Der Februar ist nicht Fisch, nicht Fleisch. Nicht mehr ganz Winter und noch nicht ganz Frühling.
Als Wonnemonat ist er nicht gerade bekannt, doch immerhin ist er gnädigerweise der kürzeste von allen, was mich immer ein bisschen versöhnlich stimmt.
Wenn man ganz großes Glück hat, zeigt der Februar bereits die ersten Frühlingsblumen.
Falter allerdings sind in normalen Wintern eindeutig Mangelware. Einzig die äußerst hyperaktive Spezies "Schmetterlinge im Bauch" ist hoffentlich aus dem Winterschlaf erwacht - wenn auch meist von hochoffizieller Stelle verordnet, denn der Nationalfeiertag der Blumenindustrie rückt bedrohlich näher: Der Valentinstag.
Und zu diesem passen natürlich die allseits beliebten pflanzlichen Flattermänner: Schmetterlingsorchideen (Phalaenopsis)!
Orchideen kann man sich ganz hervorragend zum Valentinstag schenken lassen.
Sollte das wider Erwarten nicht klappen- wie klappt's denn stattdessen mit der Do-it-Yourself-Variante?
Die für Laien wie uns, die wir kein Arsenal von Tinkturen, keimfreien Gefäßen und mittelgroßen Gewächshäusern in der Hinterhand haben, geeignetste Vermehrungsvariante ist die vegetative.
Gerade die Schmetterlingsorchidee neigt wie sonst keine zur Kindelbildung am Blütenstiel. Sie ist netterweise lebendgebärend und produziert fertige Orchideenjungspunde inklusive Blättern und Wurzeln.
Die Babies muss man nur noch abtrennen und einpflanzen, sobald sie auf eigenen Beinen stehen können.
Meine beiden Orchideenkindel aus dem Schwitzkasten (ich berichtete) sind zwar im grünen Bereich seit August nicht merklich gewachsen, haben aber seit Monaten fleißig an Blüten gebastelt, um sie mir im garstigen Monat Februar zu präsentieren, als hätten sie gewusst, welchen Aufruhr das gerade dann verursachen würde.
Zu groß war wohl ihre Angst, zu einem späteren Zeitpunkt unter einer Übermacht von Rosen, Tulpen und Nelken keinerlei Beachtung mehr zu finden. Die Sorge ist zweifelsohne völlig unbegründet - Phalaenopsis würden bei mir niemals ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom erleiden.
Der zwergenhafte Wuchs meiner beiden Grazien macht sie nur umso entzückender - diesem Charme muss man einfach erliegen. Apart im Leopardenmuster kommen sie daher.
So einfach diese Variante der Vermehrung ist, so sehr geizen die meisten Flattermänner leider damit.
Bliebe noch die geschlechtliche Vermehrung. Die ist erstmal kinderleicht.
Man nehme zwei Phalaenopsis in Blüte und einen Zahnstocher, Schaschlikspieß oder was auch immer der Haushalt so hergibt.
Mit Hilfe des Stabes kann man einer Blüte ihr Pollenpaket entnehmen. Dazu greift man der Orchidee von unten in den Rachen, bis das Paket am Stöckchen klebt und nicht mehr an der Blüte.
Und das klebt verdammt gut! Kein Wunder, dass bestäubende Insekten auf diese Art ein merkwürdiges zweites Fühlerpaar erhalten, was sicher ziemlich albern aussieht, so dass sie ihre Hörnchen schnellstmöglich wieder loswerden wollen.
Bestäuben geht so: Dazu navigiert man den Stab mit dem Pollen jetzt zur zweiten Pflanze und versucht, damit die Lippe von unten zu treffen.
Etwas knifflig ist, das klebrige Paket dazu zu überreden, zur Abwechslung mal nicht mehr am Zahnstocher, sondern am Stempel der Pflanze zu halten. Aber man muss auch loslassen können und schließlich hält das ganze dort, wo es von Natur aus halten soll.
Nein, nicht am Finger...
Nach ein paar Monaten schwillt der bestäubten Blüte eine Samenkapsel, voll mit Millionen winziger Samen.
Und jetzt beginnt der frustrierende Teil, denn die Aussaat gelingt meist nur dem Profi.
Die mikroskopisch feinen Samenkörner sind nämlich deshalb so schmächtig, weil sie die Sparvariante eines Vermehrungsvehikels darstellen: Sie enthalten keinerlei Nährgewebe, so dass sie ohne fremde Hilfe nach der initialen Keimung nicht lange überleben können.
Dazu brauchen sie einen speziellen Wurzelpilz, den man leider nicht in Wohnzimmern antrifft. Das wäre zu einfach.
Orchideenzüchter besitzen solcherlei Hilfsmittel natürlich, sonst könnte das ja jeder.
Wenn man also auf den Anblick einer selbstproduzierten Samenkapsel gut verzichten kann, tut man seiner Orchidee einen großen Gefallen damit, sie nicht zu bestäuben. Dann blüht sie auch schneller wieder.
Langsam bekommt man eine leise Ahnung, warum Orchideen nicht für ein paar Cent zu haben sind.
Außer man hat das ganz große Glück, eine Pflanze zuhause zu haben, die als Hobby gern Ableger treibt.
Das ist dann wie Ostern und Valentinstag und Schmetterlinge im Bauch zusammen!
Freitag, 11. Februar 2011
Samstag, 5. Februar 2011
Wünsch dir was!
Manchmal ist es geradezu unheimlich, wie prompt manche Wünsche doch erfüllt werden.
Und noch dazu an einem Sonntag, und zwar keinem verkaufsoffenen, wo man sich selbst mit monetärer Hilfe und entschlossenem Zücken der Geldbörse nur allerkleinste - meist kalorienhaltige - Dinge schenken kann.
Unzählige Male hatte ich bereits die sagenhaften Sperrmüllfunde anderer bewundert, doch immer wenn ich einem solchen Ereignis beiwohnen durfte, hinderten mich irgendwelche Widrigkeiten daran, wirklich wahre Schätze an mich zu reißen.
Hinderungsgrund Nummer ein: Ich eilte gerade zur Arbeit und nahm nur noch aus dem Augenwinkel und im Halbdunkel eine möglicherweise absolut begehrenswerte alte Kommode wahr, hatte aber nun überhaupt keine Zeit, der Sache gründlich auf den Grund zu gehen.
Bei derartigen Ablenkungen hilft nur: Die Augen geradeaus, bevor man unsanft mit dem nächsten Laternenpfahl Bekanntschaft macht (stand der eigentlich schon immer da?). Naja, sicherlich waren die inneren Werte des guten Stücks halb von Moder zerfressen oder enthielten unliebsame Mitbewohner: So ungefähr tröstet sich frau dann über den entgangenen Fang hinweg.
Hinderungsgrund Nummer zwei, und das ist der weit häufigere: Der Sperrmüllhaufen sieht aus wie die Tagesproduktion eines mittleren Spanplattenwerkes mit noch dazu schlechtem Farbgeschmack. Wann waren noch mal schwarze Regale aus mitteldichter Faserplatte modern? Ach ja, die guten alten 80er. Tolle Musik, deprimierende Möbel. Auch leukoplastfarbene Küchenschränke halten sich bevorzugt an Straßenrändern auf, ebenso wie altgediente Ledersofas mit eindeutigen Spuren eines Kratzbaumes beraubter Sofatiger.
Aber man muss ja auch mal Glück haben. Letzten Sonntag war es dann endlich soweit.
Beim langen Spaziergang durch Felder, Wiesen und Schrebergärten entdeckte ich in meinem Lieblings-Kleingarten diesen zauberhaften bepflanzten Topf, absolut witterungstauglich und farblich durchaus ansprechend:
So einen großen Topf, den wollte ich auch, und zwar möglichst gestern.
Nach einer großen Schleife durch die Parkwiesen (wir waren schon etwas müde gelaufen), etwa auf gleicher Höhe des topfreichen Schrebergartens, aber einige Parallelstraßen weiter, lag plötzlich ein unförmiges, übergroßes Hindernis im Weg. Ich traute meinen Augen kaum: Ein Sperrmüllhaufen!
Und was für einer! Nicht zu übersehen lag an vorderster Front ein Berg Altmetall, dessen Hauptdarsteller ein alter Einkochtopf oder Waschkessel der Marke "Constantia" war.
Der musste selbstverständlich mit, hatte ich mir doch eben noch einen antiken Topf zum Bepflanzen gewünscht!
Der Rückweg wurde mit diesem sperrigen Gewicht dann zwar etwas beschwerlich, allerdings auch kurzweilig, denn jeder zweite Passant wollte die Geschichte des schönen Topfes wissen und stellte Mutmaßungen über Zweck und Alter an, bis letzte Schätzungen sich auf die 40er Jahre konzentrierten.
Für das Foto steht übergangsweise mein Kaffeestrauch Modell, der ob der Jahreszeit etwas beleidigt ist und einigermaßen gerupft aussieht. Trotzdem erfreut er mit Kaffeekirschen in rot und grün.
Nach draußen darf der Topf leider nicht, da das zeitgenössische, ungemein zierende Etikett ein Aufkleber ist und sich schleunigst in Wohlgefallen auflösen würde - Was andererseits darauf hindeutet, dass das gute Stück nicht oft mit Wasser in Berührung gekommen sein muss.
Wir werden sehen, welchem meiner grünen Lieblinge der Kessel am besten zu Gesicht steht. Der Kaffee ist schon mal ein guter Anfang, allerdings hätte der etwas dagegen, wegen seines Übertopfes im Sommer Stubenarrest zu bekommen, bloß weil dessen Etikett so eine Mimose ist.
Wünschen lohnt sich also doch und das Glück liegt manchmal auf der Straße. In einem Sperrmüllhaufen.
Und noch dazu an einem Sonntag, und zwar keinem verkaufsoffenen, wo man sich selbst mit monetärer Hilfe und entschlossenem Zücken der Geldbörse nur allerkleinste - meist kalorienhaltige - Dinge schenken kann.
Unzählige Male hatte ich bereits die sagenhaften Sperrmüllfunde anderer bewundert, doch immer wenn ich einem solchen Ereignis beiwohnen durfte, hinderten mich irgendwelche Widrigkeiten daran, wirklich wahre Schätze an mich zu reißen.
Hinderungsgrund Nummer ein: Ich eilte gerade zur Arbeit und nahm nur noch aus dem Augenwinkel und im Halbdunkel eine möglicherweise absolut begehrenswerte alte Kommode wahr, hatte aber nun überhaupt keine Zeit, der Sache gründlich auf den Grund zu gehen.
Bei derartigen Ablenkungen hilft nur: Die Augen geradeaus, bevor man unsanft mit dem nächsten Laternenpfahl Bekanntschaft macht (stand der eigentlich schon immer da?). Naja, sicherlich waren die inneren Werte des guten Stücks halb von Moder zerfressen oder enthielten unliebsame Mitbewohner: So ungefähr tröstet sich frau dann über den entgangenen Fang hinweg.
Hinderungsgrund Nummer zwei, und das ist der weit häufigere: Der Sperrmüllhaufen sieht aus wie die Tagesproduktion eines mittleren Spanplattenwerkes mit noch dazu schlechtem Farbgeschmack. Wann waren noch mal schwarze Regale aus mitteldichter Faserplatte modern? Ach ja, die guten alten 80er. Tolle Musik, deprimierende Möbel. Auch leukoplastfarbene Küchenschränke halten sich bevorzugt an Straßenrändern auf, ebenso wie altgediente Ledersofas mit eindeutigen Spuren eines Kratzbaumes beraubter Sofatiger.
Aber man muss ja auch mal Glück haben. Letzten Sonntag war es dann endlich soweit.
Beim langen Spaziergang durch Felder, Wiesen und Schrebergärten entdeckte ich in meinem Lieblings-Kleingarten diesen zauberhaften bepflanzten Topf, absolut witterungstauglich und farblich durchaus ansprechend:
So einen großen Topf, den wollte ich auch, und zwar möglichst gestern.
Nach einer großen Schleife durch die Parkwiesen (wir waren schon etwas müde gelaufen), etwa auf gleicher Höhe des topfreichen Schrebergartens, aber einige Parallelstraßen weiter, lag plötzlich ein unförmiges, übergroßes Hindernis im Weg. Ich traute meinen Augen kaum: Ein Sperrmüllhaufen!
Und was für einer! Nicht zu übersehen lag an vorderster Front ein Berg Altmetall, dessen Hauptdarsteller ein alter Einkochtopf oder Waschkessel der Marke "Constantia" war.
Der musste selbstverständlich mit, hatte ich mir doch eben noch einen antiken Topf zum Bepflanzen gewünscht!
Der Rückweg wurde mit diesem sperrigen Gewicht dann zwar etwas beschwerlich, allerdings auch kurzweilig, denn jeder zweite Passant wollte die Geschichte des schönen Topfes wissen und stellte Mutmaßungen über Zweck und Alter an, bis letzte Schätzungen sich auf die 40er Jahre konzentrierten.
Für das Foto steht übergangsweise mein Kaffeestrauch Modell, der ob der Jahreszeit etwas beleidigt ist und einigermaßen gerupft aussieht. Trotzdem erfreut er mit Kaffeekirschen in rot und grün.
Nach draußen darf der Topf leider nicht, da das zeitgenössische, ungemein zierende Etikett ein Aufkleber ist und sich schleunigst in Wohlgefallen auflösen würde - Was andererseits darauf hindeutet, dass das gute Stück nicht oft mit Wasser in Berührung gekommen sein muss.
Wir werden sehen, welchem meiner grünen Lieblinge der Kessel am besten zu Gesicht steht. Der Kaffee ist schon mal ein guter Anfang, allerdings hätte der etwas dagegen, wegen seines Übertopfes im Sommer Stubenarrest zu bekommen, bloß weil dessen Etikett so eine Mimose ist.
Wünschen lohnt sich also doch und das Glück liegt manchmal auf der Straße. In einem Sperrmüllhaufen.
Mittwoch, 2. Februar 2011
Das Parfum
Das haben sie nun davon. Ertrugen klaglos Zugluft, völlige Vernachlässigung und fehlende Beachtung.
Sie waren die schweigenden und unfreiwilligen Gäste verstaubter und verräucherter Bahnhofskneipen und anderer zwielichtiger Etablissements.
Sie wurden als Aschenbecher missbraucht oder mussten als beblätterter Büroinsasse so manche Tasse kalten Kaffee verschwinden lassen, was gleichzeitig ihre einzige Gelegenheit darstellte, überhaupt Nahrung in flüssiger Form aufzunehmen. Denn das Gießen wurde oft einfach gänzlich unterschlagen.
Sie waren das pflanzengewordene Symbol für Tristesse und Einsamkeit schlechthin.
Und doch: Diese Zimmerpflanze mit Migrationshintergrund hat es trotzdem geschafft. Die grünste Nebensache der Welt hat sich durchgebissen.
Es handelt sich um die Sansevieria, den Bogenhanf, oder auch gar nicht liebevoll Schwiegermutterzunge genannt. Sansevieria, die Verkannte, die stiefmütterlicher behandelt wurde als jedes Stiefmütterchen.
Einen geradezu legendär schlechten Ruf hatte Sansevieria trifasciata inne. Gerade sie musste wie keine zweite als Mauerblümchen vielen Glasbauwänden den letzten Schliff geben und schmückte so manches öde Treppenhaus.
Dabei ist ihre Anspruchslosigkeit sprichwörtlich: Zuviel Wasser bringt sie eher um als zuwenig.
Die ideale Pflanze für Gießmuffel und vergessliche Zeitgenossen!
Nach jahrzehntelanger Funkstille sieht man sie zum Glück erneut überall.
Und schon wieder bewohnen sie Kneipen, doch diesmal können sie sich was drauf einbilden, sind es doch in der Regel schicke Szenelokale, die die Sansevierie als Stilmittel wiederentdeckt haben - denn was dem Küchenchef der reduzierte Aceto Balsamico an Rucola-Salat, ist dem Innenarchitekten die Sansevierie.
Doch können Pflanzen denn tatsächlich ganz ohne fremde Hilfe altmodisch sein oder gar spießig?
Da sie hauptberuflich aussehen wie eine grüne Skulptur, sind Sansevierien eher für das moderne Wohnzimmer als für den Landhausstil geeignet. Im richtigen Übertopf und als Alleinherrscher auf der Fensterbank sind sie durchaus ein extravaganter Blickfang.
Ich gebe zu, auch bei mir war es keine Liebe auf den ersten Blick. Ich war mit dem Bogenhanf am Wohnzimmerfenster großgeworden und war fest entschlossen, nicht auch noch mit ihm alt zu werden.
Aber manchmal ist es eben höhere Gewalt - und die kam in Form von diversen Plagen wie Thripse und Spinnmilben über alle Pflanzen, die eine schöne grüne Senkrechte an mein eigenes, sonniges Wohnzimmerfenster zaubern sollten, aber bitte ohne allzusehr in die Breite zu gehen.
Also bat ich eben doch meine Mutter, mir Ableger von ihrem greisen Bogenhanf zu schenken, der gut und gern so alt sein wird wie ich.
Dabei handelte es sich um den Kneipen-Klassiker schlechtin: Sansevieria trifasciata "Laurentii" - seit jeher heiß geliebt oder glühend gehasst. Ich beschloss, ihn zur Abwechslung mal zu lieben.
Und er hat es verdient: Toleriert Heizungs- wie Zugluft, verzeiht kleinere Nachlässigkeiten und größere Urlaube ohne Pflege und sieht immer gut dabei aus. Schädlinge können ihm den Buckel runterrutschen.
Den Bogenhanf kann man mittlerweile in allen möglichen Sorten wieder käuflich erwerben.
Aber das kann man auch lassen, wenn man jemanden kennt, der noch so ein Schmuckstück besitzt.
Am besten ist natürlich so ein altehrwürdiges Exemplar mit Kultfaktor - aus der Zeit, als die Welt noch schwarz-weiß war.
Die Pflanze kann man ganz leicht teilen - selbst, wenn die Ableger nur eine homöopathische Dosis Wurzeln mit auf den Weg bekommen haben, das wird schon. Die Sansevieria bringt so schnell nichts um.
Ganz Geduldige können sich auch an Blattstecklingen versuchen.
Und wer sich die ganze Bogenhanf-Bande trotz nachweislicher Braune-Daumen-Toleranz dann doch nicht so recht zutraut, der versuche es doch einmal mit selbstgebastelten Sansevierien-Püppchen.
Aber beschwere er sich nachher nicht, dass die nicht blühen!
Das ist nämlich die größte Ehre, die einem eine Sansevieria zuteil werden lassen kann - der Duft ist unbeschreiblich und kann ein ganzes Zimmer erfüllen - das reinste Raumparfum.
Wer hätte gedacht, dass das ehemalige Kneipenkind so ein Gespür für das Ätherische hat?
Sie waren die schweigenden und unfreiwilligen Gäste verstaubter und verräucherter Bahnhofskneipen und anderer zwielichtiger Etablissements.
Sie wurden als Aschenbecher missbraucht oder mussten als beblätterter Büroinsasse so manche Tasse kalten Kaffee verschwinden lassen, was gleichzeitig ihre einzige Gelegenheit darstellte, überhaupt Nahrung in flüssiger Form aufzunehmen. Denn das Gießen wurde oft einfach gänzlich unterschlagen.
Sie waren das pflanzengewordene Symbol für Tristesse und Einsamkeit schlechthin.
Und doch: Diese Zimmerpflanze mit Migrationshintergrund hat es trotzdem geschafft. Die grünste Nebensache der Welt hat sich durchgebissen.
Es handelt sich um die Sansevieria, den Bogenhanf, oder auch gar nicht liebevoll Schwiegermutterzunge genannt. Sansevieria, die Verkannte, die stiefmütterlicher behandelt wurde als jedes Stiefmütterchen.
Einen geradezu legendär schlechten Ruf hatte Sansevieria trifasciata inne. Gerade sie musste wie keine zweite als Mauerblümchen vielen Glasbauwänden den letzten Schliff geben und schmückte so manches öde Treppenhaus.
Dabei ist ihre Anspruchslosigkeit sprichwörtlich: Zuviel Wasser bringt sie eher um als zuwenig.
Die ideale Pflanze für Gießmuffel und vergessliche Zeitgenossen!
Nach jahrzehntelanger Funkstille sieht man sie zum Glück erneut überall.
Und schon wieder bewohnen sie Kneipen, doch diesmal können sie sich was drauf einbilden, sind es doch in der Regel schicke Szenelokale, die die Sansevierie als Stilmittel wiederentdeckt haben - denn was dem Küchenchef der reduzierte Aceto Balsamico an Rucola-Salat, ist dem Innenarchitekten die Sansevierie.
Doch können Pflanzen denn tatsächlich ganz ohne fremde Hilfe altmodisch sein oder gar spießig?
Da sie hauptberuflich aussehen wie eine grüne Skulptur, sind Sansevierien eher für das moderne Wohnzimmer als für den Landhausstil geeignet. Im richtigen Übertopf und als Alleinherrscher auf der Fensterbank sind sie durchaus ein extravaganter Blickfang.
Ich gebe zu, auch bei mir war es keine Liebe auf den ersten Blick. Ich war mit dem Bogenhanf am Wohnzimmerfenster großgeworden und war fest entschlossen, nicht auch noch mit ihm alt zu werden.
Aber manchmal ist es eben höhere Gewalt - und die kam in Form von diversen Plagen wie Thripse und Spinnmilben über alle Pflanzen, die eine schöne grüne Senkrechte an mein eigenes, sonniges Wohnzimmerfenster zaubern sollten, aber bitte ohne allzusehr in die Breite zu gehen.
Also bat ich eben doch meine Mutter, mir Ableger von ihrem greisen Bogenhanf zu schenken, der gut und gern so alt sein wird wie ich.
Dabei handelte es sich um den Kneipen-Klassiker schlechtin: Sansevieria trifasciata "Laurentii" - seit jeher heiß geliebt oder glühend gehasst. Ich beschloss, ihn zur Abwechslung mal zu lieben.
Und er hat es verdient: Toleriert Heizungs- wie Zugluft, verzeiht kleinere Nachlässigkeiten und größere Urlaube ohne Pflege und sieht immer gut dabei aus. Schädlinge können ihm den Buckel runterrutschen.
Den Bogenhanf kann man mittlerweile in allen möglichen Sorten wieder käuflich erwerben.
Aber das kann man auch lassen, wenn man jemanden kennt, der noch so ein Schmuckstück besitzt.
Am besten ist natürlich so ein altehrwürdiges Exemplar mit Kultfaktor - aus der Zeit, als die Welt noch schwarz-weiß war.
Die Pflanze kann man ganz leicht teilen - selbst, wenn die Ableger nur eine homöopathische Dosis Wurzeln mit auf den Weg bekommen haben, das wird schon. Die Sansevieria bringt so schnell nichts um.
Ganz Geduldige können sich auch an Blattstecklingen versuchen.
Und wer sich die ganze Bogenhanf-Bande trotz nachweislicher Braune-Daumen-Toleranz dann doch nicht so recht zutraut, der versuche es doch einmal mit selbstgebastelten Sansevierien-Püppchen.
Aber beschwere er sich nachher nicht, dass die nicht blühen!
Das ist nämlich die größte Ehre, die einem eine Sansevieria zuteil werden lassen kann - der Duft ist unbeschreiblich und kann ein ganzes Zimmer erfüllen - das reinste Raumparfum.
Wer hätte gedacht, dass das ehemalige Kneipenkind so ein Gespür für das Ätherische hat?
Freitag, 28. Januar 2011
Moderne Zeiten
Aha. Das Trendbarometer hat also mal wieder Neues zu berichten und schon grübelt man, ob man jetzt völlig spießig und unmodern ist.
Nicht genug, dass uns die Mode jedes Jahr wieder zur kritischen Durchsicht des Kleiderschranks zwingt, jetzt macht uns auch noch die Blumenindustrie ein schlechtes Gewissen.
Der Zimmerpflanzentrend geht nämlich weg vom kleinteiligen, wuseligen Blumenfenster, hin zu riesigen Solisten, je größer, desto besser.
Okay, mit ein paar Urwaldriesen kann ich auch aufwarten, aber das Wohnzimmerfenster sieht in der Tat aus wie ein Pflanzenkindergarten auf Wandertag - hier ein Babygeldbaum, dort ein Echeverien-Kindel, dazwischen auch noch ein Blattsteckling von Sansevieria cylindrica, der natürlich schief angewachsen ist und so lustig Schlagseite hat wie nach einer durchzechten Nacht.
Über all diesem unruhigen Gewimmel thront würdevoll mit eiserner Contenance der alte Geldbaum. Die ganze bunte Bagage wird darüberhinaus flankiert von zwei Sansevieria trifasciata-Töpfen, die streng und aufrecht wie Gouvernanten über die Krabbelgruppe wachen - so wie weiland Fräulein Rottenmeyer.
(Gibt es möglicherweise ein pflanzliches Pendant zum "Animal hoarding"? Ich mache mir ernsthaft Sorgen.)
Das Ganze Durcheinander würde eventuell so eben noch der Stilpolizei entgehen, wenn die Töpfe wenigstens einheitlich aussehen würden. Tun sie aber nicht. Schnäppchen, Geschenke und Fundstücke lassen sich in den seltensten Fällen in eine Uniform zwingen.
Frau Katze würde den Trendsettern sicher von Herzen beipflichten, denn die Fensterbank ist auch für ihren Geschmack viel zu voll. Wie gerne würde sie die ganze Fläche zu ihrem Catwalk umwidmen, aber immer steht ein blöder Topf im Weg und hindert beim Fliegenfangen und Meisenbeobachten.
Übersichtlich und aufgeräumt soll sich das Wohnzimmer gefälligst präsentieren mit dezent eingestreuten pflanzlichen "Accessoires":
Ach, Moden und Katze hin oder her, ich habe beschlossen, das Dilemma auszusitzen.
Das kann ich sowieso am besten. Auf dem Sofa, neben meinen Pflanzenkindern.
Ist es nicht bei der Haute Couture auch so, dass sich irgendwann jeder Trend wiederholt - kaum wartet man mal 20 bis 30 Jahre?
Genauso ist es auch bei Zimmerpflanzen. Kommt alles wieder - siehe Sansevieria trifasciata, die das Comeback des 21. Jahrhunderts feiert. So unmodern ist meine Fensterbank also doch nicht, halleluja!
Die als Stilmittel gehandelten Pflanzensolitäre sind auch vor allem eines: Sauteuer!
Gerade die in Würde gealterten, langsam wachsenden Vertreter, die so richtig was hermachen, sind unbezahlbar. Nie würde man sich verzeihen, so ein kostbares Exemplar zu Tode gegossen oder einer marodierenden Horde Spinnmilben überlassen zu haben.
Günstig und überall zu haben sind der altbekannte Gummibaum, Ficus benjamini, Dracaena marginata oder Schefflera.
Beim Discounter bekommt man so ein Exemplar in der Größe 1,40 - 1,60 Meter für etwa 10 Euro.
Die sind dann aber in dieser immer noch bescheidenen Größe gleich wieder am Rande von langweilig und haben nicht das Zeug, die eigene Wohnung zum Stilolymp zu erheben.
Gefragter ist da schon die Geigenfeige, Ficus lyrata. Die ist nicht allzu teuer und wächst schnell, allerdings auch schnell über ihre Verhältnisse hinaus, so dass alsbald Folgekosten in Form eines neuen Wintergartens anstehen - oder die Schere.
Extravagant und ein echter Blickfang ist die Drachenbaum-Sippschaft, nämlich die eher selten in Wohnungen anzutreffenden Dracaena deremenis, Dracaena fragrans und Dracaena reflexa. Letztere wächst sehr langsam, wird aber im Alter gigantisch. Am ehesten zum Turbo neigt D. fragrans. Alle genannten Drachenbäume kann man ganz einfach über Stecklinge vermehren, die im Wasserglas leicht bewurzeln.
Palmen oder gar Palmfarne sind extrem angesagt, aber leider relativ teuer und überdies eher empfindlich.
Zu meiner Ehrenrettung greift möglicherweise ein altes, ausuferndes Einblatt (Spathiphyllum) ein, welches das Wohnzimmer dominiert und vehement mit seinem Blattwerk ins abendliche Fernsehprogramm eingreift.
Irgendwie wirken in letzter Zeit selbst die Nachrichten so merkwürdig tropisch.
Letzten Endes gibt es doch auch Wichtigeres, als in Sachen Zimmerpflanzen jedem Trend hinterherzueilen. Ökologisch wäre das sowieso nicht - Wegwerfmentalität lässt grüßen.
Und haben nicht auch die teuren Geldbaummethusalems aus den Hochglanz-Werbebroschüren der Blumenindustrie mal ganz klein angefangen?
Vielleicht als Blattsteckling in einem winzigen Topf, so wie meine Kindergartengruppe.
Nicht genug, dass uns die Mode jedes Jahr wieder zur kritischen Durchsicht des Kleiderschranks zwingt, jetzt macht uns auch noch die Blumenindustrie ein schlechtes Gewissen.
Der Zimmerpflanzentrend geht nämlich weg vom kleinteiligen, wuseligen Blumenfenster, hin zu riesigen Solisten, je größer, desto besser.
Okay, mit ein paar Urwaldriesen kann ich auch aufwarten, aber das Wohnzimmerfenster sieht in der Tat aus wie ein Pflanzenkindergarten auf Wandertag - hier ein Babygeldbaum, dort ein Echeverien-Kindel, dazwischen auch noch ein Blattsteckling von Sansevieria cylindrica, der natürlich schief angewachsen ist und so lustig Schlagseite hat wie nach einer durchzechten Nacht.
Über all diesem unruhigen Gewimmel thront würdevoll mit eiserner Contenance der alte Geldbaum. Die ganze bunte Bagage wird darüberhinaus flankiert von zwei Sansevieria trifasciata-Töpfen, die streng und aufrecht wie Gouvernanten über die Krabbelgruppe wachen - so wie weiland Fräulein Rottenmeyer.
(Gibt es möglicherweise ein pflanzliches Pendant zum "Animal hoarding"? Ich mache mir ernsthaft Sorgen.)
Das Ganze Durcheinander würde eventuell so eben noch der Stilpolizei entgehen, wenn die Töpfe wenigstens einheitlich aussehen würden. Tun sie aber nicht. Schnäppchen, Geschenke und Fundstücke lassen sich in den seltensten Fällen in eine Uniform zwingen.
Frau Katze würde den Trendsettern sicher von Herzen beipflichten, denn die Fensterbank ist auch für ihren Geschmack viel zu voll. Wie gerne würde sie die ganze Fläche zu ihrem Catwalk umwidmen, aber immer steht ein blöder Topf im Weg und hindert beim Fliegenfangen und Meisenbeobachten.
Übersichtlich und aufgeräumt soll sich das Wohnzimmer gefälligst präsentieren mit dezent eingestreuten pflanzlichen "Accessoires":
Szene auf der Landesgartenschau Hemer 2010
Ach, Moden und Katze hin oder her, ich habe beschlossen, das Dilemma auszusitzen.
Das kann ich sowieso am besten. Auf dem Sofa, neben meinen Pflanzenkindern.
Ist es nicht bei der Haute Couture auch so, dass sich irgendwann jeder Trend wiederholt - kaum wartet man mal 20 bis 30 Jahre?
Genauso ist es auch bei Zimmerpflanzen. Kommt alles wieder - siehe Sansevieria trifasciata, die das Comeback des 21. Jahrhunderts feiert. So unmodern ist meine Fensterbank also doch nicht, halleluja!
Die als Stilmittel gehandelten Pflanzensolitäre sind auch vor allem eines: Sauteuer!
Gerade die in Würde gealterten, langsam wachsenden Vertreter, die so richtig was hermachen, sind unbezahlbar. Nie würde man sich verzeihen, so ein kostbares Exemplar zu Tode gegossen oder einer marodierenden Horde Spinnmilben überlassen zu haben.
Günstig und überall zu haben sind der altbekannte Gummibaum, Ficus benjamini, Dracaena marginata oder Schefflera.
Beim Discounter bekommt man so ein Exemplar in der Größe 1,40 - 1,60 Meter für etwa 10 Euro.
Die sind dann aber in dieser immer noch bescheidenen Größe gleich wieder am Rande von langweilig und haben nicht das Zeug, die eigene Wohnung zum Stilolymp zu erheben.
Gefragter ist da schon die Geigenfeige, Ficus lyrata. Die ist nicht allzu teuer und wächst schnell, allerdings auch schnell über ihre Verhältnisse hinaus, so dass alsbald Folgekosten in Form eines neuen Wintergartens anstehen - oder die Schere.
Extravagant und ein echter Blickfang ist die Drachenbaum-Sippschaft, nämlich die eher selten in Wohnungen anzutreffenden Dracaena deremenis, Dracaena fragrans und Dracaena reflexa. Letztere wächst sehr langsam, wird aber im Alter gigantisch. Am ehesten zum Turbo neigt D. fragrans. Alle genannten Drachenbäume kann man ganz einfach über Stecklinge vermehren, die im Wasserglas leicht bewurzeln.
Palmen oder gar Palmfarne sind extrem angesagt, aber leider relativ teuer und überdies eher empfindlich.
Zu meiner Ehrenrettung greift möglicherweise ein altes, ausuferndes Einblatt (Spathiphyllum) ein, welches das Wohnzimmer dominiert und vehement mit seinem Blattwerk ins abendliche Fernsehprogramm eingreift.
Irgendwie wirken in letzter Zeit selbst die Nachrichten so merkwürdig tropisch.
Letzten Endes gibt es doch auch Wichtigeres, als in Sachen Zimmerpflanzen jedem Trend hinterherzueilen. Ökologisch wäre das sowieso nicht - Wegwerfmentalität lässt grüßen.
Und haben nicht auch die teuren Geldbaummethusalems aus den Hochglanz-Werbebroschüren der Blumenindustrie mal ganz klein angefangen?
Vielleicht als Blattsteckling in einem winzigen Topf, so wie meine Kindergartengruppe.
Freitag, 21. Januar 2011
Halali!
Obacht allerseits! Wer einen Stadtpark oder eine öffentliche Grünfläche persönlich kennt, sollte ab sofort nicht mehr ohne Gartenschere aus dem Haus gehen!
Die Stadtgärtner haben nämlich schon zum Angriff auf Gebüsche, Sträucher und Bäume geblasen.
Und so liegt die Jagdstrecke dann für mehrere Tage bis Wochen zur Anschauung bereit.
Wer zum Freiluft-Mikadospielen keine rechte Lust hat, der kann sich aus der Schnittmenge seine eigene Hecke ziehen.
Materialentnahme stört sicher niemanden, am allerwenigsten die Gärtner, die somit weniger Mühe beim Zusammensammeln und Zerkleinern haben. Vorausgesetzt natürlich, man hinterlässt beim Aussuchen der vermehrungsfreudigsten Äste kein mittleres Chaos.
Je nach botanischer Grundausstattung der Grünfläche ist die Gemengelage mal mehr oder mal weniger artenreich.
Wenn man Pech hat, gibt es nur Haselhaufen weit und breit.
Wer ganz großes Glück hat, der findet einen schön buntgemischten Haufen, und das ist tatsächlich wörtlich zu nehmen, denn was sich am allereinfachsten aus Zweigen vermehren lässt, ist Hartriegel.
Den gibt es in leuchtend rot und grün - Cornus alba und Cornus sanguinea in Sorten.
Solche Astansammlungen kann man kaum übersehen und wird geradezu magisch hingezogen, denn ein bisschen Farbe in dieser Jahreszeit ist ein echter Magnet.
Zuhause dann ab in die nächstgelegene Vase mit der Beute, Wasser drauf und abwarten.
In der wohligen Wärme beginnen die Zweige bald zu sprießen - optimal wäre oben und unten.
Nicht alle Arten eignen sich für diese Art der Vermehrung. Die Kornelkirsche zum Beispiel blühte wunderbar in der Vase, weigerte sich dann aber beharrlich, mit Wurzelmasse rauszurücken.
Zum Glück gibt sie aber noch einen ganz passablen kostenlosen Osterstrauch ab.
Arten, die ich schon erfolgreich aus winterlicher Schnittmasse in der Vase bewurzelt habe, sind:
Im schlimmsten Fall hat man eine zeitlang eine langweilig aussehende Vase mit Zweigödnis herumstehen.
Sollte der Wiederbelebungsversuch von Erfolg gekrönt sein, kann man die selbst vermehrten Sträucher vom Wasser entwöhnen und einpflanzen. Wir wollen ja nicht, dass sie am Ende Schwimmhäute bekommen.
Bald kann man sich dann an seiner selbstgezogenen Hecke erfreuen.
Also, ich wünsche euch guten Jagderfolg und "Gut Holz"!
Die Stadtgärtner haben nämlich schon zum Angriff auf Gebüsche, Sträucher und Bäume geblasen.
Und so liegt die Jagdstrecke dann für mehrere Tage bis Wochen zur Anschauung bereit.
Wer zum Freiluft-Mikadospielen keine rechte Lust hat, der kann sich aus der Schnittmenge seine eigene Hecke ziehen.
Materialentnahme stört sicher niemanden, am allerwenigsten die Gärtner, die somit weniger Mühe beim Zusammensammeln und Zerkleinern haben. Vorausgesetzt natürlich, man hinterlässt beim Aussuchen der vermehrungsfreudigsten Äste kein mittleres Chaos.
Je nach botanischer Grundausstattung der Grünfläche ist die Gemengelage mal mehr oder mal weniger artenreich.
Wenn man Pech hat, gibt es nur Haselhaufen weit und breit.
Wer ganz großes Glück hat, der findet einen schön buntgemischten Haufen, und das ist tatsächlich wörtlich zu nehmen, denn was sich am allereinfachsten aus Zweigen vermehren lässt, ist Hartriegel.
Den gibt es in leuchtend rot und grün - Cornus alba und Cornus sanguinea in Sorten.
Solche Astansammlungen kann man kaum übersehen und wird geradezu magisch hingezogen, denn ein bisschen Farbe in dieser Jahreszeit ist ein echter Magnet.
Zuhause dann ab in die nächstgelegene Vase mit der Beute, Wasser drauf und abwarten.
In der wohligen Wärme beginnen die Zweige bald zu sprießen - optimal wäre oben und unten.
Nicht alle Arten eignen sich für diese Art der Vermehrung. Die Kornelkirsche zum Beispiel blühte wunderbar in der Vase, weigerte sich dann aber beharrlich, mit Wurzelmasse rauszurücken.
Zum Glück gibt sie aber noch einen ganz passablen kostenlosen Osterstrauch ab.
Arten, die ich schon erfolgreich aus winterlicher Schnittmasse in der Vase bewurzelt habe, sind:
- Cornus alba
- Cornus sanguinea
- Liguster
- Weidenblättriger Spierstrauch (Spiraea salicifolia)
- Efeu
- Weiden
Im schlimmsten Fall hat man eine zeitlang eine langweilig aussehende Vase mit Zweigödnis herumstehen.
Sollte der Wiederbelebungsversuch von Erfolg gekrönt sein, kann man die selbst vermehrten Sträucher vom Wasser entwöhnen und einpflanzen. Wir wollen ja nicht, dass sie am Ende Schwimmhäute bekommen.
Bald kann man sich dann an seiner selbstgezogenen Hecke erfreuen.
Also, ich wünsche euch guten Jagderfolg und "Gut Holz"!
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