Samstag, 11. November 2023

Zitronenfalter falten

Neulich wurde mir ein Video aufgedrängt, indem eine Person Schmetterlinge aus gelben Ginkgo-Blättern faltet. Das ging ziemlich fix und in einer fließenden Handbewegung. Man legt zwei Blätter aufeinander, am besten ein kleineres auf ein größeres, drückt sie seitlich zusammen, bildet eine Schlaufe aus den Stielen und fädelt die Stiele sofort durch diese Schlaufe, sodass sich ein Knoten bildet. Das sind dann die Fühler und die beiden Blätter bleiben zusammen. Es sah am Ende sogar ganz hübsch aus. Nun ist es ja Herbst und gelbe Ginkgo-Blätter liegen überall dort herum, wo Ginkgos wachsen, sofern die städtischen Laubbläser sie noch nicht entdeckt haben.




 

Also bin ich dort mal hin und habe ein paar Blätter mitgenommen. Und dann habe ich versucht, diese Schmetterlinge zu falten. Was soll ich sagen? Wenn ich davon ein Video gemacht hätte, wäre das abendfüllend geworden, weil ich das mit dem Einfädeln nicht fließend hinbekommen habe. Ich war nicht geschickt genug dafür. Falls ich es wie ein blindes Huhn mal geschafft hatte, rissen beim Zuziehen der Schlaufe gleich die Stiele ab. Vielleicht braucht man einen speziellen Ginkgo dafür, einen Gummi-Ginkgo?

Das hier ist das einzige Objekt, das von den vielen Versuchen zu etwas halbwegs Schmetterlingsähnlichem geführt hat. Und damit es auf keinen Fall eine Verwechslung gibt, habe ich das Ding auf die letzten Alant-Blüten gesetzt. Jetzt sieht es doch täuschend ähnlich aus, oder? Oder?

Ich habe nur Handybilder von dem Machwerk, um ja nichts zu beschönigen.




 

Origami aus kompostierbaren Materialien im Vorbeigehen hat bei mir nicht funktioniert, ich bin untröstlich.

Das Ganze ist jedenfalls wahrlich kein Grund, sich für das Bastelmaterial einen Ginkgo in den Garten zu pflanzen!

Samstag, 4. November 2023

Gärtnern mit der Autokorrektur

Wie heißt es so schön: "Bei Benutzung der Autokorrektur Hure bewahren!" Ruhe war natürlich gemeint, bevor jetzt hier jemand auf schräge Gedanken kommt. 

Neulich las ich etwas zu Laubsaugern (man war dagegen) und dort stand als Begründung: "Hummus als Schutzschicht für den Boden kann sich nicht bilden." War das jetzt die Autokorrektur oder ganz viel Hunger, der zu diesem Tippfehler geführt hat? Ich bin jedenfalls maßlos enttäuscht, dass sich bei mir kein Hummus bildet, obwohl ich das ganze Laub ordnungsgemäß liegen lasse.

Kommt hier hinten etwa Hummus raus?


In Videos gibt es ja oft Untertitel für Leute, die das Handy auf stumm schalten, um nicht mitten im Meeting ganz negativ aufzufallen, wenn plötzlich irgendetwas laut los plärrt. Anscheinend werden diese Untertitel automatisch generiert, denn es war zu lesen: "Reinfahren vertreibt Blattläuse". Ja, stimmt, wenn man in Blattläuse reinfährt sind sie so platt wie Schildläuse, aber das macht man im Garten wegen der Kollateralschäden eigentlich nicht so oft. Gemeint war Rainfarn, ihr habt es sicher erraten.



Natürlich wird auch oft Beet in Bett umgewandelt, was zu einigen Missverständnissen führen kann - wer nimmt schon Rote Bete mit ins Bett ? So kuschelig ist die auch nicht. Rote Bete wiederum klappt erstaunlich gut und wird nicht in etwas anderes verschlimmbessert wie Rote Beete oder rotes Bett. Auch das allseits beliebte Hochbeet wird schnell zu Hochbett - obwohl Hochbeete eigentlich gerade deutlich mehr im Trend liegen als Hochbetten. Immerhin lässt sich beides kombinieren, wie das Beispiel hier zeigt - vielleicht hat die Autokorrektur also doch manchmal Recht?


 

Aus unerfindlichen Gründen wird mir auch immer Gartentiere in Gartenzwerge umgewandelt, obwohl ich von ersteren deutlich mehr im Garten habe. Einige sind zwar durchaus Zwerge, aber wenn ich schreibe, dass ich wieder viele Gartenzwerge in der Laubstreu gefunden habe, verstehen das nur Eingeweihte noch.

Wohingegen mein Lieblingsvertipper Wepsen statt Wespen von der Autokorrektur gern in Weisen umgewandelt wird. So schlau sind die ja auch wieder nicht. Außerdem bin ich immer wieder froh, dass die Autokorrektur mittlerweile gelernt hat, dass ich Kompost meine, wenn ich Kompost schreibe, und nicht Kompott oder Komplott oder sonstwas, was genauso wenig wie Hummus in meinem Garten zu finden ist.

Und wenn aus Sorbus Airbus wird, hat man mit der Nomenklatur ein echtes Problem. Lieber eine Eberesche als einen Jet im Garten!

Was sind eure Lieblings-Korrektur-Desaster oder -vertipper?

Samstag, 28. Oktober 2023

Nicht geschüttelt, nur berührt

Ich weiß nicht, warum die Martinis bei James Bond unbedingt geschüttelt, aber nicht gerührt sein müssen, und es ist mir auch ziemlich wurscht, aber in ausführlichen, mitunter schmerzhaften Versuchsreihen konnte ich zweifelsfrei belegen, dass es für alle Beteiligten gesünder ist, wenn man Insekten nur berührt, aber nicht schüttelt.

Das fing schon im Frühjahr an, als ich einen Ölkäfer auf den Finger nahm, um zu demonstrieren, wie harmlos dieser als giftig verteufelte Käfer ist. Er ist absolut gefährdet, aber wirklich giftig ist er nur bei absoluter Fehlbehandlung. Tatsächlich verhielt sich der korpulente Käfer auf dem Finger tadellos. Nun wollte ich aber irgendwann weitergehen und dachte, ich könnte ihn mal eben herunter schütteln. Nun saß er aber auf dem Pullover und hatte sich so festgekrallt, dass er nicht einfach abzuschütteln war. Stattdessen ging er sofort in Alarmbereitschaft und stieß Tropfen mit Gift aus. In dieser Situation kann man mehrere Fehler machen. Man könnte sich den Käfer ins Auge halten oder ihn verschlucken. Beides wäre sehr dumm, auch für den Käfer. Ich habe davon abgesehen und ihn dann doch lieber wieder sanft ins Gras komplimentiert. Passiert ist nichts.


 


 

Nun bin ich aber anscheinend nicht lernfähig. Denn als ich letzte Woche eine Erdhummelkönigin gestrandet auf der Straße fand, ließ sich sie auf den Zeigefinger krabbeln, der in einem dünnen Handschuh steckte. Wieder hatte ich es eilig und wieder dachte ich, es wäre eine hervorragende Idee, die Hummel auf eine Blume zu schütteln. Die Hummel dachte anders, hatte sich so in den Handschuh gekrallt, dass sie nicht schnell abrutschen konnte, und stach kurzerhand zu.

Ich kann euch sagen: Macht das nicht zuhause nach! Diese Hummelkönig war wie eine Bulldogge und ließ den Stachel unbeirrt im Finger drin. Sie hatte ganz augenscheinlich einen Scheißtag, war sowieso schon auf der Straße gelandet und ließ sich ab jetzt nichts mehr bieten. Das tat mehr weh, als wenn man mal kurz von einer viel kleineren Arbeiterin gestochen wird (habe ich schon ausprobiert), die auch nur einen Bruchteil der Giftmenge im Gepäck hat. Irgendwann krabbelte ihre Majestät doch auf eine Blüte, sie hatte noch was anderes vor als zum Dauerbienenstich zu werden.

Noch über eine Stunde lang brannte die Einstichstelle wie Hölle und der Finger wurde immer dicker. Noch drei Tage lang hatte ich eine Schwellung, die den ganzen Zeigefinger bis zur Hand runter einschloss, sodass er sich nicht mehr vollständig krümmen ließ. Dazu kam hin und wieder Juckreiz.

Wer hätte gedacht, dass die kuschlige, gemütlich wirkende Hummel am Ende gefährlicher ist als ein unkuschliger Ölkäfer, vor dem die Medien jedes Jahr völlig hysterisch warnen? Zumindest, wenn man sie schüttelt.



Also, nach diesen zwei Erlebnissen kann ich sagen: Insekten möchten nicht geschüttelt werden. Wenn man das mit ihnen machen möchte, sollte man sie wenigstens vorher auf Stichwaffen kontrollieren. Ich habe davon abgesehen, abschreckendes Bildmaterial anzufertigen. Hoffentlich glaubt ihr es mir auch so.

Samstag, 21. Oktober 2023

Der begehbare Pflanzkübel

Wenn in einem botanischen Garten Kübel stehen, ist das eigentlich immer sehr schön und man möchte sie am liebsten nachpflanzen. 

 




So war es auch jetzt im Oktober und vor einigen Jahren im Hortus Botanicus Leiden, als im Kübel der entzückende Orient-Knöterich (Persicaria orientalis) mit dem englischen Namen 'Kiss me over the garden gate' blühte. Wer kann da schon widerstehen?




 

Dieses Jahr hatten sie eine andere Art Kübel ausgestellt, die garantiert niemand nachpflanzen wird - wetten? Glaubt ihr nicht? Dann seht selbst!



 

Diese Pflanztöpfe wären also begehbar, doch dafür sind sie nicht da. Sie sollen zeigen, was sich alles von selbst in Pflasterfugen ansiedelt. Auf Augenhöhe zur Abwechslung und ohne mit Füßen getreten zu werden - eine ganz neue Erfahrung für die Fugenflora, die sonst einiges aushalten muss und immer einen drauf kriegt. Hier steht sie plötzlich im Mittelpunkt und kann auf niedere Gewächse herabsehen.

Wie man sieht, dauert das Experiment schon einige Jahre an. Der Sommerflieder ist schon stattlich groß geworden. Einge Pflanzen wurden mit Kreide auf den Pflastersteinen beschriftet.

Ein gepflasterter Kübel also. Wenn man möchte, kann man noch einen oben draufstellen und schauen, was dann als Subkultur so wächst.

Das ist kein 'Kiss me over the garden gate', das ist eher 'Sticks and stones may break my bones' oder 'The road to hell is paved with good intentions' - denn so fühlen sich sicher die Gärtner, die so einen steinschweren Kübel umstellen müssen.

Und, wer pflanzt die Kübel jetzt nach? 😉

 

Samstag, 14. Oktober 2023

Schnittiges Gras

Man sagt ja immer, scharfe Messer sind weniger gefährlich als stumpfe, weil die Schnitte in die Haut glatt verlaufen und schnell wieder zuheilen. Ich denke zwar immer, dass mit einem scharfen Messer auch schnell der halbe Finger durchtrennt ist, während das stumpfe nur eine Wunde hinterlässt, aber da bin ich auf weiter Flur alleine mit. Und sicher gibt es keine Studien zum Thema, denn da würden sich nur ganz schlecht freiwillige Probanden finden. Ich weiß jetzt aber aus eigener Erfahrung, dass auch für Gräser gilt: Je schärfer die Blattkante, umso sauberer der Schnitt! Und Carex morrowii 'Ice Dance' sieht sind nicht nur extrem schneidig aus, es ist auch das Damaszenermesser unter den Stauden!


Ich hatte die fixe Idee, mal schnell ein paar Halme und Ausläufer auszureißen und natürlich keine Handschuhe an. Und so ein Carex verteidigt sich gegen solche Übergriffe mit allen Mitteln und ist bis an die Zähne bewaffnet. Schon hatte ich einen fiesen, blutenden Schnitt am kleinen Finger. Der schloss sich aber erstaunlich schnell wieder und hörte auf zu bluten - dieses Gras ist also ein ganz scharfes! Zum Gemüseschnippeln wird es aber wohl nicht reichen.

Aber wer hätte gedacht, dass auch Harken scharfe Zähne haben? Kaum hatte ich den Rasen abgeharkt und von Laub befreit, lag da ein Fingerhut herum, der vorher  - davon bin ich felsenfest überzeugt - noch fest eingewurzelt war. Und dann sah ich, dass die Wurzel lebte - es hingen Wurzelläuse daran, bleich und schlecht gelaunt ob des plötzlichen Tageslichts. Sie fuchtelten ganz erbost mit den Beinen herum - vielleicht genossen sie aber auch nur die plötzliche Beinfreiheit über der Erde?

Wie pflanzt man aber eine Wurzel mit Bewohnern bloß wieder ein? Ich habe es einfach gemacht und kann jetzt schlecht nachschauen, wie es den Krabblern unter der Erde geht.




Wer findet den Springschwanz auf dem Bild?

 

Dem Fingerhut ging es gut und so denke ich, dass diese unterirdische Blattlausart keinen großen Schaden anrichtet - und irgendwie gehört sie ja auch zum Ökosystem dazu.

Wem das jetzt zu viele Beine waren, dem zeige ich jetzt noch diese beinfreien Fotos aus dem Reich von "Einfach Garten", den ich am Sonntag bei Kaffee und Kuchen besichtigen durfte. Schön, oder?



 













Seht ihr den Regenbogenfarn in diesem Beet?


 


Von dem hat mir Susanna einen Ableger gegeben - mein Farnbeet wird also immer reichhaltiger. Und bald muss ich noch mehr Carex morrowii 'Ice Dance' rausreißen. Dann aber mit Handschuhen!