Freitag, 19. Mai 2017

Gartencenter: nein, danke!

Letzten Samstag war Staudenbörse im botanischen Garten Bielefeld. Die funktioniert so: Die Händler melden sich an, oder versuchen es zumindest, denn die Plätze sind begehrt. Dann backen sie einen Kuchen und bringen ihn und natürlich ihre Pflanzen mit. Der Verkaufstisch, der grün gekleidet ist, steht schon bereit, wird bestückt - und schon können die Stauden verkauft werden, so einfach ist das. Die Kuchen werden mit oder ohne Kaffee verkauft und so bekommt auch der botanische Garten einen kleinen Erlös, der Eintritt ist ja schließlich schon kostenlos.


Und da das alles so unkommerziell und ohne viel Tamtam über die Bühne geht, finden sich auch private Händler ein, die ihre Gartenlieblinge in guten Händen wissen wollen. Statt Standgebühr muss man ja auch nur Kuchen backen oder jemanden kennen, der weiß, was Backpulver ist.

Dieses Mal hat auch Kalle einen Standplatz ergattert und war mit seiner Gärtnerei Stauden Karl dabei. Sein Sortiment umfasst heimische Pflanzen und zwar auch welche, die man selten feilgeboten sieht, wie Immenblatt, Aufrechtes Fingerkraut oder Herzgespann. Ein echter Geheimtipp für Ostwestfalen (samstags auf dem Brackweder Wochenmarkt)!


Kalle deckt mich immer großzügig mit seinen Stauden ein, im Gegenzug mache ich in seinem herrlich naturnahen Garten Fotos für seine Webseite oder gebe ihm Ableger aus meinem Garten, die er weiter vermehrt. Spätestens seit Kalle diese großartige Geschäftsidee hatte, brauche ich keine Pflanzen mehr zu kaufen.

Bei der Staudenbörse sagte jemand zu mir: "Wenn es sowas Tolles gibt wie die Staudentauschbörse in Gütersloh und diesen Markt in Bielefeld, dann muss man doch gar nicht mehr ins Gartencenter gehen." Recht hat er. Die Tage war ich zu meinem Leidwesen im Einzelhandel, weil die Tomaten endlich mal torffreie Blumenerde an den Füßen haben wollten. Und es war wirklich schrecklich. Die Leute drängelten sich an der Kasse vor und kauften Blattlausgift und Unkrautvernichter ein, als gäb`s kein Morgen mehr. Gibt`s für viele Tiere und Pflanzen so auch nicht.

Ich hatte ja schon berichtet, dass selbst die Insektennisthilfen meist nicht taugen aus dem Baumarkt. Mein auf der Staudentauschbörse in Gütersloh selbstgebautes Dosenhotel ist dagegen die erste Adresse auf dem Immobilienmarkt! Es hat sich zu einem Eliteinternat für höhere Töchter gemausert. Hier bauen ausschließlich die schönsten und wohlgenährtesten Weibchen!





Die mit Milben besetzten Sozialfälle lassen sich hier nicht blicken, und von denen gibt es dieses Jahr leider recht viele. Dieses Weibchen hier hat besonders schwer zu tragen und wird nicht zur Fortpflanzung gelangen, bei dem Zusatzgewicht an Milben:

Die edlen Damen aber sind mit Feuereifer bei der Sache und bevorzugen Röhren in der Art Prêt-à-porter, sind sich jedoch auch nicht zu fein, nochmal alles besenrein zu machen: Sie gucken in die Röhre, dann wird darin steckendes Bambus-Mark herausgeschabt und weggetragen, dass es nur so weiße Flocken schneit:


Andere sind eher künstlerisch begabt und formen Skulpturen aus dem Röhrenverschluss:


Die Damen müssen sich jedenfalls keine Sorgen machen, dass sie sich an Splittern die Flügel verletzten, wie das bei Hotels aus dem Gartencenter oft der Fall ist.



Dieses Jahr funktioniert mein Baumarkt-Boykott bis auf die Blumenerde jedenfalls ganz hervorragend - botanischen Gärten und Kalle sei Dank!

Samstag, 13. Mai 2017

Kein fließend Wasser

Puh, Glück gehabt! Wenn man sich Sämlinge aus dem Mulchweg anderer Gartenbesitzer klauben darf, ist das immer ein Glücksspiel. Nur weil direkt daneben eine prächtige Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) hockt, muss das ja noch lange nicht heißen, dass der Emporkömmling auch davon abstammt. Der Apfel fällt zwar nicht weit vom Stamm, aber man weiß ja nie.

Und so war ich auch einigermaßen skeptisch, als das kleine Pflänzchen ein Wachstumstempo an den Tag legte, dass man schon wieder an die Echte Nelkenwurz (Geum urbanum) denken musste. Deren lateinischer Name sagt ja schon aus, dass diese als Unkraut gefürchtete Art in Städten eher vorkommt als die viel seltenere Bach-Nelkenwurz, die zudem am liebsten fließend Wasser hätte. Heimisch sind sie beide.

Die Blätter sehen sich bei beiden auch noch recht ähnlich. Und meiner Pflanze, die ich als winzigen Sämling erst letzten Sommer gepflanzt hatte, wuchs schwindelerregend schnell eine riesige Blattrosette von Bodendeckerausmaßen. Und das, obwohl es nicht viel geregnet hat, und ich ihr keinen Wasseranschluss habe legen lassen.




Die Blattrosette ist wintergrün und schneckensicher - wie nett! Dieses Jahr blüht sie auch schon und es wird sonnenklar, dass es doch die begehrte Bach-Nelkenwurz ist, erkennbar an den wie eine altmodische Wohnzimmerlampe wirkenden Blüten, die nach unten gucken und innen einen gelben Puschel haben. Es sind Hummelblüten.

Übrigens erlebt Geum rivale gerade ihren zweiten Frühling. Nachdem sie früher einen festen Platz im Bauerngarten bekleiden durfte, geriet sie erst einmal gründlich in Vergessenheit. Dann fing man an, herum zu experimentieren und hat sie mit dem knalligen Geum coccineum gekreuzt, das keine nickenden Blüten hat. Die Kreuzungen gucken aber immer noch nach unten - das lässt sich kaum austreiben, haben jetzt aber ganz zarte oder ganz auffällige Farben.




So, da hätten meine sich wie wild versamenden Braunen Storchschnäbel (Geranium phaeum) ja offenbar endlich einen Sparringspartner gefunden. Wenn Geum rivale sich nur annähernd so gut aussamt wie sie (und das ist zu erwarten), dann können sie versuchen, sich gegenseitig in die Schranken zu weisen. Beide haben ähnlich kuppelförmige bis horstige Erscheinungsformen, was durchaus nett aussehen könnte zusammen.


Aber jetzt blüht die schöne Nelkenwurz ja erstmal. Ganz ohne fließend Wasser und ohne Betüddeln. Mal schauen, wo das noch hinführt...

Samstag, 6. Mai 2017

Logenplätze

Dieses Frühjahr fühle ich mich ständig beobachtet, wenn ich auf der Terrasse sitze. Hunderte Gesichter starren alle gleichzeitig auf mich herab von ihrem Logenplatz auf dem schneckensicheren Beistelltisch. Es wirkt wie eine gut besuchte Tribüne. Die auf den billigen Plätzen recken und strecken ihre Hälse, um auch einen Blick erhaschen zu können. Nur Beifall klatschen sie einfach nicht, die undankbare Bande.



Man möchte schon fast größenwahnsinnig werden bei soviel ungeteilter Aufmerksamkeit, doch tief im Inneren weiß ich natürlich, dass das Aufgebot der neugierigen Gesichter nicht mir gilt, sondern schlicht und einfach der Sonne. Gegen die kann ich nun mal nicht anstinken, so viele Kunststückchen ich auch aufführe oder mit Dünger wedle.

Das werte Publikum ist nämlich nichts anderes als ein Topf mit gelb-violetten Hornveilchen. Die habe ich im November geschenkt bekommen und seitdem blühen sie sich mit kurzer Unterbrechung durch die Winterpause die Seele aus dem Leib.


So sah der Topf im März aus - daneben stehen immer noch die Bellis, die auch nicht aufhören zu blühen:



Selbst im Dezember hatten die Hornveilchen noch geblüht und sich auch durch Frost nicht unterkriegen lassen:





Normal ist diese Pracht im Topf bei mir nicht. Ich kaufe nämlich freiwillig selten was zur Belustigung meiner leeren Blumentöpfe. Normal ist das hier: Kübel, in denen im letzten Jahr Chilis oder Tomaten standen, bekommen bis April ganz von selbst ein neues blühendes Kleid. Vergissmeinnicht überall und ohne etwas dafür zu tun!


Die kleinen Blumen versamen sich überall hin und erfreuen mich im Frühjahr ganz kostenlos.



Und hier ein Rätsel: Finde den Fehler:



Richtig: Ein Stängel vom Vergissmeinnicht hat sich einen Trick einfallen lassen, um vor lauter Hornveilchen-Invasion Beachtung zu finden: Nach Art eines vierblättrigen Kleeblattes hat es statt 5 gleich 6 Blütenblätter. Es waren auch mal Blüten mit 7 auf einen Streich zu sehen, die sind aber schon abgefallen. Einige Nachbarblüten sind jedoch wieder korrekt beblättert, seltsam. Aber lustig. Und so vergisst man das blaue Blümchen garantiert nicht.

Die Mauerbienen finden die Vergissmeinnicht jedenfalls attraktiver als die Hornveilchen. Vielleicht fühlen sie sich ja auch beobachtet, wer weiß...


Samstag, 29. April 2017

Tauschrausch statt Kaufrausch

Stellt euch vor, ihr seid an einem Ort, wo ihr von Pflanzen umgeben seid, die nur darauf warten, von euch mitgenommen zu werden, und ihr könnt euch nicht entscheiden, welche besser zu euch und eurem Garten passt. Es muss ja auch nicht bei einer Pflanze bleiben, denn sie sind alle viel zu schön und besonders.

Nein, dieser himmlische Ort ist nicht das Gartencenter, und für die Stauden muss man sich teilweise sogar die Finger schmutzig machen, denn sie sind untenrum unbekleidet, also ohne Topf. Noch nicht mal einen Einkaufswagen gibt es. Dafür ist aber alles kostenlos, denn man kann mit grüner Währung bezahlen, nämlich mit anderen Pflanzen, die man selbst übrig hat.

Und ich war letzten Samstag in so einem paradiesischen Tauschrausch. Im botanischen Garten Gütersloh war Staudentauschbörse und dort konnte man sich zwei Stunden lang die Taschen füllen, bis Tüten oder Garten voll sind, was auch immer zuerst eintritt.




Die Gärtner des Stadtparks haben vorher kräftig ausgemistet und so gab es quadratmeterweise Stauden in Form von mehr oder minder handlichen Wurzelballen. Wenn einem Interessenten die Stücke zu groß waren, wurde ihm mit einem Spaten zur Wunschgröße verholfen (dem Wurzelballen, nicht dem Interessenten).

Die Auswahl war sensationell und hat alle meine geheimsten Wünsche erfüllt. Vor lauter Angeboten wusste ich gar nicht mehr, wohin ich zuerst schauen sollte - da konnte einem schon schwindelig werden. Viele Angebote waren natürlich äußerst unmoralisch meinen vorhandenen Stauden gegenüber, aber manchmal muss man tun, was man tun muss, und so richtig die Contenance verlieren.

Mit dabei waren Kerzen-Knöterich (Bistorta amplexicaulis), Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum virginicum) (von dem ich nur ein winziges Stück mitgenommen habe, weil mein Boden bestimmt zu trocken für ihn ist), Ruten-Hirse (Panicum virgatum), Dreimasterblume und Kaukasus-Beinwell. Als Zugabe war auch ein Kilo Traubenhyazinthe im Angebot. Das alles gab es ohne Plastikverpackung.

Wer nichts eigenes dabei hatte, konnte gegen eine Geldspende Pflanzen mitnehmen.



Zum Tauschen hatte ich Töpfe mit Braunem Storchschnabel und Pentaglottis mitgebracht, beschriftet mit Eisstilen - auf die Idee waren auch andere Anbieter gekommen.




Der Kerzen-Knöterich musste natürlich mit, da wurde nicht lange gefackelt. Ich habe mir ein Stück der weißblühenden Variante ausgesucht, das inklusive blinden Passagieren in Form von Winterlingen daherkam. Im Gartencenter hätte es stattdessen höchstens Moos als Dreingabe gegeben.

Dazu ist mir noch ein Würzelchen von Crambe cordifolia ins Netz gegangen und eine ganz kleine Kugeldistel, wirklich noch ein Baby. Beide sind im Null-Euro-Beet gelandet. Den Wald-Geißbart habe ich in meinen Garten gepflanzt. Auch er war ein lang gehegter Wunsch.

Die Tauschbörse lohnt aber nicht nur zum Pflanzenergattern. Es gab auch einen Stand vom GNU (Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Gütersloh e.V.), an dem man wirklich gut verarbeitete und garantiert bienenfreundliche Insektenhotels kaufen konnte. Die Nisthilfen sind dekorativ und mit Sachverstand aus Eichenholz hergestellt - in der Qualität findet man das nicht im Baumarkt.

Dazu wurden Samentütchen mit bienen- und schmetterlingsfreundlichen Wildblumen verteilt, damit man den Insekten neben einem Nistplatz auch was im Beet anbieten kann.

Gegenüber konnte man lernen, wie man ein Bienenhotel aus Bambusstäben und einer Blechdose herstellt: Die Stäbe ganz dicht stecken und am Ende mit der Holzhammermethode draufhauen. Das fertige Wohnhaus durfte kostenlos mit nach Haus kommen. Jetzt hängt es bei meinen anderen Nisthilfen.


Tauschbörsen sind also in jedem Fall zu empfehlen, auch wenn der Garten am Ende unter Völlegefühl leidet. Die in Gütersloh hat ein Angebot, das einen wirklich umhaut - und das alles im blütenreichen botanischen Garten, den man bei der Gelegenheit auch gleich mal besuchen kann. So, Bielefeld, wo ist dein Angebot zum Tauschrausch? Ich warte!



Samstag, 22. April 2017

Hängender Flaschengarten

Als Wohnzimmergärtner hat man mit so einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Im Urlaub muss man ständig Angst davor haben, dass die Pflanzen, sofern sie nicht sukkulent sind, einen zu großen Durst an den Tag legen. Wird eine Gieß-Vertretung organisiert, kann es allerdings sein, dass die grünen Mitbewohner zu viel gegossen werden und eher Schwimmhäute oder Fäulnis entwickeln.

Ein anderer Misserfolgsfaktor sind Schädlinge, und da ist es auch egal, ob man verreist oder im Alltagstrott anwesend ist. Einer der größten Pflanzenschädlinge, den die Welt je gesehen hat, wohnt bei mir zuhause. Er hat drei Beine, zwei Ohren und gelbe Augen. Dazu ein schwarzes Fell und ein Raubtiergebiss, das auch vor pflanzlicher Kost nicht zurückschreckt. Diese olle Wolllaus heißt Quietschie, ist von Hause aus Europäisch Kurzhaar und was Pflanzen angeht etwas übergriffig.


Ob Tomatensämlinge, Zamioculcas, Grünlilie oder Chilipflanzen - da muss probiert werden, gerne auch täglich aufs Neue, falls Bekömmlichkeit oder Geschmack sich inzwischen verändert haben. Haben sie zwar meist nicht, aber man kann ja nie wissen. Hier ein angeknabberter Kaffee:

Und so muss ich Jungpflanzen von zarter Statur, die nicht zu den Sukkulenten gehören, immer gut unter Verschluss halten. Nur irgendwann reicht der Platz auf der Fensterbank nicht mehr aus, um große Glaskuppeln oder sonstige Klarsichthauben samt Katze unterzubringen.

Für die Petersilie habe ich mir deswegen was anderes ausgedacht: Eine Plastikflasche von der Hollandreise, auf der sowieso kein Pfand war, habe ich zerschnitten und den oberen Teil wie einen Trichter mit dem Ausgießer nach unten in den unteren Teil gesteckt. Mit hübschem Klebeband habe ich die nicht ganz akkurat gewordene Schnittkante verziert und Angelschnur als Aufhänger an drei Stellen angeknüpft.



Dann habe ich aus Sisalband einen Zopf geflochten und an beiden Enden verknotet. Das obere Ende hat soviele Knoten bekommen, bis das Band nicht mehr durch den Flaschenhals flutschte. Es soll nämlich Wasser von unten zu den Pflanzenwurzeln ziehen, ganz gegen die Schwerkraft. Denn ein Problem bei solchen hängenden Gärten ist ja immer, dass die Pflanze etwas aus dem Blickfeld rückt und man nie weiß, wieviel Wasser im Topf ist. Hier funktioniert die Bewässerung vollautomatisch und transparent für den Benutzer.

Zum Schluss habe ich das Kunstwerk an der Vorhangstange montiert. Als Verbindungsstück zwischen Schnur und Stange reicht übrigens eine aufgebogene Büroklammer.

So sieht das Ganze jetzt aus Katzenperspektive aus - schön unerreichbar für kleine Eckzähne:


Leider hat die Konstruktion sofort Schwachstellen gezeigt: Das Seil saugt nicht genug Wasser nach oben und unten in der Flasche liegt Erde, was man durch ein Baumwolltuch unter dem Substrat hätte verhindern können.

Wenigstens ist die Petersilie jetzt aus der Gefahrenzone. Für die anderen Pflanzen heißt es, zu warten, bis die Eisheiligen vorbei sind...


PS: Der Nachbar in dem gekauften Hängetopf ist übrigens kein geringerer als der Bleistiftkaktus, den ich aus einem Ableger gezogen habe. Ist er nicht groß geworden? Wie man sieht, lässt er sich auch als Halbwüchsiger gern hängen...

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