Rötelmäuse sind furchtbar niedlich, ich beobachte die kleinen Wuseldinger wirklich gern. Aber neulich fragte ich mich, wo denn die neu ausgetriebenen Blätter der Süßdolde plötzlich geblieben sind. Frost gab es keinen, außerdem sollte sie so etwas vertragen können. Aus der Nähe sah man, dass sie abgebissen waren, aber komplett. Da Rötelmäuse sich gern aus allen möglichen Pflanzen einen Salat zubereiten und ich sie an der Stelle öfter beobachten konnte, lag der Verdacht auf der Hand: Das waren die Nager.
Auch an Scillas und Gefingertem Lerchensporn habe ich sie schon beobachtet. Der Mausemagen scheint sehr robust zu sein, wenn sie so etwas vertragen. Den Lerchensporn hier haben sie schon ziemlich abgeräumt, wohingegen Lysimachia ciliata 'Firecracker' keine Begehrlichkeiten zu wecken scheint. Man beachte, dass die Maus dem Lerchensporn wenigstens ein paar Anstandsblätter gelassen hat. Vielleicht möchte auch das Nagetier enkeltauglich gärtnern und den Nachkommen noch einen Lerchensporn für das nächste Jahr sichern.
Wo immer eine leckere Pflanze nah an ihrem Mausloch wächst, beißen sie sie ab und nehmen sie mit in den Bau. Und hinter der Süßdolde ist mein Asthaufen. Das ist natürlich ein prima Versteck, aus dem heraus man agieren kann. Man sieht, ein Asthaufen funktioniert und lockt Tiere an, kann aber dann doch auch mal Probleme machen.
So süß, dass sie die Süßdolde vertilgen dürfen, finde ich die Mäuse dann doch nicht. Myrrhis odorata ist nämlich eine fantastische Pflanze. Ein relativ schattenverträglicher Doldenblütler mit leckeren Samenkapseln, die man im grünen Zustand einfach so knabbern kann. Sie schmecken herrlich nach Anis. Ihre Blätter sind hübsch gezeichnet und sehr groß, sie wirken farnartig.
Und ich wollte sie gern behalten. Also habe ich der Süßdolde einen Knast gebaut. Eine Rolle Kaninchendraht um sie herum gesteckt und die offenen Enden verschlossen. Das sieht jetzt aus wie bei seltenen Arten, bei denen man die letzten Pflanzen einzäunen muss, um sie vor dem Zugriff der Menschen zu schützen. Nur muss ich sie vor Nagezähnen statt Äxten schützen.
Die Maus konnte ich schon mehrfach dabei beobachten, wie sie achtlos an dem Käfig vorbeigelaufen ist. Hoffentlich bleibt das Interesse weiterhin so niedrig wie die Hürde hoch ist.
Bevor die Süßdolde dann am Ende zur Salzsäule erstarrt und dieselbe Form annimmt wie der Käfig, kann ich sie hoffentlich unbesorgt befreien.
Das geht jetzt schon eine ganze Weile gut, ein neues Blatt wächst heran. Drückt mir die Daumen, dass ich auch dieses Jahr wieder leckere Samenkapseln naschen kann.













