agieren kann. Man sieht, ein Asthaufen funktioniert und lockt Tiere an, kann aber dann doch auch mal Probleme machen.

So süß, dass sie die Süßdolde vertilgen dürfen, finde ich die Mäuse dann doch nicht. Myrrhis odorata ist nämlich eine fantastische Pflanze. Ein relativ schattenverträglicher Doldenblütler mit leckeren Samenkapseln, die man im grünen Zustand einfach so knabbern kann. Sie schmecken herrlich nach Anis. Ihre Blätter sind hübsch gezeichnet und sehr groß, sie wirken farnartig.




Und ich wollte sie gern behalten. Also habe ich der Süßdolde einen Knast gebaut. Eine Rolle Kaninchendraht um sie herum gesteckt und die offenen Enden verschlossen. Das sieht jetzt aus wie bei seltenen Arten, bei denen man die letzten Pflanzen einzäunen muss, um sie vor dem Zugriff der Menschen zu schützen. Nur muss ich sie vor Nagezähnen statt Äxten schützen.




Die Maus konnte ich schon mehrfach dabei beobachten, wie sie achtlos an dem Käfig vorbeigelaufen ist. Hoffentlich bleibt das Interesse weiterhin so niedrig wie die Hürde hoch ist.

Bevor die Süßdolde dann am Ende zur Salzsäule erstarrt und dieselbe Form annimmt wie der Käfig, kann ich sie hoffentlich unbesorgt befreien.

Das geht jetzt schon eine ganze Weile gut, ein neues Blatt wächst heran. Drückt mir die Daumen, dass ich auch dieses Jahr wieder leckere Samenkapseln naschen kann.

Samstag, 25. März 2023

Im Schrebergartenparadies

Nirgendwo gibt es so viele einzelne Gärten auf engstem Raum wie in einem Schrebergarten. Und nirgendwo scheint es so viele Schrebergärten zu geben wie auf der Werderinsel in Bremen. Ein Labyrinth aus Wegen führt hindurch und man muss schon aufpassen, dass man wieder hinaus findet - aber wer will das schon? Es gibt doch so viel zu sehen! Viel entspannter als auf einer Gartenschau, nicht so voll und ohne Rummel. Und es sind reale Gärten mit realen Problemen, keine Schaugärten, die nach ein paar Jahren des guten Aussehens wieder eingestampft werden.

Das Prinzip eines Schrebergartens ist ja auch, dass man hineinschauen soll, die Anlage darf auch für Spaziergänger etwas bieten, daher sind die Anlagen meist gut einsehbar und nicht hinter meterhohen Bretterzäunen versteckt.








Auf der Werderinsel kommt sogar richtig Urlaubsgefühl auf, rundherum Wasser und mitten drin diese unglaublich vielen Gärten mit teilweise wunderschönen Lauben. Ganz unterschiedliche Gartenstile gibt es hier zu sehen, vom akkuraten Ziergarten bis hin zum Naturgarten. Manche sind voll mit Blumen, andere voll mit Rasen, manch einer ähnelt einem Recyclinghof mit Laube, da ist für jeden Geschmack etwas dabei. 



Ich liebe auch dieses Improvisierte, das Schrebergärten oft haben. Da wird altes Gartengerät in den Zaun gesteckt, damit es noch ein paar Jahre nach Renteneintritt dekorativ herumsteht und von der Arbeit vergangener Tage zeugt, oder es hängen Hühnergötter an einem alten Apfelbaum.



 


 

Und was für Schätze man plötzlich im Gebüsch zwischen Weg und dem nächsten Garten finden kann - da blitzt es grell gelb über dunkel lilafarbenem Laub hervor! Das war niemand geringeres als das Scharbockskraut 'Brazen Hussy', zusammen mit einer anderen fantastischen Sorte, die grünes Laub, aber riesige hellgelbe Blüten hat. Ich war begeistert, aber auch ein wenig neidisch, denn dieses Gebüsch hatte etwas, das ich nicht hatte.





Und wenn einer der Bremer Schrebergärtner 'Brazen Hussy' mal in einem anderen Bundesland statt im Gebüsch ansiedeln möchte - mein Garten meldet sich hiermit freiwillig!

Samstag, 18. März 2023

Die Gretchenfrage

Wie haltet ihr es mit den Lenzrosen? Laub ab oder Laub dran? Man sagt ja, dass die Blüten besser zur Geltung kommen, wenn man die Blätter entfernt.  



Wie das bei wintergrünen Pflanzen so ist, sehen sie um diese Zeit auch sehr mitgenommen aus, sind zerschlissen oder mit ungesunden dunklen Flecken übersät, die der Pflanze nicht gut bekommen.

 


Sie mussten ja auch einiges aushalten. Frost, Schnee, Sturm, Regen, das volle Programm. Noch dazu kommt bei ihnen ja die ganze Morgengymnastk, wenn der Nachtfrost ihre Triebe gen Boden gedrückt hat und sie morgens wieder aufstehen müssen. Die haben es definitiv schlimmer als wir, wenn der Wecker klingelt. Daher komme ich mir immer schäbig vor, wenn ich das schäbige Laub abschneide. Von irgendwas müssen die Pflanzen ja schließlich auch leben.

Ich mache es meistens davon abhängig, wie schlimm die Blätter aussehen und ob sie ihre Beetnachbarn zu sehr bedrängen.

Im Botanischen Garten Gütersloh hat man die Blätter auch abgeschnitten:


 

 

Meine Helleborus purpurascens wirft ihre Blätter selber ab im Herbst, mit der hat man keine Last:

 



Diese hier ist der Platzhirsch und neben ihm wächst kaum etwas, wenn man die Blätter nicht entfernt:



 

Das Exemplar breitet sich aus wie eine Krake und man sieht weder Märzenbecher und Carex 'Evergold' unter seinen ausladenden Blättern. Da sie auch nicht mehr so taufrisch aussahen, habe ich sie doch entfernt.



Dummerweise ist das hier auch die einzige Lenzrose, die sich einen Regen- und Sonnenschirm zugelegt hat. Alle anderen tragen die Blüten über dem Laub, doch diese hier ist etwas extravaganter und hat eine andere Mode. Ihre andere Seite (siehe oben) ist ansehnlicher.


Das sieht jetzt ein bisschen schräg aus, aber das Blatt ist ja noch halbwegs gut, das geht doch noch.

Wie macht ihr das mit den Damen?

Samstag, 11. März 2023

Das Dickerchen in weiß

Wo der Winter zurück ist, kann man sich doch ruhig noch einmal mit den Schneeglöckchen beschäftigen. Dieses Jahr war ich ganz angetan von meinen 'Flore Pleno'-Dickerchen. Diese feisten, aufgeblasenen Blüten haben eine riesigen Vorteil gegenüber den normalen Schneeglöckchen: Während sich die einfache Form abends und bei zuviel Kälte oder Nässe zuklappt wie ein weißer Regenschirm, ist dies 'Flore Pleno' nicht vergönnt. 


 

Das kommt davon, wenn man den Hals nicht vollkriegen kann und immer mehr Blütenblätter produzieren muss. So kann die Blüte beim besten Willen nicht mehr geschlossen werden, das Maß ist voll. Doch das ist gut für uns, denn die Fernwirkung vom Dickerchen ist enorm.




 


 

Ich habe auch den Eindruck, dass sich die Zwiebeln schneller teilen, aber Kunststück, 'Flore Pleno' setzt auch weniger Samen an bei dieser völlig übertriebenen Blütenkonstruktion. Auch erscheinen noch recht spät neue Knospen. Ein ungemein produktives Schneeglöckchen also.


Ich habe ja kaum gefüllte Blüten im Garten, aber 'Flore Pleno' habe ich mir gegönnt. Bei einem Spaziergang fand ich mal welche im Wald, wohl aus Gartenabfällen. Von ihnen nahm ich eine Zwiebel mit. Sie dankte es mir mit üppiger Vermehrung.

Wenn man sich so eine Superblüte von unten anschaut, sind immerhin Staubblätter zu sehen, Bienen sollten also noch etwas finden und tatsächlich werden sie manchmal angeflogen. Alles in allem sind in meinem Garten aber auch die normalen Schneeglöckchen bei den Honigbienen immer die zweite Wahl, solange es Krokusse gibt.


Man sieht auch an dieser Blüte, dass Schnecken Gefallen an ihr finden. Eine tolle Pflanze also für die Artenvielfalt im Garten (seufz). Dieses Jahr nach dem trockenen Sommer letztes Jahr ist 'Flore Pleno' aber so schön wie nie und wird nicht komplett zu Klump gefressen von den Schnecken.

 



Ich mag mein Pummelchen und freue mich schon auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.